Suche nach wernigerode

  • Vor 500 bis 700 v.d.Z. existiert an der Holtemme zwischen dem heutigen Reddeber und dem heutigen Wernigerode (heute das Gelände eines Betriebes der Photovoltaik-Branche) eine kleine eisenzeitliche Siedlung von zwei oder drei Gehöften. Die Bewohner betreiben Schafzucht und verarbeiten die Wolle. Sie gewinnen aus Eisenerzen mit Hilfe eines Rennofens Eisen.
    Volksstimme - 06.05.2013 S.7
  • Das gesamte Gebiet des heutigen Wernigerode und seiner Ortsteile gehört ab dem 8. Jahrhundert zum Harzgau ("hart" = Wald), einer mittelalterlichen Gaugrafschaft, die westlich von der Oker, nördlich vom "Großen Bruch", östlich von der Bode und südlich vom nahezu undurchdringlichen Urwald begrenzt wird. Nach dem Untergang des "Thüringer Reiches" im Jahr 531, zu dem auch die Region des Nordharzes gehörte, kam es zur Entvölkerung der Gegend. Alte Orts- und Flurnamen weisen noch heute auf die Mischbevölkerung der Harzregion hin, z.B. auf die aus dem heutigen Jütland eingewanderten Warnen (-leben, wie Minsleben) oder die Langobarden (-ingen, wie Süpplingen). Nach der endgültigen Unterwerfung der Sachsen durch die karolingischen Franken im Jahr 804 dringt in unsere Region aus Richtung Westen neben Sachsen die fränkische Oberschicht ein.
    Der Harz - Monatsschrift des Harzklubs Jahrgang 1922
  • Vermutlich wird Wernigerode im 9. Jahrhundert als Rodungssiedlung gegründet. Bodenfunde lassen darauf schließen, dass die Kernrodung auf dem heutigen Klint (Klint=Hügel) erfolgte. Im 9. Jahrhundert sind in unserer Region Mönche des Klosters Corvey missionierend unterwegs. Die Vermutung einiger Historiker, dass die Rodung im Auftrage des Abtes Warin vom Kloster Corvey, der 856 verstarb, erfolgt sein könnte, kann, da jeder Beweis für die Richtigkeit fehlt, nicht aufrecht erhalten bleiben. Unzweifelhaft ist die Tatsache, dass im 9. und 10. Jahrhundert viele kleine Siedlungen in der Rodungszeit im Harzgebiet entstehen, deren Ortsnamen die Nachsilbe "-rode" enthalten.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.5
Karolingisches Westwerk des Klosters Corvey an der Weser (UNESCO-Welterbe). Erbaut von 873 bis 885. Das 815 gegründete Kloster war das erste Kloster im Land der Sachsen. Vermutlich waren auch Mönche von Corvey in unserer Region missionierend unterwegs und nahmen Einfluss auf die Gründung von Rodungssiedlungen.
© Wolfgang Grothe
  • Nach einer Chronik von 1566 existiert Wernigerode bereits im Jahr 938.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - s.1
  • In einer Aufzeichnung der Siedlungen um Wernigerode wird eine Siedlung "Bernecinrot" (Benzingerode) erwähnt.
    Benzingerode - Geschichte und Geschichten eines Dorfes am Harzrand (2013) - S.20
  • Der spätere Graf von Wernigerode Albrecht I. ("Adelbertus") stammt aus dem bei Hildesheim gelegenen Haimar und wird dort 1103 erstmals urkundlich erwähnt.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.9
  • Graf Adalbert (Albrecht I.), gest. 1133 (erste Erwähnung eines Grafen von Wernigerode = 1121 Urkunde mit Nennung eines "Adalbertus, comes de Wernigerothe") war vermutlich unter Burgdienstverpflichtung mit einer militärischen Verwaltungsaufgabe auf die Burg verlegt worden.
    Jan Habermann "Die Herrschaftsausweitung der Grafen von Wernigerode am Nordharz (1249-1369)" - S.8
  • Adalbert wird in einer Urkunde als "comes Adalbertus de villa Heymbere" erwähnt. Ab 1117 verstärkt Adalbert, der Ahnherr des Wernigeröder Grafengeschlechts, seine Etablierung am Nordharz, während die alten Grafschaftsrechte westlich der Oker nicht vollständig verloren gehen. Der Streubesitz geht nach und nach in die Hände aufstrebender Territorialkräfte über.
    Jan Habermann "Die Herrschaftsausweitung der Grafen von Wernigerode am Nordharz (1249-1369)"
  • 18. Oktober: Heinrich I. verfügt, dass der Graf von Wernigerode Fischmeister von Sachsen wird (erste urkundliche Nennung eines Grafen von Wernigerode, ein "Albertus comes de Wernigerode" - dieser nimmt an einer Herbstsynode in Halberstadt teil). Dieser Graf Albert ist Verwalter des dortigen Reichsbannforstes und übt Vogteirechte über die Klöster Drübeck und Ilsenburg aus.
    Schlenker, Lehmann, Schellbach "Geschichte Sachsen-Anhalts in Daten" - S.31
  • Der erste Wernigeröder Graf Adalbert stirbt.
  • Als Graf von Wernigerode regiert bis 1165 Albrecht II.
  • Das Kloster Drübeck untersteht bis 1429 der Vogtei der Grafen von Wernigerode.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.13
Romanische Klosterkirche Drübeck um 2000
© Wolfgang Grothe
  • Albrecht III. regiert als Graf von Wernigerode bis 1214.
  • Die Burg Wernigerode wird erstmals urkundlich erwähnt, als "castrum", und zwar in der Regierungszeit des Grafen Adalbert III. von Wernigerode. (Chronik des Klosters auf dem Petersberg). Die Burg war eine Höhenburg auf einem Bergsporn des Agnesberges. Ein möglicher Grafensitz des Großvaters des Grafen, Adalbert "comes de Wernigerothe" existierte als Wasserburg in der Siedlung Wernigerode.
    Jan Habermann "Die Herrschaftsausweitung der Grafen von Wernigerode am Nordharz (1249-1369)" - S.7
  • Bis 1252 regiert Konrad I. die Grafschaft Wernigerode.
  • 17. April: "Conrad, Berthold, Burkhard von Gottes Gnaden Grafen von Wernigerode" verleihen dem Ort das Stadtrecht nach Goslarer Stadtrecht.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode - S.4
Das Rathaus - Wahrzeichen von Wernigerode
© Dieter Oemler
  • Die Jahrzehnte nach der Verleihung des Stadtrechtes am 17. April sind für Wernigerode und seine Bürger mit wachsendem Wohlstand und immer mehr Einfluss nach außen verbunden . Der "Wernigeröder Scheffel" findet als Getreidemaß weite Verbreitung. Zu den ersten Wernigeröder Ratsherren gehören Gottfried der Münzmeister, Dietrich von Damiette und Heinrich der Syrer. All dies deutet auf eine eigene "Wernigeroder Münze" hin und Handelsbeziehungen bis nach Nordafrika.
    Wernigerode - Stadt und Land 1926 Dari Verlag Berlin
Memorientafel, l.Graf zu Wernigerode
© Frank Wiesner
  • Erstmals wird urkundlich für Wernigerode eine Hüttenanlage erwähnt. Vermutlich wird Kupferkies mit dem Ziel der Kupfergewinnung verhüttet.
    Der Harz - Eine Landschaft stellt sich vor - Schriftenreihe des Harzmuseums Wernigerode
  • Am 27. April übertragen die Grafen von Wernigerode das gesamte Recht Goslars und die Bestimmungen über die Aufnahme in die Genossenschaft auf die Kaufmannschaft von Wernigerode.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
Wagen aus dem Festumzug zum 750. Stadtjubiläum
© Dieter Oemler
  • Weihe der Sylvestrikirche als dreischiffige gotische Basilika, wenig später zur Klosterkirche und Grablege der Wernigeröder Grafen umgebaut und 1833-1885 verändert.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.8
  • Im Rechtsbuch "Sachsenspiegel" von Eike von Repkow ist u.a. der Harzwald als Königsbann bezeugt. Darin ist der Königsbesitz seit Karl dem Großen zu sehen, auf den sich die Grafen von Wernigerode berufen.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.2
  • Am 13. Januar verkauft Konrad, Bischof von Hildesheim und das Domkapital daselbst dem Pfarrer Gebhard in Wernigerode für 11 Mark eine "Hufe in Hodal" für die Kirche "Unser Lieben Frauen" in Wernigerode.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • In einer Urkunde des Halberstädter Bischofs Ludolf vom 24. Juli, wird das heutige Hasserode (Rodung am Harz) erstmals urkundlich erwähnt. Darin wird unter anderen auch ein "Ritter Tidericus de Hartsrode" genannt. Besagter Dietrich von Hasserode gehörte zum niederen Adel, der zur Dienstmannschaft der Wernigeröder Grafen gehörte. Gleichzeitig verwaltete er jedoch das Marschallamt der Hochstifts Halberstadt. In einer anderen Quelle erfolgt die Ersterwähnung bereits 1231.
    wikipedia.org - Hasserode
  • Die Regensteiner Grafen lassen auf dem "Horstberg" bei Wernigerode einen Signalturm für das Wehrsystem errichten.
Horstberg-Warte 2017
© Wolfgang Grothe
  • Graf Conrad zu Wernigerode übereignet dem Kloster Ilsenburg Ländereien in Danstedt.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • Konrad II. regiert als Graf von Wernigerode bis 1293.
Ansicht des Schlosses 12./13. Jahrhundert
© Harzbücherei Wernigerode
  • Adelheid, verwitwete Gräfin zu Ravensburg, verkauft an Graf Gebhard zu Wernigerode ihr Eigentum, u.a. "neun Hufen" bei Langeln, zwei bei "Smatfelde" (Schmatzfeld) für 25 Mark Silber, und "weist den Ritter Bertram von Langeln", den sie aus ihren Diensten frei lässt, an den Grafen.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • "St. Sylvstri" (Vorgänger war die romanische Kirche "St. Georg") wird in ein Benediktiner-Chorherrenstift umgewandelt und gleichzeitig Grablege der Wernigeröder Grafen. Die Nicolaikirche wird in diesem Zusammenhang erstmals erwähnt.
    Josef Walz "Der Harz" - S.192
1265 wird die Nicolaikirche erstmals erwähnt. Gemälde von Albert Schöpwinkel (1830-1910)
© Harzmuseum Wernigerode
  • Am 29. Oktober bestätigt Bischof Volrad von Halberstadt das von den Grafen Gebhard und Konrad zu Wernigerode bei der "Sylvesterkirche" daselbst errichtete Chorherrenstift von 10 Chorherren und einem Dechanten, welcher die Seelsorge in der Stadt unter seiner Aufsicht haben soll.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • Die Stadt Wernigerode wird Mitglied der Hanse.
    Schlenker, Lehmann, Schellbach "Geschichte Sachsen-Anhalts in Daten"
  • Das Chorherrenstift zu Wernigerode erwirbt am 4. November eine Hufe Land von Johann aus Langeln.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • Graf Konrad von Wernigerode, ein Urenkel Graf Adalberts, trägt am 20. November "unser Schloss und Stadt" den Markgrafen von Brandenburg unter Zahlung von 200 Mark jährlich als Lehen an. Dieser Schritt empfiehlt sich, da mit dem Tode Friedrichs II. im Jahr 1250 die Zentralgewalt in Deutschland zu zerfallen beginnt.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • Am 21. Dezember verkauft Konrad, Graf zu Wernigerode, den "Stiftsherren zu S. Silvester" vier vogtei- und lastenfreie Hufen zu Silstedt für 122 Mark.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • Von 1269 bis 1370 sind die Grafen von Wernigerode auch Lehnsherren der Harzburg.
  • Die Bürgerschaft Wernigerodes kauft dem Grafen die Stadtbefestigung für 70 Pfund Silber (70 Halberstädter Mark) ab und erwirbt das Zollrecht an den drei Stadttoren.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode - S.12  
Westerntor
© Dieter Oemler
  • Die St. Johanniskirche wird erstmals urkundlich erwähnt. Der Westturm und das südliche Querhaus stammen aus der Entstehungszeit des romanischen Baues (Altarweihe durch den Halberstädter Bischof Volrad im Jahr 1279). Die Kirche ist heute in ihrer Gesamtsubstanz die älteste erhaltene Kirche von Wernigerode.
    PEDA Kunstführung - Wernigerode St. Johannis - S.4
St. Johannis
© Wolfgang Grothe
  • "Anno der Jüngere von Hartesrode" (Hasserode) "spendet" eine Hufe und einen Hof zu "Dannenstedt" (Danstedt), welche "Lehen waren vom Bischof Volrad zu Halberstadt", dem Sylvesterstift zu Wernigerode "für die armen Schüler, welche zu Chor gehen".
    Bayerische Staatsbibliothek digital - "Geschichte der gräflichen Häuser und Grafschaften Wernigerode, Stolberg, Roßlau, Hohnstein" 1844
  • Die Grafen von Wernigerode ziehen im Verbund mit den Grafen von Hohnstein, Mansfeld und Regenstein gegen den Herzog von Braunschweig und zerstören dessen Burganlagen.
  • Aus einer Urkunde vom 29. September geht hervor, dass Anno der Ältere von Hartesrode zwei Hufen Land (etwa 7 ha = 70.000 Quadratmeter) bei Athenstedt und Langeln dem Petersaltar zu Wernigerode stiftete. Diese Urkunde enthält erstmals ein Siegel mit einem Stadtwappen für Wernigerode.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.8
  • Die Wernigeröder Grafen Albert und Friedrich beurkunden, dass sie das Eigentum einer Hufe, gelegen vor "Ercksleve", dem Armenhaus Wernigerode übereignen.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Am 26. November verkauft der in Wernigerode ("incivitata wernigerod commorans") wohnende Ritter Bernhard von Olvenstedt dem Jungfrauenkloster Stötterlingenburg den Zehnten zu "Biscopingerod".
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • Die nördlichste der Wernigeröder Warten im Zuge der "Landwehr" neben "Hagenturm", "Neue Turm-Warte", "Fikenburg-Warte" und "Horstbergwarte" ist die "Krebswarte", unmittelbar an der alten, von Wernigerode nach Veckenstedt führenden Heerstraße und im Bereich der Wüstungen "Steinbrok" und "Wenden", westlich am Rammelsbach und der Wüstung "Thiederingerode" östlich.
    Friedrich Stolberg "Befestigungsanlagen im und am Harz - Von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit"
  • Die Wernigeröder, Hohnsteiner, Mansfelder und Regensteiner Grafen überfallen das Kloster Walkenried.
  • In der Bilderhandschrift des "Sachsenspiegels" ist der Wernigeröder Graf (zwei Forellen zieren sein Wappen) dargestellt. Die Forellen verweisen auf den Fischreichtum der Harzbäche.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.11
Wernigeröder Graf
© Konrad Breitenborn
  • Die Stapelburg wird als Straßenschutzburg an der Ost-West-Handelsstraße und der Goslarer Heerstraße durch den Grafen von Wernigerode über dem ehemaligen Dorf Wendelburgerode gegründet. Die Schutzburg ist zunächst nur eine kreisrunde Anlage von 50 Meter Durchmesser.
    Friedrich Stolberg - Befestigungsan im und am Harz von der frühgeschichte bis zur Neuzeitlagen
  • In diesem Jahr kommt es zu einem Streit zwischen den Wernigeröder Grafen Albert und Friedrich und den Mönchen des Klosters Ilsenburg. Der Abt beklagt sich beim Papst, die Brüder würden sich immer stärker in die Verwaltung des Klosters einmischen. Sie hätten rechtswidrig die Steuern des Klosters erhöht und weitere Geldforderungen gestellt. Schließlich weigert sich der Abt zu zahlen. Der Streit weitet sich in eine blutige Fehde aus. Der Papst nennt die Brüder "Söhne des Bösen" und verhängt über die "Mordbrenner" den Kirchenbann.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.12
  • Am 5. Februar stiftet Albrecht, Graf von Wernigerode, für die St. Nicolaikirche einen neuen Altar mit der Verpflichtung, dass der Vikar alltäglich seine Messe halten und zum "der Schlage der letzten Matudin singen, auch dem Dechenten zu Wernigerode die Obedienz leisten soll".
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode - WR  I/VII/B/4/1
  • Am 12. September willigt Bischof Albrecht von Halberstadt ein, dass das Jungfrauenkloster zu Blankenburg eineinhalb "Malten Getreide zinsende Hufen zu Langeln für 28 Mark" an die "Rathmannen zu Wernigerode" verkauft, damit die "verschuldeten Jungfrauen von Gläubigern und Wucherern" verschont bleiben.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • In Wernigerode ist urkundlich eine Kupferhütte belegt (Heideviertel).
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.9
  • Am 19. Januar fällt der als "erbetener Schiedsrichter" in den großen Streitigkeiten zwischen den Grafen zu Wernigerode und dem Kloster Ilsenburg hinzugezogene Markgraf Woldemar zu Brandenburg auf der Grundlage des "Sachsenspiegels" ein Urteil gegen die Grafen.
    Nachrichten zur Gelehrten Geschichte der Grafschaft Wernigerode (1779) - Jacob Heinrich Delius - S.24
  • Der Abt des Ilsenburger Klosters erkennt auf der Burg Wernigerode die Vogteirechte der Grafen an.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.13
  • In einer Urkunde wird eine "Grafschaft Wernigerode" erwähnt (Landesheimatbund).
  • In Wernigerode kommt es zu einem ersten großen Stadtbrand.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.12
  • Erstmals wird ein Wach- und Wehrdienst genannt, der auch für die Absicherung der Stadtmauer zuständig ist. Der Wernigeröder Graf Friedrich II. gilt als politisch hervortretender Potentat. im Nordharzer Herrschaftsraum.
    Jan Habermann "Die Herrschaftsausweitung der Grafen von Wernigerode am Nordharz (1249-1369)" - S.1
Ältestes Siegel des Grafen Friedrich (II) von Wernigerode aus dem Jahre 1328
© Jan Habermann
  • Wiederholt kommt es zu Kämpfen zwischen den Wernigeröder und Regensteiner Grafen.
  • Auf dem Schloss Wernigerode werden die Wehrtürme "Grauer Turm" und "Oberer Turm" sowie der Hausmannsturm gebaut.
  • Graf Conrad zu Wernigerode borgt sich von den Ratsleuten von Wernigerode 60 Mark zu 6 Mark jährlichen Zins.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • Nach ihrer Niederlage müssen die Regensteiner Grafen zugunsten der Wernigeröder Grafen in einem Vertrag auf viele Besitzungen verzichten. Es entsteht die Grafschaft Wernigerode als geschlossenes Gebiet um Burg und Stadt.
    Jan Habermann "Die Herrschaftsausweitung der Grafen von Wernigerode am Nordharz (1249-1369)"
  • Im Vertrag zwischen dem Grafen von Wernigerode und dem als Raubgrafen berüchtigten Albrecht von Regenstein vom 26. Juni 1343 muss der Regensteiner die Dörfer Hasserode, Minsleben, Silstedt, Reddeber, Langeln und Wasserleben an die Grafschaft Wernigerode abtreten, deren Territorium sich dadurch um das Doppelte vergrößert. Von vielen Historikern wird dieser Tag als "eigentlicher Geburtstag der Grafschaft" bezeichnet.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.141
  • Die Übernahme der Gerichtsbarkeit und endgültige Einordnung des Dorfes Minsleben in die Grafschaft Wernigerode durch die Grafen von Wernigerode ist das Ergebnis der Fehde mit dem Regensteiner.
    1000 Jahre Minsleben - Eine Landgemeinde im Wandel der Zeiten
  • Oberste Berg- und Lehnsherren von Hasserode sind der Bischof und das Domkapitel von Halberstadt. Die Lehnsträger sind ab 1343 die Grafen von Wernigerode.
    Christian Grubert "Kleine Hasseröder Bergbau-Chronik"
  • Zwischen dem Erzbischof von Magdeburg, den Bischöfen von Halberstadt und Hildesheim, den Grafen von Wernigerode, Regenstein, Hohnstein, Mansfeld, Barby, Lindau-Ruppin und den Herren von Hadmersleben, Querfurt und Hakeborn wird eine Landfriedensvereinbarung abgeschlossen.
    Schlenker, Lehmann, Schellbach "Geschichte Sachsen-Anhalts in Daten" - S.61
  • Am Anfang des 14. Jahrhunderts wird durch Graf Konrad zu Wernigerode das Hospital zu St.Georgii gegründet. Am 6. April wird die Existenz der dazu gehörigen Kapelle beurkundet. Die Kapelle lag außerhalb der Stadtmauern und diente ursprünglich für die aus der Gemeinschaft ausgestoßenen Pest- und Leprakranken.
    Walter Looke (1901-1986) Heimatforscher, Verkehrsdirektor im Städtischen Verkehrsamt Wernigerode
Die Georgie-Kapelle auf einem Gemälde aus dem Jahr 1865
© Harzbücherei Wernigerode
  • Der "Schwarze Tod" hat vermutlich auch in Wernigerode, wie in großen Teilen Europas, die Hälfte der Bevölkerung dahingerafft. (Dies hatte für die demographische und ökonomische Entwicklung der Stadt in den folgenden Jahrhunderten verheerende Auswirkungen). Ein Chronist schreibt: "Was das Oberhartzische Bergwerck anlanget / so hat der Allerhöchste dasselbe eingestellet durch eine sonderliche Zornruthe / mit welcher er vier ganze Jahr angehalten und zugeschlagen. Sintemal im Jahr 1348 eine solche Pestilenz sich ereuget / daß gantze Flecken und Dörfer ausgestorben / und wüste worden / jung und alt ehe man sichs versehen und etwas Kranckheit an ihnen verspüret / in dem sie noch lustig und guter Dinge gewesen / sind hingefallen / und in einem Augenblick des Todes gewesen / ja es ist kaum der vierdte Theil dieser Menschen lebendig geblieben".
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst"
  • Die erste urkundliche Erwähnung der Wernigeröder Harburg spricht von Hardenberg.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Nummer 187, 3. Vierteljahr - September 1981
  • Graf Konrad zu Wernigerode verkauft den Gebrüdern Selde aus Goslar seinen Hof bei der Silvesterkirche, den vormals sein Oheim Graf Walter bewohnt hat, für 84 Mark mit der Erlaubnis, denselben genannter Kirche zu vermachen.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • Die Lage ist gekennzeichnet von Feindseligkeiten zwischen den Wernigeröder Grafen auf der einen und den Braunschweigern und Magdeburgern auf der anderen Seite. Graf Conrad wird gefangen genommen. Darauf gibt sich Graf Dietrich in die Gnade des Erzbischofs Ludolff von Magdeburg und erwirkt für "490 Mark" die Freilassung Conrads. Die Wernigeröder Grafen Conrad und Dietrich erkennen den Erzbischof von Magdeburg als Lehnsherrn an.
    Zedlers Großes Universallexikon - Band 55, S.492
  • Landfriedensversammlung in Braunschweig. Dem dort geschlossenen Landfriedensbund schließen sich die Wernigeröder Burgherren Conrad und Dietrich an.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.133
  • Graf Busso von Regenstein tritt als Kläger und Geschädigter gegen den Wernigeröder Grafen Dietrich auf, weil dieser ohne Ansage die Burg Regenstein überfallen und damit gegen den zwei Jahre zuvor geschlossenen Landfriedensbund verstoßen hatte.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.21
  • 22. Juli: Graf Dietrich von Wernigerode stellt sich nach Aufforderung seines Lehnsherren (des Erzbischofs von Magdeburg) einem adligen Ehrengericht (nach altgermanischer Sitte unter freiem Himmel-vermutlich bei der Stapelburg). Nach erfolgtem Schuldspruch wird Graf Dietrich als Landfriedensbrecher am gleichen Tag hingerichtet. Sein Bruder Graf Heinrich ließ ihm zu Ehren eine Sühnekapelle (Theobaldi) errichten.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.21
Theobaldikapelle, die als Sühnekapelle für den Wernigeröder Grafen Dietrich erbaut worden sein soll
© Dieter Oemler
  • Graf Conrad zu Wernigerode gibt dem Spital, vermutlich "St. Nicolai", in Wernigerode vier Hufe Land, drei Hufe zwischen der Stadt und dem Reddeberholze und eine auf dem Marklingeröder Felde.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • In Wernigerode existieren Zünfte der Bäcker und Schmiede.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.10
  • In der Urkunde bestätigt Graf Cord zu Wernigerode, dass der "Rat zu Wernigerode gegeben habe dem Capitel Unser Lieben Frauen zu Halberstadt 2 1/2 Hufe Landes zu Zillingen, dienst- und schossfrei, wofür er dem Rat 2 Hufe auf dem Felde zu Waterleve mit allem Zubehör, auch dienst- und schossfrei" überlassen hat.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
 Urkunde aus dem Jahr 1396
© Stadtarchiv Wernigerode WR I/I/A/1
  • Bis Ende des 14. Jahrhunderts befinden sich an der Spitze der Wernigeröder Ratsversammlung nur Ritter und Personen des niederen Adels.
    Nachrichten zur Geschichte der Landstände in der Grafschaft Wernigerode - Verlag Struck 1817
  • In ihrem Rechtsstatus gliedert sich die Bevölkerung von Wernigerode in Ritter, Konsuln und Bürger. Neben diesen gibt es "Mitwohner", die über kein Bürgerrecht verfügen. Bis um 1400 bilden den Rat der Stadt, also die "Konsuln", die Ritter und Kaufleute. Auch das Amt des Land- und Stadtvogts wird von Rittern im Auftrag des Grafen wahrgenommen.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"
  • Die Ritter treten in der Stadt kaum noch in Erscheinung. Die Bürgerschaft, besonders die Handwerker und Kaufleute, vertritt im Rat die Interessen der Bevölkerung. In Wernigerode hatte sich nie ein Patrizierstand herausgebildet. Als gräfliche Dienstleute verfügten die adligen Ritter in der Stadt über einen von Abgaben freien Ritterhof. Die Ritter unterstanden dem Grafen und standen ihm auch für den Kriegsdienst zur Verfügung.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"
  • Zur "Wernigeröder Landwehr" gehört neben der "Horstbergwarte" und der "Neuen Turm-Warte" die Warte auf dem Burghügel der "Fikenburg", 600 Meter östlich von Reddeber an der Holtemme. Vermutlich war die "Fikenburg" ein Herrensitz aus Ottonischer Zeit.
    Friedrich Stolberg "Befestigungsanlagen im und am Harz - Von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit"
  • In Wernigerode gibt es ein jüdisches Quartier. 1403 wird eine "Joddenstraße" (heute Oberengengasse) erwähnt.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.13
  • Graf Conrad zu Wernigerode hat sich mit seinem Bruder Graf Heinrich geeinigt, dass sie und ihre Erben die Grafschaft nicht entfremden, versetzen, vergeben und nicht verkaufen wollen.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
Urkunde von Graf Conrad von Wernigerode
© Stadtarchiv Wernigerode WR/I/IV/B/1
  • Graf Heinrich zu Wernigerode befreit alle Besitzungen des Hospital zu St. Nicolai von allen Diensten und Abgaben und nimmt das Hospital und seine Güter in Schutz.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Graf Konrad VI. von Wernigerode stirbt.
Grabstein des Grafen Konrad VI. von Wernigerode
© Wolfgang Grothe
  • Graf Heinrich zu Wernigerode übereignet sein "hoff unde dorp Hartesrode" (Hasserode), das weitestgehend wüst ist, der Stadt Wernigerode. Daraus wird 1767/68 die preußische Kolonie Friedrichstal. Die Sankt Andreaskirche des Dorfes verbleibt im Besitz des Klosters Drübeck.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.10
Übereignung des Dorfes Hasserode
© Stadtarchiv Wernigerode WR/I/I/E/!/ab
  • Graf Heinrich zu Wernigerode verleiht am 18. Mai der Neustadt ein eigenes Stadtrecht. Kein Bürgermeister, sondern ein "Bauermeister" leitet den Rat der Neustadt.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst"
Grüne Straße in der "Neustadt"
© Wolfgang Grothe
  • Das alte Wernigeröder Rathaus wird erstmals urkundlich erwähnt. Es muss jedoch bereits 1229, dem Zeitpunkt der Verleihung des Goslarschen Stadtrechts, bestanden haben, denn das war die Voraussetzung jenes Aktes.
  • Graf Heinrich zu Wernigerode übereignet dem Spital und den Siechen vor der Stadt vor dem Westerntor das Holzblek, ausgenommen die Hopfenberge und die darin liegenden Gärten.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Graf Heinrich von Wernigerode, der letzte seines Geschlechts, unternimmt ausgedehnte Raubzüge, u. a. ins Magdeburgische. Er wird dabei nicht nur von seiner ritterlichen Gefolgschaft, sondern auch von den Bürgern und Bauern der Stadt und den Dörfern der Grafschaft unterstützt.
  • Der Rat zu Wernigerode gestattet den armen Leuten des Spitals St Jürgen vor der Stadt 5 Mark jährlichen Zinses und "Gülte", die sie in der Stadt haben, "schossfrei" aufzunehmen.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Nach dem Aussterben der Wernigeröder Grafen kommt es zur Erbverbrüderung mit dem Grafen von Stolberg.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.11
  • Die Bürger Wernigerodes huldigen am 10. November dem Stolberger Grafen Botho.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld"
Erbhuldigung für Graf Botho zu Stolberg am 10.11.1417
© Wandgemälde im Festsaal des Wernigeröder Schlosses
  • Graf Heinrich zu Wernigerode verkauft dem Rat und der Bürgerschaft zu Wernigerode das Kornhaus mit darunter gelegenen "Wantbuden".
    Stadtarchiv Wernigerode - WR I/I/1/a./b.
  • Der Graf von Wernigerode bekundet, dass auf seine Bitten "der Rat, Bürger und Meinheit der Stadt Wernigerode gehuldigt haben den Grafen zu Stolberg, unbeschadet der Rechte des Grafen von Wernigerode".
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
Bestätigung der Huldigung
© Stadtarchiv WR/I/VI/B/1
  • Am 24. Juni kommt es zu einer Erbverbrüderung der Grafen von Stolberg, Schwarzburg und Wernigerode.
  • Gründung der Theobaldikapelle zur Sühne für den Landfriedensbrecher Graf Dietrich von Wernigerode.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.137
Am Theobaldikirchhof
© Stadtarchiv Wernigerode
  • Graf Heinrich schenkt die von "ihm erbauete Kapelle zu S. Theobald über Nöschenrode dem Kapitul des Sylvester und Georg-Stiftes in der Stadt Wernigerode".
    Nachrichten zur Geschichte der Landstände in der Grafschaft Wernigerode - Verlag Struck 1817
Theobaldikapelle 1956
© Gerhard Bombös
  • Revers des Grafen Botho zu Stolberg, dass ihm Rat und Bürgerschaft der Neustadt zu Wernigerode gehuldigt haben, dass es sie bei ihren Freiheiten, Rechten und Gewohnheiten belassen will.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
Wernigeröder Fürstenstühle mit dem Stolberger Hirsch in der Dorfkirche von Nieder-Weisel, auch eine Johanniter-Kommende. Fürst Botho ist führendes Mitglied des Johanniter-Ordens.
© Gerhard Bombös
  • Zwischen dem Grafen und dem Rat zu Wernigerode wird vertraglich die Verteilung der dem Feind abgenommenen Beute geregelt.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode - WR I / V /c/1
  • Graf Heinrich übereignet dem Rat zu Wernigerode das Eigentum des Lehens über die Kapelle St. Jürgen vor der Stadt.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Graf Heinrich von Wernigerode, gest. 1429, erwähnt in einer Urkunde erstmals eine "Grube am Dhumkuhlenbergk na den Huppeln", später "Aufgeklärtes Glück".
  • Erzbischof Friedrich von Magdeburg tritt in einem Vergleich mit "Churfürst" Friedrich II. das Lehnrecht über die Grafschaft Wernigerode an diesen ab.
  • Die Wernigeröder Grafen sterben mit Graf Heinrich aus. Die Grafschaft Wernigerode und zugleich das erzreiche Amt Elbingerode fallen an die Grafen von Stolberg. Aus der Grafschaft Stolberg gehen zwei Linien hervor, Stolberg-Stolberg und Stolberg-Wernigerode. Die Linie der Grafen zu Stolberg-Wernigerode beginnt mit Botho dem Älteren (gest. 1455).
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S. 24
Grabstein des Grafen Heinrich von Wernigerode
© Wolfgang Grothe
  • Der regierende Graf Botho, der sich selbst "Graf zu Stolberg und Herr zu Wernigerode" nennt, hat gemäß Reichsmatrikel für den Reichsheeresdienst 10 Reiter und 10 Fußsoldaten zu stellen, zusammen aus den Grafschaften Stolberg und Wernigerode, je Grafschaft fünf. Zur Verteidigung der Stadt können alle Männer im wehrpflichtigen Alter herangezogen werden. Ein Ernstfall trat für Wernigerode niemals ein. Eine Schlacht bei Wernigerode fand niemals statt.
  • Am 18. August sorgt Botho der Ältere (um 1375 - 1455) für ein Landfriedensbündnis und eine Erbeinigung der Grafschaften Stolberg, Wernigerode und Schwarzburg. Botho kommt es dabei nicht nur auf die gesicherte Erbfolge, sondern auf ein festes Bündnis gegenüber den immer mächtiger werdenden Fürstenhäusern im Reich an.
    Stolberger Geschichte online
  • Als "...der Herren Vorwerk" wird das Gelände des heute genannten Vorwerks erstmals erwähnt und somit als Besitz der Grafen von Wernigerode ausgewiesen.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.40  
Das ehemalige "Vorwerk" heute.
© Wolfgang Grothe
  • In Wernigerode taucht erstmals die Bezeichnung "Vorwerk" auf.
Stadtmauer in der Nähe des ehemaligen Vorwerks (2014)
© Wolfgang Grothe
  • Der Magdeburger Erzbischof Friedrich verzichtet zugunsten des Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg auf die Lehnsherrschaft über Burg, Stadt und Grafschaft Wernigerode.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.28
  • Bau des Hauses Hinterstraße 48, ein Ständerbau, heute ältestes Haus von Wernigerode.
Hinterstraße
© Wolfgang Grothe
  • In einem Kirchenbuch von "St.Sylvetri" findet sich eine Ersterwähnung der Wernigeröder Schützen ("Sebastianbruderschaft").
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.8
  • Fredereck, Markgraf zu Brandenburg, bestätigt die Rechte und Freiheiten, welche der Rat zu Wernigerode und die Bürger und die Gemeinheit von den Grafen Corde und Hinreck sowie Bothos besessen haben.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Graf Heinrich zu Stolberg versichert dem Rat zu Wernigerode, alle Rechte zu belassen (Huldigungsrevers).
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • Der Graf von Stolberg Wernigerode und der Rat der Stadt schließen einen Vergleich wegen etlicher Zölle. "Der Zoll von Hopfen, den man in ganzen Stücken durch die Stadt führt, von Eisen, dass in der Ratswaage nicht einkommt, von Speck, der durch die Stadt geht, bleibt herrschaftlich. Vollgehende Zölle soll der Rat aufnehmen, wie er von der Herrschaft schon berichtigt war, von Bier und Met, dass man aus der Stadt führt, von Eisen, dass man von der Stadtwaage handelt und nur dort gewogen wird, von Hopfen, den der Stadthopfenmeister misst, von Schweinen, Pferden, Kälbern und Schafen, die man in der Stadt verkauft oder in die Stadt führt, Rädern, Kisten und Stockbetten, Salzkarren, Wagen mit Salz, Rüben, Zippeln oder Kungest, Heringen oder Fischen in Tonnen oder halben, die man auf dem Markt ausstellt. Auch kann der Wart Städtegeld aufnehmen und Wegpfennige, wie es schon zuvor war."
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • In Wernigerode gibt es dreihundert "schoßpflichtige" Familien.
  • Das Schierstedtsche Haus am Klint, das später zur Ratswaage ausgebaut wird, entsteht. Es ist vermutlich nach dendrologischen Untersuchungen des verwendeten Bauholzes die älteste Fachwerkkonstruktion in Wernigerode.
Ratswaage am Klint heute
© Dieter Oemler
  • Eine Schneiderzunft wird gebildet. Mitglied einer Zunft / Innung kann nur der Meister werden, der ehrlich und ehelich geboren ist. Er muss Bürger von Wernigerode sein.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.10
  • In einer letztwilligen Verfügung, die der Graf zu Stolberg und Wernigerode aufsetzt, als er im Begriff ist, "über Meer nach dem heiligen Land zu fahren", legt er fest, was mit der Grafschaft zu geschehen hat, wenn er von dieser Reise nicht lebend zurück kommt. "Seine rothe Sammetschaube soll die Pfarrkirche S.Martini in Stolberg haben, die graue Schaube das Stift zu S.Georgi und Sylvestri zu Wernigerode u.a. das klasse Roß solle dem Kloster Himmelpforten zufallen. Geht er mit dem Tode ab, so soll die Herrschaft Wernigerode nicht so leicht abgetreten und wenigstens 1000 Gulden dafür erlangt werden, wovon ein Teil zu Gottes Ehre verwendet werden, das übrige an seine Gemahlin, die Mutter und seine Tochter fallen soll".
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr.3
  • In einer Urkunde wird eine "Neue Turmwarte", "by deme nyen Torne", 4000 Meter nördlich des Stadtzentrum genannt. Das lässt darauf schließen, dass es eine Vorgängerin gab. Die Stelle ist bekannt als alte "Malstatt", wo auch dem Grafen gehuldigt wurde. Auch stand hier eine Gerichtslinde, wo den ländlichen Untertanen von Wernigerode zum Wernigeröder Landgericht entboten wurde, "am neuen Turm", "am Baum". Die Warte war auch in die "Wernigeröder Landwehr" mit anderen, wie die "Horstbergwarte" oder "Fiekenburgwarte", einbezogen.
    Friedrich Stolberg "Befestigungsanlagen im und am Harz - Von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit"
Neue Turm-Warte 2017
© Wolfgang Grothe
  • Vor dem Grafen und den "gräflich stolbergischen Räthen" geloben am 7. Februar Rat und Gemeinde zu Wernigerode, dass sie die 1000 Gulden, welche sie verzinslich geborgt hatten, binnen fünf Jahren abtragen und nach Vermögen dazu steuern wollen.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr. 20
  • Am 1. Mai schenken Heinrich, Graf zu Stolberg, und die Stadt Wernigerode den Petersberg den "armen leuten" des St.Georgii-Hospitals. Seitdem wird der Berg Armeleuteberg (ab 1671 ständig so) genannt.
    EURO - Reiseziele "Wernigerode - Die bunte Stadt am Harz" - S.85
  • Am 23. April bittet Heinrich Graf zu Stolberg den Rat zu Wernigerode, sich für ihn gegen Kapitel und Vikare zu S.Bonifaz zu Halberstadt über 300 Gulden zu verbürgen.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr.55
  • Heinrich Graf zu Stolberg und Wernigerode befreit auf Bitten des Rates der Altstadt Wernigerode die "alten und siechen Leute zu St. Jürgen" von den bisherigen jährlichen 10 Schilling Zinsen, die sie der Herrschaft zu geben hatten von ihrem "Holzblek neben der Hasenhecke vorn Schoete".
    Stadtarchiv Wernigerode - WR/VII/A/2/13
  • Am 27. Mai erteilt Friedrich, Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches und Markgraf von Brandenburg, Heinrich, Graf zu Stolberg-Wernigerode ein Münzprivileg.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr. 89
  • Am 9. November erborgt sich Heinrich, Graf zu Stolberg und Rat und Gemeinde von Wernigerode von Heinrich von Schwiechelt und seiner Mutter Margarete und ihren Treuhändern 1000 "vollwichtige rheinische Gulden" bis "künft. Michaelis". Behalten sie mit Zustimmung der Gläubiger das Geld länger, so wollen sie einen jährlichen Zins von 70 Gulden "auf Michaelis" zahlen.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr.109
  • Der Rat von Wernigerode erklärt in einer Urkunde, dass der Lindenberg nicht in die "Achtwort", und nicht nach Hasserode gehört, sondern dass ihn Rat und Gemeinde Wernigerode gleich anderen Gehölzen von Gnaden der Herrschaft Stolberg innehaben. Die "Landleute der Achtwort" haben kein Eigentum, sondern nur eine Zulassung und Nutzung entsprechend des "Gnadenbriefes".
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr.310
  • Das Augustinerkloster Himmelpforte übt scheinbar etliche seelsorgerische Aktivitäten in Hasserode/Wernigerode aus. Hinweis darauf ist eine 1471 an das Kloster herangetragene Bitte "umme de sermone und predikinge in unser Stadt" und das Vorhandensein eines eigenen "monkenhof" in der Stadt.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.108
  • Am 29. März errichtet der Rat der Stadt Wernigerode eine Ordnung für die Innung der Tuchmacher in der Alt- und Neustadt Wernigerode und Nöschenrode, sowie über das Walken und die Walkmühle.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr. 165
  • Am 24. April belehnt der Kurfürst Albrecht, Markgraf zu Brandenburg, den Grafen Heinrich zu Stolberg und Wernigerode mit der Grafschaft, Schloss und Stadt Wernigerode mit der Verpflichtung, dass der Graf ihm Schloss und Stadt bei allen seinen Kriegen, Nöten und Geschäften öffne.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr.166
  • Am 25. Februar verschreiben der Bürgermeister und der Rat von Wernigerode dem Jungfrauenkloster Adersleben mit Zustimmung von Heinrich, Graf zu Stolberg, für 100 "rheinische Gulden vier Gulden Zins auf Oster".
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr.181
  • Am 1. Oktober bittet Heinrich, Graf und Herr zu Stolberg und Wernigerode, den Rat zu Wernigerode, sich für ihn gegen das UL-Frauenstift über 100 Gulden "Hauptgeld" und 15 Gulden Zins "auf Michaelis als Selbstschuldner zu verschreiben", und sichert ihm "Schadloshaltung" zu.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr.181
  • Graf Heinrich, Herr zu Stolberg und Wernigerode, bekundet, dass ihm der Rat der Altstadt zu Wernigerode "um des Dienstes halben 600 gute Rheinische Gulden" gezahlt habe wegen der unbesetzten und wüsten Marken und Dörfer "Rymke, Wolberode, Hennzingerode, das Aldenroder Feld, Nidderminszleben, Obirminszleben, Smarthfelt, das Roth, das Steinbrok und Margkelingerode".
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand - S.21
  • Am 15. Juli verkauft Heinrich von Rüxleben, Marschall von Wernigerode, das Collegialstift zu Wernigerode erblich für 150 rheinische Gulden, das ihm und seinem Bruder, dem Ritter Kaspar von Rüxleben, vom Grafen Heinrich zu Stolberg übereignete Lehngut.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr. 258
  • Die Brüder des Einsiedler-Klosters Himmelpforte verkaufen für zweieinhalb Mark "Halberstädtischer Währung" ihr Haus hinter der Liebfrauenkirche zum Erbenzins von neun Schilling an Bürgermeister und Rat zu Wernigerode.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Heinrich, Graf zu Stolberg einigt sich am 29. April mit dem Rat zu Wernigerode auf einen Vergleich zur Tilgung der herrschaftlichen Schulden.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr. 275
  • Graf Heinrich der Achte von Stolberg-Wernigerode schließt mit der Stadt einen Vertrag über die "Abgabe eines Schwertgroschens für jeden Zentner Eisen, welcher in der Wage zu Wernigerode gewogen wird".
    Geschichte der gräflichen Häuser und Grafschaften Wernigerode, Stolberg..., 1844n
  • Am 10. März erlangt Heinrich Graf zu Stolberg vom Rat zu Wernigerode 1500 Gulden, vergleicht sich mit ihm wegen deren Bezahlung und der Abtragung der verschiedenen in Halberstadt übernommenen Schuldsummen, gelobt auch, den Rat nicht weiter mit Bürgschaften und Boden, außer im Fall seiner Gefangennahme, zu behelligen.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr.288
  • Am 23. Mai gestattet Heinrich, Graf zu Stolberg, dem Rat der Stadt Wernigerode die Anlage einer "Stuterei", wozu er "Trift, Wasser und Weide" gewährt, sich aber die Anlage einer eigenen vorbehält.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr.332
  • Am 6. Mai beleiht "Graf Heinrich zu Stolberg und Wernigerode" den "Rat der Neustadt von Wernigerode" gegen sechs Schilling "Erbenzins auf Michaelis" mit einem "Platz vor der Neustadt zur Anlage einer Säge- und sonstigen Mühle".
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 1 (1461-1487) - Nr.400
  • Graf Heinrich zu Stolberg borgt sich "von dem Rath und der Meinheit seiner Stadt zu Wernigerode 1400 Gulden" mit Einwilligung "seiner Räthe und lieben Getreuen, der gestrengen Heinrich von Rürleben, Hans Krebs, Anton von Werthern, und Heinrich von Sundhausen".
    Geschichte der gräflichen Häuser und Grafschaften Wernigerode, Stolberg..., 1844n
  • Johannes Wedder und sein Sohn Heinrich kaufen vom Kloster Himmelpforte ein Haus in Wernigerode bei der Münze.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Während der Regierungszeit des Grafen Heinrich hat sich die Burg Wernigerode zu einem feudalistischen Zentrum der Macht in der Vorharzregion entwickelt.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.26
Burg um das Jahr 1494
© Karl-Heinz Döring
  • Am 12. Juli wird in Wernigerode auf Betreiben des Grafen eine "Bierziese" (Biersteuer) eingeführt. Die Einnahmen gehen direkt an die gräfliche Kasse.
    Nachrichten zur Geschichte der Landstände in der Grafschaft Wernigerode - Verlag Struck 1817
  • Juliana zu Stolberg-Wernigerode wird am 15. Februar in Stolberg als Tochter des Grafen Botho und dessen Ehefrau Anna von Eppstein-Königstein geboren und damit die Wiege für ein neues europäisches Königshaus, dem niederländischen, gelegt. Ihre Kindheit verbringt sie bis zum 13. Lebensjahr abwechselnd in Stolberg und Wernigerode.
Gräfin Juliana zu Stolberg-Wernigerode
© Wikipedia
  • Die Grafschaft Wernigerode gehört zum neugebildeten "Obersächsischen Reichskreis".
    Schlenker, Lehmann, Schellbach "Geschichte Sachsen-Anhalts in Daten" - S. 81
  • Graf Botho zu Stolberg und Wernigerode übereignet dem Rat der Altstadt zu Wernigerode einen Teich an dem Reddeberwege mit einem Wasserlauf, um eine Sägemühle zu bauen, gegen 6 Groschen Erbenzins. Der Rat hat dagegen die Sägemühle abgetreten, die ihm Graf Heinrich, Bothos Vater, verschrieben hat.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Albrecht, Erzbischof von Magdeburg und Mainz, Primus Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Administrator von Halberstadt bestätigt der Fronleichnamsbrüderschaft in der Pfarrkirche Unser Lieben Frau zu Wernigerode ihre althergebrachten Einrichtungen, insbesondere die gemeinsame Feier der Fronleichnamsmesse mit einzelnen Bestimmungen dazu.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode -  WR I/VII/B/5/23
  • Kardinal Albrecht von Brandenburg besucht Graf Botho auf der Wernigeröder Burg.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.30
Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545)
© unbekannt
  • Graf Botho III. zu Stolberg-Wernigerode erhält von Kaiser Maximilian I. das Brockengebiet mit dem Brocken als Reichslehen übereignet.
    Josef Walz "Der Harz"
  • Wann der Bergbau auf Erz im Thumkuhlental aufgenommen wurde, lässt sich nicht datieren. Ein Lehnbrief des Grafen zu Stolberg-Wernigerode aus dem Jahre 1520 über die "Dhumenkuhle" auf die Mutung von Silber, Kupfer und Blei kann als ein Hinweis auf die Anfänge des Bergbaus gewertet werden.
  • In Wernigerode beginnen Hexenprozesse. (Am 24. Juli werden drei Frauen als Hexen verbrannt). Bei diesen Prozessen werden Unschuldige nach Verleumdung durch Mitbürger auf der Folter "Geständnisse" erpresst. Bis 1665 ziehen sich in Wernigerode die Hexenprozesse hin, denen über 50 Personen zum Opfer fallen. Besonders nach Dürreperioden, Krankheiten und kriegerischen Auseinandersetzungen werden Sündenböcke gesucht.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.51
  • Graf Botho zu Stolberg Wernigerode erhält von Herzog Georg von Sachsen eine Feldschlange als Geschenk, die auf den Namen "Schöne Treiberin" getauft wird.
"Schöne Treiberin"© Dieter Oemler
  • Die erste evangelische Predigt wird in Wernigerode von Johann Kleppio "mit vielen Beyfall gehalten". Die "völlige Bekehrung der Einwohner dieser Grafschaft" wird dem Bischof zu Halberstadt "Hildegrino", seinem Bruder "Lutgero", Bischof zu Münster, wie auch dem Bischof zu Hildesheim zugeschrieben.
  • Graf Botho der "Glückselige" duldet, obwohl selbst Katholik, das Auftreten eines lutherischen Geistlichen aus Halberstadt in Wernigerode und schickt sogar seine beiden Söhne, Wolfgang und Ludwig, zum Studium an die Universität nach Wittenberg.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.11
  • Während des Bauernkrieges wird das Stolberger Schloss von Aufständischen Ende April besetzt und Graf Botho gezwungen, die "Stolberger Bürgerartikel" zu unterschreiben. Danach flieht er auf die Wernigeröder Veste. Nach der Niederlage der Bauern lässt Graf Botho neun Aufständische hinrichten.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.140
  • Am 11. April stellt Graf Botho zu Stolberg einen Lehnbrief "für die Schnawenberg über die Hütte zum Murshole, nebst Zubehörungen, als Mannslehn" aus. "Wir Botth grave zeu Stolbergh und Wernigerode Bekennen das wir herman schnawenberg den eltern, und herman den jungern, seinem sone außer Stadt Wernigerode und Ir manßleys lehens erkenn".
    Christian Heinrich Delius - Bruchstücke aus der Geschichte des Amtes Elbingerode aus dem Harze, während des Besitzes der Grafen zu Stolberg, vom 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts : die allgemeinen Verhältnisse und die Urkunden enthaltend, Verlag Struck Wernigerode 1813
  • Der Stadtforst wird mit dem Neustädter Häu, dem Waldbesitz der Wernigeröder Neustadt, zusammengelegt.
    Stadtverwaltung - Sachgebiet Stadtforst
  • Zum "gemeinsamen Rath beider Städte" werden der Neustädter und der Wernigeröder Rat zusammengelegt.
    Josef Walz "Der Harz"
Die "historischen Ratsherren" zur Feier des 725-jährigen Stadtjubiläums 1954
© Dieter Oemler
  • Am 1. August unterzeichnet der Graf eine Brauordnung für Wernigerode. "...Es soll iglicher brewer zu eynem grossen brew vierzehn maltter malcz und zu eynem kleinen brew zehn maltter malcz in die mole schicken..."
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode - Teil II Band 3, Nr. 941
  • Am 12. Juni verkauft das Silvestristift dem Rat zu Wernigerode das Haus beim alten Stadtkeller für 210 Gulden, wovon der Rat 60 Gulden sofort zahlt, die übrigen 150 Gulden mit 6 Gulden auf Pfingsten verzinst.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode - Teil II Band 3
  • Kaiser Karl V. gewährt dem Grafen Botho zu Stolberg einen am Mittwoch abzuhaltenden Wochenmarkt für Wernigerode.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Wernigerode, Teil II/Band3
  • Graf Wolfgang zu Stolberg beauftragt den Stadtrat von Wernigerode, eine Oberschule einzurichten.
    Nachrichten zur Gelehrten Geschichte der Grafschaft Wernigerode (1779) - Jacob Heinrich Delius - Deutsche Digitale Bibliothek
  • Der Rat zu Wernigerode beurkundet, dass Prior und Convent des Klosters Himmelpforte deren Hauptverschreibung an sich gebracht haben. Der Bürgermeister Albrecht Meiger zu Halberstadt tritt mit diesem "Contract" diese wiederum ab.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • In der Zeit zwischen 1535 und 1545, also in der Zeit des Bürgermeisters Balthasar Hillebrecht, erhält Wernigerode neue konkrete Bestimmungen zum Stadtrecht. Zum Beispiel: "...Es soll niemands aschen, gruden, kerich oder unflat an die gassen oder strassen schutten, es sey tag oder nacht, wer das breche, soll es mit acht teynden vorbussen alß oft es geschicht..."
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand - Nr. 1090
  • An der Liebfrauenkirche als Stadtkirche von Wernigerode ist der evangelische Pfarrer Jacob Grobecker tätig.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"
  • Graf Botho zu Stolberg bestätigt am 24. Mai die "Gewerkschaft der Schieferbergwerke" in der Grafschaft Wernigerode und gestattet denselben auf vier Jahre die "Benutzung der Seigerhütte vor Wernigerode".
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand - Nr. 1039
  • Am 21. November bestätigt "Kardinal-Erzbischof Albrecht als Administrator von Halberstadt" eine veränderte Einrichtung des "Collegiatsstiftes zu Wernigerode", die dieses mit seinem Rat Dr. Valentin von Sundhausen und dem Offiziellen Heinrich Horn zu Halberstadt getroffen hat. Danach werden "infolge des Brandes zu Wernigerode und aus anderen Umständen verminderte Einkünfte der Stiftsherren und Vikare alles zusammengetan und in zehn gleiche Teile geteilt. Alle Teilnehmer sollen Stand und Würde der Stiftsherren einnehmen".
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 3 Nr.1039
  • Graf Botho verstirbt am 22. Juni. Obwohl er selbst bis zum Tode Katholik bleibt, hatte er sich in letzter Zeit der neuen Glaubensrichtung gegenüber tolerant gezeigt und das Wirken protestantischer Pfarrer in Wernigerode gestattet. Am 26. August erklären die beiden Söhne Bothos, Wolfgang und Ludwig, "dass das heilige Wort und Gottes Ehre in Stolbergischen Landen allenthalben zugelassen, gepflegt und gefördert werden solle".
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.109
  • In der Grafschaft Stolberg und Wernigerode wird die Reformation eingeführt.
    Schlenker, Lehmann, Schellbach "Geschichte Sachsen-Anhalts in Daten" - S.93
  • Johann Adenbüttel verkauft für sich und seine unmündigen Vettern dem Rat zu Wernigerode Haus und Hof am Markt beim Weinkeller gelegen, um darauf ein neues Rathaus zu bauen und den Markt zu erweitern.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand - WR/I/I/C/8
  • Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545) nimmt als Gast des Grafen von Wernigerode an einer Wolfsjagd teil.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.30
  • Der verdienstvolle Wernigeröder Baumeister Thomas Hilleborch stirbt im Alter von 70 Jahren in seiner Geburtsstadt Wernigerode vermutlich an den Folgen eines Unfalls.
    Stadtarchiv Wernigerode
  • Mit dem Protestanten Dr. Jacob Grobecker wird ein erster evangelischer Oberpfarrer für Wernigerode und Superintendent für die Grafschaft ernannt.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" - S.109
  • In der Grafschaft Wernigerode gibt es einen Superintendenten.
  • Die Quedlinburger Äbtissin versteckt die Krone Kaiser Ottos I. für kurze Zeit auf der Wernigeröder Veste.
  • Am 17. Mai trifft Philipp Melanchthon nach der Niederlage der Evangelischen in der Schlacht von Mühlberg in Wernigerode ein.
Tafel am Gothischen Haus
© Gerhard Bombös
  • Die Chronik eines "Thurnierbuches" aus dem Jahr 1566 nennt "Waringrode" (Wernigerode) im historisch zutreffenden Zusammenhang der Reiterübungen Heinrichs I. mit seinem Heer im Kampf gegen die Hunnen, eingefügt in die Reihe der Ortschaften, die nachweislich zu dieser Zeit bestanden, Goslar, Quedlinburg, Nordhausen, Braunschweig, Magdeburg und Halberstadt.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.1
  • Bürgermeister und Rat zu Wernigerode bekunden, dass die Grafen zu Stolberg 8000 Goldgulden schuldig geworden sind, die durch die Erbschaft an seinen Schwiegersohn Chistoph Heufener und seinen Kindern gekommen sind. Wegen der vertagten Zinsen ist ein Vertrag abgeschlossen worden über 17000 Gulden zu 20 Mariengroschen.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand - WR/I/I/C/21
  • Die gräfliche Sägemühle am Beerberge wird erwähnt, deren Anlegung der Rat zu Wernigerode "gegen Revers" gestattet hat.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Älteste Apotheke in Wernigerode ist die 1575 gegründete "Rathsapotheke". Sie versorgt nicht nur die Stadt selbst, sondern auch die umliegenden Ortschaften. Eine andere Quelle nennt das Jahr 1574.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.14
© gemeinfrei
  • Der Rat zu Wernigerode wendet sich am 25. Januar in einem Schreiben mit einer Bitte um Unterstützung an den Kurfürsten zu Brandenburg. Der "Comptur zu Langeln und andere Ordensverwandte haben sich zusammengeschlagen" um die Stadt Wernigerode zu überfallen.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Am 13. Juni verstirbt im Alter von 75 Jahren in Wernigerode Dietrich von Gadenstedt. 49 Jahre stand er als gräflich-stolbergischer Stadthauptmann im Dienst der Grafen von Stolberg. Bereits hochbetagt ließ er sich ein repräsentatives Wohnhaus am Oberpfarrkirchhof für sich und seine Familie bauen.
    wikipedia.org
Oberpfarrkirchhof 1898, links das Gadenstedtsche Haus
© privat
  • Bürgermeister und Ratsmänner zu Wernigerode und Johann und Heinrich Lutterot verpachten ihre Papiermühle vor dem Westerntor über der Ratssägemühle an Hans Rettmer auf 20 Jahre für 70 Taler. Die eine Hälfte bekommt der Rat, die andere die Gebrüder Lutterot.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Der Graf verfügt, dass alle Juden Wernigerode zu verlassen haben.
    Auf den Spuren jüdischen Lebens in Wernigerode (Wernigeröder Geschichts- und Heimatverein)
  • Pestepidemien in Wernigerode. In einem zeitgenössischen Dokument heißt es: "Deßgleichen war im Sommer" (vermutlich 1598) "die Pest gar starck zu Wernigeroda." Von 2500 Einwohnern raffte die Pest ca. 1800 hinweg.
    Uwe Lagatz "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst"
Mit Vermummungen und Rauch glaubten sich die Einwohner im 16. und 17. Jahrhundert vor der Pest schützen zu können (Festumzug 1954 aus Anlass des 775. Stadtrechtsverleihung) 
© Dieter Oemler
  • Am 6. Juni wird als Opfer der Hexenverfolgung Katharina Bernburg als angebliche Kindermörderin zur Zeit der Regierung des Grafen Wolf Ernst auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Insgesamt sterben in der Zeit von 1521 bis 1665 als Folge von Hexenprozessen in Wernigerode 52 Personen (nach anderen Quellen 47), davon 43 Frauen auf dem Scheiterhaufen.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Hexenprotokolle aus der Grafschaft Wernigerode" - Hexenprotokolle aus der Grafschaft Wernigerode
  • Der Wernigeröder Graf beauftragt nach Kurfürstlich- Brandenburgischer Ermahnung die Stadt, sich mit Rüstzeug, Waffen, Pferden u.a. für Kriegsfälle vorzuhalten.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Der Graf wendet sich mit einem Schreiben an den Rat zu Wernigerode, dass es den Paten und Kindern zu gestatten ist, das "Rennei" oder Osterei nach altem Brauch für die bevorstehende Osterzeit ebenfalls holen  zu dürfen. Bei denjenigen Hauswirten, bei denen "die giftige Seuche ausgebrochen ist" ist es den "Kindern und Gesinde" nicht gestattet.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Als eines der letzten Opfer eines Hexenprozesses in Wernigerode wird Kunne Poppendieck zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.
  • Am 21. Oktober erteilt der Markgraf zu Brandenburg einen Schutzbrief für Bürgermeister und Rat zu Wernigerode wegen Eingriffe der Stolberger Grafen in die "Gerechtsame" der Stadt.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Am 6. Oktober erhält Jacobus Weise, Stadtsyndicus zu Wernigerode vom Markgrafen zu Brandenburg und Kurfürsten zu Preußen einen Schutzbrief gegen die Angriffe des Grafen zu Stolberg und dessen Beamte und Diener.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • In Wernigerode wütet die Pest, 1600 Tote sind zu beklagen.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.22
  • Der Dreißigjährige Krieg erreicht am 5. Januar Wernigerode. Wallensteinische Truppen besetzen die Stadt. Am 14. Januar hält sich Wallenstein in Wernigerode auf (Ziegelhornsches Haus - heute Breite Straße 3).
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.22
  • Wernigerode wird abwechselnd durch schwedische und wallensteinsche Truppen besetzt. (Wallenstein droht: "Wernigerode in die Asche legen" und alle Bürger mit Weib und Kind niederhauen lassen.) Am 18. Januar 1626 trifft Graf Christoph mit Albrecht von Wallenstein zusammen.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.59
Graf Christoph und Albrecht von Wallenstein
© Dieter Oemler
  • Generalissimus Albrecht von Wallenstein bezieht am 5. Januar sein Hauptquartier in der Breiten Straße 3. Das Gebäude brannte 1847 ab und wurde durch den heutigen Bau ersetzt. Graf Christoph von Stolberg Wernigerode bittet Wallenstein um Schonung für die Stadt und die Grafschaft und findet bei ihm Gehör.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S. 22
  • Wegen Nichterfüllung von Kontributationszahlungen auf dem Schloss, muss der Rat von Wernigerode im Oktober für einen Tag sowie Weinachten in den Dullenturm.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S. 22
  • Das Schloss ist unbewohnt, zeitweise dient es als Militärgarnison. Die Grafschaft Wernigerode wird während des Dreißigjährigen Krieges mehrmals geplündert. Überfälle, Kriegssteuern, Einquartierungen und Erpressungen dauern bis zum Jahr 1648, das den ersehnten Frieden bringt. Aber erst im Oktober 1649 wird Schloss Wernigerode von schwedischer Besetzung frei.
  • Am 7. Januar stellt der schwedische König Gustav Adolf für die Stadt Wernigerode einen Schutzbrief aus.
    Deutsches Zentralarchiv
  • Drei schwedische Kompanien fordern Einlass und Unterbringung. Die Wernigeröder halten die Tore geschlossen und die Mauern besetzt. Die Angreifer setzen die Stadttore in Brand, die Verteidiger müssen sich beugen.
Burgtor vor dem Abriss um 1880
© gemeinfrei
  • Wernigerode ist eine mit einer kompletten Stadtmauer versehene Stadt, die im Schutz der Burg am Nordrand des Harzes ihren Einfluss auf alle Orte der Grafschaft verstärkt.
Aus dem Jahr 1639 stammt die älteste Gesamtansicht von Wernigerode.
© Harzbücherei Wernigerode
  • Der Bürgermeister und Rat zu Wernigerode unterbreiten am 8. Februar Graf Christian Ernst ihre Vorstellungen betreffend der Eingriffe in die Rechte der Stadt und verlangen die Versicherung aller Rechte.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • 12. Mai: Umherziehendes Kriegsvolk besetzt gewaltsam zwei Wernigeröder Stadttore. Die Soldaten plündern das Pfarrhaus der Sylvestrikirche, brechen in mehrere Bürgerhäuser und in die Johanniskirche ein, zerschlagen Mobiliar, rauben Geld und Gut.
  • Im August  ziehen mehrmals kaiserliche Reiter und kaiserliches Fußvolk durch Wernigerode und durch die umliegenden Dörfer. Sie verlangen, von den Einwohnern versorgt zu werden. Wenige Tage später durchziehen ungefähr 400 schwedische Reiter das Harzvorland und nehmen in Minsleben und Langeln Pferde weg und verlangen ebenfalls, versorgt zu werden.
  • In der Breiten Straße 97 neben der Krellschen Schmiede wird eine Brennerei gebaut. Wernigerode ist schon in dieser Zeit bekannt für seine Kornbrennereien und das Haus 97 ein typisches Beispiel für ein kombiniertes Wohn- und Gewerbehaus.
    Wernigeröder Hausgeschichte
  • Vier schwedische "Königsmärkische Kompanien Reiter" werden in Wernigerode einquartiert und müssen von den Bewohnern versorgt werden. Ein Chronist schreibt verzweifelt in die Chronik: "Gott lindere solche große Beschwerung!"
  • Wie im Jahr zuvor wechseln sich in Wernigerode schwedische Kompanien und kaiserliche Soldaten öfter ab. Die Einwohner werden ausgeraubt, wenn sie nicht freiwillig für Unterkunft und Verpflegung aufkommen. Mehr noch als in der Stadt leiden die Bauern in den Dörfern unter den Folgen des Krieges. Die Soldaten beider Seiten zeichnen sich durch zunehmende Verwahrlosung und Verrohung aus.
  • Die Grafenbrüder Johann Martin und Heinrich Ernst teilen sich den Gesamtbesitz. Johann Martin (1594-1669) erhält die Grafschaft Stolberg, Heinrich Ernst (1593-1672) die Grafschaft Wernigerode. Sein Wohnsitz befindet sich in Ilsenburg.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld"
  • Die Belastung der Wernigeröder wird durch einen persönlichen Bericht eines Chronisten dokumentiert: "Den 4. Januar 6 Kompagni Königsmärkische Ritter unterm H. Obersten Friedrich Reuß von Eisenberg einquartirt worden, davon ich neben Hans Ackermann und Jost von Windheim, den Oberst-Leutnant unterhalten müssen, mit 40 Pferden und 48 Personen, hat viel Kaiserliche Gefangene bei sich gehabt, und haben wir fünf volle Tische täglich speisen müssen. Item für die Pferde geben täglich zu einem Theil 30 Bund Häu, 25 Bund Stroh an Schöfen und 5 Scheffel Hafern...."
    Kleine Chronik von Wernigerode aus den Jahren 1641 bis 1664
  • Zum 7. Juli zitiert der Graf die Landstände der Grafschaft Wernigerode zu Verhandlungen. In der Zusammenkunft geht es insbesondere um die Verteilung der Lasten, die die Stadt Wernigerode, die Dörfer und Klöster der Grafschaft zu tragen haben. Es gibt erhebliche Differenzen mit dem Kurfürsten von Brandenburg hinsichtlich der Finanzierung der Militärausgaben.
    Nachrichten zur Geschichte der Landstände in der Grafschaft Wernigerode - Verlag Struck 1817
  • Nach dem Westfälischen Friedensvertrag wälzen die Territorialfürsten die Kriegsentschädigung auf die Untertanen ab. Die Grafschaft Wernigerode muss 2170 Taler, die Stadt 1200 Taler aufbringen und innerhalb von acht Tagen zahlen. Die Stadt weigert sich zu zahlen. Graf Heinrich-Ernst ist über die "aufsässigen Rebellen" empört. Die Stadt erhält Unterstützung durch den Kurfürsten, der Graf hatte aber bereits die Summe zwangsweise eintreiben lassen.
  • Fortdauer der Einquartierungen bis zum 27. Oktober 1649. Gesamtkosten der Kriegsentschädigung und der schwedischen Einquartierung in der Grafschaft Wernigerode: 13.404 Taler. Alle diese Geldleistungen werden aus den Untertanen herausgepresst, während Graf, Adel, Klöster und Freihöfe für ihre großen Besitzungen frei waren von Einquartierungen und Kriegskontributionen. Erst 1656 hören die Geldleistungen auf.
  • Seit 1650 wird Wernigerode postmäßig von Halberstadt betreut. Die Botenpost Nürnberg-Nordhausen-Hamburg geht durch die Stadt.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.33
  • Das Haus in der Pfarrstraße 30 wird als Magazin der in Wernigerode garnisonierenden kurbrandenburgischen Dragoner gebaut.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • Am 2. Mai werden Wernigerode und das Umland von einem starken Unwetter heimgesucht, "welches hier aufm Felde, wie auch in Reddeber, Minsleber und Silstedter Felde durch Hagel großen Schaden gethan, mit Niederschlagung und Ueberschwemmung des Sommer- und Winterkorns, wie denn etliche Aecker, da die geschwinde Fluth hergangen, ganz weggeflösset worden". Straßen in Silstedt werden überflutet. Die Einwohner müssen ihre Häuser verlassen.
    Kleine Chronik von Wernigerode aus den Jahren 1641 bis 1664
  • Es existiert bei den Wernigeröder Tuchmachern ein gedrucktes kaiserliches Mandat gegen den Gebrauch und die Einfuhr schädlicher Farben zum Tuchfärben wie die "Teufelsfarbe" Indigo.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Nach dem Abzug der Schweden wird ein Brandenburger Regiment in Wernigerode einquartiert. Streit zwischen dem Grafen und der Stadt um die Bezahlung der Kosten.
  • Für die Bevölkerung Wernigerodes gibt es neue Belastungen durch Einquartierungen und Unterhaltszahlungen für die Armee. Nach einer Order des Kurfürsten sind 2000 Reichstaler an Geld und 30 Wispel Korn zu leisten.
  • Am 6. Dezember wird in Wernigerode Johann Karl Spies, bedeutender Arzt und Stadtphysikus, geboren.
Johann Karl Spies
© Wikipedia
  • Am 15. Januar kommen auf Ersuchen von Heinrich Ernst, Graf zu Stolberg, Wernigerode und Honstein, in der Kanzlei des Schlosses Wernigerode die Landstände zur Versammlung zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Verhandlung über ein freiwilliges Geschenk an den Kurfürsten. Die Landstände lehnen den Vorschlag mit dem Hinweis auf die bereits bestehende große Schuldenlast der Stadt Wernigerode und der Grafschaft und die Probleme bei der Versorgung mit Lebensmitteln ab.
    Christian Heinrich Delius - Bruchstücke aus der Geschichte des Amtes Elbingerode aus dem Harze, während des Besitzes der Grafen zu Stolberg, vom 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts : die allgemeinen Verhältnisse und die Urkunden enthaltend, Verlag Struck Wernigerode 1813
Gräfliche Kanzlei in der Marktstraße oberhalb der heutigen Kanzleistraße um 1900© gemeinfrei
  • Mit der letzten Hinrichtung enden in Wernigerode die Hexenprozesse. Zwischen 1521 und 1665 werden in Wernigerode 59 Männer und Frauen nach Folter auf dem Scheiterhaufen hingerichtet, davon nachweislich 15 unschuldig verurteilt. In den Gerichtsverfahren werden die Beschuldigten zunächst "in Güte" befragt. Erfolgt kein umfassendes Geständnis, folgt das "peinliche Verhör", das heißt die Folter, in der nahezu alle Beschuldigten alles zugeben, was ihnen vorgeworfen wird.
  • Um 1860 wird das Handwerkerhaus im Heideviertel (heute Hinterstraße 52) im Wernigeröder Fachwerkstil errichtet.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Nr. 6 Juni 1954
  • Die Klostergebäude des Benediktinerinnenklosters Drübeck werden den Grafen von Stolberg-Wernigerode übereignet.
    Kloster Drübeck
Romanische Klosterkirche in Drübeck 2002
© Wolfgang Grothe
  • Wernigeröder Bürger beschweren sich beim Kurfürsten über die schlechte Bewirtschaftung des Hasseröder- und des Landmann-Forstes.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.26
  • Die in diesem Jahr eingeführte Postlinie Kassel - Berlin führt durch Wernigerode.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.28
  • Der Rat zu Wernigerode erhält einen königlichen Befehl, dafür Sorge zu tragen, dass entstandene Lücken in der Stadtmauer sofort wieder geschlossen werden müssen.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
Türme innerhalb der nördlichen Stadtmauer und das Markttor
© gemeinfrei
  • Erste Druckerei in Wernigerode (Nöschenrode, an der Schönen Ecke).
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.33
  • Am 1. März wird am Liebfrauenkirchhof 2 das erste amtliche Postamt in Wernigerode eröffnet.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.33
  • Am 14. November wird in Wernigerode der spätere Theologe und Hofprediger bei Christian Ernst Graf von Stolberg-Wernigerode geboren.
    wikipedia.org
  • Ferdinand Heinrich Germar, 50 Jahre Stadtphysikus und Botaniker in Wernigerode, wird geboren.
    Bartsch, Alfred - Selbstverlag
  • Die Königliche Verordnung zur Anlegung von Brandmauern zur Verhütung und Verbreitung von Feuersbrünsten gilt auch für Wernigerode.
    Urkundenbuch der Stadt Wernigerode
  • Das Schloss wird wieder ständiger Wohnsitz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode. Zunächst unter der Vormundschaft seiner Mutter regiert Graf Christian-Ernst die Grafschaft von 1710 bis zu seinem Tod am 25. Oktober 1771. Diese lange Regentschaft geben dem Schloss und der Stadt ein neues Aussehen.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.28
Zimmer im Schloss 1927
© Wolfgang Grothe
  • Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode heiratet noch vor seinem 21. Geburtstag die erst siebzehnjährige Sophie Charlotte, Tochter des Grafen Anton zu Leiningen-Westerburg und der Luise von Sayn-Wittgenstein. Sophie Charlotte wird Christian Ernst in ihrer 50-jährigen glücklichen Ehe zwölf Kinder schenken, von denen jedoch nur ein Sohn und drei Töchter das Kleinkindalter überschreiten.
    Biogaphie Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode
  • Das Christianental befindet sich zwischen dem Agnes- und dem Fenstermacherberg im Wernigeröder Ortsteil Nöschenrode. Das Tal hieß Dillenthal bis Graf Christian Ernst von Stolberg-Wernigerode 1711 ein Lusthaus dort bauen ließ, nachdem das Tal dann benannt wurde. Vielleicht erfolgte die Umbenennung erst später nach der Fürstin Christiane Anna Agnes, geb. Prinzessin von Anhalt-Köthen, die mit dem Grafen Heinrich Ernst von Stolberg-Wernigerode 1742 vermählt wurde.
    Harzmuseum Wernigerode - Forsthaus im Christianental
  • 19. Mai: Graf Christian Ernst gibt die Landeshoheit an den preußischen König ab. Die Grafschaft Wernigerode wird dem Staat Brandenburg-Preußen vertraglich angegliedert.
    Josef Walz "Der Harz"
  • Der Graf von Wernigerode erhält von Preußen den Landmann zurück.
  • Auch die Gemeinde Minsleben wird dem Königreich Preußen infolge des zwischen dem preußischen König und dem Grafen von Stolberg-Wernigerode geschlossenen Rezesses zugeordnet.
  • Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode beurkundet am 28. Mai, dass ihm Bürgermeister und Rat zu Wernigerode einen Platz an der Stadtmauer, gegenüber den Ritterhöfen, überlassen für die Wohnung des Stadtvogtei-Gerichtsdieners. Es soll aber kein Gefängnis dort errichtet werden.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Am 8. Juli wird in Wernigerode der Arzt und Naturwissenschaftler Heinrich Friedrich von Delius geboren.
  • Am 28. Dezember wird der spätere Orientalist, Philologe und Sprachforscher Christoph August Bode in Wernigerode geboren.
  • Am 30. Januar wird Christian Gottlieb Kratzenstein, ein bedeutender Naturforscher, als Sohn des Oberschullehrers Thomas Andreas Kratzenstein, in Wernigerode geboren. Er lehrte in Russland und Kopenhagen, war dort Professor für Mathematik und Physik und war an wegweisenden Forschungsergebnissen beteiligt.
  • Der Lustgarten mit dem Lustschloss und der Orangerie ist nicht nur von kunst- und kulturgeschichtlichem Interesse, sondern ist auch seit 1728 Schauplatz der protestantischen Bewegung des Wernigeröder Pietismus, der sich seiner tätigen Nächstenliebe vom Gefühl des Einzelnen getragenen Gemeindeleben fast ein ganzes Jahrhundert lang das Grafenhaus beherrscht. Neben der Stadt Halle(Saale) ist Wernigerode ein Zentrum des Pietismus im nördlichen Deutschland.
Orangerie 2015
© Wolfgang Grothe
  • Am 19. Juni gehen die Schüler der Lateinschule zum letzten Mal in ihr altes Schulgebäude am Oberpfarrkirchhof, dem ältesten Schulhaus in Wernigerode, unmittelbar am Turm der Sylvestrikirche.
    Verlag Gerhard Bombös - Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt 1985-1988
  • An Stelle der alten reparaturbedürftigen Lateinschule wird auf dem Oberpfarrkirchhof 7 ein "Lyceum" (Städtisches Gymnasium) neu gebaut und am 26. Juni feierlich eingeweiht. In der Kartusche über dem Eingangsportal steht: "Das Lyceum beider Städte Wernigerode ist unter dem Beistand Gottes und mit Bewilligung des erlauchten Grafen und Herren, Herrn Christian Ernst, des Heiligen Römischen Reiches Grafen, und seines bestimmenden Nachfahren, vom Rat der Stadt im Jahr des Heils 1730 gebaut worden."
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S. 31
Wernigerode Anno 1729
© Harzbücherei
  • Der Graf von Stolberg-Wernigerode lässt auf dem Brocken eine Schutzhütte für Hirten und Wanderer, das "Wolkenhäuschen" anlegen.
    Ernst Pörner "Der Brocken im Harz" 1956
Kupferstich eines unbekannten Künstlers um 1810
© unbekannter Künstler
  • Am 8. November erteilt der regierende Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode dem Pächter der Raths-Apotheke Herrn Johann Georg Möller und dessen Ehefrau das Privilegium, in Nöschenrode eine Apotheke einzurichten. Möller erhält das Privileg eines Hof-Apothekers.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
Hirsch-Apotheke in der Burgstraße
© Wolfgang Grothe
  • Am 1. Februar wird durch den Hof-Apotheker Johann Georg Möller in der Langen Straße 21, heute Nöschenröder Straße, die Hirschapotheke eröffnet. Möller lässt das Geschäft durch einen Gesellen führen. Er selbst bleibt in Wernigerode und treibt Handel mit Arzneien. 1820 wird die Hirsch-Apotheke dann in die Burgstraße verlegt.
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
  • Zwischen dem Wernigeröder Bürgerforst, dem Nöschenröder Gemeindeforst und den preußischen Hasseröder Forsten wird die Grenzsetzung geregelt.
    Stadtverwaltung - Sachgebiet Stadtforst
  • Am 1. Dezember wird Martin Heinrich Klaproth, einer der bedeutendsten deutschen Chemiker, als Sohn eines armen Schneiders in Wernigerode geboren. Er entdeckte die chemischen Elemente Uran, Zirconium, Cer, Titan, Tellur sowie Strontium. Er war Wegbereiter der modernen Chemie.
     
Gedenktafel am Geburtshaus von Martin Heinrich Klaproth
© Wolfgang Grothe
  • Am 26. Dezember wird in Wernigerode Heinrich Carl Hardege (Doktor der Medizin, Medizinalrat und Land- und Stadtphysikus) geboren, der erste herausragende Mediziner der Stadt.
    Wernigeröder Intelligenzblatt zum Besten und im Verlage des Arbeitshauses, alle Jahrgänge ab 1797 - Ausgabe 1818
  • Die fürstliche Bibliothek in Wernigerode wird der öffentlichen Benutzung übergeben.
    Schlenker, Lehmann, Schellbach "Geschichte Sachsen-Anhalts in Daten" - S.138
  • Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode vereinigt die gesamte Verwaltung zu einem "Kammerkollegium", das er mit modernen und zeitgemäßen Verordnungen ausstattet. Er schafft damit klare und feste Verhältnisse in der Grafschaft und im Zusammenwirken zwischen gräflicher Verwaltung und dem "Rathe zu Wernigerode".
    Biogaphie Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode
  • In Wernigerode wird eine Baum- und Schlosskuchenfabrik gegründet.
    Harzer Baumkuchen Friedrich
  • Heinrich Gottlieb Zerrenner, ein später sehr geachteter pädagogischer Schriftsteller und populärer Kanzelredner, wird in Wernigerode geboren.
    wikipedia.org
  • In Wernigerode wütet der vierte große Stadtbrand, bei dem 300 Häuser und auch die Kirche "Unser Lieben Frauen" vernichtet werden. Die neue Kirche erhält nur einen kleinen Turm, der aber bereits wegen baulicher Mängel 1888 wieder abgerissen wird.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.22
Neubau der Kirche "Unser Lieben Frauen" nach dem Stadtbrand von 1751
© Dieter Oemler
  • Das noch bestehende Klostergemäuer Himmelpforte brechen Wernigeröder Bürger zum eigenen Wiederaufbau ihrer durch den Stadtbrand vernichteten oder beschädigten Häuser ab.
Reste der Klostermauer "Himmelpforte"
© Frank Wiesner
  • Wernigerode entwickelt sich im Schutze der Burg zu einer Siedlung der Handwerker und Ackerbürger, deren Bedeutung für das Umland stetig wächst.
    Harzbücherei Wernigerode
Blick vom Lindenberg zum Schloss
© Harzbücherei Wernigerode
  • Wernigerode hat wie viele andere Städte eine komplette Stadtmauer, für deren Erhaltung die Bürger mit herangezogen werden.
     
Südliche Stadtmauer, vom Lindenberg aus gesehen 1751
© Harzbücherei Wernigerode
  • Wernigerode hat etwa 3200 Einwohner.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"
  • Graf Christian Ernst gründet die gräfliche Witwenkasse, eine der ersten Sozialversicherungen in Wernigerode.
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
  • Als "nationaler Feiertag" wird die Goldene Hochzeit des regierenden Grafen Christian Ernst und dessen Ehefrau Sophie Charlotte am 31. März in Wernigerode begangen.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S,30
Goldene Hochzeit des Grafen Christian Ernst und Gräfin Sophie Charlotte
© Stadtarchiv Wernigerode
  • Der Rat zu Wernigerode legt fest, dass nach alter Sitte, wenn gefischt wird, jeder Bürgermeister 12 Pfund Fische erhalten soll.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Arrangierte Standes-Hochzeiten in der gräflichen Familie sind immer wieder gesellschaftliche Ereignisse, die mit großem Pomp begangen werden, wie z.B 13. Juni 1766: "Die beglückte Vermählung des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Friedrich Erdmann, Fürsten zu Anhalt,... mit der Hochwürdigsten Gräfin und Frau, Frau Luise Ferdinande, Gräfin zu Stolberg,... welche den 13ten Jun. 1766, auf dem Schloß zu Wernigerode höchst vergnügt vollzogen wurde, begleitete mit einem fröhlichen Glückauf die Knappschaft in der Grafschaft Wernigerode."
    wikipedia.org
  • Die preußische Kolonie Friedrichstal (heute Hasserode) wird durch König Friedrich II. von Preußen gegründet. Die Kolonie besteht aus 127 Kolonistenhäusern, ein Straßendorf, beginnend am Westerntor/Flutrenne bis zur heutigen Straße "Freiheit" und verbindet Hasserode mit Wernigerode. Hier gelegenes Blaufarbenwerk (Kobald/Wismut) und Sägemühle sind gräflich ("Freiheit" = Siedlung der Bergleute, da ihnen Freiheit von sonst gültigen Steuern und Diensten zustand).
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.30/31
König Friedrich II. von Preußen
© Wolfgang Grothe
  • Christian Ernst, regierender Graf zu Stolberg-Wernigerode, stirbt am 25. Oktober in Wernigerode. Christian Ernst, Sohn des Grafen Ludwig Christian zu Stolberg-Wernigerode und der Fürstin Christine, Tochter Herzog Gustav Adolfs von Mecklenburg-Güstrow, geboren zu Gedern am Vogelsberg am 2./13. April 1691 hat die Grafschaft 61 Jahre lang regiert.
  • Am 25. Oktober übernimmt Heinrich Ernst zu Stolberg-Wernigerode nach dem Tod seines Vaters die Grafschaft Wernigerode, wo er besonders das christlich-pietistische Leben fördert.
    wikipedia.org
  • Auf Schloss Wernigerode wird am 25. September Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode geboren.
  • Als zweite Apotheke in Wernigerode wird die Hirschapotheke gegründet. Sie ist auch Hofapotheke.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.14
  • Das "Kleinste Haus" in Wernigerode wird erbaut.
  • Heinrich Ernst Graf zu Stolberg-Wernigerode untersagt den Silstedter Schützen das traditionelle Freischießen.
  • Das durch den Wernigeröder Grafen 1774 ausgesprochene Verbot des jährlichen Freischießens nehmen die Silstedter Schützen zum Anlass, einen berittenen Boten mit einem Bittschreiben nach Berlin zu schicken. Friedrich der Große erteilt 1776 die "Concession", weiterhin das Freischießen durchführen zu dürfen.
Vereinshaus der Silstedter Schützen 2015
© Wolfgang Grothe
  • Am 30. November verstirbt in Wernigerode der gräflich-stolbergische Oberforst- und Jägermeister Hans-Dietrich von Zantier (geb. 1717 in Salzfurth).
    wikipedia.org
  • Jacob Heinrich Delius, Bürgermeister und Syndicus zu Wernigerode, widmet sich intensiv der Geschichte der Bildung und Erziehung in seiner Stadt. "Die Graffschaft Wernigerode hat viel Gelehrte der Welt geschenket. Es ist billig verdienter Männer Andenken zu erhalten. Es ist angenehm und lehrreich, den Gang, den die Wissenschaft bey ihrem Anfange genommen, wie sie sich ihrer Vollkommenheit genähert, und der Gelehrten Schriften und Schicksale zu wissen".
    Nachrichten zur Gelehrten Geschichte der Grafschaft Wernigerode (1779) - Jacob Heinrich Delius
  • Das Hirtenhaus in der Sackgasse der Wernigeröder Neustadt wird gebaut.
  • Am 9. Dezember stirbt der in Wernigerode geborene Pädagoge Johann Martin Müller in Hamburg. Zuletzt Rektor des Hamburger Johanneums, veröffentlichte Müller vielbeachtete wissenschaftliche Arbeiten zur Schul- und Gelehrtengeschichte.
  • Wernigerode hat 3745 Einwohner.
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
  • In einem Gasthofverzeichnis wird der Name "Weißer Hirsch" genannt. Das heutige Hotel ist damit das älteste erhaltene Hotel der Stadt Wernigerode und des Landes Sachsen-Anhalt.
  • In Wernigerode existieren 44 Webstühle, fünf Papiermühlen, vier Ölmühlen, 184 Brauereien, 56 Branntweinbrennereien.
  • Am 24. September gibt der in Berlin lebende Chemie-Professor Martin Heinrich Klaproth, einer der bedeutendsten Söhne der Stadt Wernigerode, in einer Ansprache an der "Preußischen Akademie der Wissenschaften" die Isolierung von Uran aus dem Mineral Pechblende bekannt.
    wikipedia.org
Martin Heinrich Klaproth, einer der bedeutendsten deutschen Chemiker
© gemeinfrei
  • Eine Chronik aus dem Jahre 1794 stellt Wernigerode wie folgt dar: "Wernigeroda, Residenzstadt des Grafen, 5000 Einwohner, 4 Kirchen, 2 Hospitäler, 1 Waysenhaus, 1 Superintendent, eine latein. Schule, 2 andere Schulen. Die Stadt hat gute Nahrung. Das Residenzschloß liegt der Stadt gegenüber auf einem Berge, auf welchen 30 Häuser stehen, hat einen vortrefflichen Büchersaal und das gräfliche Archiv. An der Hofkapelle ist ein Hofprediger, welcher zugleich Superintendent der Grafschaft ist. Beim Schloße sind 2 Thiergärten und ein schöner Lustgarten."
    Handbuch der Erdbeschreibung von Sachsen und einigen angrenzenden Ländern - Dresden in der Hilscherischen Buchhandlung 1794 - S.243
Wernigerode - Residenzstadt des Grafen
© gemeinfrei
  • In einem "Handbuch der Erdbeschreibung von Sachsen und einigen angrenzenden Ländern" wird die Grafschaft Wernigerode wie folgt beschrieben: "Die Grafschaft Wernigerode liegt auf dem Harz, der durch den Brocken in den Ober- und Unterharz getheilt wird. Sie ist 3 Meilen lang, 2 Meilen breit und stark bewohnt, hat 12 000 E., und jährlich 200.000 Thlr. Flüße sind hier: die Ilse, die kalte Bude, die Ecker, die Holtemme. Die Waldungen hier sind sehr stark, der Wiesewuchs und die Viehzucht außerordentlich gut. Die Grafschaft hatte sonst seine eigenen Besitzer, welche 1428 ausstarben, wodurch sie an die Grafen zu Stollberg kam. Sie ist magdeburgisches Lehen, hat aber eine eigene Regierung und Konsistorium. Der König von Preußen erhebt, daher als Landesherr in der Stadt Wernigerode, Accise, und auf dem Lande Contribution und wirbet Soldaten in der Grafschaft."
    Handbuch der Erdbeschreibung von Sachsen und einigen angrenzenden Ländern - Dresden in der Hilscherischen Buchhandlung 1794
  • Von der Hofdruckerei Carl Samuel Struck wird die "Schützenordnung der Stadt Wernigerode" gedruckt.
    Stadtarchiv Wernigerode
Schützenordnung
© Stadtarchiv Wernigerode
  • Bis Ende des Jahres werden in der Stadt 96 "Haus- und Strassenbettler" aufgegriffen und ins "Waisen-und Arbeitshaus" eingeliefert. Darunter befindet sich als 95ster "Adam Hage, ein Tagelöhner aus Wernigerode, 66 Jahr alt, ...welcher auf den Mühlen gebettelt hatte. Er wurde 3 Tage im Arbeitshause zur Arbeit angehalten und dann, um seiner Frau und Kinder willen, für diesmal entlassen."
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
  • In Wernigerode sterben in diesem Jahr 448 Kinder an Blattern.
  • Die das Ende des 18. Jahrhunderts und den Anbruch einer neuen Zeit markierende Französische Revolution wirft ihre Schatten bis Wernigerode. da 1796 eine nicht geringe Zahl von Flüchtlingen vor dieser Revolution hier Zuflucht sucht. Die französischen Flüchtlinge scharen sich um den Abbé Hugues, der die Flüchtlinge in einer katholischen Gemeinde betreut. Damit hat Wernigerode seit der Reformation wieder eine katholische Gemeinde. Der streng evangelische Graf Christian Friedrich verhält sich gegenüber dem Abbé sehr tolerant und räumt ihm den "Wasmusturm" im Schloss zum Wohnen ein.
  • Die "Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt", "größte, älteste und verbreitetste Zeitung des Kreises Grafschaft Wernigerode a. Harz", wird gegründet. Die Zeitung erscheint ohne Unterbrechung bis 1945.
Das alte Geschäftshaus der WZ in der Westernstraße 23.
© Gerhard Bombös
  • Die Stadtvogtei veröffentlicht am 16. Januar im "Wernigeröder Intelligenzblatt zum Besten und im Verlage des Arbeitshauses" eine "Warnungs-Anzeige für das Gesinde". "Eine Dienstmagd ist wegen Entweichung aus dem Dienst und Untreue im Dienst, zur Arbeitsstrafe an das hiesige Arbeitshaus abgeliefert."
  • Gräfin Louise zu Stolberg-Wernigerode (am 24. November 1771 auf Schloss Wernigerode als zweitälteste Tochter des Grafen Christian-Friedrich zu Stolberg-Wernigerode und ältere Schwester des Erbgrafen Heinrich zu Stolberg-Wernigerode geboren) wird Äbtissin von Kloster Drübeck (bis 1800). Am 21. Dezember 1807 heiratet sie auf Schloss Wernigerode Moritz Haubold von Schönberg, zieht sich auf seine Besitzungen zurück und verstirbt dort 1856.
Romanische Klosterkirche Drübeck 1995
© Wolfgang Grothe
  • Im "Wernigerödischen Intelligenzblatt" wird im Januar mitgeteilt: "Johanne Katharine Kochen aus Wernigerode, 15 Jahre alt, eines Tagelöhners Tochter, welche auf Veranlassung der Schul-Kommission am 13ten Januar ins Arbeits Haus aufgenommen worden, um sie aus der tiefsten Unwissenheit und Verdorbenheit herauszureißen, ist, widerstrebend aller Ordnung und Arbeit, am 28 Jan. mit Entwendung der Kleidung entwichen; welches hiermit zur Warnung bekannt gemacht wird."
    Wernigeröder Intelligenzblatt zum Besten und im Verlage des Arbeitshauses, alle Jahrgänge ab 1797
  • In der Nacht vom 17. zum 18. September wird Wernigerode von einem erneuten Hochwasser betroffen.
  • Die Grafschaft Wernigerode besitzt im Vergleich zu benachbarten Ländern und Städten ein beachtliches ökonomisches Potential. Das wird durch den Vergleich von Export und Import deutlich. 1798 werden Waren im Wert von 264 507 Reichstalern ausgeführt und Waren für 106 862 Reichstaler eingeführt.
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
  • In der Nähe der Plessenburg wird am 23. März durch Ferdinand, dem 23jährigen Sohn des Wernigeröder Grafen der letzte Wolf im Harz erlegt.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.74
  • In Wernigerode grassiert das "Scharlachfieber". Den Bürgern werden Verhaltensregeln erläutert.
  • Branntwein ist für Wernigerode eines der wichtigsten Exportgüter. Deshalb wird verfügt, dass für Branntwein, das ins "Ausland gebracht wird", die Steuern erneut festgelegt sind. Linsen und Erbsen dürfen überhaupt nicht exportiert werden.
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
  • In "Wernigerode, Vorstadt und Hofgemeinde" leben 5221 Menschen. Die Statistik nennt 823 Ehen und 893 Häuser (davon "485 Kothhäuser und 147 Brauhäuser").
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
  • Das einstöckige Gasthaus "Brockenhaus" wird eröffnet. Veranlasst wurde der Bau durch den regierenden Grafen Christian Friedrich zu Wernigerode. Gräflicher Baumeister ist C.M. Barth.
    Harzmuseum Wernigerode - Altes Brockenhaus
  • Heinrich von Kleist besucht Wernigerode. Nach Wernigerode besucht er auch zum zweiten Mal den Brocken.
Heinrich von Kleist
© Wikipedia
  • 30. September: Erbgraf Hermann zu Stolberg-Wernigerode wird als erster Sohn von Henrich zu Stolberg-Wernigerode und Prinzessin Jenny von Schönberg-Waldenburg geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und trat in den preußischen Staatsdienst ein. Er kümmerte sich später um die Reorganisation des gräflichen Hüttenwesens und die Förderung der gräflichen Wirtschaftsbetriebe. Er starb, erst 39jährig, aus Verzweiflung über den Verlust seines ältesten Sohnes. Sein zweiter Sohn, Otto, wurde später Vizekanzler des Deutschen Reiches.
    wikipedia.org
  • Die pädagogischen Methoden Pestalozzis werden auch in Wernigerode von interessierten Bürgern diskutiert und geben Anlass, ihre Anwendung in den Schulen zu empfehlen.
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
  • Der Straßenname im Wortlaut verändert zu "Unter den Zindeln", erscheint erstmals in der Stadt. Die frühere lateinische Bezeichnung "cingulum", zu deutsch Gürtel, bezeichnet die Befestigung der Stadt. In einem Innungsbrief an die Krämer 1410 wird die Stadtbefestigung als "czingelen" bezeichnet, sowie in der Stadtordnung "Wernigeröder Willkür" um 1540 als "zcingelen". "Unter den Zindeln" beschreibt eine Grünanlage vor der höher gelegenen Stadtmauer. Besonders im Bereich vor dem Westerntor dehnten sich Gärten der Bürger aus. 1540 dienen sie noch der Verteidigung, da "auf Beschädigung des Rates Zingelen" Strafe ausgesetzt ist. 1529 bessert Zimmermeister Simon Hilleborch "vor de Singeln vor der Nyenstadt" das dort eingebaute hölzerne Pfahlwerk aus.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Nummer 214 - Juni 1988 S. 13
  • Am 16. Oktober durcheilt auf der Flucht nach der Niederlage der preußischen Truppen bei Jena und Auerstedt der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Stadt Wernigerode, nur um die Pferde zu wechseln.
    Konrad Breitenborn "Als Wernigerode zum Königreich Westfalen gehörte"
  • Die ersten französischen Soldaten treffen am 19. Oktober in Wernigerode ein und beginnen sofort mit einer Plünderung in Privathäusern. Der Schaden, den marodierende französische Soldaten verursachen, beläuft sich auf 2630 Reichstaler. 59 Uhren wechseln in Wernigerode den Besitzer. In den ersten Wochen leidet die Bevölkerung besonders unter den ständigen Einquartierungen.
    Konrad Breitenborn "Als Wernigerode zum Königreich Westfalen gehörte"
  • Die Stadt und die gesamte Grafschaft gehören zum neu gebildeten Königreich Westfalen und ist Bestandteil des Distrikts Blankenburg im Saale-Departements. Die ehemalige Grafschaft untergliedert sich als Bestandteil des Distrikts Blankenburg in drei Kantone: Landkanton Ilsenburg (Ilsenburg, Drübeck, Veckenstedt, Stapelburg, Langeln Wasserleben, Schmatzfeld), Landkanton Wernigerode (Nöschenrode, Hasserode/Friedrichsthal, Silstedt, Minsleben, Reddeber, Altenrode, Darlingerode, Schierke) und Stadtkanton Wernigerode. Die bisherigen Beamten bleiben im Amt und werden auf den König und die Verfassung vereidigt.
    Konrad Breitenborn "Als Wernigerode zum Königreich Westfalen gehörte"
  • Der seiner Regierung enthobene Graf verlässt Wernigerode und zieht sich auf eine seiner schlesischen Besitzungen zurück. Erbgraf Henrich verbleibt zur Verwaltung des Hausbesitzes in Wernigerode.
  • Von der Einführung der bürgerlichen Grundrechte durch die westfälische Regierung, wie u.a. Gewerbefreiheit, profitiert die Stadt in ökonomischer Hinsicht. Die napolionischen Kriege belasten auch die Wernigeröder durch tributpflichtige Bereitstellung von Menschen, Geld und Gütern. Das führt zu Hass und Aversion gegen die Besatzer.
    Konrad Breitenborn "Als Wernigerode zum Königreich Westfalen gehörte"
Ansicht der Stadt und des Schlosses um 1810 auf einem Gemälde von Anton Balzer
© gemeinfrei
  • Am 9. August trifft König Jerome im Zusammenhang mit einer "Inspektions- und Huldigungsreise" in Wernigerode ein und wird von Maire (franz. Bürgermeister) Scheller begrüßt.
  • Caspar David Friedrich besucht während seiner Harzwanderung Wernigerode und besteigt am 29. Juni den Brocken. Stets fleißig skizzierend, entstehen daraus große Gemälde, wie "Das Grab des Arminius", "Gräber der Freiheitskämpfer" und andere.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"
  • Wernigerode wird in den neu gebildeten Landkreis Osterwieck der preußischen Provinz Sachsen integriert.
  • Der Rückfall in die deutsche Kleinstaaterei nach der Auflösung des Königreichs "Westfalen" und der Vertreibung der Franzosen beendet allerdings für Wernigerode und für die Grafschaft die gewonnenen wirtschaftlichen Vorteile.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode"
  • Zu einem freiwilligen Jäger-Detachement schließen sich 46 Wernigeröder zusammen unter dem Kommando von Graf Ferdinand zu Stolberg-Wernigerode. Am 2. März verlassen sie die Heimatstadt, werden einem Ulanen-Regiment angeschlossen, reiten über den Rhein bis an die Maas und kehren am 5. Juli wieder heim.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.38
  • In Wernigerode wird ein "Leitender Stadtförster" eingestellt und ein eigenständiges Stadtforstamt geschaffen.
Forstassessor Schmidt, Förster Labesehr, Förster Salzmann und Förster Müller (Büchenberg), von links nach rechts
© gemeinfrei
  • Am 30. April legt die königlich-preußische Regierung die territoriale Zusammensetzung und administrative Gliederung einer neuen Großprovinz fest, obwohl das Einverständnis des Wiener Kongresses noch nicht vorliegt. Zur neuen preußischen Provinz Sachsen soll nach den Vorstellungen Preußens auch die Grafschaft Stolberg-Wernigerode gehören.
    Schlenker, Lehmann, Schellbach "Geschichte Sachsen-Anhalts in Daten" - S.166
  • Die "Gräflich Stolberg - Wernigerödische Regierung" veröffentlicht am 28. August eine Bekanntmachung, wie die "Gesindeordnung der Preußischen Monarchie" vom November 1810 in der Grafschaft Wernigerode umgesetzt wird. Danach "kann eine Herrschaft ein Gesind ohne Aufkündigung sofort unter anderen auch entlassen, wenn das Gesinde ohne Erlaubniß der Herrschaft seines Vergnügens wegen ausläuft, oder ohne Noth über die erlaubte, oder zu dem Geschäfte erforderliche Zeit ausbleibt, oder sonst den Dienst muthwillig vernachlässigt, und von allen diesen Fehlern, auf wiederholte Verwarnung, nicht abstellt." (§129)
    Wernigeröder Intelligenzblatt zum Besten und im Verlage des Arbeitshauses, alle Jahrgänge ab 1797
Stahlstich nach einem Bild von Ludwig Richter von Anfang des 19. Jahrhunderts
© Dieter Oemler
  • Der Pädagoge und Schriftsteller August Wilhelm Grube († 28. Januar 1884 in Bregenz) wird am 16. oder 17. Dezember in Wernigerode geboren. Er vermacht sein Vermögen seiner Geburtsstadt, die eine Straße nach ihm benennt.
    wikipedia.org - August Wilhelm Grube
  • Der 1743 in Wernigerode geborene Wegbereiter der modernen Chemie, Martin Heinrich Klaproth, stirbt am 1. Januar in Berlin.
Geburtshaus von Klaproth am Liebfrauenkirchhof
© Wolfgang Grothe
  • In Wernigerode (einschließlich Hasserode und Nöschenrode) gibt es 17 Bäckerei- und 11 Fleischereibetriebe.
    Wernigeröder Intelligenzblatt zum Besten und im Verlage des Arbeitshauses, alle Jahrgänge ab 1797
  • Der "königliche Landbeschäler" aus Neustadt/Dosse hält sich für die Dauer der "Beschälzeit" bis Ende Juni in Wernigerode auf. "Derselbe ist in dem Marstall auf hiesigem Gräflichen Schlosse aufgestellt und kann von jedem Besitzer guter Stuten genutzt werden, weshalb man sich an dem aufgeführten Orte melden und die vorgeschriebenen Bedingungen erfahren kann".
    Wernigeröder Intelligenzblatt zum Besten und im Verlage des Arbeitshauses, alle Jahrgänge ab 1797
  • In diesem Jahr werden in der Grafschaft Wernigerode 391 Kinder geboren, davon 354 eheliche und 37 uneheliche Kinder. Von den 391 lebend geborenen Kindern sind 194 Jungen und 197 Mädchen. Die Zahl der Geburten liegt mit 90 über der Zahl der Todesfälle.
    Wernigeröder Intelligenzblatt zum Besten und im Verlage des Arbeitshauses, alle Jahrgänge ab 1797
  • Alle Schüler von Wernigerode werden "an der hiesigen Oberschule" bis zur 5. Klasse unterrichtet. Es besteht Schulpflicht für alle Kinder. In der 5. Klasse erhalten sie "Lektionen" in den Fächern "Christliche Religion und Sittenlehre, Biblische Geschichte, Geschichte, Geographie, Naturgeschichte, Rechenkunst, Im Lateinischen, Im Deutschen, Leseübungen, Übungen im Schönschreiben" und "Übungen im Choralsingen".
    Wernigeröder Intelligenzblatt zum Besten und im Verlage des Arbeitshauses, alle Jahrgänge ab 1797 - Jahrgang 1819
  • Es wird ein Verzeichnis mit 25 Wernigerödern veröffentlicht, die gegen Napoleon während des Krieges in Russland gefallen oder vermisst sind.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.39
  • Die Grafschaft wird endgültig in den preußischen Staatsverband eingegliedert. Die politischen Rechte der Grafschaft sind dadurch zugunsten Preußens eingeschränkt. Die durch Napoleon eingeführten demokratischen Errungenschaften gehen wieder verloren. Hasserode wird wieder Bestandteil der Grafschaft Wernigerode.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.39
  • Hasserode wird wieder der Grafschaft Wernigerode einverleibt. Der Graf von Wernigerode erhält die Kirche und die Schulhoheit von Hasserode.
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
  • Seit diesem Jahr bildet die damalige Grafschaft Wernigerode auch einen eigenen Kreis im Regierungsbezirk Magdeburg.
    Ferdinand Freytag / Samuel Diénes (Herausgeber) - "Der Führer durch die Grafschaft Wernigerode von der Stadt Wernigerode aus, nebst einer Charte von dieser Grafschaft" Wernigerode 1856 - S.9 ff.
  • Nach einem Vergleich zwischen Preußen und dem Grafen Henrich zu Stolberg-Wernigerode in diesem Jahr soll ein eigener Landkreis Stolberg-Wernigerode gebildet und aus dem bisherigen Landkreis Osterwieck herausgelöst werden. Der Landkreis Stolberg-Wernigerode gehört zum 1905 gebildeten Regierungsbezirk Magdeburg als Mittelbezirk der preußischen Provinz Sachsen.
  • Am 8. September besucht Heinrich Heine auf seiner Harzreise die Stadt, nachdem er den Brocken bestiegen hatte. Er reist von Ilsenburg über "das Harznestchen" Wernigerode nach Elbingerode weiter.
  • Graf Christian Friedrich stirbt auf einem seiner Güter in Schlesien. Der ihn schon längere Zeit in Wernigerode vertretende Erbgraf Henrich übernimmt die Regierung.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.39
  • Wernigerode wird Kreisstadt eines eigenen Landkreises innerhalb des Regierungsbezirkes Magdeburg der preußischen Provinz Sachsen. Aus dem restlichen Kreisgebiet des ehemaligen Landkreises Osterwieck, zu dem die Grafschaft Stolberg-Wernigerode gehörte, wird zusammen mit der Stadt Halberstadt der Kreis Halberstadt.
     
Stadtmauer und Turm am Burgberg 1829
© Harzbücherei Wernigerode
  • Seit dem 15. Jahrhundert wird das bei Elbingerode geförderte Eisenerz in Ilsenburg verarbeitet. Sämtliche Hüttenbetriebe gehören dem Grafen von Wernigerode. Das in diesem Jahr errichtete Ilsenburger Walzwerk produziert vor allem Schienen für Grubenbahnen. Ilsenburger Ofenplatten sind weltberühmt. Eine Nagelhütte im Ilsetal liefert Schienennägel für den Eisenbahngleisbau.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.117
Ilsenburger Nagelschmiede 2015
© Wolfgang Grothe
  • Das erste Krankenhaus in Wernigerode, vor der Mauer in der Nähe des Dullenturmes, an der späteren Ottostraße, heutige Johann-Sebastian-Bach-Straße, verfügt bei seiner Eröffnung am 20. Dezember über 14 Krankenbetten.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • In Wernigerode gründet sich ein "Naturwissenschaftlicher Verein".
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"
  • Wernigerode erhält eine Städteordnung. Darin ist vorgesehen, eine Stadtverordnetenversammlung mit 18 Mitgliedern zu wählen. Der Bürgermeister (ein unbesoldetes Ehrenamt) wird für jeweils 12 Jahre gewählt.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.41
  • Das 1830 in der Nähe des Dullenturmes eröffnete erste Wernigeröder Krankenhaus verfügt 1832 über 30 Krankenbetten in sieben Krankenstuben. Dazu kommt ein Aufenthaltsraum und ein Untersuchungsraum für den Arzt. Über einen eigenen Arzt verfügt das Krankenhaus nicht. Der städtische Armenarzt versorgt das Krankenhaus ärztlich neben seinen sonstigen Diensten.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • Die "Breite Straße" ist seit 1399 als durchquerende Straße in Ost-West-Richtung bekannt. In ihrem östlichen Teil gehörte sie bis 1529 zur selbstständigen Wernigeröder Neustadt. Das bisherige durch einen Brand zerstörte Rimbecker Tor wird abgerissen.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.84
Östliches Ende der Breiten Straße
© Dieter Oemler
  • Der 1802 in Stolberg/Harz geborene Landschaftsmaler Ernst Helbig verlegt seinen Wohnsitz nach Wernigerode.
    Stolberger Geschichte online
  • In Wernigerode gibt es neun kleine Brauereien.
Bierbrauer in Wernigerode
© Hasseröder Brauerei
  • Ein "Wernigeröder Musikverein" wird gegründet.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.48
  • Am 30. Oktober wird Erbgraf Otto zu Stolberg-Wernigerode geboren.
Erbgraf Otto
© Konrad Breitenborn
  • Es gibt eine Stadt Wernigerode, zwei Flecken Ilsenburg und Nöschenrode und 13 Landgemeinden Altenrode, Darlingerode, Drübeck, Langeln, Minsleben, Reddeber, Silstedt, Stapelburg, Veckenstedt und Wasserleben als Dörfer. Dazu noch Schloss Wernigerode, Hüttenort Schierke und Kolonie Hasserode-Friedrichstal.
    Ferdinand Freytag / Samuel Diénes (Herausgeber) - "Der Führer durch die Grafschaft Wernigerode von der Stadt Wernigerode aus, nebst einer Charte von dieser Grafschaft" Wernigerode 1856 - S.9 ff.
Stadt Wernigerode, zwei Flecken Ilsenburg und Nöschenrode und 13 Landgemeinden
© Frank Wiesner
  • Der Name "Rote Mühle" wird durch Mühlenbesitzer Karl Peters für die frühere Mahlmühle an der Holtemme zwischen Wernigerode und Silstedt eingeführt. Frühere Namen sind Schwaneckesche Mühle und danach Schickesche Mühle. Die Mühle ist seit mehreren Jahrzehnten im Besitz der Familie Abel.
"Rote Mühle" 2015
© Wolfgang Grothe
  • Graf Anton zu Stolberg-Wernigerode (1785-1854) wird preußischer Minister. Seinen Bruder Henrich (1772-1854), regierender Graf, besucht er oft auf Schloss Wernigerode.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.120
Graf Anton zu Stolberg-Wernigerode (1785-1854)
© Dieter Oemler
  • Der Wernigeröder Regierungsrat Stiehler bildet eine neue "Gewerkschaft" (Gesellschaft) mit dem Ziel, den Bergbau in den Gruben "Louise Charlotte", "Schlicksthal" und "Kleeblatts Glück" wieder aufzunehmen. 1847 wird der Versuch wieder aufgegeben.
    Christian Grubert "Kleine Hasseröder Bergbau-Chronik"
  • Durch mehrere Mißernten verschärft sich auch in Wernigerode die Not der Einwohner. Die Lebensmittelpreise steigen beträchtlich an. Die allgemeine Handels- und Industriekrise führt zu verbreiterter Erwerbslosigkeit.
    Konrad Breitenborn „Im Dienste Bismarcks - Die politische Karriere des Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode“ - S.15
Rathaus - Fassade aus Richtung Osten 1846
© Harzbücherei Wernigerode
  • Nach mehreren Missernten (besonders in den Jahren 1845 und 1846) bricht in Wernigerode eine Hungerrevolte aus. Die Preise für Kartoffeln und Getreide steigen um 50 bis 100%. Graf Henrich zeigt sich "mildtätig", eine "Suppenanstalt" teilt täglich 450 warme Mahlzeiten aus, kostenlos oder zu fünf Silberpfennig je Portion.
    Konrad Breitenborn "Die bürgerlich-demokratische Revolution von 1848/49 in der Grafschaft Wernigerode"
  • Am 12. Mai wird im Wernigeröder Schützenhaus, Ecke Sägemühlengasse/Salzbergtal, die "Liedertafel 1848" gegründet. Nach der Auflösung der Bürgerwehr, die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Zusammenhang mit der Märzrevolution gebildet wurde, rief der Führer der Demokraten, Justizrat Haushalter, dazu auf, nicht einfach auseinanderzugehen, sondern einen Gesangverein zu gründen. Im Aufruf des "Wernigeröder Intelligenzblattes" vom 8. Mai hieß es: "Zur Bildung einer Bürgerliedtafel werden die Kameraden, welche sich beim Gesange beteiligen wollen, zur Veranstaltungsstätte im hiesigen Schützenhause am 12. Mai abends 7 Uhr freundlichst eingeladen".      
    150 Jahre Wernigeröder Männerchor
  • Auf dem Rathaus Wernigerode weht erstmals die schwarz-rot-goldene Fahne. Der Bürgermeister Wilhelm Julius Hertzer (1814-1872) hatte dazu am 24. März die Zustimmung des Grafen Henrich eingeholt. Dieser hatte bemerkt, er fände es "nur angemessen", wenn "diese Fahne aufgesetzt werde".
    SPD Ortsverein Wernigerode
  • Nach den revolutionären Ereignissen in Berlin kommt es auch in der Grafschaft Wernigerode zu heftigen Bevölkerungsunruhen. Nahezu alle Gemeinden wenden sich mit "März-Petitionen" an die gräfliche Regierung. Vor allem fordern die Bürger die Abschaffung noch vorhandener feudaler Lasten und die Beseitigung der Vorrechte des Grafen in der Gemeindeverwaltung und im Gerichtswesen.
  • Am 31. März nimmt Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode mit einer Bekanntmachung zu den Petitionen Stellung. Er gesteht lediglich zu, bei der Besetzung der Pfarrstellen und der Ortsvorstände die Wünsche der Gemeinden berücksichtigen zu wollen.
  • Am 27. März veröffentlicht das "Wernigeröder Intelligenzblatt" eine Bekanntmachung den "Holzverkauf aus freier Hand betreffend", die Erleichterungen für die Einheimischen beim Erwerb von Holz in Aussicht stellt. "Es ist zwar bei den im Wege der Auktion angeordneten Holz-Verkäufe zum besten der Unvermögenden und der Käufer kleiner Holzportionen die Einrichtung beibehalten worden, daß das fichtene Stuken- und Anbruchholz aus freier Hand verkauft wird: indessen haben Seine Durchlaucht, unser gnädigst regierender Graf und Herr zur Erleichterung des Holzhandels sich bewogen gesehen, folgende weitere Anordnung zu treffen, in den sämmtlichen Gräflichen Forst-Revieren an Eingesessene hiesiger Grafschaft zum eigenen... Bedarf wiederum aus freier Hand zum Verkauf gestellt... Allerdings: reichen die Holzvorräthe... nicht aus, so müssen die Käufer eine unverhältnismäßige Reduktion ihrer Anforderungen sich gefallen lassen."
    Ralf Mattern "Die schwarze Grafschaft wird rot"
  • Die seit Jahrzehnten überflüssige Stadtmauer mit ihren für Wernigerode typischen Halbschalentürmen und ihren Stadttoren stellt an einigen Stellen der Stadt ein Hindernis für bauliche Veränderungen und Erweiterungen dar. Besonders die Lage des Heideviertels bietet sich für innerstädtische Baumaßnahmen an.
Ehemaliger Findeisenturm auf der Heide (1850)
© Harzbücherei Wernigerode
  • Am 18. Oktober flammen die ersten Straßenlampen in Wernigerode in der Burgstraße auf, auf Holzpfähle gesetzte Petroleumlampen.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • Victor Aime Huber, ein bedeutender deutscher Sozialreformer, politischer Denker, Reiseschriftsteller und Literaturhistoriker, siedelt sich in Wernigerode an. Er stirbt hier am 19. Juli 1869 und wird auf dem St. Theobaldifriedhof beigesetzt.
Victor Aime Huber
© Dieter Oemler
  • Das "Haus Sierakowsky" (Friedrichstraße, Ecke Mönchstieg) wird gebaut. Bauherr ist Major von Sierakowsky, Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Hasserode. Im Gegensatz zu anderen sich in Wernigerode ansiedelnden Pensionären, die ihre Häuser im traditionellen Fachwerkstil bauen lassen, wählt von Sierakowsky einen schlichten glatten Steinbau.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.80
Haus Sierakowsky (gebaut 1852)
© Dieter Oemler
  • Der letzte Scharfrichter von Wernigerode (Ferdinand Körber, Promenade 1) gibt sein Amt auf. Auf der Höhe des Lindenberges baut er sich ein Anwesen, Hotel "Lindenberg".
Blick vom Hotel "Lindenberg" um 1865
© gemeinfrei
  • Das heutige Wernigerode mit den Ortsteilen Nöschenrode und Hasserode wird als "die Stadt Wernigerode, der Flecken Nöschenrode und das Dorf Hasserode“  bezeichnet. Wernigerode wird als freundliche und blühende Stadt beschrieben, die schon "...ein Krankenhaus, 5 Hospitäler und eine Rettungsanstalt für Mädchen" besitzt. Als erwähnenswerte Gasthöfe gelten der „Weiße Hirsch" und das „Deutsche Haus". Viele Einwohner der drei Orte haben sich auf das Vermieten von Zimmern an „Sommerfrischler“  eingerichtet. Die hiesigen Fremdenführer stehen unter polizeilicher Aufsicht, damit sie die Fremden bei der Berechnung der Botenlöhne nicht „übers Ohr hauen“.
    Ferdinand Freytag / Samuel Diénes (Herausgeber) - "Der Führer durch die Grafschaft Wernigerode von der Stadt Wernigerode aus, nebst einer Charte von dieser Grafschaft" Wernigerode 1856
Wernigerode um 1855
© Frank Wiesner
  • Wernigerode hat 5591 Einwohner und 743 Häuser.
    Ferdinand Freytag / Samuel Diénes (Herausgeber) - "Der Führer durch die Grafschaft Wernigerode von der Stadt Wernigerode aus, nebst einer Charte von dieser Grafschaft" Wernigerode 1856
Wernigerode - Schöne Ecke mit Schloss
© Stadtarchiv Wernigerode
  • Nöschenrode ist ein eigenständiges Gebilde, welches schon an "das Burgthor Wernigerodes stößt" . Es wird ein Gasthof "Zum goldenen Hirsch" erwähnt, viele Mühlen im Mühlental am Zillierbach ("Zilligerbach"), sowie viele "Etablissements", darunter "das freundlich gelegene Kaffeehaus Küsters-Kamp".
    Ferdinand Freytag / Samuel Diénes (Herausgeber) - "Der Führer durch die Grafschaft Wernigerode von der Stadt Wernigerode aus, nebst einer Charte von dieser Grafschaft" Wernigerode 1856
  • Hasserode stellt noch ein Dorf vor den Toren Wernigerodes dar, ist allerdings schon eingebunden in die Zweckgemeinschaft der drei Orte. An Wirtschaften werden das Gasthaus "Zum Hohnstein" sowie "die Restauration bei dem Hrn. Factor Stolze auf dem Blaufarbenwerke" erwähnt. An Betriebsstätten gibt es drei Papier- und eine Filzmühle.
    Ferdinand Freytag / Samuel Diénes (Herausgeber) - "Der Führer durch die Grafschaft Wernigerode von der Stadt Wernigerode aus, nebst einer Charte von dieser Grafschaft" Wernigerode 1856
  • Franz Liszt nimmt am 23. Juli an einem Musikfest in Wernigerode teil.
  • Der Ilsenburger Maler Roland Riefenstahl (1823-1903) hält in einem Gemälde von 1857 den Bauzustand des Johannistores in der Wernigeröder Neustadt fest.
    Harzmuseum Wernigerode
Am Johannistor 
© Harzmuseum Wernigerode
  • Otto zu Stolberg-Wernigerode tritt nach Erreichen der Volljährigkeit die Erbfolge seines bereits 1854 verstorbenen Großvaters an. Ihm zu Ehren findet auf dem Marktplatz eine Parade statt.
    Konrad Breitenborn "Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode. Deutscher Standesherr und Politiker der Bismarckzeit"
Parade auf dem Marktplatz aus Anlass des Regierungsantritts des Grafen Otto (Maler:Robert Riefenstahl aus Ilsenburg)
© Dieter Oemler
  • Der Zillierbach bildet noch immer die Grenze zwischen Wernigerode und Hasserode.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.2
Das bisher älteste Bild von Wernigerode zeigt den Blick vom Westerntor in Richtung Friedrichstraße, die mit Kirschbäumen gesäumt ist. Im Vordergrund die steinerne Brücke über den Zillierbach.
© Dieter Oemler
  • Das "preußische Judenedikt von 1812", das Juden eine eingeschränkte Gleichstellung einräumte, wurde in der Grafschaft Wernigerode nicht übernommen. Erst 1859 lassen sich wieder jüdische Familien in der Stadt nieder.
  • Um 1860 entstehen vom Fotografen Friedrich Maesser, der im Mühlental ein Atelier besitzt, die ersten Fotos von Wernigerode.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.6
Schlossblick um 1860
© Dieter Oemler
  •  In Wernigerode wird eine Fabrik für photographische Papiere gegründet.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.78
  • In den Jahren 1860 bis 1880 beginnen in Wernigerode große Veränderungen. Im Heideviertel werden die Spuren des letzten großen Stadtbrandes von 1847 beseitigt. Zur bisherigen Bevölkerungsstruktur mit Kaufleuten, Ackerbürgern, Handwerkern und Tagelöhnern kommen als Folge der ökonomischen Entwicklung vermehrt Arbeiter hinzu. Die Einwohnerzahl steigt von 6.936 auf 9.110 an.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode"
Flutrenne, Grenze zum Flecken Nöschenrode. Von ihr zweigt sich ein Mühlgraben ab, der zwei in der Stadt gelegene Mühlen versorgt. Schloss im barocken Zustand um 1865
© Dieter Oemler
  • In Wernigerode wird am 18. Oktober das Gaswerk "Am Anger" gegründet. Es ist eines der ersten kommunalen Betriebe dieser Art in Deutschland. Der 18. Oktober gilt deshalb als Geburtstag der kommunalen Versorgung von Wernigerode. Der Magistrat weiht die erste städtische Gasbeleuchtungsanstalt ein, die ersten Gasleitungen gehen in Betrieb.
    Chronik anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Stadtwerke Wernigerode - S.9
  • Wernigerode erhält eine Gasbeleuchtung.
  • Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode übernimmt das Patronat über die höhere Knabenschule (Oberpfarrkirchhof 7).
    Konrad Breitenborn „Im Dienste Bismarcks - Die politische Karriere des Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode
Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode
© Konrad Breitenborn
  • Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode wird am 12. Februar im Wahlkreis Wernigerode-Halberstadt-Oschersleben zum Abgeordneten des Konstituierenden Reichstages des Norddeutschen Bundes gewählt. Die Wahl wird von Manipulationen begleitet.
    Der Harz - Eine Landschaft stellt sich vor - Schriftenreihe des Harzmuseums Wernigerode
  • Die Gaswerke werden gegründet und sind Vorläufer der Städtischen Werke Wernigerode. Das ist früher, als in den meisten Städten gleicher oder annähernd gleicher Größe. Später kamen dann noch ein Elektrizität- und ein Wasserwerk dazu. Der Strom kommt damals schon über das "Umspannwerk" Wasserleben. Das 1911 erbaute Ortsnetz muss stetig erweitert werden, denn der Bedarf beträgt 1926 schon,"...1.300.000 Kilowattstunden Strom für Leucht- und Gewerbezwecke."
    Wernigerode - Stadt und Land 1926 Dari Verlag Berlin
Stadtisches Gaswerkes um 1925
© Frank Wiesner
  • Im November reist erstmalig der preußische König Wilhelm I. zur Jagd nach Wernigerode. Stolz verkündet Graf Otto: "Der König kommt! Freude und Jubel herrscht bei uns und in unserer Grafschaft überall!"
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.110
  • Der am 15. April gegründete "Harzverein für Geschichte und Altertumsforschung" richtet in Wernigerode eine Vereinsbücherei ein. Ziel der Initiative ist die Förderung der Harzgeschichtsforschung und das Sammeln einschlägiger Publikationen zum Thema Harz.
    Harzbücherei Wernigerode
Harzbücherei und Harzmuseum 2016
© Wolfgang Grothe
  • Erste Versammlung des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" in Wernigerode "im Locale des Schützenwirths Herrn Henneberg". Diese Versammlung am 18. Februar gilt als Geburtsstunde der sozialdemokratisch organisierten Arbeiterbewegung in Wernigerode.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.65
  • Victor Aime Huber, Begründer der sozialen Wohnungswirtschaft, stirbt am 19. Juli in Wernigerode.
    Arbeitsmaterial der Kreisgeschichtskommission Landkreis Harz - Persönlichkeiten
  • Die Bautätigkeit in Wernigerode macht auch vor den Kirchen nicht halt. In diesem Jahr wird der romanische Klumpturm der Sylvestrikirche abgerissen.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.42
Sylvestrikirche 1869
© Dieter Oemler
  • Auf Anregung des damaligen Branddirektors Frohse aus Wernigerode treffen sich am 30. Juni ca. 15 Stadt- und Feuerwehrvertreter aus dem Harz- und Altmarkraum, um über die Gründung eines Feuerwehrverbandes zu beraten. Untermalt wird die Zusammenkunft durch mehrere Schauübungen der Wernigeröder Wehr. Die Abschlusssitzung findet im "Hotel Weißer Hirsch" statt. Der 1. Verbands- und Gründungstag erfolgt in Oschersleben.Der 1. Vorsitzende ist Frohse aus Wernigerode. Der Name des Verbandes lautet "Harz-Altmärker Feuerwehrverband". Aufgabe des Verbandes ist die Interessenvertretung der Feuerwehren gegenüber den Behörden.
    Feuerwehrmuseum Wernigerode
  • Am 22. Februar tritt der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) in Wernigerode zum zweiten Mal mit einer großen Versammlung an die Öffentlichkeit. Mit hunderten Besuchern war der Saal des Schützenhauses überfüllt.
  • Um das Jahr 1870 bauen die Wernigeröder Kaufleute bevorzugt ihre Handelshäuser in der oberen Burgstraße. Diese ist auch die wichtigste Verbindung zwischen der Stadt und dem Schloss sowie dem Flecken Nöschenrode.
     
Obere Burgstraße um 1900
© Dieter Oemler
  • Die Stadtmauer befindet sich in einem sehr desolaten Zustand, nur Reste sind noch vorhanden. Historisch interessierte Bürger und selbst Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode nehmen sich der Mauerreste am Burgberg und am Vorwerk an planen eine Sanierung und damit Erhaltung der Reste.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.39
Reste der Stadtmauer am Burgberg um 1870
© Dieter Oemler
  • Wernigerode und Halberstadt sind durch eine Eisenbahn miteinander verbunden.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" -  S.51
Bahnhofsgebäude 1888
© Dieter Oemler
  • Der 1804 in Wernigerode geborene spätere Generalinspekteur der preußischen Artillerie Gustav Eduard Hindersin wird erster Ehrenbürger der Stadt Wernigerode, vermutlich auch wegen seiner Verdienste bei der Einnahme von Paris während des deutsch-französischen Krieges 1870/71.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.66
  • Der in Deutschland stärker werdende Einfluss der Sozialdemokratie veranlasst Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode, verschiedene Sozialmaßnahmen ausarbeiten zu lassen. Als Industrieller, er ist u.a. Hütten-, Zuckerfabriken-, Maschinenfabriken-, Wald- und Bergwerksbesitzer, will er damit sozialen Forderungen die Schärfe nehmen.
  • Am 22. Oktober stellt sich Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode zur Wahl zum Präsidenten des Preußischen Herrenhauses. Er gewinnt mit einer Stimme Mehrheit.
    Ralf Mattern "Die schwarze Grafschaft wird rot"
  • Am 7. Dezember erscheint im "Wernigeröder Intelligenzblatt" folgende Anzeige: "Der Arbeiterstand von Hasserode wird zu einer Besprechung wegen der Errichtung eines Arbeitervereins sowie mehrerer Arbeiterfragen zu heute Abend 8 Uhr in den Deutschen Kaiser eingeladen".
    Ralf Mattern "Die schwarze Grafschaft wird rot"
  • Wegen Baufälligkeit wird die Nicolaikirche abgerissen. Die Kanzel und vermutlich die Emporen der abgebrochenen Kirche werden in der Kreuzkirche der Altlutheraner, der einzigen Wernigeröder Fachwerkkirche, verwendet.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.5
Das einzige und letzte Bild der Nicolaikirche kurz vor dem Abriss 1873
© gemeinfrei
  • Erst ab diesem Jahr sind in Wernigerode fünf jüdische Familien (Cohn, Meyerstein, Reichenbach, Spitzer, Salzmann) mit 17 Personen nachgewiesen. Ein preußisches Gesetz von 1847 hatte Juden in Preußen uneingeschränktes Wohnen gestattet.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.98
  • Am 1. Januar wird nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung in Wernigerode die Hundesteuer eingeführt.
  • Wernigerode hat 7.577 Einwohner.
Alte Ansicht auf Wernigerode in Richtung Süden 1848
© Harzmuseum Wernigerode
  • Der Arbeiterverein Wernigerode tritt der in Gotha gegründeten SAPD bei. Die Wernigeröder Ortsgruppe hat 300 Mitglieder.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.116
  • Mit dem Bau einer neuen Gaststättenanlage, die mit der Eröffnung "Kurhaus Wernigerode - Logierhaus mit Theatersaal" genannt wird (später "Stadtgarten"), beginnen öffentliche Veranstaltungen, kulturelle und später auch politische.
  • Auf der Grundlage des Gesetzes "Kreisordnung für die östlichen Provinzen" in Preußen entsteht aus der bisherigen Grafschaft Wernigerode mit Wirkung vom 01. Oktober der preußische Landkreis Wernigerode. Im neuen Landkreis wohnen nur knapp 24000 Einwohner, davon in der Kreistadt fast 8000. Erster Landrat ist Dr. Rudolf Elvers. Die Kreisstadt wird von einem Magistrat unter Vorsitz des Bürgermeisters regiert.
    Kurt-Dieter Möse / Matthias Meißner "125 Jahre Landkreis Wernigerode"
  • Ab 25. Oktober nennt sich das "Wernigeröder Intelligenzblatt" nicht mehr "Amtsblatt der Gräflich Stolberg - Wernigerödischen Regierung", sondern "Amtsblatt des Kreises Wernigerode".
  • Kaiser Wilhelm I. besucht erstmals zu einer Jagd Otto Graf zu Stolberg-Wernigerode.
Kaiser Wilhelm I. mit seiner Jagdgesellschaft
© Dieter Oemler
  • Am 9. November gründen 23 angesehene Bürger von Wernigerode den Harzer Geflügelzüchterverein. Er ist einer der ersten Vereine in Wernigerode.
  • Das Hotel "Deutsches Haus" ist für Wernigerode das repräsentativste Hotel. Anlass für den Schmuck ist der erste Besuch Kaiser Wilhelms I. im Oktober 1877 zur Jagd bei Otto Graf zu Stolberg-Wernigerode.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.20
Das festlich geschmückte Hotel "Deutsches Haus" aus Anlass des Besuchs Kaiser Wilhelm I. im Oktober zur Jagd bei Otto Graf zu Stolberg-Wernigerode.
© Dieter Oemler
  • An der Westseite des fürstlichen Bibliotheksgebäudes wird das Palmenhaus angebaut. Für die Palmen und andere Ziergewächse aus südlichen Ländern, die in den Sommermonaten entsprechend des Zeitgeschmacks im Hof des Wernigeröder Schlosses und auf dem Gelände des Lustgartens stehen, war die Schaffung einer Überwinterungsmöglichkeit notwendig.
  • In den Sommermonaten 1878 bis 1881 hält sich Theodor Fontane regelmäßig in Wernigerode auf (im Haus Huberstraße 6).
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.59
  • Im Juni ernennt der Kaiser den Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode zum Stellvertreter des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Graf Otto wird maßgeblich in der Regierung an der Ausarbeitung des Gesetzes "gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" beteiligt sein.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.117
Die fürstliche Familie
© Stadtarchiv Wernigerode PK I 0019
  • In Wernigerode wird am 28. Juni ein neuer Verein, der sich "Verein für Gesetzlichkeit und Ordnung in der Grafschaft Wernigerode" nennt, gegründet. Den Zweck des Vereins beschreibt seine politisch-antisozialdemokratische Ausrichtung: "In den unseligen Vorgängen in den letzten Wochen sind die Früchte der sozialistischen Umtriebe, welche die Fundamente des Staates und der bürgerlichen Gesellschaft zu untergraben und Geist und Gemüht des Volkes zu verwirren und zu vergiften seit Jahren bestrebt gewesen sind, zu Tage getreten".
    Ralf Mattern "Die schwarze Grafschaft wird rot"
  • Theodor Fontane ist Gast im Hotel "Waldmühle" (lt. Eintrag ins Gästebuch). Fontane weilt in den Jahren 1878 bis 1881 regelmäßig zur Sommerfrische in Wernigerode.
  • Theodor Fontane weilt wieder zur "Sommerfrische" in Wernigerode. Er schreibt: "Ich liebe diesen Ort so, dass ich, ich will nicht sagen, hier sterben, aber hier begraben sein möchte."
  • Am 25. Februar wird im Schützenhaus in Wernigerode nach dem Verbot der Sozialistischen Arbeiterpartei ein sozialdemokratisch orientierter Volksbidungsverein gegründet.
    SPD Ortsverein Wernigerode
  • Am 21. Juli kommt es in Wernigerode zu einer großen und vielbeachteten Demonstration. 600 Halberstädter Sozialdemokraten unternehmen unter Vorantragen eines roten Regenschirms eine Harzpartie auf den Lindenberg, in das Mühlental und nach Hasserode, wo sie im "Deutschen Kaiser" endet.
  • Kaiser Wilhelm I. weilt zum vierten Mal als Jagdgast in Wernigerode.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • Die Bahnlinie von Wernigerode nach Ilsenburg wird eröffnet.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.51
  • Nach einem Entwurf des Schlossbaumeisters Carl Frühling wird ein Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen des Deutsch-Dänischen Krieges (1864) und des Deutsch-Östereichischen Krieges (1866) aus der Grafschaft Wernigerode errichtet. Der 30 Tonnen schwere Granitblock stammt aus dem Gebiet um den Ottofelsen. Für den Transport muss die Wernigeröder Firma Spilker extra einen Wagen anfertigen, der die schwere Last transportieren kann. Zehn Pferde müssen den Wagen ziehen, an dem eine lange Fichte befestigt ist, um den Wagen auf dem stark abschüssigen Weg bis zur Stadt zusätzlich zu bremsen.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.87
Adlerdenkmal zum Gedenken an die Gefallenen im Deutsch-Dänischen und im Deutsch-Östereichischen Krieg
© Dieter Oemler
  • In Wernigerode wird am 1. April ein Harzclub-Zweigverein gegründet.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.56
Zu den schönsten Ausflugszielen gehört der mit 65 Metern höchste natürliche Wasserfall des Harzes, die "Steinerne Renne"
© Dieter Oemler
  • Am 25. Oktober findet die letzte Jagd des Kaisers Wilhelm I. in Wernigerode statt. Er ist Gast der Grafenfamilie.
    Der Harz - Monatsschrift des Harzklubs Jahrgang 1922
Kaiserbesuch in Wernigerode
© Stadtarchiv Wernigerode PK/XII/30
  • Dr. med Adolf Siegmund Friederich wird für seine Verdienste als Arzt und als Altertumsforscher seiner Heimat Ehrenbürger der Stadt Wernigerode.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.66
  • Wernigerode erhält ein neues Postgebäude.
Renaissance-Fachwerkhaus von 1541, Standort des späteren ersten Postgebäudes, um 1880
© gemeinfrei
  • Am 13. Mai wird in Wernigerode durch die Initiative von Wilhelm Niewerth der "Maurerfachverein" wiedergegründet, nachdem während des "Sozialistengesetzes" die Tätigkeit der Arbeitervereinigungen untersagt war.
    Ralf Mattern "Die schwarze Grafschaft wird rot"
  • Im Januar wird im Garten des Wernigeröder Kurhauses eine erste Kunsteisbahn gegossen.
  • Der Westturm der Liebfrauenkirche, mit 61,37 m der höchste Kirchturm von Wernigerode, wird nach den Plänen des Architekten C.W. Hase aus Hannover neu errichtet. Es ist der dritte Turmbau dieser Kirche. Ursprünglich sollte die Kirche neogotisch umgestaltet werden. Die hohen Kosten für den Turm schränken die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde ein. So bleiben bis zum heutigen Tag Kirchenschiff und das Innere der Kirche als einzige in Wernigerode im Rokokostil erhalten.
    Josef Walz "Der Harz" -  
Liebfrauenkirche
© Dieter Oemler
  • Wanderer aus Ilsenburg und Wernigerode feiern erstmals auf dem Brocken die Walpurgisnacht.
  • Der Wernigeröder Arbeitergesangverein "Liederbund" wird von den Sozialdemokraten Wilhelm Niewerth, Ernst Kurzberg und Karl Husung als Tarnung für ihre politische Arbeit gegründet.
  • In Wernigerode und Hasserode existieren vier Turnvereine: der "Männer-Turnverein", der "Turnverein Urania", der "Turn- und Athletenklub" und der "Hasseröder Turnverein". Dazu kommt noch ein Radfahrer-Verein.
  • In der Zeit des "Sozialistengesetzes" geht die Staatsmacht in der Grafschaft Wernigerode in 152 Fällen mit gerichtlichen Verfahren oder Strafmandaten gegen Sozialdemokraten vor.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld" - S.119
  • Am 26. April wird durch den Pestalozziverein im Standort des Plemnitz-Stiftes in Wernigerode ein Waisenhaus eingeweiht.
  • Am 3. Mai wird erstmals in Wernigerode der 1. Mai offiziell gefeiert. Am 4. Mai schreibt das "Wernigeröder Tageblatt": "Die diesjährige Maifeier der Arbeiter kann mit vollem Recht als eine nach allen Seiten hin befriedigende und gelungene bezeichnet werden".
    SPD Ortsverein Wernigerode
  • Die so genannten "Gründerjahre" fördern auch die Entwicklung unserer Stadt. Viele alte Gebäude werden abgerissen und durch moderne Häuser ersetzt. Neue Stadtviertel entstehen mit der wachsenden Einwohnerzahl. Bedingt durch die schöne Lage, lassen sich in Wernigerode besonders viele gut situierte Pensionäre nieder. Das bringt ihr den Spitznamen "Pensionopolis" ein.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.27
Blick von der Terrasse des Schlosses im Jahr 1891
© Dieter Oemler
  • Nach dem Ende des längst wirkungslosen Sozialistengesetzes wird am 20. Dezember der "Wernigeröder Volksbildungsverein" neu gegründet. Das eingereichte Mitgliederverzeichnis umfasst 121 Wernigeröder, 44 Hasseröder und einen Nöschenröder.
  • Die Bahnlinie von Wernigerode nach Bad Harzburg ist endgültig hergestellt.
  • Wernigerode erhält ein Amtsgerichts-Gebäude.
  • Der vordere und höhere Teil des Hohnsteins, im oberen Thumkuhlental in der Nähe "Steinerne Renne" gelegen, wird vom Wernigeröder Harzklub besteigbar gemacht und nach dem Fürsten Otto als "Ottofels" benannt.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Nr. 20 - August 1955
Ottofels
© Gerhard Bombös
  • Das Kreishaus Wernigerode wird fertig gestellt. Daneben wird ein neues Kreisgericht gebaut.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.72
  • Als "Besonderheiten" der Stadt werden in der "Statistik des Deutschen Reiches" genannt: "Bahnhof der Linie Heudeber, Wernigerode, Ilsenburg, Harzburg, der Preußischen Staatsbahn, Vorschussverein, Oberförsterei, Landratsamt, Amtsgericht, evangelische Pfarrkirche, fürstliches Konsistorium, Gymnasium, Waisenhaus, viele Stiftungen, Rathaus, Branntweinbrennerei, Eisen- und Kunstgalerie, Fabriken für Papierwaren, Wagen, Schokolade, Marmorwaren, Farbwaren, Zigarren, Kutschgeschirr, Mineralwasser, Konserven, Lampen, Käse, landwirtschaftliche Maschinen, Wollweberei, Steinbrüche, Bierbrauerei, Sägemühlen, Kunstschlosserei, Holzhandel, Sommerfrische mit bedeutendem Fremdenverkehr, unmittelbar bei Wernigerode auf einem 260m hohen Berg Schloss Wernigerode (312 Einwohner) des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode mit Bibliothek und einem wildreichen Park, ferner bei Wernigerode der Flecken Nöschenrode und das Dorf Hasserode."
    Statistik des Deutschen Reiches, Alte Folge Band 57, Band 150, Band 240, Band 401, Band 434, Band 450, Band 451
  • In Wernigerode wird eines der ersten Gewerkschaftshäuser im Deutschen Reich, der Volksgarten, eingeweiht.
    Schlenker, Lehmann, Schellbach "Geschichte Sachsen-Anhalts in Daten" - S.185
  • Am 3. März wird im Volksgarten Wernigerode (Hof Ecke Feldstraße/Schmatzfelder Straße) ein "Sozialdemokratischer Diskutierklub" gegründet.
    SPD Ortsverein Wernigerode
  • Die Wernigeröder Stadtverordneten stimmen dem Bau der Harzquer- und Brockenbahn zu.
  • Wernigerode ist Austragungsort der ersten "Harzer Gartenbau-Ausstellung".
  • Die "Nordhausen-Wernigeröder-Eisenbahngesellschaft" wird gegründet.
Bahnhof Steinerne Renne
© Stadtarchiv Wernigerode PK IX/129
  • Am 17. Oktober wird vom Naturwissenschaftlichen Verein der Stadt Wernigerode zum Gedenken an Professor Karl August Lossen (Geologische Kartierung des Harzes) an der Straße nach Drei-Annen-Hohne am Abzweig Drängetal das Lossendenkmal eingeweiht. Am 17. Oktober 1993 wird es in der heutigen erweiterten Form fertiggestellt.
    wikipedia.org
Lossendenkmal
© Wolfgang Grothe
  • Mit Albert Bartels wird am 29. November der erste Sozialdemokrat in den Wernigeröder Stadtrat gewählt.
Albert Bartels
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Die Strecke Wernigerode - Drei Annen Hohne - Schierke wird am 20. Juni 1898 eröffnet.
Bau des Tunnels im Drängetal
© Dieter Oemler
  • Am 27. März 1899 befährt der erste Zug die vollständig fertig gestellte Strecke Wernigerode-Nordhausen.
Erster Bahnhof der Harzquer- und Brockenbahn in Wernigerode
© Dieter Oemler
  • In Wernigerode existieren 39 Betriebe der Holzindustrie, 21 Stein verarbeitende Betriebe, 20 Steinbrüche, acht Metall verarbeitende Betriebe, vier Ziegeleien, vier Schokoladenfabriken, zwei Likör- und Schnapsfabriken.
Sägewerk "Niewerth" an der Freiheit
© Dieter Oemler
  • Am 19. September erfolgt nach Antragstellung die Genehmigung zur Umbenennung des Namens "Landkreis Wernigerode" in "Landkreis Grafschaft Wernigerode".
  • Am 31. Oktober besucht der Kaiser Wernigerode. Ihm zu Ehren wird eine Jagd veranstaltet.
  • Jeder Ortsteil von Wernigerode besitzt eine eigene Rinderherde. Morgens sammelt der Hirte die Tiere aus den hinter den Häusern befindlichen Stallungen ein und führt sie zur Weide auf die umliegenden Wiesen und in die Wälder.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.23
Kuhherde am Holfelder Platz
© Dieter Oemler
  • Nicht nur Harzrinder werden von Wernigerödern gehalten. Die am Ortsrand liegenden Weiden werden auch von Schafen beweidet.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.23
Schafe weiden im Friederikental.
© Dieter Oemler
  • Im Kreiskrankenhaus Wernigerode werden in diesem Jahr 439 Kranke stationär behandelt, mit 7793 Pflegetage, und zwar in der I.Klasse 24, in der II.Klasse 48 und in der III.Klasse 391 Patienten .
    Jahresberichte seit 1900 - Kreiskrankemhaus Wernigerode, Harz Klinikum Wernigerode GmbH
  • Die Wernigeröder Schützengesellschaft begeht ihr 450jähriges Bestehen. 
    Internetpräsenz der Wernigeröder Schützengesellschaft von 1451 e.V.
450 Jahre Wernigeröder Schützengesellschaft
© Stadtarchiv Wernigerode PK XII/26
  • In diesem Jahr beträgt im Krankenhaus Wernigerode die tägliche Durchschnittszahl anwesender Kranker 28. Jeder Kranke wird im Durchschnitt 20 Tage "verpflegt".
    Jahresberichte seit 1900 - Kreiskrankemhaus Wernigerode, Harz Klinikum Wernigerode GmbH -  
  • Auf dem 478 Meter hohen Armeleuteberg wird am 1. September der Kaiserturm nach dreimonatiger Bauzeit zu Ehren Kaiser Wilhelm II. übergeben. Die Bausteine aus Harzer Granitstein stammen hauptsächlich aus dem Steinbruch Königsberg bei Schierke. Der 12 Meter hohe Turm wurde vom fürstlich-stolbergischem Baumeister Paul Hilburger entworfen und vom Wernigeröder Hotelier Eduard Führmann finanziert.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"
Auf dem Armeleuteberg wird der Grundstein für den Bau des Kaiserturms gelegt.
© Dieter Oemler
  • Im Mühlental wird von Johannes Bürger eine Fabrikationsstätte für Arzneimittel, Vorläufer der heutigen Pharma Wernigerode GmbH, eröffnet. Johannes Bürger entwickelte ein Dialysierverfahren, mit dem er aus frischem Digitalis purpurea ("Roter Fingerhut") ein hochwertiges Heilmittel gewinnt.
  • Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode sieht sich genötigt, ein Verbot der Walpurgis-Feiern auszusprechen. Er befürchtet "durch eine große Zahl von Halbweltdamen" eine Gefahr für Sitte und Moral in der Stadt.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode"
Walpurgiszug nach der Wende
© Dieter Oemler
  • Die komplette Fertigstellung des Schienennetzes der Nordhausen-Wernigeröder-Eisenbahn (NWE) führt zur erwarteten Entwicklung des Fremdenverkehrs im Harz. Von Jahr zu Jahr erhöhen sich die Fahrgastzahlen und die Tonnagen des Güterverkehrs.
Ehemaliger Hauptbahnhof der Nordhausen-Wernigeröder-Eisenbahn (NWE) in Wernigerode
© Harzbücherei Wernigerode
  • Hermann Löns besucht Wernigerode. Einen Aufsatz, der am 30. September 1909 erscheint, überschreibt er "Die bunte Stadt am Harz".
Hermann-Löns-Denkmal
© Wolfgang Grothe
  • Eberhard Steinbrecher eröffnet in Wernigerode eine Musikschule.
  • Aus Anlass des 70. Geburtstages der Fürstin Anna zu Stolberg-Wernigerode wird der "Höheren Mädchenschule" durch Beschluss der Stadtverordneten der Name "Fürstin Anna Schule" gegeben.
  • Der "Harzer Wintersport-Verband in der Grafschaft Wernigerode" wird am 14. Februar von 20 Personen im Hotel "Weißer Hirsch" gegründet. Eine Rodelbahn am Nordhang des Armeleuteberges wird angelegt. Vorstandsmitglieder aus der Stadt sind Oberförster Koch und die Kaufleute Ortenberg, Eigendorf und Niehoff.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S. 77
  • Nach der Einweihung der Wintersportanlage im Salzbergtal feiert Wernigerode am 16. Dezember das erste eigene Wintersportfest mit über 100 Teilnehmern und rund 1000 Zuschauern. Das Fest endet mit dem ersten Wintersportball im Hotel "Monopol".
    Otmar Groß "Erinnerungen aus Wernigerode - Geschichten alter Unternehmen" Band 1
  • Am 28. Februar wird der Sportverein "FC Victoria 1910 Wernigerode" wird gegründet.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.76
  • Die südliche und östliche Begrenzung des Vorwerks bildet die Stadtmauer der ehemaligen Wernigeröder Altstadt, besetzt mit zwei Türmen, die noch heute erhalten sind. Durch das sogenannte "Kammertor" an der Südost-Ecke des Vorwerks werden die Milchkühe auf die Wiesen und Wälder außerhalb des Vorwerks zur Weide getrieben.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode"
Austrieb der Milchkühe durch das Kammer-Tor
© Dieter Oemler
  • 24. Juni: Der Fürst von Stolberg-Wernigerode erfüllt die Forderung der Deutschen Stahlwerke Duisburg und legt, bei einer Abfindungssumme von 858 000 Mark für die Abtretung der vom Deutschen Stahlwerksverband zugesicherten Stahlquote von jährlich 30 000 t das für 3,5 Mio Mark gebaute, hochmoderne Siemens-Martin-Stahlwerk in Ilsenburg (1906 Produktionsbeginn) still. 300 Beschäftigte werden mit einem Überbrückungsgeld zwischen 10 und 15 Mark und dem Hinweis, in Westfalen Arbeit zu suchen, entlassen.
  • Alljährlich suchen die "Pankgrafen", eine Vereinigung Berliner Kaufleute, eine Stadt im Deutschen Reich "heim". In diesem Jahr ist es, am 16. Juni, Wernigerode. In einem "Fehdebrief" fordern sie ihr Tribut von einigen hundert Schweinen. In einer "Schlacht" wird Wernigerode erobert und ein großes "Siegesfest" gefeiert.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.49
"Siegesfest" der "Pankgrafen" 1911 auf dem Marktplatz  
© Dieter Oemler
  • Am 6. Dezember gründet sich in Wernigerode eine Ortsgruppe des Oberharzer Skiclubs.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.77
  • Das Haus in der Friedrichstraße 151 wird Verwaltungsgebäude der Harzer Schmalspurbahnen NWE ("Nordhausen-Wernigeröder Eisenbahn-Gesellschaft").
    Neue Wernigeröder Zeitung - Harzer Wochenblatt - Verlag Jüttners Buchhandlung
Verwaltungsgebäude in der Friedrichstraße 2016
© Wolfgang Grothe
  • Die Stadt selbst übernimmt den Wiederaufbau des im letzten Winter abgebrannten Hotels auf dem Armeleuteberg. Ein schöneres, größeres und stattlicheres Hotel wird am 15. Dezember für die Besucher eröffnet. Der Pächter Heinrich Großhennig bietet im Restaurant auch Tanzveranstaltungen für die Wernigeröder und ihre Gäste an.
    Otmar Groß "Erinnerungen aus Wernigerode - Geschichten alter Unternehmen" Band 1
  • Am 27. April kommt es zu einem weiteren großen Stadtbrand in der Neustadt, dem siebten in der bisherigen Geschichte der Stadt Wernigerode. Häuser am Neuen Markt und in der Pfarrstraße brennen restlos ab.
  • Wernigerode entwickelt sich dank seiner Fachwerkarchitektur zu einem touristischen Magnet für Gäste aus den deutschen Ländern, aber auch aus den Nachbarländern.
Marktplatz mit Rathaus und Gothischem Haus
© Stadtarchiv Wernigerode PK II/159
  • Die bis dahin täglich ab Bahnhof Wernigerode verkehrende Postkutsche in das neun Kilometer entfernte Elbingerode stellt mit der letzten Fahrt am 30. April mit dem Postillion Karl Friedrich Anger ihren Betrieb ein.
Letzte Fahrt der Postkutsche von Wernigerode nach Elbingerode
© Dieter Oemler
  • Der Ortsverein Wernigerode der SPD hat 861 Mitglieder.
  • Bernhard Fuhrmann, Hugo Fuhrmann hatte Wernigerode verlassen, erwirbt das Haus und das Grundstück Breite Straße 74, die ehemalige "Wernigeröder Essigsprit-, Senf- und Mostrichfabrik" von Georg Martius. Er eröffnet hier am 7. Februar seine "Likör- und Fruchtsaftfabrik Weinhandlung" neu.
    Otmar Groß "Erinnerungen aus Wernigerode - Geschichten alter Unternehmen" Band 1
  • Mit 19 571 Einwohnern (mit Nöschenrode 21 749) geht Wernigerode in den Ersten Weltkrieg. Wernigerode wandelt sich in eine Lazarettstadt. Viele Hotels und Fremdenheime werden in Abteilungen des Reserve-Lazaretts Wernigerode umgewandelt. Bereits in den ersten Monaten des Krieges treffen die ersten 280 Verwundeten ein. Ab Ende 1914 bis 1918 befinden sich ständig 900 bis 1000 Verwundete in der Stadt.
    Neue Wernigeröder Zeitung - Harzer Wochenblatt - Verlag Jüttners Buchhandlung - Nr.17 vom 20.08.2014
Hotel "Lindenberg"
© Stadtarchiv Wernigerode PK/IV 259
  • In der Bahnhofstraße 18 wird eine Knaben-Mittelschule eröffnet. Damit besitzt Wernigerode mit dem nun dazugehörenden Hasserode neben dem Gymnasium über vier Volksschulen (je eine Knaben- und eine Mädchen-Volksschule in Wernigerode und in Hasserode), zwei Mittelschulen (eine für Jungen und eine für Mädchen) und für die "höhere Mädchenerziehung" das "Fürstin-Anna-Lyzeum".
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.73
Fürstin-Anna-Lyzeum 1921/22
© gemeinfrei
  • Der Beginn des 1. Weltkrieges löst auch in Wernigerode wie in anderen deutschen Städten eine wahre Kriegsbegeisterung aus. Die "Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt" schreibt am 15. August: "Mit Stolz lesen wir allenthalben, daß die Zahl unserer Kriegsfreiwilligen so groß ist, daß der vorläufige Bedarf unseres Heeres reichlich gedeckt ist. Die Meldungen sind so zahlreich, wie sie selbst optimistische Berechner nicht voraussehen konnten...".
    Neue Wernigeröder Zeitung - Harzer Wochenblatt - Verlag Jüttners Buchhandlung - 3. September 2014 Nr.18 S.4
  • Am 8. August findet die erste Kriegssitzung der Stadtverordneten statt, die von "vaterländischem Geist" erfüllt ist. Bürgermeister Ebeling tritt nach dem Bericht des "Wernigeröder Intelligenzblattes" entschlossen und patriotisch auf und richtet sich nach der Ankündigung: "die Pflicht sei die Beschäftigung mit dem Alltäglichen" an die anwesenden Magistratsmitglieder und Stadtverordneten.
    Heimat und Krieg, Zeugnisse und Spuren des Ersten Weltkrieges - Harzbücherei Wernigerode
  • Ab 19. August wird durch die Armeeverwaltung der Zugverkehr durch Wernigerode nach außen durch Züge in Richtung Heudeber und Harzburg erweitert, um einen besseren Verwundetentransport zu gewährleisten.
    Heimat und Krieg, Zeugnisse und Spuren des Ersten Weltkrieges - Harzbücherei Wernigerode
  • Am 22. Oktober verstirbt der erste Soldat im Lazarett in Wernigerode.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Die deutsche Kriegsblindenstiftung verlegt das erste Kriegsblindenheim am 4. Oktober von Binz nach Wernigerode in die Pension "Waldheimat" am Jägerkopf 3. Betreiber ist der "Reichsdeutsche Blindenverband". Zweck dieser Einrichtung ist anfangs, im Ersten Weltkrieg erblindete Soldaten zu rehabilitieren und ihnen Erholung zu bieten.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"
Blindengenesungsheim Wernigerode
© Stadtarchiv Wernigerode PK IV/63
  • "Seine Durchlaucht", Fürst zu Stolberg-Wernigerode besucht "seine Landeskinder" am westlichen Kriegsschauplatz.
  • Am 5. Januar stellt das "Wernigeröder Intelligenzblatt" ein "Kriegskochbuch" vor, dass den Menschen eine dem Krieg angemessene Lebensmittelnutzung nahebringt. "Jeder Deutsche sollte lieber täglich dreimal Kartoffeln essen, statt durch den großen Brotkonsum die Friedensausichten zu beeinträchtigen."
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
  • Am 10. Oktober stirbt Malermeister Albert Bartels, Reichstagsabgeordneter, Mitbegründer und erster Vorsitzender des SPD-Ortsvereins in Wernigerode. "Mit ihm ist eine führende Persönlichkeit aus dem öffentlichen Leben unserer Stadt geschieden. Er verdankte diese Stellung seinem rastlosen Fleisse, seiner glühenden Liebe zu der Sache, die er vertrat, und der massvollen Art in der er sie vertrat. Auch seine Gegner haben ihm deshalb die persönliche Achtung nie versagen können. In der Stadtverordneten-Versammlung, der er seit dem 1. Januar 1898 ununterbrochen angehört hat, war er der Eifrigsten einer. Pflichttreu und streng gegen sich selbst wie gegen andere waltete er seines Amtes. Seine reichen Erfahrungen und sein selbstloses Arbeiten werden die Lücke, die der Tod hier gerissen hat, noch oft schmerzlich empfinden lassen und das Andenken an den wackeren Mann wach halten". (Nachruf des Magistrats vom 11.10.1916)
    Wernigeröder Tageblatt
Gedenkstein für Albert Bartels auf dem Zentralfriedhof - "Ein Sohn des Volkes wollte er sein und bleiben"

 
© Wolfgang Grothe
  • Am 2. September wird die Schuljugend aus den Wernigeröder Schulen zum Lustgarten zusammengeführt, um den "Sedan-tag" mit einer Andacht zu begehen. Superintendent Falke "ermahnt die Mädchen und Jungen zur Treue und zum Gehorsam gegen Eltern und Lehrer, zum Beten für unser Vaterland, unseren Kaiser, unsere Heerführer und unsere tapferen Krieger".
    Wernigeröder Tageblatt
  • Am 7. Januar trifft in Wernigerode ein Transport mit 360 Verwundeten, darunter 60 Schwerverwundete, ein. Sie werden sofort in die vorbereiteten Reservelazarette eingewiesen.
    Wernigeröder Tageblatt
Kriegsverwundete als Gäste auf dem Schloss
© Photothek Harzbücherei Wernigerode
  • Mit der Überführung von Leichen von den Kriegsschauplätzen in ihre Heimatorte machen auch in Wernigerode "Leichenüberführungsinstitute" ein Geschäft, indem Leistungen im Gesamtpreis enthalten sind, die in Wirklichkeit nicht gebracht werden.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Auch die Einführung von Kartoffelkarten kann die Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln nicht gewährleisten. In Wernigerode werden ab Januar von der Stadtverwaltung Kohlrüben und Möhren angefordert.
    Wernigeröder Tageblatt
Kohlrübenwinter
© Stadtarchiv Wernigerode
  • Am 16. Februar informiert die Schulaufsicht in Wernigerode die Öffentlichkeit über die Folgen der mangelhaften kriegsbedingten Ernährung der Kinder. Bei Schuluntersuchungen sei bei der Mehrheit der Kinder eine Gewichtseinbuße ermittelt worden. Die Behörde weist auf die Gefahren für die Schädigung der Gesundheit und die Leistungsfähigkeit hin. Viele Eltern sind objektiv nicht in der Lage, ihre Kinder gesund zu ernähren. Deshalb soll die Schulspeisung ausgebaut werden.
  • Die Versorgung der Bevölkerung des Kreises "Grafschaft Wernigerode" mit Kartoffeln wird trotz Einführung von Kartoffelkarten immer schwieriger. Der Landrat verbietet am 3. März den Verkauf von Kartoffeln aus dem Kreis heraus.
    Wernigeröder Tageblatt
© Wolfgang Grothe
  • Am 27. März trifft um 7:50 Uhr ein weiterer Verwundeten-Transport auf dem Bahnhof Wernigerode ein. Die 350 Verwundeten werden sofort auf die hiesigen Lazarette verteilt.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Nahezu täglich erscheinen in den Tageszeitungen Todesanzeigen von gefallenen Wernigerödern nach dem Muster: "Erhielt heute die traurige Nachricht, daß mein lieber unvergeßlicher Mann, meines Kindes treusorgender Vater, der Ersatz-Reservist... den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist."
    Wernigeröder Tageblatt - 2. März
Todesanzeige für August Stallmann
© Wolfgang Grothe
  • Ab 25. September beginnen auf dem Wernigeröder Marktplatz Filmaufnahmen für die Verfilmung der Oper "Martha". Hunderte Einwohner werden Augenzeuge des bunten Treibens bei den Aufnahmen. Anschließend werden Szenen im Christianental und im Lustgarten gedreht.
    Wernigeröder Tageblatt
  • In allen Wernigeröder Tageszeitungen erscheinen regelmäßig Hinweise: "Alles Gold zur Ankaufsstelle!". Allein im November werden Schmucksachen im Wert von 4075,25 Mark aufgekauft. Mit gutem Beispiel geht dabei die Fürstin voran.
    Wernigeröder Tageblatt - 29.11.
  • "Seine Durchlaucht Fürst Christian Ernst" feiert am 28. September während eines Fronturlaubs in Wernigerode seinen 53. Geburtstag. "An diesem Tag zeigt sich allenthalben in der Grafschaft durch herzliche Anteilnahme die Verbindung zu unserem Fürsten...Möge auch fernerhin das Fürstenhaus gesegnet bleiben".
    Wernigeröder Tageblatt
  • Der Sportverein "FC Germania 1916 Wernigerode" wird gegründet. 
  • Die Sorge um das Leben und die Gesundheit ihrer Männer und Söhne an den Fronten des Krieges und die Probleme mit der Versorgung sind die Ursachen der beginnenden Kriegsmüdigkeit auch der Wernigeröder. Um dem entgegen zu wirken, nutzt die Verwaltung viele soziale und kulturelle Möglichkeiten, wie patriotische Konzerte, die verstärkt genutzt werden.
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes
Patriotische Konzerte zur Aufrechterhaltung der Kriegsmoral
© Wolfgang Grothe
  • Ab 9. Dezember wird die Wernigeröder Volksküche bis zur vollen Leistungsfähigkeit beansprucht. Für Familien ab 2400 Reichsmark Familieneinkommen ist dann eine Speisung nicht mehr möglich.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Am 1. Dezember wohnen in Wernigerode und dem noch selbstständigen Hasserode zusammen 16 606 Personen, 6 497 männliche und 10 109 weibliche.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Am 5. Dezember lädt der "Kaufmännische Verein" alle Mitglieder zu einer Aussprache ein und begrüßt den Landrat von Storch, der eine Einschätzung zur Lebensmittelversorgung von Wernigerode vorträgt. Die Versorgung wird immer komplizierter, wobei die Kartoffelfrage eine der schwierigsten ist. Selbst Bezugsscheine können nicht eingelöst werden.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Am 31. Oktober wird hinter dem ehemaligen Kloster Himmelpforte der "von Se. Durchlaucht dem Fürsten gestiftete Luther-Gedenkstein eingeweiht" und persönlich enthüllt. Der Fürst führt in seiner Rede in etwa aus: Er habe hier oben auf der hohen Warte, auf althistorischem Boden, wo vor 400 Jahren D. Martin Luther eingekehrt sei, um sich mit seinem Mitarbeiter Staupitz zu beraten, im Jubeljahre der Reformation einen Gedenkstein zu errichten entschlossen. Damals, unter der Regierung seines Vorfahren, des Grafen Botho des Glückseligen, der der Reformation größtes Verständnis entgegengebracht habe, sei die Grafschaft Wernigerode Fels und Hort der evangelischen Kirche geworden und da sei es unsererseits Pflicht, das Gedenken an die Reformation zu begehen. "Und wenn die Welt voll Teufel wär!" habe Luther gesungen und sich seiner Feinde gewehrt. Auch heute habe sich eine Welt von Feinden gegen uns verbunden, um uns zu vernichten. Es werde ihnen nicht gelingen.
    Wernigeröder Tageblatt
Inschrift auf dem Gedenkstein von Martin Luther
© Wolfgang Grothe
  • Die 1903 von Johannes Bürger im Mühlental gegründete Firma zur Gewinnung von Digitalis-Dialysat erhält den Namen "Johannes Bürger Ysatfabrik Wernigerode".
  • Am 8. März findet in Wernigerode eine "Nachmusterung von dienstunbrauchbaren Unteroffizieren und gedienten Mannschaften sowie die 1882 und später geborenen Ersatzreservisten", statt, "welche während des Krieges als dauernd dienstunbrauchbar erklärt sind". Die fraglichen Personen haben sich persönlich oder schriftlich unter Vorlegung ihrer Militärpapiere bei ihrer Kontrollstelle im Bezirkskommando zu melden.
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes
  • Im "Wernigeröder Tageblatt" wird eine ab 1. März in Kraft gesetzte Bekanntmachung veröffentlicht, nach der zur Deckung des Bedarfs in der Rüstungsindustrie Bronzeglocken aus den Kirchen freiwillig abgeliefert werden können. Die Bekanntmachung sieht auch die Beschlagnahmung, Enteignung und Einziehen von Bronzeglocken vor.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Ab 15. Januar wird für Wernigerode die Kartoffelration vermindert und eine möglichst starke Heranziehung der Kohlrüben bleibt unausweichlich. "Preußen hat die Anordnung herausgegeben, dass überall da, wo genügend Kohlrüben vorhanden sind, die Wochenkopfmenge auf drei Pfund Kartoffeln herabgesetzt wird".
    Wernigeröder Tageblatt
  • Am 8. April ruft das "Wernigeröder Tageblatt" die Wernigeröder auf, die "VI. Kriegsanleihe" zu zeichnen. "Hilf, zum vollen Sieg, zum ehrenvollen Friede, zur baldigen Heimkehr unserer Truppen beizutragen. Alle, Deine Angehörigen, Deine Verwandten, Deine Nachbarn müssen helfen! Zeichne Kriegsanleihe, dann warst auch Du dabei, als die Entscheidung erzwungen wurde. Wie bei den Wahlen auf jede Stimme, so kommt es bei dieser Kriegsanleihe auf jede Mark an."            
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes - 8. April 1917
  • Am 17. April wird das Ergebnis der Zeichnung der VI. Kriegsanleihe in Wernigerode bekannt gegeben. Es sind 7.042.500 Mark im Vergleich zu 6.004.400 Mark bei der V. Kriegsanleihe.
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes - 17. April 1917
  • Am 26. Juli wird den Wernigerödern mitgeteilt, dass es notwendig ist, die Schüler aus den höheren Lehranstalten für den militärischen "Vaterländischen Hilfsdienst" einzusetzen. Die Schulen erhalten dazu konkrete Weisungen.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Ab 20. Juli erhält jeder Einwohner 350 g Fleisch und 50 g Wurst pro Woche. Erstmalig werden Frühkartoffen verkauft, jeder einmalig 500 g. Die Wochenzuteilungen werden wöchentlich neu festgelegt und auf Lebensmittelkarten verkauft. Immer wieder kommt es zu Klagen von Einwohnern, dass auf dem Wochenmarkt "Fremde" einkaufen, die dann die gekauften Waren per Post in ihre Heimatorte senden. Den Wernigerödern stehen dann die auf den Karten stehenden Mengen nicht mehr in der festgelegten Höhe zur Verfügung.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Zur Hindenburg-Feier findet sich am 2. Oktober auf dem Wernigeröder Marktplatz eine "vieltausendköpfige Menge" ein, um seinem 70. Geburtstag zu gedenken.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Am 1. September veröffentlicht das "Wernigeröder Tageblatt" eine ganzseitige Bekanntmachung der Armee mit einer Warnung an die Bevölkerung, um sie "von den verhängnisvollen Folgen der landesverräterischen Machenschaften von mit feindlichem Gelde bestochenen Agenten zu bewahren". Es wird darauf verwiesen, dass Kriegsverrat und Landesverrat mit Zuchthaus und unter Umständen mit dem Tode bestraft wird.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Am 15. November wird an drei Wernigerödern für die "Wiederergreifung drei entwichener Kriegsgefangener bewiesene Umsicht und Entschlossenheit eine Belohnung von je 5 Mark ausgezahlt".
    Wernigeröder Tageblatt
  • Am 31. Oktober wird von den evangelischen Christen im Gedenken an die Reformation der Kirche durch Martin Luther der Reformationstag gefeiert. Genau vor 400 Jahren soll der Überlieferung nach der Mönch Martin Luther am Abend vor Allerheiligen 1517 an der Tür der Schlosskirche in Wittenberg 95 Thesen in lateinischer Sprache zu Ablass und Buße angeschlagen haben. Dieses Jubiläum ist auch in Wernigerode Anlass, die Verdienste Luthers in Vorträgen in Kirchen, Gymnasium und in konservativen und nationalen Vereinen zu würdigen. Im Gymnasium hält der Rektor vor Lehrerkollegium und Schülern einen Vortrag zum Thema: "Luthers Erbe an das deutsche Volk". Nicht nur bei diesem Vortrag, sondern tendenziell wird Luther als "Glaubensheld" und "deutscher Mann" glorifiziert. "Sein ganzes Leben war durch und durch deutsch" oder "An Luthers Wesen wird und muss die Welt genesen" sind Kernsätze nahezu aller Vorträge.
  • Am 13. Dezember wird in Wernigerode die Ortsgruppe der Deutschen Vaterlandspartei gegründet. Die stark besuchte Versammlung wurde von Herrn Karl Holfelder eröffnet. Die Deutsche Vaterländische Partei (DVLP) ist die erste rechtsradikale Partei in Deutschland, die Elemente konservativer, extrem-nationalistischer, antisemitischer und völkischer Ideologen aufgreift.
  • Für die Feldbestellung stehen ab 17. Dezember für Wernigerode und Umgebung in Wernigerode Militärpersonen zum Pflügen und Bestellen zur Verfügung. Anmeldungen nimmt ab sofort ein Offiziersstellvertreter im "Gasthof zur Sonne" entgegen.
    Wernigeröder Tageblatt
  • Ab 1918 beginnt für Wernigerode und Nöschenrode die Ausgabe von Notgeld, weil harte Münzen aus Gold gehortet werden. Dieses Notgeld ist bis 1921 im Umlauf. In der Stadt wird eigenes "Notgeld" ausgegeben. Diese Notgeldscheine haben bis 1921 in Ermangelung von Münzen Gültigkeit.
  • Oberstudiendirektor Professor Paul Menge, *09.04.1876, übernimmt die Leitung des Wernigeröder Gymnasiums, nachdem der Geh. Studienrat Dr. Albrecht Jordan diese am 30. September niederlegte.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Nr. 16 - April 1955
Oberstudiendirektor Prof. Paul Menge
© gemeinfrei
  • Studienrat Ernst Köllner ruft in Wernigerode einen Volkshochschul-Verein ins Leben. An den Kursen des ersten Wintersemesters 1919/1920 nehmen 798 Volkshochschüler teil.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"
  • Mit dem Ende des 1. Weltkrieges endet auch für Wernigerode das Zeitalter der Monarchie und entsteht die erste demokratische Republik auf deutschem Boden. Die hier in alter Landknechtstracht Aufstellung nehmende Schlosswache kann nicht den langsamen Abschied von feudaler Pracht durch ständig wachsende finanzielle Probleme des Fürstenhauses verhindern.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld"
Schlosswache um 1920
© Dieter Oemler
  • Einer der jüngsten Ortsteile Wernigerodes ist Schierke. Der Ort gilt schon Anfang des 20. Jahrhunderts als ein Kurbad von Welt. Durch die Lage nahe dem Brocken, die reine und frische Luft und die Weitläufigkeit der Umgebung mit unzähligen Wandermöglichkeiten herrscht das ganze Jahr über reger Touristenverkehr. Es gibt einfache Herbergen, Gästezimmer, aber auch mondäne Hotels und Kureinrichtungen wie das Kurhotel "Barenberger Hof". Man behandelt Herz- und Gefäßerkrankungen, aber auch Asthma und andere Atemwegserkrankungen. Im Winter wird schon eine Eisbahn zur Vergnügung angeboten und es finden Bobrennen statt.
    Wernigerode - Stadt und Land 1926 Dari Verlag Berlin - S.65 ff.
Speisesaal im Kurhotel "Barenberger Hof" Schierke
© Frank Wiesner
  • Als Reaktion auf den Kapp-Putsch am 13. März ruft ein Aktionsausschuss aller politischen Parteien in Wernigerode die Bevölkerung zu einem Generalstreik auf. Unter der Überschrift: "Heraus zum Generalstreik - die Freiheit ist in Gefahr - es gilt die Republik zu schützen" erscheint am 15. März das "Wernigeröder Tageblatt" mit einer Generalstreik-Ausgabe. Die Resonanz auf diesen Aufruf ist überwältigend.
    Wernigeröder Tageblatt - 15.März 1920
  • Der Hartgeldmangel zwingt auch die Stadt Wernigerode am 20. Dezember die ersten wirklich künstlerisch gestalteten Notgeldscheine herauszugeben, welche durch Handstempel nummeriert werden.
Wernigeröder Notgeld von 1920
© Wolfgang Grothe
  • Wohlhabende Pensionäre sowie zahlreiche Adlige siedeln sich in Wernigerode an. Eine Grußbotschaft der Mitglieder der Ortsgruppe Grafschaft Wernigerode der deutschen Adelsgenossenschaft an Fürst Christian zu Stolberg-Wernigerode umfasst 125 Namen.
    Josef Walz "Der Harz"
  • Das nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr lebensfähige "Hotel Monopol" wird von der Gewerkschaft gekauft und in ein Gewerkschaftshaus umgewandelt. Das Parteibüro der Wernigeröder SPD zieht ebenfalls ein. Dafür gibt die Partei ihr erstes Haus in der Schmatzfelder Straße auf.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S. 75
  • Im Zusammenhang mit der beginnenden Inflation wird auch in Wernigerode begonnen, Notgeld zu drucken und einzusetzen.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.83
Notgeld für Schierke 1921
© Wolfgang Grothe
  • Am 1. September wird die Landwirtschaftsschule Wernigerode aus der 1919 gegründeten Kreislandwirtschaftsinspektion entwickelt. Die Schule untersteht der Landwirtschaftskammer der Provinz Sachsen. Ihren Sitz hat die Schule in der Knaben-Mittelschule, der heutigen Wilhelm-Raabe-Schule. Die Schule unterrichtet ausschließlich Bauernsöhne in jeweils zwei Winterhalbjahren.
    90 Jahre Landwirtschaftschule Wernigerode
Kursanten der Landwirtschaftsschule
© gemeinfrei
  • Am 13. Januar vereinigen sich in Wernigerode die Ortsvereine der SPD und der USPD zur Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (VSPD).
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes
  • In Wernigerode werden eine Notstandsküche und im Winter Wärmestuben eröffnet.
  • Ein "Wernigeröder Verein zur Förderung der Luftfahrt" wird gebildet.
Original-Fliegeraufnahme: Liebfrauenkirche
© Stadtarchiv Wernigerode PK  III/181
  • Wernigerode wird in den Strudel der Inflation hineingezogen.
  • Die Fürst-Otto-Bibliothek im Lustgarten in Wernigerode ist in Deutschland eine der bedeutendsten bibliographischen Sammlungen.
Fürst-Otto-Bibliothek im Lustgarten
© Stadtarchiv Wernigerode PK I/232
  • In den Wintermonaten dient ein zugefrorener Teich im Christianental und der künstlich vereiste Gymnasialsportplatz den Wernigerödern und ihren Gästen dem Eislauf und Hockeyspiel.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.56
Eishockeyspieler im Christianental
© Dieter Oemler
  • Am 1. Mai findet auch in Wernigerode eine Mai-Demonstration statt. Der 1. Mai ist noch kein gesetzlicher Feiertag.
Maidemonstration 1922
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Am 1. und 2. Juli findet die 3. Reichskonferenz der sozialdemokratisch gesinnten Arbeiterjugend "in dem kleinen Harzstädtchen Wernigerode" statt.
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes
  • Am 30. Dezember wird auf einer kleinen Schanze im Zwölfmorgental der erste Wernigeröder Sprunglauf ausgetragen.
alte Ansichtskarte vom "Zwölfmorgental"
© Stadtarchiv Wernigerode PK V 0098
  • In Wernigerode existiert eine aktive Ortsgruppe des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Der 1888 gegründete deutschlandweit tätige Arbeiter-Samariter-Bund ist eine unabhängige Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation, die historisch auf Initiative von Arbeitern und Handwerkern zur Selbsthilfe und im Bereich der Unfallrettung zurückgeht.
    wikipedia.org
Ortsgruppe Wernigerode des Arbeiter-Samariter-Bundes
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Am 1. Juli wird in Wernigerode "in Anwesenheit der Fürstlichen Herrschaften, der Spitzen der Behörden und anderen zahlreichen geladenen Gäste" die vielbeachtete und viel besuchte "Wernigeröder Harz-Ausstellung" eröffnet.
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes - Wernigeröder Tageblatt 2. Juli 1923
  • Am 23. Juli werden in Wernigerode die Brotpreise um das Doppelte erhöht und gleichzeitig zum 1. September weitere Preiserhöhungen angekündigt.
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes - 23. Juli 1923
  • Die Löhne in den Betrieben der Stadt werden regelmäßig der galoppierenden Geldentwertung im Deutschen Reich angepasst und täglich an die Lohnempfänger ausgezahlt. Diese sind bemüht, das Geld für den Konsum am gleichen Tag in den Geschäften auszugeben. Zum Beispiel erhöht sich der wöchentliche Bezugspreis der Tageszeitung "Wernigeröder Tageblatt" von 30 Millionen Reichsmark in der zweiten Oktoberwoche auf 105 Millionen Reichmark in der dritten Oktoberwoche.
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes
  • Am 8. und 9. September herrschen in Wernigerode bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, über die in der Presse deutschlandweit berichtet wird. Trotz polizeilichen Verbotes eines Aufmarsches zum sogenannten "Deutschen Tag" der eigentlich verbotenen ultrarechten "Mitteldeutschen Arbeiterpartei" sind mit der Bahn Hunderte angereist. Gleichzeitig versammeln sich in der Nacht vom 8. zum 9. September am "Monopol" 1500 Arbeiter, die sich in einer aufgeheizten Stimmung den Stahlhelmern und Nationalisten entgegenstellen. "Nur der ausgezeichneten Disziplin des Republikanischen Sicherheitsdienstes und der überlegenen Ruhe des Gewerkschaftsvorsitzenden Jonas ist es zu verdanken, dass die Leute vom Stahlhelm nicht glatt vernichtet worden sind und ein größeres Blutbad nachfolgte".
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes - Amtlicher Bericht über die Vorgänge in Wernigerode am 8. und 9. September
  • Die Not der Bevölkerung, insbesondere der Arbeitslosen, nimmt dramatische Formen an. Ab 1. November verständigen sich Geschäftsleute in Nöschenrode und stellen unentgeltlich Lebensmittel zur Verfügung. Als erste spenden die Bäckermeister Kupfer, Blumeier, Wiecker, Liesmann und Querfurt je 10 Brote. Dieser Aktion schließen sich sehr viele Geschäftsinhaber in Wernigerode und Hasserode an und spenden Kartoffeln, Kakao, Nudeln, Mehl u.a.
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes
  • Im November wird erstmalig eine 500-Milliarden-Banknote in Umlauf gebracht. Das ist auch notwendig, weil zum Beispiel eine einfache Fahrkarte der Bahn am 5. November von Wernigerode nach Berlin 500 Milliarden Reichsmark kostet.
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes
  • Nach dem Beispiel von Geschäften des Einzelhandels und des Handwerks entschließen sich Landwirte aus den Dörfern des Umlandes zu Naturalspenden für die Notstandsküchen in der Stadt Wernigerode.
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes
  • Am 22. Dezember gibt es im "Monopol" eine Weihnachtsfeier mit Bescherung für Kinder von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern. Die Gebefreudigkeit der Wernigeröder für diese Veranstaltung war nach Einschätzung der Organisatoren überwältigend.
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes
  • Nach den Notzeiten des Krieges und der Folgejahre beginnt sich das Leben in Wernigerode wieder langsam zu normalisieren. Auf dem Marktplatz gibt es wieder regelmäßig Wochenmärkte.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode"
Wochenmarkt nach 1920
© Dieter Oemler
  • Die Wernigeröder Schokoladenindustrie hat etwa 1500 Beschäftigte. Zu den bedeutendsten Betrieben der Schokoladenindustrie in Wernigerode gehören die "Ronnenberg AG" im Mühlental 12, die "Ferdinand Karnatzki AG" im oberen Hasserode ("Burgmühle"), die "Ludwig Bauermeister & Co. GmbH" (Mühlental 10) oberhalb der Storchmühle, die "Mauls AG" (Ilsenburger Straße), die "Schokoladenfabrik Walter Hildebrandt" (Breite Straße 54) und die "Konfitüren- und Schokoladenfabrik Theodor Keim" (Breiten Straße 53).
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Gerhard Bombös
Ehemaliges Kraftwerk Argenta 2016
© Wolfgang Grothe
  • Wernigerode hat 19.636 Einwohner, davon 18.844 Evangelische, 461 Katholiken, 25 sonstige Christen und 22 Juden.
  • In Wernigerode bildet sich eine Ortsgruppe der NSDAP.
Stahlhelm-Treffen in der "Storchmühle" 1925
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • In Wernigerode wird der Einsatzbereitschaft der Feuerwehr, nicht zuletzt aus den Erfahrungen mit den Stadtbränden in einer hauptsächlich aus Fachwerk bestehenden Altstadt, stets eine hohe Bedeutung beigemessen.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.59
Erprobung eines Rettungsschlauches für gefährdete Personen aus oberen Stockwerken
© Dieter Oemler
  • In Wernigerode existiert ein sehr aktiver sozialdemokratischer Wahlverein.
SPD-Wahlverein Wernigerode
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Die 1921 gegründete Landwirtschaftsschule Wernigerode wird im Oktober um eine Mädchenabteilung erweitert, welche ihren Sitz in der Mädchen-Volksschule, der heutigen Thomas-Müntzer-Schule, hat. Die Landwirtschaftsschule ist gleichzeitig die Zentrale des Milchkontrollvereins, des Kreismilchausschusses, der Versuchsvereinigung Nordharz, der Geschäftsstelle für Pflanzenschutz und des Lehrlingswesens. Darüber hinaus beraten die Lehrer der Schule die Landwirtschaftsbetriebe zu Fragen der Steigerung der Produktion und Rentabilität. Von 1921 bis 1945 werden an der Landwirtschaftsschule Wernigerode 1087 Mädchen und Jungen ausgebildet.
    90 Jahre Landwirtschaftschule Wernigerode
Eine Mädchenklasse der "Landwirtschaftsschule Wernigerode" vor dem Eingang der heutigen "Thomas-Müntzer-Schule"
© Archiv Manfred Fuhlroth
  • In Wernigerode wird eine Schule für lernschwache Kinder gegründet, aus der ab 1927 die Pestalozzischule hervorgeht. 53 Schüler, vom Kreisarzt ausgewählt, bilden die ersten zwei Hilfsschulklassen im Nebengebäude der damaligen Knabenschule Wernigerode - heute Grundschule Diesterweg.
 Pestalozzi-Schule in der Minslebener Straße im Stadtfeld 2015
© Wolfgang Grothe
  • Die Nordhausen-Wernigeröder-Eisenbahn ergänzt ihr Angebot auf der Schiene durch eine Reihe von Kraftomnibussen, die die Touristen zu Ausflugszielen befördern und Harzrundfahrten anbieten.
Kraftomnibus für die Strecke Wernigerode-Nordhausen 1926
© Dieter Oemler
  • Am 1. Juli feiert der Wernigeröder Schützenverein mit einem großen Festumzug sein 475-jähriges Bestehen.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.57
Festumzug am 1. Juli 1926 aus Anlaß des 475jährigen Bestehens des Schützenvereins
© Dieter Oemler
  • Die Stadträte von Wernigerode stimmen den seit 1909 von Stadtbaurat Wilhelm Deistel ausgearbeiteten Plänen für den Bau einer Kläranlage und der innerstädtischen Kanalisation zu. Die Situation war durch in die Gosse geleitete flüssige Abfälle aus Haushalt und Gewerbe für Einwohner und Feriengäste unerträglich geworden.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S. 42
Bau einer innerstädtischen Kanalisation
© Dieter Oemler
  • Zu den bekanntesten und wohl auch "süßesten" Werken in Wernigerode gehört um die Jahrhundertwende die Ferdinand Karnatzki Aktiengesellschaft. Zweck dieser Einrichtung ist die Schokoladen- und Süßigkeitenherstellung. Das Gelände wird von Alters her als Mühle, die "Burgmühle", genutzt. Sie dient im Laufe der Jahrhunderte den unterschiedlichsten Zwecken, bis das Gelände vom Eigentümer der Schokoladenfabrik, Ferdinant Karnatzki, aufgekauft und darauf neue, große und moderne Fabrikationsgebäude errichtet werden. Um die neuen Maschinen und Anlagen mit Energie zu versorgen, muss zunächst noch die städtische Stromversorgung in Anspruch genommen werden bis zur Inbetriebnahme eines eigenen Kraftwerkes. Seit 1924 liefern zwei insgesamt ca. 700 PS starke Dieselmotoren genügend Energie, um unabhängig zu sein.
    Wernigerode - Stadt und Land 1926 Dari Verlag Berlin
700 PS starke Dieselmotoren der ehemaligen Ferdinant Karnatzki AG um 1926.
© Frank Wiesner
  • Am 24. Januar wird die große Sprungschanze am Nordhang des Armeleuteberges eingeweiht. Nahezu 2000 Zuschauer verfolgen begeistert dieses für Wernigerode neue Ereignis.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • Der schwerste Unfall in der Geschichte der Nordhausen-Wernigeröder-Eisenbahn, Vorläufer der heutigen Harzquerbahn, wird verzeichnet. Infolge starken Regens am 6. Juli wird der Bahndamm bei der Thumkulental-Brücke unterspült. Die Lok und zwei Wagen stürzen ab, sechs Menschen sterben, über 20 Menschen werden verletzt.
Lok des Unglückszuges 6. Juli 1927
© privat
  • Ab 1927 finden (bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges) die jährlichen Verbandstagungen des "Allgemeinen Deutschen Jagdschutzverbandes" unter der Schirmherrschaft von Christian Ernst Fürst zu Stolberg-Wernigerode in Wernigerode statt (deshalb Umbenennung in "Wernigeröder Jagdcorps Senioren-Convent").
    wikipedia.org
  • Wernigerode erhält eine zweite Blindeneinrichtung. Die 1903 gegründete "Gesellschaft für christliches Leben unter den Blinden", verbunden mit einer Druckerei für Blindenschrift, siedelte 1925 nach Wernigerode um und hat ab 1928 eigenen Hausbesitz im Pulvergarten 2.
  • Das Krankenhaus Wernigerode wird auf 215 Betten erweitert.
    Harzklinikum Wernigerode - Krankenhausgeschichte
Krankenhaus Wernigerode
© Dieter Oemler
  • Fürst Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode (1864-1940) ist finanziell bankrott und gibt das Schloss als Wohnsitz auf. Der Fürst bezieht die von ihm gekaufte Villa "Fichtenhof" in Schierke. Erbprinz Botho zieht in die einstige Kammerpräsidentenvilla, die damit Erbprinzenpalais wird.
Schloss Wernigerode
© Stadtarchiv Wernigerode PK I/83
  • Der "reiche" Flecken Nöschenrode wird gegen den massiven Widerstand wohlhabender Nöschenröder Bürger von der "verschuldeten" Stadt Wernigerode durch eine definitive Entscheidung des Magdeburger Regierungspräsidiums eingemeindet. Die Nöschenröder sprechen von einer "Zwangseingemeindung".
Hotel "Lindenberg" in Nöschenrode
© Stadtarchiv Wernigerode PK/IV/253
  • Mit Unterstützung des Harzklub-Zweigvereins Wernigerode stellt die Stadt unter Leitung des Stadtbaurates Wilhelm Deistel auf dem Blockshornberg ein Lönsdenkmal auf mit der Inschrift: "Dem trefflichen Schilderer der bunten Stadt am Harz. Der Harzklub Wernigerode 1919"
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.92
Aufstellen des Lönsdenkmals
© Dieter Oemler
  • Das "Fürstliche Haus Stolberg-Wernigerode" begeht mit einer Festveranstaltung am 18. August in der Schlosskirche sein 500- jähriges Bestehen. Im vom "Hofchef" unterzeichneten Programm der Veranstaltung heißt es: "Sobald seine Durchlaucht der Fürst den Schlosshof betritt, halten die Führer der Abordnungen Ansprachen. Zum Schluss Rede seiner Durchlaucht des Fürsten und persönlicher Dank."
  • Bei den Wahlen zum Stadtparlament erringen die Nationalsozialisten mit 2900 Stimmen fünf Mandate, ein sechster Nationalsozialist wird Stadtrat (Dr. Boettcher) und Mitglied des Magistrats. Die KPD erringt erstmals in Wernigerode ein Mandat. Die NSDAP zieht nach den Wahlen zum Stadtparlament trotz geltender Uniformverbote provokant in das Rathaus ein.
Die NSDAP zieht nach den Wahlen zum Stadtparlament trotz geltender Uniformverbote provokant in das Rathaus ein.
© Dieter Oemler
  • Das Wernigeröder Schloss wird teilweise für Besichtigungen freigegeben, um aus dem Erlös Werterhaltungsmaßnahmen zu finanzieren.
 Schloss Wernigerode
© Dieter Oemler
  • Auch in Wernigerode wirkt sich die durch die Weltwirtschaftskrise verursachte hohe Arbeitslosigkeit auf die Kaufkraft der Einwohner aus. Die Handelstätigkeit hat seit Jahren eine rückläufige Tendenz, kleine Geschäfte kämpfen ums Überleben. Das Bekleidungsgeschäft "Deutsche Herrenmoden" Burgstraße 9 gehört dem Juden Willy Löwenstein (zu seinem Schicksal nach 1933 siehe Eintrag 1941).
    Auf den Spuren jüdischen Lebens in Wernigerode (Wernigeröder Geschichts- und Heimatverein)
"Deutsche Herrenmoden" Burgstraße 9, 1930
© Daniel Stern
  • Am 31. März sind in der Stadt Wernigerode 800 männliche und 134 weibliche Personen als Arbeitssuchende im Arbeitsamt Nordharz registriert.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • Am 7. Mai erhält Wernigerode ein Heimatmuseum. Der Geschichtsverein übernimmt die Einrichtung und Pflege des neuen Heimatmuseums. Die Hauptversammlung des Vereins beschließt seine Umwandlung in einen Geschichts- und Altertumsverein. Amtsgerichtsrat Grosse wird 1. Vorsitzender.
Exponate aus der Sammlung des Fürstenhauses im neuen "Heimatmuseum"
© Dieter Oemler
  • 9. Mai: Infolge der schlechten Wirtschaftslage ist die Zahl der sogenannten Wohlfahrtserwerbslosen in Wernigerode auf 1050 gestiegen.
  • Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und daraus resultierende soziale Verelendung, werden auch in Wernigerode wie im gesamten Deutschland immer spürbarer. Die Folge ist eine zunehmende seit Jahren sich entwickelnde Radikalisierung der verschiedenen politischen Richtungen. Auch in Wernigerode haben sich besonders in den extremen linken und rechten Parteien (NSDAP und KPD), aber auch bei der SPD und im Zentrum halbmilitärische "Kampfgruppen" gebildet, die offiziell als "Saalschutz" zur Absicherung von politischen Veranstaltungen eingesetzt werden. Besonders die SA (NSDAP) und der Rote Frontkämpferbund (KPD) rekrutieren ihre Mitglieder besonders aus den Reihen von bildungsfernen Langzeitarbeitslosen und zeichnen sich durch besondere Gewaltbereitschaft gegen "politische Feinde" aus.
Demonstration der NSDAP 1930 in der Burgstraße
© Dieter Oemler
  • Am 1. Mai findet in Wernigerode eine Maifeier mit Demonstration statt. Der 1. Mai ist noch kein gesetzlicher Feiertag.
Maifeier 1931 in Wernigerode
© Archiv Mahn- und Gedenkstätte
  • Von "einer Massenkundgebung, wie sie Wernigerode seit Jahren nicht gesehen hat" , berichtet am 2. November das "Halberstädter Tageblatt". Im Rahmen eines Arbeiterjugendtreffens im Gewerkschaftshaus an der Salzbergstraße 2 sprach mit dem Reichstagspräsidenten Paul Löbe einer der ranghöchsten Amtsträger Deutschlands. Zuvor bekundeten etwa 300 Teilnehmer des Treffens in Form eines - wie es in der Zeitung heißt - "von der Bevölkerung der Stadt freudig begrüßten Demonstrationsumzuges" ihre Verbundenheit zur Demokratie, die wegen der Weltwirtschaftskrise und dem Aufkommen der Extremisten bereits in Gefahr geraten ist. Paul Löbe referierte über die Ursachen der Weltwirtschaftskrise und schlug einen Bogen zum wachsenden Faschismus: "Die Verherrlicher des 3. Reiches suchen den Wundertäter, der die Krise bannen soll, in einem Diktator".
  • Im Juli finden auch in Wernigerode Reichstagswahlen statt. Für die NSDAP stimmen 8.055 Wernigeröder.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S. 92
ehemalige Geschäftsstelle der NSDAP
© unbekannt
  • Am 6. November sind die Wernigeröder zum zweiten Mal in diesem Jahr aufgerufen, einen neuen Reichstag zu wählen. Die Wahl ergibt für die Stadt folgendes Bild: NSDAP 6.473 Stimmen, SPD 3.596, DNVP 1.881, KPD 1,447. Außerdem 715 Stimmen von Splitterparteien.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"
  • Der Bankverein für Stadt und Landkreis Wernigerode eGmbH wird gegründet. (Geburtsdatum der heutigen Vereinigten Volksbank). Die Zahl der Genossenschaftsanteile zu 500 Reichsmark wird auf 10 Stück begrenzt.
  • Sonderfahrten der Brocken-Bahn zur Walpurgisnacht gehören zum festen Repertoire der Veranstaltungen  in Wernigerode.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode"
Walpurgisnacht mit der Brocken-Bahn
© Dieter Oemler
  • Am 30. Januar beauftragt der deutsche Reichspräsident, Paul von Hindenburg, den Führer der faschistischen NSDAP, Adolf Hitler, mit der Regierungsbildung. Die später von den Nationalsozialisten so bezeichnete "Machtergreifung" wird zunächst auch von der großen Mehrheit der Wernigeröder euphorisch bejubelt. Mit der Machtergreifung beginnt auch für die Bunte Stadt am Harz eines der finstersten Kapitel ihrer Geschichte. Die Wahl im März zur Stadtverordnetenversammlung ergab folgendes Ergebnis:16 NSDAP-Mitglieder, 4 DNVP, 7 SPD und 1 KPD.
  • "Reichsinnenminister" Frick erklärt am 22. Juni die SPD zur "volks- und staatsfeindlichen Organisation". Bereits in den ersten Monaten nach der Wahl sind die Abgeordneten der SPD und der KPD auch in Wernigerode fortwährender Verfolgung und dem Terror der braunen Machthaber ausgesetzt und ihr Widerstand wird gebrochen. Führende 81 SPD-Mitglieder werden am 24. Juni verhaftet, durch die Straßen getrieben und in der Turnhalle der SA-Führerschule in der Ilsenburger Straße mißhandelt. Später wird dieses Vorgehen als "Schandmarsch" bezeichnet. Zu den misshandelten SPD-Mitgliedern gehören u.a. der langjährige Zweite Bürgermeister und Gewerkschaftssekretär Herrmann Paul Reichardt, der Fraktionsvorsitzende der SPD Otto Goedecke sowie der Gewerkschaftsvorsitzende Max Otto. Durch besonderen Sadismus zeichneten sich die Wernigeröder SA-Leute Erich Göbel und Georg Baetge aus.
    Volksstimme - 1. und 3. Juli 2013 / Beitrag von Ralf Mattern "Der Schandmarsch"
Verhaftung von Funktionären der SPD 1933
© Dieter Oemler
  • Der größte Teil der Bevölkerung arrangiert sich mit der neuen politischen Konstellation. Viele profitieren von der sich abzeichnenden langsamen wirtschaftlichen Erholung. Die Nazifizierung des gesamten öffentlichen Lebens schreitet auch in Wernigerode schnell voran. Die von der NSDAP organisierte "Gleichschaltung" geht besonders auch in der Harzregion mit einer "Selbstgleichschaltung von unten" einher. Viele Vereine, verantwortliche Vertreter medizinischer und kultureller Einrichtungen biedern sich den neuen Machthabern vorauseilend an.
Arbeiterdelegierte besuchen den Führer
© Photothek Harzbücherei Wernigerode
  • Der Landkreis Wernigerode gehört ab 1933 bis 1945 zum Gau Magdeburg-Anhalt. Im Landkreis wohnen 75.047 Einwohner (davon 71.521 Evangelische, 2.468 Katholiken und 33 Juden).
Blick über das Schloss hinweg in das nördliche Vorland
© Wolfgang Grothe
  • Die Stadt Wernigerode hat 23.296 Einwohner, davon 22.364 Evangelische, 535 Katholiken, 3 sonstige Christen und 16 Juden.
Blick auf den Marktplatz um 1934
© Willi Pragher
  • Die so genannte "Gleichschaltung", wie die Einordnung aller bestehenden Einrichtungen und Verbände unter dem Einfluss und der Kontrolle der NSDAP genannt wird, beherrscht das wirtschaftliche, politische und kulturelle Leben auch in Wernigerode. Die NSDAP-Führung hat sich in Wernigerode etwas Besonderes ausgedacht, um jede oppositionelle Tätigkeit zu kriminalisieren. Darüber schreiben die "Hallischen Nachrichten" am 19. Juni: "Wernigerode hat sich ein Erziehungsmittel geschaffen, daß an längst vergangene Zeiten erinnert, von dem man sich aber eine gute Wirkung verspricht. Es ist dies ein Schandpfahl, der der Bevölkerung auf dem Marktplatz von der SA vorgeführt wurde. Truppführer Schlierstedt erläuterte den Zweck dieser Einrichtung dahin, daß der Pfahl jeweils einen Tag lang für diejenigen Einwohner auf dem Marktplatz stehen werde, die sich einer Verächtlichmachung des Kanzlers, der Regierung oder irgendwelcher allgemein störender und schadender Äußerungen und Handlungen schuldig machen."
    Hallische Nachrichten
Schandpfahl
© Phototkek Harzbüchere Wernigerodei
  • Am 17. Oktober verurteilt das Schöffengericht in einem Verfahren im Amtsgericht Wernigerode acht Kommunisten aus Wernigerode und Ilsenburg zu Zuchthausstrafen zwischen einem und anderthalb Jahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, "bis September 1933 den organisatorischen Zusammenhalt einer anderen politischen Partei als der NSDAP aufrecht erhalten zu haben", indem sie für die verbotene KPD Mitgliedsbeiträge kassiert, bzw. gezahlt hatten.
    Justiz im Nationalsozialismus - Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes
  • Der Sportverein "FC Germania Wernigerode" fusioniert mit dem "FC Victoria 1910" zum "VfL Germania 1910 Wernigerode".
  • Nachdem die Nationalsozialisten am 19. Mai in Berlin unter dem Jubel Tausender die erste Bücherverbrennung inszeniert hatten, brannten im gesamten Reich, besonders in den Universitätsstädten, die Werke international und national bekannter deutscher Schriftsteller. Auch Wernigerode war davon vermutlich betroffen. Es existiert jedoch nur ein Foto. In den lokalen Zeitungen gibt es keine Hinweise. In den Universitätsstädten ging die Bücherverbrennung zur gleichen Zeit mit einer propagandistischen Hetze gegen "jüdische, kommunistische und volksfeindliche Autoren" in der Presse einher.  
Naziaufmarsch 1933 auf dem Marktplatz - Bücherverbrennung?
© Fotothek Harzbücherei Wernigerode
  • Am 31. Dezember hat Wernigerode 24 397 Einwohner. Das sind 254 mehr als zwölf Monate zuvor.
  • Am 1. März wird der "Vertrag zwischen Erbprinz Botho und Preußischem Staat, Landesforstverwaltung, über den Verkauf eines Teiles des fürstlichen Nordharz- und Südharzforstes" unterschrieben. Verkauft werden im Nordharz (Kreis Wernigerode) 7928 Hektar zum Preis von 10 021 000 Mark.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.91
vorne links, Fürst Botho zu Stolberg-Wernigerode 1957
© Gerhard Bombös
  • Das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" vom 14. Juli 1933 ist für den Kreisarzt Medizinalrat Dr. Jancke seit 1934 die gesetzliche Grundlage, nach Hinweisen aus der Wernigeröder Ärzteschaft für viele Frauen, aber auch einzelnen Männern aus dem Kreisgebiet beim "Erbgesundheitsgericht Halberstadt" den Antrag auf "Unfruchtbarmachung" zu stellen. Im Kreis Wernigerode regt sich auch Widerstand gegen die überdurchschnittlich hohe Anzahl der Anträge. In einem geheimen Schreiben wendet sich der Landrat an die Ortspolizeibehörden und fordert diese auf, gegen das "Sabotieren des Gesetzes und die Propaganda mit aller Härte" vorzugehen. Ein Ortsbürgermeister soll geäußert haben, dass die Leute nach seinem Dafürhalten nicht erbkrank sind. Die Staatsanwaltschaft leitet ein Ermittlungsverfahren gegen den Bürgermeister ein.
    Stadtarchiv Wernigerode - Tagebuchnummer 1299
  • Der 30. Januar steht in Wernigerode, wie die gleichgeschalteten lokalen Tageszeitungen euphorisch berichten, ganz im Zeichen des ersten Jahrestages der "nationalen Erhebung". Nicht nur auf amtlichen, sondern auch auf fast allen privaten Gebäuden "weht die Fahne der siegreichen nationalen Revolution lustig im Wind", die Hakenkreuzfahne der Nationalsozialisten. Die "SA-Formationen und die HJ" versammeln sich "abends nach einem Ummarsch" durch die Stadt und auf dem Marktplatz, wo Standartenführer Blumenstein "in kernigen Worten die Leistungen Adolf Hitlers im vergangenen Jahr" kennzeichnet und "dem Führer mit einem eindrucksvollen SIEG HEIL dankt". Zur gleichen Zeit findet in der überfüllten "Sylvestri-Kirche" ein "erhebender nationaler Festgottesdienst" statt, bei dem Superintendent D. Falke die Festpredigt hält.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • Am 2. Januar findet im "Hotel Monopol" eine Sitzung der "Betriebsobleute" (Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation - NSBO) aus den Wernigeröder Groß- und Kleinbetrieben unter dem Motto "Die Volksgemeinschaft marschiert" statt. Bis auf wenige Ausnahmen nehmen alle "Obleute" daran teil. "Pg." Geye referiert über das Thema "Richtet nicht wieder Mauern auf zwischen Unternehmer und Mitarbeiterschaft". Mitglieder der NSDAP werden "Pg." - Parteigenosse - genannt.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • Der "Führer des Winterhilfswerkes" des Kreises Wernigerode ruft am 7. Januar die "Volksgenossen" (NS-Sprachgebrauch für alle Einwohner/Bürger) dazu auf, nach der Weihnachtspause wieder die festgelegten Sonntage für das "Eintopfgericht" zu berücksichtigen. Die NS-Blockwarte sammeln an dem Tag in Sammelbüchsen das durch das Eintopfessen eingesparte Geld und kontrollieren oft gleichzeitig in diesem Zusammenhang die Einhaltung dieses Gebots. Das Eintopfessen ist eine vom "Führer und Reichskanzler" Adolf Hitler angeordnete Weisung, um bestehende Probleme bei der Versorgung mit Lebensmitteln zu beseitigen.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
Werbung für das Winterhilfswerk
© repro Wolfgang Grothe
  • Auf der Grundlage des im September 1933 beschlossenen "Reichserbhofgesetzes", die in Gesetzesform gegossene nationalsozialistische Blut-und-Boden-Ideologie, wird in der Stadt am 13. Januar das "Anerbengericht Wernigerode" eröffnet und Amtsgerichtsrat Grosse als Vorsitzender berufen. In der feierlichen Eröffnung wird besonders die "Verbindung von Blut und Boden" hervorgehoben, die "wieder zum Staatsfundament erhoben" wurde und der angestrebten "Verbäuerlichung der Gesellschaft eines Volkes ohne Raum" dienen soll. Des öfteren wird in der Eröffnungsrede betont, dass das perspektivische Ziel der nationalsozialistischen Siedlungspolitik die Besiedlung osteuropäischer Gebiete ist.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
Symbol des "Reichsnährstandes"
© gemeinfrei
  • Die "Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt" wirft am 22. Januar die Frage auf: "Was kosten die Minderwertigen?" und beantwortet sie im Beitrag selbst. "Für Geisteskranke, Idioten und Schwachsinnige müssen die gesunden Volksgenossen die Kosten aufbringen... Der Staat gibt für einen Geisteskranken etwa 1000 Reichsmark jährlich aus." Und die Schlussfolgerung der Zeitung lautet: "Aber ganz abgesehen von wirtschaftlichen Erwägungen, entspricht es wahrhaft sozialem Verständnis und echt christlicher Nächstenliebe, solch minderwertiges, nur zu Jammer, Elend, Leid und Not bestimmtes Leben zu verhindern." Die Leser werden "als verantwortungsbewusste Deutsche" aufgefordert, der "Anzeigepflicht für Erbkranke" nachzukommen.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • Am 19. Februar trifft auf dem mit Fahnen festlich geschmückten Wernigeröder Reichsbahnhof der erste Urlauber-Sonderzug mit 250 Feriengästen der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" zu einem zehntägigen Aufenthalt ein. Zahlreiche Wernigeröder, darunter der Erste Bürgermeister, von Fresenius, entbieten den 250 Gästen aus Hamburg, unterstützt durch eine Blaskapelle, ein freundliches Willkommen. Bereitstehende Busse bringen die Feriengäste in die Quartiere nach Sorge, Tanne, Benneckenstein, Hohegeiß und Zorge.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • Das "Erbgesundheitsgericht Halberstadt" unter dem Vorsitz von Amtsgerichtsrat Greim behandelt in seiner Sitzung am 13. Oktober Anträge des Kreisarztes von Wernigerode, zwei Frauen aus der Stadt Wernigerode auf der Grundlage des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" unfruchtbar zu machen. "Auf Grund des bei den Akten befindlichen ausführlichen fachärztlichen Gutachtens, dem sich das Erbgesundheitsgericht nach eingehender Prüfung angeschlossen hat, ist für festgestellt erachtet, daß vorliegendenfalls die Vorausetzungen des §1 Absatz 1 und 2 Ziffer 1 des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses von 1933 gegeben sind." Die Entscheidung des Gerichts ist rechtskräftig, Einsprüche sind nicht möglich.
  • Die "Fa. Rautenbach" aus Solingen (Leichtmetallgießerei und Modellbau) siedelt sich mit mehreren Firmen, am bekanntesten die Rautalwerke, in Wernigerode an. Die Stadt hatte aus der Konkursmasse das Gelände der ehemaligen Waggonfabrik sehr billig gekauft und kann es dadurch schnell und kostengünstig zur Verfügung stellen. Bürgermeister von Fresenius ist der Meinung, dass die Stadt nicht nur vom Tourismus leben kann und Industrieansiedlungen notwendig sind. Gegen Industrieansiedlungen gibt es aber Widerstände der Tourismuswirtschaft.
  • Die "Neuapostolische Gemeinde Wernigerode" besitzt in der Lüttgenfeldstraße ein stattliches Kirchengebäude.
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
  • Der Landrat weist am 28. Dezember den Leiter der Wernigeröder Polizeibehörde "im Auftrage des Regierungspräsidenten" an, "gegen Leute, die das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses sabotieren, mit aller Schärfe vorzugehen".
    Polizeibehörde - Geheime Tagebuchnummer 1299
  • Die um 1901 erbaute Fabrikantenvilla Am Eichberg 9 wechselt in den Privatbesitz des Wernigeröder Rechtsanwalts Jacob Momsen. Momsen lässt an den beiden Klinkerpfeilern des Torweges Kupfertafeln anbringen mit dem Reliefbild einer Eule mit der Inschrift "Uhlenhorst". 13 Eulen sollen im parkähnlichen Garten wohnen.
    Hermann Dieter Oemler, privater Nachlass
  • Der Nicolaiplatz wird umgestaltet. Das bis dahin hier stehende nach Plänen des Schlossbaumeisters Carl Frühling geschaffene Denkmal für die Wernigeröder Opfer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wird abgebrochen und die Tafeln mit den Namen der Opfer an einer Mauer am Lustgarten angebracht.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.25
Denkmal für die Wernigeröder Opfer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 auf dem Nicolaiplatz.
© Dieter Oemler
  • Die nationalsozialistische Bewegung "Kraft durch Freude" initiiert die Förderung preiswerter Reisen. Davon profitiert auch Wernigerode. 1937 zählt die Stadt 24 500 Einwohner 67 728 "Fremde" werden registriert. Zahl der Übernachtungen: 434 148.
Urlaub im Rahmen der Organisation "Kraft durch Freude" (Busrundfahrten ab Nicolaiplatz)
© Dieter Oemler
  • Die "Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt" widmet der "Zuchthausstrafe für einen Rassenschänder" einen ausführlichen Artikel. Nach der Anzeige durch den Wernigeröder SA-Mann Ernst P. einer "rasseschänderischen Beziehung" wurde der jüdische Kaufmann Max Kirchstein aus der Breiten Straße festgenommen und "einer gerechten Bestrafung zugeführt". Kirchstein habe in "echt jüdischer Gerissenheit und Gemeinheit" die "Notlage der deutschblütigen" Erna L. "in gemeinster Weise ausgenutzt, um an einer deutschen Frau seine Lust zu fröhnen". (Grundlage der Zuchthausstrafe von zwei Jahren ist das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" vom 15. September 1935). Nach der Haftentlassung Kirchsteins aus der Strafanstalt Kassel-Wehlheiden verliert sich seine Spur. Sein Name erscheint noch einmal 1942 auf einer Liste Berliner Juden im Ghetto Riga.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - 24. Februar 1937
  • Wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" werden im Februar unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch das Berliner Kammergericht gegen Wernigeröder Sozialdemokraten Zuchthausstrafen verhängt. Bereits ein Jahr zuvor wurde aus dem gleichen Grund der frühere Wernigeröder SPD-Stadtverordnete Friedrich Kuring (1881-1953) zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.
    Justiz im Nationalsozialismus - Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes - Strafverfahren gegen Kommunisten und Sozialdemokraten
  • Der Schriftsetzer und ehemalige SPD-Stadtrat Max Otto (1889-1969) wird vom Amtsgericht Wernigerode wegen Beleidigung angeklagt und zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Er hatte am 15. Juni im Kartonagenwerk Wernigerode während des Auftritts eines NS-Funktionärs dessen Rede gegenüber Kollegen als "an Dummheit nicht zu überbieten" kritisiert. Nach Denunziation wurde Anklage erhoben. Der spätere erste Nachkriegsbürgermeister musste zudem 1944 vier Monate Schutzhaft im KZ Sachsenhausen verbringen.
    Justiz im Nationalsozialismus - Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes
  • Bernhard Fuhrmannsen übergibt die "Süßmosterei, Fruchtwein - Fruchtsaft - Kelterei Bernhard Fuhrmann, Wernigerode, Breite Straße 74" seinem Sohn Bernhard Fuhrmann jun., der am Haus umfangreiche Umbauten vornehmen lässt.
    Otmar Groß "Erinnerungen aus Wernigerode - Geschichten alter Unternehmen" Band 1
  • Wie überall im Deutschen Reich wird auch in Wernigerode der Tag der Machtübernahme 1933 durch die NSDAP als Erinnerungstag begangen. In den frühen Morgenstunden des 30. Januar werden die "Wernigeröder Volksgenossen" durch "Hörnerklang einer SA-Einheit geweckt". In den Vormittagsstunden "stehen die Schaffenden an ihrem Arbeitsplatz, an dem Arbeitsplatz, den ihn der Führer erhalten oder neu geschaffen hat". Ab 13 Uhr begeben sich, angeführt durch den "Betriebsführer, alle Gefolgschaftsleute" in vorher festgelegte Veranstaltungsräume, Gaststätten, Kinos u.a., "um gemeinsam die Übertragung der Rede des Führers im Radio anzuhören". Zeitzeugen berichten später, dass während der Übertragung der Rede die Plätze und Straßen der Stadt menschenleer waren. Der Abend endet mit einem Fackelumzug der SS,SA,"politischen Leitern", AF, HJ und BDM. Die "Parteigenossen der NSDAP" kommen abends im "Stadtgarten" zu einem "Kameradschaftsabend" zusammen.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - 01.02.1937
  • In Wernigerode werden jüdische Mitbürger, sofern sie nicht rechtzeitig emigriert waren, wegen ihrer Herkunft und ihres Glaubens verfolgt, vertrieben oder verhaftet, in Lagern gequält und ermordet. Die Wernigeröder Polizei meldet einen Tag nach der so genannten Kristallnacht am 9. November, dass "alle reichsdeutschen Juden" verhaftet worden seien, darunter Pfarrer Bentey. Er war - weil jüdischer Abstammung - seines Amtes enthoben worden. Zu den jüdischen Geschäften gehörte auch J. Reichenbach in der Breiten Straße 7. Niemand der jüdischen Mitbürger in der Stadt ging freiwillig, niemand kehrte nach 1945 nach Wernigerode zurück.
Geschäft des jüdischen Kaufmanns Reichenbach in der Breiten Straße 7
© Dieter Oemler
  • Der Tourismus ist für Wernigerode noch der wichtigste Wirtschaftszweig. Pro Jahr gibt es 500 000 Übernachtungen. Bei angenommenen 5 Reichsmark Tagesverbrauch pro Kopf ergibt das einen Umsatz für die Stadt von 2,5 Millionen Reichsmark pro Jahr. Zum Vergleich: Rautenbach zahlt pro Jahr etwa 12 Millionen Reichsmark Löhne und Gehälter.
Gasthof zur Tanne
© Stadtarchiv Wernigerode PK/IV/235
  • Der Gastwirt Walter Buchmann eröffnet am 3. August im Haus Malzmühle 1b wieder die Gaststätte "Eselskrug". In diesem Haus gab es bereits von 1799 bis 1838 eine Gaststätte dieses Namens, die nach hundert Jahren den Wernigerödern immer noch ein Begriff ist.
Eselskrug 1956
© Gerhard Bombös
  • Am 10. April sind die Wernigeröder und andere sich hier aufhaltende Reichsbürger zu einer "Volksabstimmung und Wahl des Großdeutschen Reichstages" aufgerufen. Es geht um die Zustimmung über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Großdeutschen Reich und ein Bekenntnis zur "Friedenspolitik des Führers". Seit vielen Tagen rufen in der Presse "Betriebsführer und Gefolgschaften dazu auf, dem Führer freudig ihr Ja zu geben". Die Stadt ist in 13 Stimmbezirke eingeteilt. Bereits um 7:00 Uhr werden die Bewohner durch Spielmannszüge der SA und Hitlerjugend geweckt. Die Blockwarte der NSDAP sorgen mit "Wahlhelfern" dafür, dass die Wahlberechtigten frühzeitig ihre Stimme abgeben. "Sämtliche Gliederungen der Partei stehen für den Wahldienst zur Verfügung".
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
Aufruf der Betriebsführung und Gefolgschaft der Leichtmetallwerke Rautenbach, dem "Führer" das  "Ja" zu geben
© Wolfgang Grothe
  • Am 11. April werden die Endergebnisse der Volksabstimmung vom 10. April bekannt gegeben. Bei einer Wahlbeteiligung von 99,8 Prozent in Wernigerode gaben 17.094 Wähler dem "Führer ihr Ja!". Das sind 99,4 Prozent der abgegebenen Stimmen. 328 Wähler stimmten mit Nein und 41 Stimmen waren ungültig.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - 11. April 1938
  • Der Magdeburger Unternehmer Rudolf Kindermann informiert "die verehrliche Einwohnerschaft von Wernigerode", dass am 14. April die "Storchmühle" wieder eröffnet wird. "Das rühmlichst bekannte Orchester Eddy Dittke ist für die Storchmühle fest verpflichtet."
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - 6. April
  • Wernigerode wird nach dem Überfall auf Polen am 1. September Standort von Lazaretten, Auffanglager von Ausgebombten und Evakuierten und Stützpunkt der Rüstungsindustrie.
  • Die "Rudolf-Rautenbach GmbH Solingen" pachtet am 13. Januar die Harzer Modellbau-Werke in Wernigerode, südlich der Rautenbach-Werke und beginnt dort mit der Produktion von Gussformen, hauptsächlich für die Wernigeröder Leichtmetallgießerei.
    Archiv der Mahn- und Gedenkstätte
  • Bis 1945 sind in Wernigerode und Silstedt nahezu 8000 ZwangsarbeiterInnen aus elf europäischen Nationen beschäftigt. Sie lebten in 16 Unterkünfte und besetzten 300 Arbeitsstellen.
Zwangsarbeiter in den Rautal-Werken
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Die Mitgliederzahl der NSDAP ist auch in Wernigerode seit der Machtergreifung stetig gewachsen. Macht und Siegesgewißheit werden in Großveranstaltungen zur Schau gestellt.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.71
Auf dem Anger demonstrieren 1940 die Mitglieder der NSDAP Macht und Siegeszuversicht
© Dieter Oemler
  • Die Generalversammlung des Bankvereins beschließt am 12. September die Umbenennung in Volksbank Wernigerode eGmbH.
  • Auch die Familie Löwenstein, Inhaber des Bekleidungsgeschäfts "Deutsche Herrenmoden" in der Burgstraße 9 (siehe Artikel 1930) muss, wie andere Wernigeröder Juden ab sofort den "gelben Judenstern" tragen. 1941 beginnt ihr Leidensweg im Halberstädter Altenheim unter schlimmsten Bedingungen, bevor sie 1942 auf den Transport in das Warschauer Ghetto gehen. Für Willy Löwenstein ist dies die letzte Station seines Lebens, das Schicksal von Frau Löwenstein liegt im Dunklen. Ihre Kinder Julius und Ruth überleben den Naziterror in der Emigration.
    Auf den Spuren jüdischen Lebens in Wernigerode (Wernigeröder Geschichts- und Heimatverein)
  • Die beiden Häuser des "Hotels Eichberg" werden während des Zweiten Weltkrieges als Reservelazarett genutzt. Im Haupthaus befindet sich die Hauptverwaltung der Wernigeröder Lazarette.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode"
Hotel Eichberg
© Stadtarchiv Wernigerode PK IV 0423
  • Am 12. Juni wird Kurt Schäfer aus Wernigerode (Name verändert - dem Autor bekannt) durch die Polizei zwangsweise zur Unfruchtbarmachung in das Kreiskrankenhaus Wernigerode eingeliefert.
  • In der Leichtmetallgießerei der Fa. Rautenbach in Wernigerode sind 6500 Beschäftigte tätig. Allein in diesem Betrieb werden 32 Prozent aller in Deutschland produzierten Leichtmetallgussteile für Flugzeugmotore gefertigt.
    Archiv der Mahn- und Gedenkstätte
  • In Wernigerode wird am 25. März das am Veckenstedter Weg gelegene Zwangsarbeiterlager in ein Außenlager des KZ Buchenwald umgewandelt. 800 Häftlinge müssen im Rautalwerk elektrische Anlagen für das Bomberprogramm der Luftwaffe herstellen.
    Schlenker, Lehmann, Schellbach "Geschichte Sachsen-Anhalts in Daten" - S. 209
  • Die "Wernigeröder Zeitung" erscheint am 9. November unter der Überschrift: "Unbeirrbare Siegeszuversicht des Führers".
  • Auch in Wernigerode passt sich die Politik der Nationalsozialisten den kriegswirtschaftlichen Erfordernissen an. Wegen des Arbeitskräftemangels sind die Betriebe, und nicht nur die Rüstungsbetriebe, verstärkt auf Zwangsarbeiter angewiesen, zivile, aber auch Kriegsgefangene. Fast jedes kleine Unternehmen in Wernigerode beschäftigt ausländische Zwangsarbeiter.
    Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen in Wernigerode - Otto von Guericke Universität /Insittut für Geschichte
  • Am 18. April stirbt im Ghetto Theresienstadt der aus Wernigerode stammende angesehene jüdische Unternehmer Benno Russo. Nach der Machtergreifung der Faschisten 1933 wurde die Firma "arisiert" und die Villa in der Feldstraße 7 enteignet. Sie erhielten zunächst eine kleine Wohnung in der Lindenbergstraße 30. Mit einem Sammeltransport aus Wernigerode erfolgte die Deportation nach Theresienstadt. Die Ehefrau Clara Russo, ehedem eine bekannte Opernsängerin, wurde in den Gaskammern des KZ Auschwitz ermordet.
  • Die "Wernigeröder Zeitung-Nationalzeitung für den Harz" berichtet am 12. Januar: "123 USA-Flugzeuge abgeschossen". "In den frühen Morgenstunden des 11. Januar griffen nordamerikanische Bomber einige Orte in Mitteldeutschland an. Infolge der sofort einsetzenden deutschen Abwehr kamen die Angriffe nicht zur geschlossenen Wirkung."
  • Es werden Postleitzahlen zur "schnelleren Beförderung der Post" eingeführt. Der Gau Magdeburg-Anhalt, zu dem auch Wernigerode gehört, erhält die Postleitzahl 19.
  • Bombengeschädigte aus deutschen Großstädten werden in Fremdenheimen der Stadt Wernigerode untergebracht.
  • Auch über Wernigerode werden gefälschte Reisebrot-, Butter- und Käsemarken durch gegnerische Flugzeuge abgeworfen. In der Presse wird darauf hingewiesen: "Beim Auffinden dieser Marken sind diese sofort bei der nächsten Polizeidienststelle abzugeben. Die Nichtbeachtung oder Verwertung dieser Marken wird mit schweren Zuchthausstrafen oder sogar mit dem Tode bestraft."
  • Die "Wernigeröder Zeitung" meldet am 21. Januar: "Die Ostfront bleibt undurchbrechbar". Untertitel: "Missstimmung im feindlichen Lager über die Erfolglosigkeit ihrer Angriffe".
  • Die Einwohner von Wernigerode werden aufgefordert, "Kartoffeln sparsam zu verwenden". Die Wernigeröder Zeitung schreibt: "Die Ernährungslage ist nicht gefährdet". Die "Volksgenossen" hätten Verständnis für die "regulativen Maßnahmen".
  • Am 25. Februar werden die Einwohner von Wernigerode aufgefordert, bei Fliegeralarm jede Neugier zu unterlassen und während des Alarms im Luftschutzraum zu bleiben.
     
Bombenschäden in der unteren Burgstraße
© Dieter Oemler
  • Aus dem Leitartikel der Wernigeröder Zeitung, am 26. Februar: "Vier Tage sind es her, dass der feige Überfall britisch-amerikanischer Bomber auf unsere bunte Stadt, die so vielen Menschen Erholung und Lebenskraft gibt, erfolgte...". "Unsere Waffe aber ist das Ziel, für das wir diese Belastungsprobe bestehen: die Freiheit unseres Volkes!"
Bombenschäden in der Oberengengasse
© Dieter Oemler
  • 20. April: Aus Anlass des Geburtstages von Adolf Hitler werden auf dem Marktplatz von Wernigerode Zehnjährige feierlich in die Reihen des "Jungvolks" (Pimpfe) und in den "Jungmädelbund" aufgenommen. "Der Aufmarsch der Hitlerjugend bot auf dem strahlend hellen Platz vor unserem schönen Rathaus ein imposantes Bild." Im Stadtgartensaal findet aus gleichem Anlass eine "großartige Kundgebung" statt unter dem Motto: "Im Glauben an den Sieg mit dem Führer verbunden".
  • 19. Mai: In den Wernigeröder Gaststätten tritt eine Anweisung zur Neuregelung der Speisenabgabe in Kraft ("Kriegsdisziplin in den Gaststätten"). Es wird darin eine "Rücksichtnahme auf die kriegswichtig Schaffenden" gefordert.
  • 22. Mai: An 27 Frauen aus Wernigerode "die dem Führer mehrere Kinder geschenkt haben", wird im Stadtgarten das "Mutterkreuz" verliehen. "Mit ihrer Gebährfreudigkeit ...müssen die deutschen Frauen helfen, für den Bestand des Volkes zu sorgen".
  • 22. Juli: Nach dem Attentat auf Hitler findet auf dem Markt eine "Treuekundgebung" zum Führer statt. Aufruf dazu: "Mit dem Führer in Treue zum Sieg - Alle Volksgenossen und Volksgenossinnen in Wernigerode nehmen an der heute um 20 Uhr stattfindenden Großkundgebung auf dem Marktplatz teil."
SS-Einheit 1944 - "Treue zum Führer"
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Am 25. Dezember beziehen die 500 Häftlinge der Außenstelle Wernigerode des Konzentrationslagers Buchenwald (bis dato tätig in den Rautalwerken und untergebracht in einem Barackenlager am Veckenstedter Weg) die leeren Gebäude des Betriebsgeländes am Bahnhof "Steinerne Renne". Das Gelände wird mit einem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun umgeben. Die SS-Bewacher führen täglich die Häftlinge von hier zur Zwangsarbeit in das "Wernigwerk" in der Burgmühlenstraße. Die im Jahr 1935 hier gegründete Argenta-Schokoladen-Aktiengesellschaft hatte mit Kriegsbeginn die Produktion eingestellt. Die Junkers-Flugzeugwerke hatten anschließend einen Zweigbetrieb zur Fertigung von Flugzeugteilen eingerichtet. 
    Otmar Groß "Erinnerungen aus Wernigerode - Geschichten alter Unternehmen" Band 1
  • Die "Wernigeröder Zeitung" erscheint am 27. Februar unter der Schlagzeile: "Sieg der Bewegung wird zum deutschen Sieg".
    Wernigeröder Zeitung
  • In Wernigerode wird am 22. März ein Wehrmachtshelferinnen-Korps der Luftwaffe gebildet.
    Wernigeröder Zeitung
  • Alle sich in Wernigerode aufhaltenden Flüchtlinge werden am 27. März aufgefordert, sich in einer Meldestelle registrieren zu lassen.
  • In den letzten Kriegstagen passieren Häftlingskolonnen aus den Konzentrationslagern auf den Todesmärschen unsere Stadt. Der französische Schriftsteller und Resistancekämpfer Robert Antelme, beschäftigt sich später in seinen Erinnerungen mit der Gleichgültigkeit der Wernigeröder: "Als man gestern die Kameraden tötete, bummelten diese Leute ebenfalls über die Bürgersteige. Sie wissen, was sie tun, sie wissen, was man mit uns tut." 13 bis 14 Jahre alte Kinder beschimpfen die Häftlinge als Banditen und Verbrecher, einige ältere Männer gesellen sich zu den Jugendlichen. Am 7. April beschießen zwei Kampfjäger der Alliierten zwei Personenzüge und einen Güterzug mit Häftlingen aus dem KZ-Lager "Dora" auf dem Bahnhof Minsleben. 32 Todesopfer und zahlreiche Schwerverletzte sind zu beklagen. 500 Lagerinsassen des KZ-Außenlagers Steinerne Renne, die amerikanische Armee steht bereits vor Wernigerode, werden am 10. April zu Fuß von der SS zum Bahnhof Wegeleben getrieben. Auf dem Todesmarsch erreichen nur 57 das KZ Leitmeritz (heute Tschechische Republik).
    Reinhard Jacobs - "Terror unterm Hakenkreuz" - Orte des Erinnerns in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt - S.50
Gedenkstein an der "Steinernen Renne"
© Wolfgang Grothe
  • Oberst Gustav Petri, Kommandant für das rückwärtige Armeegebiet der 11. Armee im Harz, wird am 12. April vermutlich bei Drei Annen-Hohne von Mitgliedern des Armeeoberkommandos (darunter auch SS) erschossen, nachdem er den Befehl verweigert, Wernigerode in eine Kampfzone einzubeziehen und gegen die anrückenden amerikanischen Einheiten zu verteidigen. Die Stadt bleibt weitgehend verschont und Tausende Menschenleben gerettet.
    Peter Lehmann "geachtet - geleugnet - geehrt" - Oberst Petri "Retter von Wernigerode"
Oberst Gustav Petri - "Retter von Wernigerode"
© Privatarchiv Petri
  • Die Kreditinstitute in Wernigerode nehmen im Mai den normalen Geschäftsverkehr wieder auf. Lediglich die Barauszahlungen müssen zunächst beschränkt werden, bis der Bahn- und Postverkehr die Heranbringung neuer Barmittel ermöglicht.
  • Auf Anordnung der britischen Militärregierung gibt der Bürgermeister der Stadt Wernigerode am 7. Juni bekannt, dass in jedem Hause ein namentliches Verzeichnis der darin befindlichen Bewohner anzubringen ist.
  • Im Juni wird der Eil-, Fracht-, Express- und Güterverkehr wieder aufgenommen, nachdem die Züge von Wernigerode aus wieder in beide Richtungen verkehren.
  • Auf Anordnung der britischen Militärregierung (20. Juni) hat die Stadt Wernigerode für 200 Frauen, 100 Männer und 60 Kinder Bekleidung zu liefern. Auf Grund dieser Anforderung verpflichtet der Bürgermeister alle ehemaligen Mitglieder der NSDAP (die Mitgliederlisten liegen vor) diese Sachen sofort und freiwillig bei der Polizeiwache abzuliefern. Bei Nichtbeachtung wird mit drastischen Sanktionen gedroht.
  • Wernigerode nimmt 16.000 Umsiedler/Vertriebene auf. Die Bevölkerungszahl verdoppelt sich auf 48.000.
  • Am 14. und am 15. August veranstaltet der "Musikverein der Stadt Wernigerode" im großen Saal des "Stadtgartens" ein Opernkonzert.
  • Durch die Bodenreform wird der gesamte Besitz des Fürsten von Stolberg-Wernigerode in der sowjetischen Besatzungszone, also auch das Schloss, entschädigungslos enteignet und in "Volkseigentum" umgewandelt.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.113
Festsaal im Schloss
© Dieter Oemler
  • Am 3. November wird in Wernigerode eine Ortsgruppe der CDU gegründet unter dem Vorsitz von Paul Achenbach.
  • Am 4. November wird unter dem Intendanten Hans Thiede das "Wernigeröder Theater" gegründet. Spielstätte ist der "Stadtgarten". Es wird bis 1949 existieren.
  • Am 4. November wird in Wernigerode der "Kulturbund" gegründet.
  • Die (Eduard-)Hindersinstraße (Preußischer General, * 18. Juli 1804 in Wernigerode) wird in die Albert-Bartels-Straße (1. Vorsitzender und Mitbegründer des SPD-Ortsvereins) umbenannt.
  • Am 3. April erscheint in der "Wernigeröder Zeitung - Amtliches Organ der NSDAP und der Behörden" ein Artikel mit der Überschrift "Kampf bis zum letzten Atemzug". Der Leiter der Parteikanzlei der NSDAP gibt dazu die folgende Anordnung aus: "Nationalsozialisten, Parteigenossen! Nach dem Zusammenbruch von 1918 verschrieben wir uns mit Leib und Leben dem Kampfe um die Daseinsberechtigung unseres Volkes. Jetzt ist die höchste Stunde der Bewährung gekommen: Die Gefahr erneuter Versklavung, vor der unser Volk steht, erfordert unseren letzten und höchsten Einsatz! Von jetzt an gilt: Der Kampf gegen den ins Reich eingedrungenen Gegner ist überall mit aller Unnachgiebigkeit und Unerbittlichkeit zu führen. Gauleiter und Kreisleiter, sonstige Politische Leiter und Gliederungsführer in ihrem Gau und Kreis, siegen oder fallen. Ein Hundsfott, wer seinen vom Feind angegriffenen Gau ohne des ausdrücklichen Befehl des Führers verläßt, wer nicht bis zum letzten Atemzuge kämpft, er wird als Fahnenflüchtiger geächtet und behandelt. Reißt hoch die Herzen und überwindet alle Schwächen! Jetzt gilt nur noch eine Parole: Siegen oder fallen. Es lebe Deutschland! Es lebe Adolf Hitler!" Acht Tage später endet für unsere Stadt mit der bedingungslosen Kapitulation des "Tausendjährigen Reiches" der blutigste und verbrecherischste aller Kriege.
    Wernigeröder Zeitung - S.1
Kriegsschäden in Wernigerode
© Dieter Oemler
  • Am 9. Juni erscheint als erste Tageszeitung nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht und dem Sturz des Naziregimes das amtliche Nachrichtenblatt der britischen Militärregierung, "Zwischen Harz und Huy". Die britische Militärregierung hat "ihr Erscheinen in großzügiger Weise genehmigt und kontrolliert ihren Inhalt". Das amtliche Nachrichtenblatt für den Kreis Wernigerode soll nach dem Willen der britischen Militärregierung gleichzeitig Sprachorgan der antifaschistischen Einheitsfront sein und der politischen und kulturellen Aufklärungsarbeit dienen. Aufbauwillige Kräfte unserer Heimat sind aufgerufen, an der Gestaltung mitzuwirken.
    Zwischen Harz und Huy - Amtliches Nachrichtenblatt - Nr. 1 vom 9. Juni 1945
erste Tageszeitung nach dem Zweiten Weltkrieg
© Stadtarchiv Wernigerode
  • Am 4. Oktober ordnet der Bürgermeister eine "Allgemeine Typhusschutzimpfung der gesamten Bevölkerung, einschließlich aller Umquartierten und Flüchtlinge der Stadt Wernigerode" an. Die Notwendigkeit wird begründet. Jeder muss sich dieser Pflichtimpfung unterziehen, mit Ausnahme der Kinder unter 4 Jahre und Personen, die zur Zeit an einer schweren Erkrankung leiden. Wer sich der Impfung entzieht, muss mit polizeilichen Strafmaßnahmen rechnen. Schulkinder werden geschlossen in ihrer Schule geimpft.
    Stadtarchiv Wernigerode - WR III 6/3
  • Am 15. April erscheinen mehrere hundert freigelassene Häftlinge aus dem KZ Langenstein in Wernigerode und fordern Einkleidung und die Möglichkeit, in ihre Heimat transportiert zu werden. Ein anderer Teil verlangt zunächst erst einmal eine "Schonzeit". Da das Hotel "Lindenberg", bisher als Lazarett genutzt, zur Zeit leer steht, werden ca. 120 Personen dort eingewiesen und versorgt. Die Einkleidung erfolgt durch Spenden nach einem Aufruf an die Bevölkerung.
    Max Otto "Erinnerungen an den Umbruch 1945" - Harzbücherei
  • Im August werden mit dem Befehl Nr. 23 der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) auch die Lazarette in Wernigerode aufgelöst. Die beiden Häuser des ehemaligen Hotels "Eichberg" werden weiter als Krankenhaus genutzt, jetzt für den zivilen Bereich. In der Villa gibt es eine Station für Hautkrankheiten unter Leitung von Dr. Graf.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode"
  • Am 11. April erscheint in Wernigerode die letzte Ausgabe der Tageszeitung "Wernigeröder Zeitung - Nationalzeitung für den Harz - Amtliches Organ der NSDAP und der Behörden" (Jahrgang 150, Nr. 84) Es wird darin behauptet, dass in den "feindbesetzten Gebieten...Feindschaft und Widerstand gegen Eindringlinge" durch die deutsche Bevölkerung herrscht. "Kein alliierter Soldat ist seines Lebens sicher".
    Wernigeröder Zeitung
Letzte Ausgabe der "Wernigeröder Zeitung" vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges  
© Stadtarchiv Wernigerode
  • Der Standortführer der Hitlerjugend befiehlt allen Hitlerjungen und Pimpfen des Standortes Wernigerode am 7. April um 7:00 Uhr auf dem "Gymnasialturnhof" zum Dienst anzutreten. "Mitzubringen sind Schaufeln und Spitzhacken. Erscheinen aller ist Pflicht".
    Wernigeröder Zeitung - 6. April
  • Die Wernigeröder Zeitung - Nationalzeitung für den Harz - Amtliches Organ der NSDAP und der Behörden informiert am 11.April, "dass auf Grund der Bestimmungen über die Jugenddienstpflicht auch im Jahre 1945 alle 10jährigen Jungen und Mädel im Dienst der Hitlerjugend zu erfassen und anzumelden sind".
    Wernigeröder Zeitung - 11. April
  • Am 30. Januar jährt sich zum 12. Male der Tag der Machtübernahme der NSDAP, der in einer "besinnlichen Feierstunde" der Partei im Wernigeröder "Stadtgarten" begangen wird. In einer Ansprache betont der "Reichshauptamtsleiter Pg Dr. Steg": "Harte Monate des Aufbaus und des Kampfes sind seitdem vergangen. Neiderfüllt blicken unsere Feinde auf die stolzen Errungenschaften Adolf Hitlers und seiner Getreuen. Missgunst und Hass waren die Folgen, die zu dem gewaltigen Völkerringen führten, das besonders in unsren Tagen von einem unvorstellbaren Heroismus des deutschen Volkes getragen wird".
    Wernigeröder Zeitung - 31. Januar
Der große Saal im "Stadtgarten" dem früheren "Städtischen Kurhaus"
© Gerhard Bombös
  • Im Oktober spricht die sowjetische Kommandantur die Gründungsgenehmigung für den Volkschor Wernigerode aus.
    150 Jahre Wernigeröder Männerchor
  • Laut Befehl Nr.3 des Alliierten Kontrollrates werden auch in der Stadt Wernigerode alle sich im arbeitsfähigen Alter befindlichen Personen registriert. Bei Nichtbeachtung drohen Geldstrafen in Höhe von 1000 RM und Gefängnis bis zu einem Jahr.
  • Mit Wirkung vom 7. Januar werden in Wernigerode viele Straßen umbenannt bzw. erhalten den alten Namen von vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten zurück.
  • Am 8. Januar wird in Wernigeröder Schulen die Schulspeisung eingeführt.
  • 10. März: Vereinigung der SPD und KPD zur SED für die Stadt und den Landkreis im Saal- und Gaststättenbetrieb "Monopol". Die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien wurde auch aus den Erfahrungen der faschistischen Diktatur von vielen Sozialdemokraten mit getragen. Die SPD war in Wernigerode vor der Machtergreifung der Faschisten an Mitgliedern und politischem Einfluss stärker als die KPD. Mit Max Otto stellte die SPD nach 1945 den Bürgermeister. Bei der Vereinigung wurde stets auf eine paritätische Zusammensetzung der Parteileitungen geachtet. Später wurde von diesem Prinzip abgerückt und die SED in eine "Partei neuen Typus", das heißt, in eine nach stalinistischen Prinzipien organisierte "marxistisch-leninistische Kaderpartei" umgewandelt.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode"
Gedenktafel zur Vereinigung von KPD und SPD zur SED.
© Dieter Oemler
  • Im Kampf gegen Seuchen (Geschlechtskrankheiten, Fleckfieber, Typhus) werden in der Stadt und dem Kreis Wernigerode konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht.
  • Im April gründen in Wernigerode Antifa-Umsiedler aus dem Sudetenland eine Produktivgenossenschaft der Holzhandwerker mit Unterstützung des Landrates und des Bürgermeisters. Einheimische SED-Mitglieder verfolgen die Bemühungen mit Misstrauen und verhindern im Mai die Bildung einer weiteren Genossenschaft der Bauarbeiter und Bauhandwerker.
  • Die Volksbank Wernigerode betreibt ihre Geschäfte in der Breiten Straße 9 mit leicht veränderter Firmierung als Bank für Handwerk und Gewerbe.
  • Künstler schließen sich in Wernigerode zu einer losen Künstlerverbindung zusammen, später bekannt als "Wernigeröder Künstlerkolonie" (bis 1950). Neben Pramme (Landschaftsmaler), Heller und anderen, gehört auch der Leiter des städtischen Kulturamtes, Eberhard Karnatzki, dazu. Karnatzki trat noch vor der Vereinigung der beiden Arbeiterparteien der SPD bei und gehört nach der Vereinigung einer kleinen, illegal arbeitenden Gruppe Sozialdemokraten an, die Kontakt zum Ostbüro der SPD in Hannover unterhält.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.111
  • Die Wahlen zur "Gemeindevertretung" Wernigerode (später wieder Stadtverordnetenversammlung) am 8. September ergibt bei einer Wahlbeteiligung von 92,9% für die SED 19 Mandate, für die LDP 13 Mandate und für die CDU 8 Mandate. Wahlergebnisse: SED 45,86% LDPD 31,99% CDU 21,02% Max Otto (jetzt SED) wird als Bürgermeister bestätigt. Dies ist auch die letzte Wahl bis 1990, in der die WernigeröderInnen sich zwischen verschiedenen Parteien entscheiden können. In den folgenden Jahrzehnten gibt es Einheitslisten der Nationalen Front. Diese Einheitslisten werden unter der Führung der SED vom "Demokratischen Block" erstellt. Unter dem Einfluss der sowjetischen Besatzungsmacht wird sehr konsequent die politisch bestimmte, d.h. von der Kreisleitung der SED dominierte Personalpolitik in der Stadtverwaltung vorangetrieben.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.109
Max Otto
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Zu den Reparationsleistungen für die Sowjetunion gehören auch 27 250 fm Nutz- und Brennholz. Diese Menge entspricht in etwa der jährlichen Einschlagsmenge des Wernigeröder Stadtforstes. Das bereitet der Stadt extreme Probleme, da Holz das einzige Brennmaterial bis 1949 ist.
  • Der FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) und die FDJ (Freie Deutsche Jugend) werden auch in Wernigerode gegründet und werden in den Antifa-Volksblock aufgenommen.
Kundgebung 1946
© Archiv Mahn- und Gedenkstätte
  • In Wernigerode findet am 29. Oktober eine Volks- und Berufszählung statt. Grundlage ist eine Anordnung des Alliierten Kontrollrates für alle Besatzungszonen Deutschlands.
    Stadtarchiv Wernigerode - Gesetz Nr. 33 des Alliierten Kontrollrates vom 20.07.1946
  • Der Bürgermeister von Wernigerode gibt bekannt, dass am Montag, den 2. September um 7:30 Uhr der Schulunterricht beginnt. Am Vortage, den 1. September finden an allen Schulen ab 11:30 Uhr Schulfeiern statt, die "dem ersten Schuljahr der demokratischen Einheitsschule" gewidmet werden. Die Eltern und Schüler werden dazu eingeladen.
    Stadtarchiv Wernigerode - WR III 6/2
  • Am 29. Oktober hat Wernigerode 34.035 Einwohner, davon 13.643 männliche und 20.401 weibliche.
    Stadtarchiv Wernigerode
  • Der Bürgermeister von Wernigerode gibt am 23. Januar bekannt, dass der Zivilbevölkerung das Tragen und Aufbewahren von Waffen verboten ist. Wer noch Waffen besitzt, hat diese bis spätestens 5. Februar bei der Polizeibehörde am Markt abzugeben. Wer danach noch im Besitz von Waffen ist, muss mit strengster Bestrafung bis einschließlich der Todesstrafe rechnen. Auch das Tragen von Uniformen der früheren deutschen Wehrmacht ist verboten. Die Besitzer solcher Uniformen werden aufgefordert, diese umzufärben. Verstöße werden durch die Polizei mit einer Geldstrafe geahndet.
    Stadtarchiv Wernigerode - WR III 6/2
  • Alle über 15 Jahre alten Einwohner von Wernigerode müssen im Besitz eines Personalausweises in russischer Sprache sein. Die Ausstellung der Ausweise wird am 28. Februar abgeschlossen.
    Stadtarchiv Wernigerode - WR III 6/2
  • Am 11. Juli werden durch das Wohnungsamt von Wernigerode Maßnahmen zur besseren Nutzung von Wohnraum angeordnet. "Ältere Alleinstehende, auch Ehepaare, können bei Aufgabe ihrer Wohnung in gut geleiteten Altersheimen Aufnahme finden".
    Stadtarchiv Wernigerode - WR III 6/2
Bekanntmachung des Bürgermeisters
© Stadtarchiv Wernigerode
  • Am 18. September fordert der Bürgermeister die Wernigeröder auf, Vermögensobjekte, die seit 1939 durch deutsche Dienststellen, Militärbehörden und Privatpersonen aus von Deutschland überfallenen Ländern in das Deutsche Reich gebracht worden sind, der Wirtschaftstelle im Rathaus zu melden. Diese Vemögensobjekte unterliegen der Rückgabe, die Nichtbeachtung der Aufforderung wird gerichtlich geahndet.
    Stadtarchiv Wernigerode
Bekanntmachung
© Stadtarchiv Wernigerode
  • Am 9. Oktober kommen in Wernigerode 60 Heimkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft an, die zu einem mehrwöchigen Erholungsheim im "Küsters Kamp" untergebracht werden. Bürgermeister Otto ruft die Einwohner der Stadt auf, Männerkleidung zu spenden.
    Stadtarchiv Wernigerode
Aufruf des Bürgermeisters
© Stadtarchiv Wernigerode
  • Als größter Betrieb der Stadt Wernigerode wird das Elektromotorenwerk gegründet, hervorgegangen aus den enteigneten Rauthal-Werken. Im Januar beginnt der Betrieb Motoren herzustellen, im Jahr 1947 200 Stück.
  • Am 27. September findet im Haus der Deutschen Jugend in der Wernigeröder Bahnhofstraße eine "Kreis-Antifablock-Konferenz" statt.
  • Regelmäßig werden im amtlichen Bekanntmachungsblatt für Wernigerode die Stromversorgungszeiten mitgeteilt, die wöchentlich in den Versorgungsbereichen wechseln.
  • Es finden im Jahresablauf mehrere öffentliche Verhandlungen der Entnazifizierungskommission des Kreises Wernigerode statt. Im amtlichen Bekanntmachungsblatt werden die Termine rechtzeitig bekannt gegeben mit Nennung der Namen der Personen, über die verhandelt wird. Die BürgerInnen werden aufgerufen, rechtzeitig be- oder entlastendes Material zu den Genannten abzugeben. Anonyme Anzeigen werden nicht berücksichtigt. Die verhandelten Personen werden entweder "entnazifiziert" oder ihnen wird untersagt, leitende Tätigkeiten auszuüben. Die Entscheidung wird jeweils im Bekanntmachungsblatt veröffentlicht.( z.B.: "Dem... geb. am..., wohnhaft in Wernigerode , ...straße, wird das Recht zur Bekleidung eines wichtigen Postens in Behörden, Organisationen und Betrieben abgesprochen... Das aktive und passive Wahlrecht wird ihm entzogen".
  • Eine Gruppe von Flüchtlingen/Umsiedlern aus dem Osten bildet in Wernigerode die Evangelisch - Freikirchliche Gemeinde, auch als Baptisten bezeichnet. Domizil der Gemeinde ist die Georgiikapelle.
St.Georgi-Kapelle
© Wolfgang Grothe
  • Die Volkshochschule Wernigerode nimmt die durch den 2.Weltkrieg unterbrochene Tätigkeit wieder auf.
  • Am 6. November findet im Gewerkschaftshaus in Wernigerode eine Konferenz der Industiegewerkschaft Bau statt, die sich mit der Umsetzung des Befehls 209 der SMAD (Sowjetische Militäradministration Deutschland) - "Festigung der Bodenreform" befaßt. Die Konferenz kommt zu dem Entschluß, daß die 150 Neubauerngehöfte im Kreis Wernigerode "als vordinglich gebaut werden müssen und somit ein weiterer entscheidender Schritt in unserem friedlichen demokratischen Aufbau getan wird."
    Amtliche Bekanntmachungen für Kreis und Stadt Wernigerode (1946, 1947,1948, 1949)
  • Im Juni wird von Pfarrer Ernst Teichmann aus Schierke bei Drei-Annen-Hohne ein kleiner Soldatenfriedhof angelegt. Beigesetzt werden sechs deutsche Soldaten, die am 18. April 1945 im Harz gefallen sind. Dazu werden zwei Gedenkkreuze aufgestellt, eines für Oberst Gustav Petri, dem Retter von Wernigerode.
    Peter Lehmann "geachtet - geleugnet - geehrt" - Oberst Petri "Retter von Wernigerode"
Gedenkkreuz für Oberst Gustav Petri
© Dieter Oemler
  • Wernigerode gehört zum "Land Sachsen-Anhalt". Auf Befehl der Sowjetischen Besatzungsmacht vom 21. Juli ging die "Provinz Sachsen-Anhalt" in den Status eines Landes über.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.118
  • Der II. Bürgermeister, Mause, wendet sich mit einem Aufruf an die Bevölkerung von Wernigerode: "Wernigeröder laßt eure Herzen sprechen! Seit etwa drei Wochen befinden sich in den Heimkehrerlagern `Küsters Kamp´ und Hasseröder Hof 80 Heimkehrer, die heimatlos und vorerst noch ohne ihre Familien sind, In den verflossenen Wochen ist von den Frauen des Antifaschistischen Frauenausschusses schon gesammelt worden. Die Sachen reichen aber nicht aus, um auch nur den allernotwendigsten Bedarf zu decken. Vor allen Dingen fehlt es an Anzügen, Mänteln, Unterwäsche und Schuhwerk" . Der Bürgermeister ruft zu Opfern auf und bittet, diese Sachen zu spenden.
    Stadtarchiv Wernigerode - WR III 6/2
Aufruf an die Bevölkerung
© Stadtarchiv Wernigerode
  • In den "Amtlichen Bekanntmachungen für den Landkreis und die Stadt Wernigerode" werden für Lehrgänge geeignete Personen gesucht, die sich zu Fachlehrern der russischen Sprache ausbilden lassen wollen.
  • Im zweiten Halbjahr eröffnet "der sozialistische Handel" in Wernigerode den HO-"Ratskeller" und die Gaststätte "Vier Jahreszeiten", "um dem Schwarzmarkt Paroli zu bieten". Es folgen erste HO-Textilverkaufsstellen (Ecke Breite Straße/Burgstraße) und erste HO-Lebensmittelverkaufsstellen (Westernstraße).
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.119
  • Vor der Großen Strafkammer des Landgerichts müssen sich die hauptverantwortlichen SA-Leute für den "Schandmarsch" 1933 verantworten. 80 Sozialdemokraten waren von sadistischen SA-Leuten zum Teil schwer misshandelt worden. Wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" werden der 47 Jahre alte Buchdrucker Erich Göbel (Hauptverantwortlicher), der 49 Jahre alte Hilfsschleifer Georg Baetge, der 49 Jahre alte Landwirt Bernhard Müller, der 48 jährige Maurer Gustav Heise, der 43 Jahre alte Tischler Hugo Heise und der 38 Jahre alte Former Hans Vick aus Wernigerode zwischen zehn Jahren und einem Jahr plus zwei Monaten Zuchthaus bzw. Gefängnis verurteilt.
    Volksstimme - 22.10.1948 und Recherche von Ralf Mattern "SA-Leute werden nach ´Schandmarsch` verurteilt"
1948 beginnt der Prozess gegen die für den "Schandmarsch" von 1933  verantwortlichen SA-Leute
© Dieter Oemler
  • Im August verfügt der Rat des Kreises zur Verbesserung der Ernährungslage die Einrichtung eines "Freien Marktes". Erzeuger von landwirtschaftlichen Produkten haben die Möglichkeit, außerhalb des Abgabesolls noch vorhandene Produkte als "freie Spitzen" zum Dreifachen des Erzeugerpreises zum Verkauf anzubieten. Viele Not leidende Wernigeröder hatten zuvor in den umliegenden Dörfern bei Landwirten versucht, Tauschhandel zu treiben und persönliche Gegenstände, wie Teppiche, Schmuck, hochwertiges Geschirr u.a. gegen Lebensmittel zu tauschen.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.119
  • Nach sowjetischem Vorbild werden auch in Wernigerode einheitliche Kinder- und Jugendorganisationen gebildet ("Junge Pioniere" und "Freie Deutsche Jugend").
Erste Pioniergruppe in Wernigerode im Sommer 1948
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • In Wernigerode ist eine Gemeinde von "Altlutheranern" tätig.
    Wernigerödisches Intelligenzblatt
Altlutheranergemeinde
© Wolfgang Grothe
  • Das Schloss Wernigerode wird am 16. April Feudalmuseum.
Schloss Wernigerode
© Wolfgang Grothe
  • Die Landwirtschaftsschule Wernigerode wird im Herbst mit Internat und landwirtschaftlichem Lehrhof neu eröffnet. Dazu wird ein ehemaliger Schafstall in der Kurtsstraße genutzt. Die Baumaßnahmen werden zum Teil in freiwilligen Eigenleistungen von Dozenten/Dozentinnen und Studierenden ausgeführt.
Die ehemalige Agraringenieurschule auf dem Gelände des Bürgerparks 2009
© Wolfgang Grothe
  • Im Kreis Wernigerode gibt es 112 Betriebe der Nahrungs- und Genussmittelindustrie (7274 Beschäftigte), darunter 22 volkseigene (5328 Beschäftigte).
Beschäftigte im VEB Schokoladenfabrik "Argenta" in Hasserode
© Dieter Oemler
  • Der Ratskeller wird unter Leitung von Architekt Max R.Wenner (auch Umbau "Capitol", "Stadtgarten", "Brockenhotel") durch Wernigeröder Handwerker umgebaut. Bert Heller und Hans Bülow arbeiten unter Wenner (der später nach Wuppertal zurück geht) eng zusammen. Die Kunstschmiedearbeiten (Gitter und auch der Ausleger am Ratskeller) sind erhalten.
  • In der Stadt Wernigerode gibt es am Ende des Jahres neben 23.829 Stammbewohnern 12.719 Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten (Schlesien, Hinterpommern, Ostpreußen, Sudetenland u.a.). Im Sprachgebrauch der DDR werden sie als Umsiedler bezeichnet.
    Kurt-Dieter Möse / Matthias Meißner "Zur Erinnerung und Mahnung" - Vertriebene im Landkreis Wernigerode nach 1945
  • Der greise dänische Schriftsteller Martin Andersen Nexö nimmt an der feierlichen Einweihung der Betriebsberufsschule des Elektromotorenwerkes Wernigerode am 3. Dezember teil und verleiht der Schule seinen Namen, BBS "Martin - Andersen - Nexö".
    ND-Archiv: Neues Deutschland
Martin Anderson Nexö besucht das Elektromotorenwerk Wernigerode
© Photothek Harzbücherei Wernigerode
  • Seit Kriegsende prüft die "Wismut AG" (SDAG - "Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft") alte Bergbaustandorte westlich von Wernigerode, ob hier abbauwürdige Uranvorkommen vorhanden sind. Zum Glück für Wernigerode und die Umwelt ist dies nicht der Fall.
    Hermann Dieter Oemler "Bilder aus der DDR - Wernigerode 1949 bis 1989" - S.48
Probebohrungen nach Uranerz durch die SDAG Wismut
© Dieter Oemler
  • Am 1. Dezember findet in Wernigerode ein Kreis-Funktionärstreffen der FDJ ("Freie Deutsche Jugend") statt. Als einzige zugelassene Jugendorganisation in der "Deutschen Demokratischen Republik" übt sie auf die Mehrheit der Jugendlichen eine echte Anziehungskraft aus und ist eine antifaschistisch-demokratische Alternative für die durch die Nazi-Ideologie und deren Folgen verführte, enttäuschte und orientierungslose junge Generation.
Kreis-Funktionärstreffen der "Freien Deutschen Jugend" (FDJ) in Wernigerode
© Archiv Mahn- und Gedenkstätte
  • Versuche der SED-Kreisleitung, in Wernigerode den traditionellen Weihnachtsmann durch das russische "Väterchen Frost" zu ersetzen, werden aufgegeben. Weihnachtsbäume schmücken wieder die Stadt und die Wohnungen.
Der Weihnachtsbaum schmückt auch den Holfelder Platz.
© Dieter Oemler
  • Das Elektromotorenwerk Wernigerode baut erste Hochspannungsmotoren.
  • Gründung des späteren Rundfunk-Jugendchores Wernigerode durch Friedrich Krell, welchen dieser bis 1996 leitet.
  • Otto Büchting, geboren 1868, Lederfabrikbesitzer, Stadtverordneter von Wernigerode 1902-1933 und 1946-1951 stirbt in Wernigerode.
    Arbeitsmaterial der Kreisgeschichtskommission Landkreis Harz - Persönlichkeiten
  • Der seit 1945 an der Spitze der KPD/SED - Kreisparteiorganisation stehende Karl Glänzel wird wegen "gefährliches Versöhnlertum und Nichtbeachtung der Beschlüsse des III. Parteitages" abgelöst. In den SED-Parteiorganisationen der Wernigeröder Industriebetriebe kommt es im "Kampf gegen den Sozialdemokratismus" zu Veränderungen in den Parteiführungen.
    Volksstimme - 10.02.1951
  • Auch zwischen dem Kreis Wernigerode (DDR) und den Kreisen auf niedersächsischer Seite (Bundesrepublik) wird ein Sperrgebiet eingerichtet. "Politisch unzuverlässige Personen" werden aus dem Sperrgebiet zwangsausgesiedelt (Aktion "Ungeziefer"). Aus dem Sperrgebiet des Kreises Wernigerode werden 158 Personen in einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" am 28./29. Mai ausgesiedelt und in die Landkreise Torgau und Querfurt gebracht. Die erste Aktion war jedoch schlecht vorbereitet. So konnten sich viele zur Umsiedlung vorgesehene Einwohner durch eine spontane Flucht in die Bundesrepublik der Zwangsumsiedlung entziehen. "Am Morgen des 7. Juni fuhren um 6.00 Uhr die Lastkraftwagen vor. Die betroffenen Personen wurden informiert, und im Laufe des Tages fand der Abtransport zum Bahnhof statt, wo die Züge um 20.00 Uhr abfuhren, so dass die Betroffenen in den frühen Morgenstunden zwischen 3.00 und 5.00 Uhr am Zielort eintrafen." Insgesamt wurden damit in beiden Aktionen aus dem Kreis Wernigerode 297 Personen zwangsausgesiedelt.
    Inge Bennewitz, Rainer Potratz "Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze"
Zwangsaussiedlung aus dem Grenzgebiet
© privat
  • Der Wald der Stadt Wernigerode und der sich im Privatbesitz befindliche Wald wird enteignet und dem Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb übergeben. Damit gehört der Wald nicht mehr der Kommune sondern ist "Volkseigentum".
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.44
Forstarbeiter mit Kaltblutpferden
© Dieter Oemler
  • Von 1952 bis 1990 gehört nach der Auflösung des Landes Sachsen-Anhalt der Kreis Wernigerode zum Bezirk Magdeburg.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.118
Friedenstaube von Picasso auf dem Rathaus Wernigerode
© Dieter Oemler
  • Im Kreis Wernigerode gibt es 140 Kulturgruppen für Volkskunst.
     
Volkskunstgruppe bei einem Auftritt
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Der größte Wernigeröder Betrieb baut auf dem Gelände in der Ilsenburger Straße einen Kindergarten. Der von den Eltern zu zahlende Tagessatz beträgt 35 Pfennige.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" -  S.54
Elmo-Kindergarten Ilsenburger Straße
© Dieter Oemler
  • Mit der Bildung des "Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes" beginnt die Technisierung der Waldbewirtschaftung auch in den Harzwäldern um Wernigerode. Traktoren und Raupenschlepper, vereinzelt auch einzelne Seilbahnen für besonders steile Hänge kommen zum Einsatz.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.45
Die Technik hält Einzug in die Bewirtschaftung der Harzwälder.
© Dieter Oemler
  • Auf dem Waldfriedhof Hasserode befinden sich die Gräber von neun unbekannten KZ-Häftlingen aus dem Außenlager Harzungen des KZ Mittelbau-Dora, die während des Todesmarsches im April 1945 von Wachmannschaften in Minsleben ermordet und verscharrt worden waren. Ihre Leichname wurden jetzt nach Wernigerode überführt und ihnen ein Gedenkstein gesetzt. Ebenfalls auf dem Waldfriedhof befindet sich die Ehrenanlage für die Verfolgten des Naziregimes, die durch die Gräber von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern aus sechs Nationen und von russischen und polnischen Kindern von Zwangsarbeiterinnen einschließt. Weiterhin sind 16 Besatzungsmitglieder englischer und amerikanischer Bombenflugzeuge beigesetzt.
    Reinhard Jacobs - "Terror unterm Hakenkreuz" - Orte des Erinnerns in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
  • Der bisherige private Arzneimittelbetrieb im Mühlental wird in Volkseigentum überführt (VEB Ysat Wernigerode).
    wikipedia.org - www.pharma-wernigerode.de
  • Der sowjetische Stadtkommandant verkündet am Morgen des 18. Juni offiziell auch für Wernigerode den Ausnahmezustand. Mit der Ausrufung des Ausnahmezustandes erfolgt der Aufmarsch sowjetischer Truppen an Schwerpunkten (z.B. Elmo). Zu ernsthaften Auseinandersetzungen kommt es nicht, obwohl auch einige Warnschüsse abgegeben werden. Dazu trägt das besonnene Handeln vieler Akteure bei. In Wohngebieten fahren zeitweise leichtere Panzerwagen.
    Kurt-Dieter Möse / Matthias Meißner "Gesellschaft am Scheideweg" - Die Ereignisse des 17. Juni 1953 im Landkreis Wernigerode
  • Am 1. Januar wird der Betrieb "Turaphot GmbH - Photochemische Fabrik Wernigerode" als "VEB Turaphot Wernigerode" in Volkseigentum übernommen.
    Otmar Groß "Erinnerungen aus Wernigerode" Band 2
  • In Wernigerode wird im April die Kreismusikschule als "Kreisvolksmusikschule" gegründet.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" - S.79
Musikschule "An der Malzmühle"
© Dieter Oemler
  • Die Stadt Wernigerode feiert am 17. April ihren 725. Geburtstag (Goslarer Stadtrecht). Die Festwoche findet vom 20. bis 27. Juni statt. Stadtrechtsjubiläum mit historischem Festumzug.
    Hermann Dieter Oemler "Bilder aus der DDR - Wernigerode 1949 bis 1989"
Der Reiter im Festumzug stellt den schwedischen Oberst Derfinger dar, der im 30-jährigen Krieg mit seinen Truppen die Stadt besetzt hielt.
© Dieter Oemler
  • Im Laufe des Jahres werden wie überall in der DDR auch zunächst erst in den großen Volkseigenen Betrieben der Stadt Wernigerode paramilitärische "Betriebskampfgruppen", ab 1959 "Kampfgruppen der Arbeiterklasse" genannt, aufgestellt. Ihre offizielle Aufgabe ist "der Kampf gegen Saboteure und andere Feinde des Sozialismus in der DDR". Als "Kämpfer" werden am Anfang nur Mitglieder der SED, später auch andere Betriebsangehörige aufgenommen. Die Betriebskampfgruppen bestehen aus Bataillonen, die bis zu vier Hundertschaften stark sind. Die Ausbildung der "Kämpfer" findet an mehreren Wochenenden eines Jahres statt. Die Waffen werden jeweils in der Waffenkammer des Volkspolizei-Kreisamtes aufbewahrt. Die Einheiten der "Kampfgruppen der Arbeiterklasse" unterstehen der vom 1. Sekretär der Kreisleitung der SED geführten "Kreiseinsatzleitung".
Mitglieder einer Betriebskampfgruppe
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • In den Betrieben und Einrichtungen wird wie überall in der DDR nach den Schlussfolgerungen aus dem 17. Juni 1953 der 1. Mai auch in Wernigerode mehr als Feiertag mit Volksfestcharakter und weniger als Kampftag der Arbeiterklasse begangen.
1. Mai im VEB Holzbau Wernigerode
© Helga Schwendler
  • Auch in Wernigerode wird jedem Jugendlichen, der die Grundschule verlässt, eine Lehrstelle mit praktischer und theoretischer Berufsausbildung mit abschließender Facharbeiterprüfung garantiert. Der Facharbeiter erhält in seinem Beruf einen Arbeitsvertrag mit unbefristeter Anstellung. Die Kreis-Plankommission des Landkreises legt nach Vorgaben der Staatlichen Plankommission fest, wie viel Lehrlinge in den einzelnen Berufen benötigt und ausgebildet werden.
Lehrlingsausbildung im VEB Holzbau 1954
© Helga Schwendler
  • 29. Januar: Eisenbahndirektor Eduard Scharnhorst "Vater" der Harzquer- und Brockenbahn, stirbt im Alter von 69 Jahren in seiner neuen Wahlheimat Oldenburg. Am 1. April 1918 übernahm er einen Direktionsposten bei der Nordhausen- Wernigerode- Eisenbahn (NWE) und trägt in den Folgejahren durch sein weitsichtiges, innovatives Handeln erheblich zum wirtschaftlichen Aufschwung der Bahnen bei.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Nr. 14 - Februar 1955
Direktor Scharnhorst
© Gerhard Bombös
  • Im Forstwirtschaftsbetrieb Wernigerode werden ab diesem Jahr erstmalig Zweimann-Motorsägen eingesetzt.
    Hermann Dieter Oemler "Bilder aus der DDR - Wernigerode 1949 bis 1989" - S.43
Zweimann-Motorsäge im Forstwirtschaftsbetrieb Wernigerode
© Dieter Oemler
  • 14. März: Der in Wernigerode beliebte Forstmeister Otto Hermanns wird 75. Seit 1919 ist er ständig in Wernigerode tätig und wird 1945 entlassen.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Nr. 39 - März 1957
Forstmeister Otto Hermanns
© Gerhard Bombös
  • Im Rahmen des "Nationalen Aufbauwerkes" (NAW) werden im Kreis Wernigerode Werte in Höhe von 324.000 Mark geschaffen und damit die Ergebnisse des Jahres 1955 um 18.000 Mark überboten.
    Volksstimme
Würdigung für besondere Leistungen im "Nationalen Aufbauwerk"
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Im Kreisgebiet finden "etwa 100 000 Werktätige aus allen Teilen der Republik Erholung und Entspannung in den Eigenheimen und Vertragshäusern des FDGB". 42 000 "Werktätige haben bis Ende August ihren Urlaub" in der Stadt Wernigerode verbracht. Das sind 6000 Feriengäste mehr, als im gesamten Jahr 1955.
    Volksstimme
FDGB-Ferienheim "Georgi Dimitroff" in Hasserode
© Stadtarchiv Wernigerode PK IV/128
  • In Wernigerode kann für jedes Kind ein Kindergartenplatz zur Verfügung gestellt werden. Neben staatlichen Einrichtungen, die der Abteilung "Volksbildung" beim Rat des Kreises unterstehen, gibt es Betriebskindergärten. Der größte ist der des Elektromotorenwerkes in der Ilsenburger Straße.
Kindergarten Elmo in der Ilsenburger Straße
© Harzbücherei Wernigerode
  • 3. Dezember: Karl Burchhardt wird 60. Er beginnt 1911 bei Heinrich Ackert als Automechanikerlehrling und wird später Fahrlehrer. "Sein gutmütiges, freundliches Wesen, das aber auch, wenn es sein mußte, in Derbheit und Schnoddrigkeit umschlagen konnte, machte ihn zu einem in Stadt und Kreis Wernigerode besonders beliebten Fahrlehrer." "Im Laufe der 20er und 30er Jahre unterrichtete Hunderte von Schülern."
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Nr. 36 - Dezember 1956
Fahrlehrer Karl Burchhardt
© Gerhard Bombös
  • E. C. Uehr *08.12.1881, Inhaber eines Delikatessengeschäfts und der späteren "Bothes Weinstube", wird 75. Als fürstlicher Hoflieferant beliefert er die Gala-Essen bei den zu Ehren des deutschen Kaiser abgehaltenen Jagden. Seit 1925 leitet er als Branddirektor die Feuerwehr der Stadt Wernigerode. Er sorgt für die Motorisierung der Fahrzeuge sowie für die Modernisierung der Alarmanlagen und bildet einen im Gerätehaus untergebrachten Einsatztrupp. Als die Stadt bombardiert wurde, erhielt Uehr die Meldung, dass auch sein Haus am Nicolaiplatz zerstört sei.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Nr. 36 - Dezember 1956
E.C. Uehr
© Gerhard Bombös
  • Die Stadt Wernigerode ist die zweitgrößte Industriestadt im Bezirk Magdeburg. Der größte Betrieb ist das Elektromotorenwerk.
Elektromotorenwerk
© Dieter Oemler
  • In Wernigerode wird eine Geschäftsstelle des "Komitees für Touristik und Wandern" eingerichtet. Hauptträger sind die FDJ (Freie Deutsche Jugend), die "demokratische Sportbewegung", der FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) und die Natur- und Heimatfreunde des Kulturbundes.
Geführte Wanderung für den FDGB-Feriendienst an der Himmelpforte
© Dieter Oemler
  • Bei den Wahlen zum Kreistag und zur Stadtverordnetenversammlung Wernigerode am 23. Juni stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 97,58 bzw. 97,47% für die "Gemeinsame Liste der Nationalen Front" 99,87 bzw. 99,86% der Wähler. Der Nationalrat der Nationalen Front schreibt ein Tag später: "Ein großer Sieg für die Sache des Friedens und des Sozialismus für die Arbeiter-und-Bauern-Macht in der DDR ist erkämpft. Die überwiegende Mehrheit der Bürger unserer Dörfer und Städte hat sich in freier demokratischer Wahl zu unserem Friedensstaat und seiner Politik bekannt..."
    Volksstimme - 24. Juni
  • Der Kreisausschuss der Nationalen Front ruft die gesamte Bevölkerung des Kreises zu einem Wettbewerb auf, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Neben einer Reihe von Wohnungsneubauten der AWG (Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft) und im Rahmen des Investprogramms ist im Kreis Wernigerode der Ausbau und die Instandsetzung einer "beträchtlichen Anzahl" von Wohnungen vorgesehen.
AWG - Bauten im Seigerhüttenweg
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Durch ein "Riesengrenzfeuer auf dem Brocken" wird am 31. August der Auftakt zum "Tag des Friedens" gegeben. Auf dem Marktplatz von Wernigerode findet eine Großkundgebung des Ortsausschusses der Nationalen Front zum "Tag des Friedens" statt.
  • Am 13. Oktober wird ohne vorherige Ankündigung die Mark der DDR in die Mark der Deutschen Notenbank umgetauscht. Der Banknotenumtausch erfolgt in Wernigerode in den 24 Wallokalen der Nationalen Front und in vier Umtauschstellen der Kreissparkasse.
  • Eine "dreiköpfige Agentengruppe" (Gebrüder Heinrich und Werner Nehrkorn aus Wasserleben und Kfz-Meister Heinrich Ackert aus Wernigerode), die "im Auftrag amerikanischer Geheimdienste Landeplätze für Flugplätze auskundschaften sollte", wird festgenommen und zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt.
    Volksstimme - Organ der Bezirksleitung Magdeburg der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland
KFZ-Firma Ackert in der Ringstraße
© Dieter Oemler
  • Die "Sing- und Spielgemeinschaft" Wernigerode tritt zum 400sten Mal öffentlich auf. Der Stadtgarten ist bis auf den letzten Platz gefüllt.
 Harzer Folkloristen
© Dieter Oemler
  • Anlässlich des 5. Jahrestages der Gründung der GST ("Gesellschaft für Sport und Technik") findet am 7. August in Wernigerode ein "Massenschiessen für die Bevölkerung" auf den KK-Schießständen der 50 Grundorganisationen statt.
GST-Mitglieder bei einer Übung
© Dieter Oemler
  • Am 1. Juli übernimmt die Mitropa die renovierte Bahnhofs-Gaststätte im Gebäude des Bahnhofs Wernigerode.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
  • Viermal täglich verkehren nach dem Sommerfahrplan 1957 der Deutschen Reichsbahn Züge von Wernigerode zum Brocken.
Fahrt mit der Harzquerbahn
© Archiv Möbius
  • Der Feriendienst des FDGB besteht zehn Jahre. Bis zum Ende der Sommersaison verbrachten in dieser Zeit im Kur- und Erholungszentrum Wernigerode über 80 000 Arbeiter, Angestellte und Intelligenzler ihren Urlaub in den FDGB-Erholungsheimen, davon 1600 FDGB Mitglieder kostenlos. 16.000 Heil- und Genesungskuren auf Grund ärztlicher Verordnungen wurden durchgeführt. Über 2000 Veranstaltungen mit einer Besucherzahl von über 250 000 fanden statt.
  • Am Neujahrsmorgen legen starke Schneefälle in Wernigerode 500 Fernsprechanschlüsse still. Am 10. Januar verursacht nach vorherigem Tauwetter ein heftiger Sturm in der Stadt erhebliche Störungen im Stromnetz.
"Schneechaos" in Wernigerode
© Archiv Möbius
  • Bei der LPG "Mitschurin" in Wernigerode liegt der Schwerpunkt in der Feldwirtschaft im Anbau von Futterkulturen, um die Voraussetzung für verstärkte Erzeugung von Fleisch und Milch zu schaffen. Bis 1960 soll auf 5% der gesamten Ackerfläche Mais angebaut werden.
  • Weil der Jugendliche Heinz W. zehn Jahre lang unbefugt ein Luftgewehr besessen hatte, wird er vom Kreisgericht Wernigerode mit einem Jahr Zuchthaus bestraft.
  • Die Woche vom 16. - 22. März wird auch in Wernigerode zur "Woche der PGH des Handwerks" (PGH= Produktionsgenossenschaft des Handwerks) erklärt. Auf die Handwerker wird eingewirkt, PGH zu bilden zur "Steigerung und Verbesserung der handwerklichen Leistungen".
  • Starke Regenfälle verursachen Ende Juni in Wernigerode eine Hochwasserkatastrophe. Besonders im Mühlental, aber auch im gesamten Stadtgebiet, stehen Straßen unter Wasser, werden Brücken weggerissen und laufen Keller voll.
Kurzzeitige Überschwemmung der Westernstraße nach extremem Starkregen
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Auch in den Schulen der Stadt Wernigerode wird der Polytechnische Unterricht eingeführt. Dazu werden spezielle Unterrichtskabinette eingerichtet.
  • Am 3. Juni verstirbt während eines Kuraufenthalts in Bad Salzuflen im Alter von 76 Jahren der ehemalige Präsident der Provinz Sachsen-Anhalt, Dr. Erhard Hübener, der 1949 seinen Ruhesitz nach Wernigerode verlegt hatte. In Wernigerode wird er auch beigesetzt.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.118
  • Die private Rinderhaltung wird von seiten des Staates unterstützt. Die Herden aus den drei Wernigeröder Stadtteilen werden von Mai bis Oktober auf die Weide getrieben. Das robuste Harzer Höhenvieh der Hasseröder Herde grast bis hinauf zum Ottofelsen.
    Hermann Dieter Oemler "Bilder aus der DDR - Wernigerode 1949 bis 1989" - S.41
Rinderherde am Ottofelsen
© Dieter Oemler
  • 84 Mitglieder des Bauhandwerks aus Wernigerode schießen sich zur "Produktionsgenossenschaft (PGH) Thomas Hilleborch" zusammen. Elf Malermeister und 19 Gesellen gründen die PGH des Malerhandwerks "Die bunte Stadt". Desweiteren wird die PGH der Friseure gegründet.
  • Im Kreis Wernigerode nehmen 86,4% aller Schulabgänger an der Jugendweihe teil.
  • In Wernigerode werden durch die HO (Handelsorganisation) erste Selbstbedienungsläden eröffnet. Die HO unterhält im Landkreis 138 Verkaufsstellen für Nahrungs- und Genussmittel, 69 Verkaufsstellen für Industriewaren und 57 Gaststätten und Hotels. Die Konsumgenossenschaft versorgt die Kreisbevölkerung in 185 Verkaufsstellen mit Nahrungs- und Genussmitteln, in 81 Verkaufsstellen mit Industriewaren und betreibt 28 Gaststätten und Hotels. Im privaten Einzelhandel arbeiten im Landkreis 90 Einzelhändler mit Kommissionsverträgen, mehrere Abschlüsse stehen bevor.
Großgaststätte "Storchmühle" im Mühlental um 1960
© Stadtarchiv Wernigerode
  • Minsleben belegt im Wettbewerb "Das schönste Dorf" den 1. Platz innerhalb des Landkreises Wernigerode.
  • In der Stadt Wernigerode werden durch die Kurverwaltung 60 282 Urlauber gezählt, mit Jugendlichen in Herbergen und Kinderferienlagern wären es sogar 81 936 Gäste. Hinzu kommen über 2 Millionen Tagesbesucher.
Köhlerhüttenanlage für Gäste und Einwohner im Eisergrund
© Dieter Oemler
  • Durch die Einführung des Taktstraßenbauverfahrens soll auch in Wernigerode der Bau von neuen Wohnungen beschleunigt werden. Durch dieses Verfahren werden 1960 im gesamten Kreisgebiet 353 neue Wohnungen errichtet (in Wernigerode der Block 9 an der Holtemme).
  • 22. Februar: Maler Otto Illies, *25.01.1881 in Yokohama, Japan, stirbt im Alter von 79 Jahren. Der Landschaftsmaler siedelte 1924 von Hamburg nach Wernigerode über.
  • Im VEB Süßwarenfabrik Wernigerode werden nach Rekonstruktionsmaßnahmen täglich 2,5t Schokolade hergestellt.
  • Im Kreis Wernigerode unterhält der FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) 67 Ferienheime.
  • Wie überall in der DDR wird im Herbst des Jahres 1960 in Wernigerode mit der Immunisierungsaktion gegen den Erreger der Kinderlähmung begonnen.
  • Im Feudalmuseum/Schloss Wernigerode werden im Jahr 1960 insgesamt 268 332 Besucher gezählt.
In der Werkstatt des Schlosses wird eine Figur des Krummelschen Hauses restauriert.
© Dieter Oemler
  • In Wernigerode findet eine große Trauerveranstaltung mit Demonstration aus Anlass des Todes von Wilhelm Pieck († 7. September 1960), des ersten Präsidenten der DDR statt. Tausende Bürger und Bürgerinnen aus Wernigerode nehmen daran teil. Marschblöcke der Beschäftigten der Großbetriebe und der großen Organisationen werden dazu zusammengestellt und defilieren an der Ehrentribüne mit Staats- und Parteifunktionären vorbei.
Trauerzug zum Tode Wilhelm Piecks
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Der "VEB Turaphot Wernigerode" ändert seinen Namen in "VEB Fotopapierwerk Wernigerode". Der Betrieb mit 120 Mitarbeitern stellt im Jahr zwei Millionen Quadratmeter Fotopapier her.
    Otmar Groß "Erinnerungen aus Wernigerode" Band 2
  • An der Fachschule für Landwirtschaft in Wernigerode werden jährlich nicht nur 150 Direktstudenten immatrikuliert, die nach drei Jahren als "Staatlich geprüfter Landwirt" in ihre Heimatorte gehen, sondern auch im Fachschul-Abendstudium LPG-Vorsitzende und andere Leitungskräfte aus den Landkreisen Wernigerode, Halberstadt und Oschersleben zu "Meistern der Landwirtschaft", "Staatlich geprüften Landwirten" und "Staatlich geprüften Finanzwirtschaftlern" ausgebildet.
"Staatlich geprüfte Landwirte", ausgebildet an der "Fachschule für Landwirtschaft in Wernigerode"
© Archiv Manfred Fuhlroth
  • Entsprechend eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung wird in Wernigerode eine umfassende Wohnraumzählung vorgenommen.
  • Am 30. August meldet die LDZ: "Vor dem Schnellrichter in Wernigerode standen dieser Tage einige Jugendliche, die illegal unsere Staatsgrenze überschreiten wollten. Sie wurden gestellt und einer entsprechenden Bestrafung zugeführt..."
    LDZ - "Liberaldemokratische Zeitung" - Tageszeitung der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands - 30. August
  • Auf dem Marktplatz wird die "erste FDJ Kompanie" des Kreises Wernigerode für die NVA (Nationale Volksarmee) durch den 1. Sekretär der SED - Kreisleitung verabschiedet.
  • Im Kreis Wernigerode wohnen am 3. Oktober 17 125 Einwohner im Sperrgebiet. Davon werden insgesamt 54 Personen ausgesiedelt. Am 6. Oktober wird in der Presse der Stadt darüber informiert, dass "zum Schutze der DDR-Bürger" für "eine Anzahl Bürger", die bisher in der 5 km-Sperrzone wohnhaft waren, "ein Wechsel des Wohnortes angeordnet" worden sei. Die Maßnahme sei bereits abgeschlossen. Diese Bürger könnten "ohne Benachteiligung am neuen Wohnort weiter am Aufbau des Sozialismus teilnehmen".
    Inge Bennewitz, Rainer Potratz "Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze"
  • In Wernigerode wird der "Klub der Werktätigen" gegründet, um "dem Bedürfnis nach kultureller Betätigung" Rechnung zu tragen.
     
 Harzer Sing- und Spielgemeinschaft
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • In Vorbereitung der Kommunalwahlen am 17. September geben in vielen Betrieben der Stadt Wernigerode "die Werktätigen bedeutsame Verpflichtungen" ab. Zum Beispiel "verpflichten sich die Werktätigen der Vereinigten Harzmolkereien KG Heise & Co Silstedt... aus dem Willen der Erhaltung des Friedens und zur weiteren Lösung der deutschen Frage... am Wahltag bis 12 Uhr ihre Stimme den Kandidaten der Nationalen Front zu geben". "Der Milchabschöpfungsgrad soll bis zur Wahl von 93,2 auf 95 Prozent erhöht werden. Innerbetrieblich soll durch Senkung der Unkosten und Erhöhung der Arbeitsproduktivität sowie durch Rationalisierungsmaßnahmen der Gewinn gegenüber 1960 um 25 Prozent erhöht werden".
    LDZ - "Liberaldemokratische Zeitung" - Tageszeitung der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands
  • Zum umfangreichen und abwechslungsreichen Programm der 3. Arbeiterfestspiele 1961 in Wernigerode gehört auch der Auftritt eines sowjetischen Volkskunstensembles.
    Hermann Dieter Oemler "Bilder aus der DDR - Wernigerode 1949 bis 1989"
Sowjetisches Volkskunstensemble in Wernigerode zu den 3. Arbeiterfestspielen
© d
  • In den Wohnbezirken der Stadt finden regelmäßig "Mittwochgespräche" der Funktionäre mit Einwohnern statt, im Januar unter dem Thema "Wie geht es in der Stadt Wernigerode im Jahr 1962 weiter?".
  • Am 29. Februar findet im Stadtgarten die Kreisbauernkonferenz statt. Die 49 LPG im Landkreis Wernigerode haben dazu 320 Teilnehmer delegiert.
  • 1300 Kinder werden täglich in Wernigerode in Kinderkrippen, -gärten und -horten betreut.
  • Ab Beginn des Schuljahres 62/63 gehen auch in Wernigerode alle Kinder und Jugendlichen zehn Jahre zur Schule.
Wilhelm - Raabe - Schule 2016
© Wolfgang Grothe
  • Die Karnevalsgemeinschaft "Wernigeröder Auerhähne" feiert auch in diesem Jahr mit einem Umzug in der Burgstraße und einer symbolische Schlüsselübergabe an das Prinzenpaar die 5. Jahreszeit.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.78
Karnevalsgemeinschaft "Wernigeröder Auerhähne"
© Dieter Oemler
  • Auch nach der totalen Sicherung der "Staatsgrenze West" mit einem fünf Kilometer breiten Grenzstreifen, Passierscheinen für im Grenzgebiet liegende Gemeinden, wie Schierke, Elend, Stapelburg, Abbenrode und Sorge, Hundelaufeinrichtungen und Mienengürtel entwickelt sich Wernigerode als Industriestandort und Touristenzentrum für die Bürger der DDR mit jährlich steigenden Besucherzahlen.
Blick von der Terrasse des Schlosses
© Dieter Oemler
  • In Wernigerode wohnen 32 688 Einwohner in 14 125 Haushalten.
    Stadtarchiv Wernigerode
  • Im Februar verursacht eine extreme Frostperiode (Temperaturen von -33 Grad Celsius) erhebliche Rückstände in der Planerfüllung der Volkseigenen Betriebe der Stadt Wernigerode. Die Betriebe und die Bevölkerung werden aufgerufen, sparsam mit Elektroenergie, Gas und festen Brennstoffen umzugehen. Beim Rat des Kreises wird ein Operativstab gebildet zur Koordinierung aller Maßnahmen.
  • Die "Mittwochgespräche" der Nationalen Front werden auch in diesem Jahr in den Wohnbezirken der Stadt Wernigerode fortgesetzt. Besonders geht es um die ausreichende und täglich gesicherte Versorgung der Bevölkerung mit allen Grundnahrungsmitteln und um deren Qualität.
  • Am 3. Dezember gegen 18.30 Uhr ereignet sich am Ortsausgang Königshütte ein folgenschwerer Verkehrsunfall. Am unbeschrankten Bahnübergang stößt ein Mannschaftstransportwagen mit Kampfgruppenmitgliedern aus dem Elektromotorenwerk Wernigerode mit einer Lokomotive der Reichsbahn zusammen. 6 Mitglieder der Kampfgruppeneinheit des Elmo werden dabei getötet und 9 weitere verletzt. Auf dem Zentralfriedhof wird eine Gedenkstätte errichtet.
    Volksstimme
Gedenkstätte für die verunglückten Mitglieder der Kampfgruppe

"Ruhm und Ehre den Genossen der Kampfgruppe des VEB Elektromotorenwerk Wernigerode, die im Dienste unserer Deutschen Demokratischen Republik ihr Leben ließen"
© Wolfgang Grothe
  • Wernigerode geht mit Carpi in Italien eine Städtepartnerschaft ein. Der Austausch bleibt von Wernigeröder Seite auf wenige "Reisekader" beschränkt.
Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages mit Carpi
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Im VEB Elektromotorenwerk Wernigerode führen alle Kurzschlussläufermotore im Leistungsbereich 22 bis 30 kW und Schleifzeugläufermotore im Leistungsbereich 17 bis 22 kW das höchste Qualitätszeichen der DDR, das "Q". Sie haben damit Weltspitze erreicht.
Produktion im Elektromotorenwerk
© Dieter Oemler
  • Vom 3. bis 5. Juli findet erstmalig ein Rathausfest statt. Dieses künftig jährlich stattfindende Fest soll "zu einem Höhepunkt der Kultur- und Sportarbeit des Kreises Wernigerode werden". Es soll "alle fortschrittlichen Traditionen in sich vereinigen, wiederbeleben und mit dem kulturellen Schaffen der Gegenwart verbinden".
1. Rathausfest 1964
© Dieter Oemler
  • In allen größeren "Volkseigenen Betrieben" (VEB) der Stadt Wernigerode bestehen "Kampfgruppen der Arbeiterklasse". Diese halbmilitärischen Verbände wurden nach der Niederschlagung des Aufstandes am 17. Juni 1953 gebildet. Begonnen wurde mit der Aufstellung der "Betriebskampfgruppen" bereits 1954.
     
Vereidigung von Kampfgruppen
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Am 31. Dezember findet, wie überall in der DDR, eine Volks- und Berufszählung statt. Danach wohnen in Wernigerode 32 673 Einwohner.
Blick in die Friedrichstraße 1964
© Dieter Oemler
  • Großes Aufsehen erweckt der Besuch des DDR-Staatszirkus "Aeros" in Wernigerode mit dem Defilee der Elefanten auf dem Marktplatz.
     
Elefanten vom Zirkus "Aeros"
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Zum Wernigeröder Rathausfest gehört auch ein K-Wagen-Rennen, das um die Roseninsel herum in der Rudolf-Breitscheid-Straße veranstaltet wird.
    Hermann Dieter Oemler "Bilder aus der DDR - Wernigerode 1949 bis 1989"
K-Wagen-Rennen zum Rathausfest 1964
© Dieter Oemler
  • Die Westernstraße wird zum Wernigeröder Rathausfest gesperrt und dient als Malfläche für die Jugend.
    Hermann Dieter Oemler "Bilder aus der DDR - Wernigerode 1949 bis 1989"
Rathausfest 1964
© Dieter Oemler
  • Der Kreis Wernigerode ist im Bezirk Magdeburg neben der Bezirksstadt mit seinen Industriebetrieben der stärkste Industriekreis.
Industriebauten in der Weinbergstraße
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Im Januar wird auch in Wernigerode die Schluckimpfung gegen spinale Kinderlähmung fortgesetzt. Kinder in Kindergärten und - krippen werden geschlossen in den jeweiligen Einrichtungen geimpft. Auch eine Röntgen-Reihenuntersuchung findet statt.
  • Die Einwohner des Kreises werden aufgerufen, gegen den "Atomminenplan" auf westdeutscher Seite entlang der Staatsgrenze DDR/BRD zu protestieren. Dazu sendet auch der Bürgermeister von Wernigerode, Kilian, einen offenen Brief an den Bürgermeister von Wolfenbüttel und fordert diesen auf, gemeinsam gegen das Vorhaben zu protestieren.
  • Dem VEB "Getriebewerk Wernigerode" wird am 5. Oktober der staatliche Orden "Banner der Arbeit" verliehen. Die Bruttoproduktion hatte sich von 1953 bis 1960 auf 427% entwickelt.
Auszeichnung von Aktivisten
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Die Einwohner von Wernigerode werden am 10. Dezember aufgerufen, sich aktiv an der Zuckerrübenernte zu beteiligen. Die freiwilligen Helfer sollen sich am Sonnabend und am Sonntag um 7:45 Uhr auf dem Anger einfinden. Von dort werden sie mit Sonderbussen zu den Einsatzorten gefahren.
  • Am 12. Februar verstirbt im Alter von 67 Jahren der Harzer Maler Wilhelm Pramme. Er wird auf dem Zentralfriedhof Wernigerode beigesetzt.
Zum Gedenken an Wilhelm Pramme
© Wolfgang Grothe
  • Die Fachschule für Landwirtschaft Wernigerode kann auf eine erfolgreiche Tätigkeit zurück blicken. In der Zeit seit 1949 haben 600 Direktstudenten ihr Studium als "Staatlich geprüfter Landwirt" abgeschlossen. Einige Absolventen werden später als Fachkräfte in den jungen afrikanischen und asiatischen Nationalstaaten den Aufbau einer modernen Landwirtschaft unterstützen bzw. sich an Universitäten und Hochschulen weiter qualifizieren.
Absolventen der Fachschule für Landwirtschaft Wernigerode
© Archiv Manfred Fuhlroth
  • Auf der Kreistagssitzung am 5. Januar informiert der Kreisgerichtsdirektor, dass der "Anteil der Jugendlichen an der Gesamtkriminalität des Kreises Wernigerode" bei 51% liegt, "wobei die Grenzverbrechen im Vordergrund stehen". Nach seiner Auffassung sollten "Grenzverbrechen nicht mit Abenteuerlust Jugendlicher begründet" werden. Die Ursachen lägen im "Zurückbleiben des Bewusstseins hinter dem Sein", im "Einfluss der kapitalistischen Welt", im "Egoismus, Rücksichtslosigkeit und mangelhafte Achtung vor den Mitbürgern", in den "Mängeln bei der Erziehung", im "Alkoholmissbrauch", in der "Arbeitsbummelei" und in "Mängeln der ideologischen Arbeit".
    Volksstimme
  • Das 3. Rathausfest in Wernigerode ist wieder wie in den vergangenen zwei Jahren eines der bedeutendsten kulturellen Höhepunkte.
Rundfunk-Jugendchor Wernigerode
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • In Wernigerode werden mehrere Fälle von Tollwut festgestellt und daraufhin Maßnahmen "zum Schutz von Mensch und Tier" festgelegt.
  • Der Stadtausschuss der Nationalen Front Wernigerode ruft zwischen den einzelnen Wohnbezirken der Stadt "zum sozialistischen Wellbewerb" auf. Der beste Wohnbezirk erhält als Anerkennung 500,00 MDN (Mark der deutschen Notenbank).
     
Demonstration der Wernigeröder Werktätigen  zum 1. Mai
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • In Wernigerode findet Pfingsten das Bezirksjugendtreffen der FDJ statt. Die Volksstimme schreibt am 31. Mai: "Als Kampfreserve der Partei werden die Jugendlichen unseres Bezirkes an ihren Arbeitsplätzen auch weiterhin um höhere Ergebnisse kämpfen..."
  • In der Zeit vom 5. bis 11. Juni weilt eine "Freundschafsdelegation aus der Stadt Carpi" unter Leitung des Oberbürgermeisters in Wernigerode.
"Freundschaftsdelegation" aus Carpi
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Der VEB Füllhalterfabrik Wernigerode exportiert seine Erzeugnisse in 26 Länder.
VEB Füllhalterfabrik Wernigerode
© Harzbücherei Wernigerode
  • Der Kreistag Wernigerode berät im Oktober, "wie mit Hilfe der komplexen sozialistischen Rationalisierung die allseitige Erfüllung und Übererfüllung der Planaufgaben des Jahres 1966 und eine Übererfüllung der staatlichen Aufgaben 1967 erreicht werden kann".
  • In Wernigerode treten im Herbst "schwierige Probleme bei stadtwirtschaftlichen und hauswirtschaftlichen Dienstleistungen" auf, mit denen sich die Stadtverordnetenversammlung beschäftigen muss.
  • 233 340 Gäste besuchten 1966 das Feudalmuseum Schloss Wernigerode.
Schloss Wernigerode
© Dieter Oemler
  • In diesem Jahr endet die traditionelle private Tierhaltung. Die Herden des robusten Harzer Höhenviehs aus den drei Wernigeröder Stadtteilen wurden jeweils von Mai bis Oktober täglich von einem Kuhhirten auf die Waldweiden getrieben. Die Tierhaltung wird von den LPG Tierproduktion übernommen, allerdings ohne das Harzer Höhenvieh (zu geringe Produktivität).
Eine Herde des Harzer Höhenviehs beim täglichen Marsch zur Waldweide
© Dieter Oemler
  • Bis 1966 gibt es in Wernigerode die private Rinderhaltung mit den tradititionsreichen widerstandsfähigen Harzrindern. Die Hasseröder Herde grast bis hinauf zum Ottofelsen.
    Hermann Dieter Oemler "Bilder aus der DDR - Wernigerode 1949 bis 1989" -  
Hasseröder Herde am Ottofelsen
© Dieter Oemler
  • Der Wernigeröder Dullenturm, Teil der Stadtbefestigung, wird aus rein verkehrstechnischen Gründen abgerissen.
    Harzmuseum Wernigerode
Abriss des Dullenturms
© Dieter Oemler
  • Das einstige fürstliche Archiv kehrt als Außenstelle des Staatsarchivs Magdeburg von Oranienbaum bei Dessau wieder nach Wernigerode zurück. In den Jahren 1964 bis 1967 war dazu die 1877 vermutlich von Schlossbaumeister Carl Frühling mit dem Palmenhaus erweiterte und bei einem Bombenangriff 1944 beschädigte Orangerie völlig umgebaut worden.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.126
Orangerie
© Wolfgang Grothe
  • Im Wernigeröder Rathaus heiraten Ostern 50 Paare.
"Massenhochzeit" in Wernigerode
© Dieter Oemler
  • Der VEB(B) Kleiderwerk Wernigerode erhält die Urkunde des ZK der SED für hervorragende Leistungen im sozialistischen Wettbewerb zum VII. Parteitag der SED.
Kandidaten der SED erhalten ihre Mitgliedsbücher
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Das 1780 gebaute Hirtenhaus der Wernigeröder Neustadt in der Sackgasse wird wegen starker Bauschäden abgerissen.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode"
Hirtenhaus in der Neustadt
© Dieter Oemler
  • In einer öffentlichen Rechenschaftslegung vor dem Sekretariat der Kreisleitung der SED Wernigerode am 27. Oktober wird der Wettbewerb zu Ehren des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution ausgewertet. "Die industrielle Warenproduktion konnte im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 % gesteigert werden. Die Arbeit der sozialistischen Arbeitsgemeinschaften und Neuerer brachte einen Nutzen von über 6,4 Millionen Mark. Der Wettbewerb der Nationalen Front im Kreis Wernigerode erreichte ein Ergebnis von 18,8 Millionen Mark". 500 Werktätige, darunter besonders jugendliche Arbeiter, werden 1967 als Kandidaten in die SED aufgenommen.
    Manfred Oelsner "Die Einheit der Arbeiterklasse - Grundlage unserer Erfolge im Kreis Wernigerode"
Sichtpropaganda vor einer Baracke des Rates des Kreises in der Rudolf-Breitscheid-Straße
© Dieter Oemler
  • In Wernigerode findet das 4. Rathausfest statt.
4. Rathausfest
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Aus Kulturgruppen verschiedener FDJ-Organisationen ("Freie Deutsche Jugend") des Kreises Wernigerode wird eine FDJ-Kulturbrigade gebildet, die zu verschiedenen Veranstaltungen eingesetzt wird.
     
 FDJ-Kulturbrigade 1967
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • In Wernigerode wird eine Wohnungstauschzentrale eröffnet.
  • Auf der "Burgbreite" beginnen die vorbereitenden Arbeiten für das bisher größte Wohnungsbauprojekt der Stadt Wernigerode. In den nächsten Jahren wird entsprechend der Planung ein Stadtteil mit 2400 Wohneinheiten für 7600 Menschen entstehen.
Aufbau des Wohngebietes "Burgbreite"
© Dieter Oemler
  • Die Grenztruppen der Nationalen Volksarmee(NVA), die im Bereich der Grenze im Landkreis Wernigerode stationiert sind, werden in der Stadt vereidigt. Grundsätzlich werden an der Grenze nur Wehrpflichtige eingesetzt, die sich zu drei Jahren Dienst verpflichtet haben. Normalerweise beträgt die Dienstzeit der Wehrpflichtigen 18 Monate. Besonders von Abiturienten, die einen Studienplatz in einem Fachgebiet mit großer Nachfrage, wie Elektronik - Elektrotechnik, Medizin u.a. anstreben, wird eine Verpflichtung zu längerer Dienstzeit erwartet. Die Grenzsoldaten verpflichten sich, während der Dienstzeit alle Kontakte zu Verwandten in der BRD einzustellen.
     
Einheit der Grenztruppen auf dem Weg zur Vereidigung
© Stadtarchiv Wernigerode  (Archiv Dieter Möbius)
  • In Wernigerode findet das 5. Rathausfest statt, mit vielen Berufskünstlern und Folkloregruppen.
5. Rathausfest
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Mit attraktiven Preisen wirbt auf dem Wernigeröder Marktplatz die "Aufbautombola".
Aufbautombola
© Dieter Oemler
  • In Wernigerode wird ein neuer Busbahnhof übergeben. Alle Buslinien des VEB Kraftverkehr beginnen hier.
 Busbahnhof
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Der VEB Füllhalterwerk Wernigerode in der Weinbergstraße erhält eine automatisierte Anlage zur Herstellung von Schreibgeräten.
Füllhalterwerk in der Weinbergstraße
© Harzbücherei Wernigerode
  • Im Jahr 1969 werden im VEB Schokoladenfabrik Wernigerode 2071 Tonnen Schokoladenerzeugnisse hergestellt. Das Reiswunderwerk Wernigerode stellt am Jahresende die Produktion ein. Die Arbeitskräfte, Gebäude und Anlagen werden von der Schokoladenfabrik übernommen.
VEB Süsswarenfabrik "Argenta"
© Dieter Oemler
  • Der VEB Getriebewerk Wernigerode ist in der Lage, stufenlos regelbare Kettengetriebe herzustellen.
    Hermann Dieter Oemler "Archivbilder Wernigerode" - S.90
  • Aus Anlass des 20. Jahrestages der Gründung der DDR wird auch in Wernigerode ein "Sozialistischer Wettbewerb" in den "Volkseigenen Betrieben", Genossenschaften, Verwaltungen und Schulen initiiert, in den nahezu alle Beschäftigten einbezogen werden. Besondere Leistungen werden durch Prämien gewürdigt.
     
Auszeichnung von Mitarbeitern des HO-Kreisbetriebes aus Anlass des 20. Jahrestages der DDR
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Die Tage vor dem 7. Oktober stehen in Wernigerode ganz im Zeichen des 20. Jahrestages der Gründung der DDR. Versammlungen, eine groß angelegte "Verpflichtungsbewegung im sozialistischen Wettbewerb", Agitation und Propaganda in Betrieben, Genossenschaften, Verwaltungen und Einrichtungen dominieren das gesellschaftliche Leben in der Stadt.
    Volksstimme
Schaufensterdekoration  - "Sozialistischer Wettbewerb" um das schönste Schaufenster zu Ehren des 20. Jahrestages der Gründung der DDR
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 kommen die Stadtverordneten von Wernigerode zu einer festlichen Sitzung zusammen. Sie ziehen eine Bilanz der positiven Entwicklung der Stadt in den letzten 20 Jahren.
     
Festliche Stadtverordnetensitzung aus Anlass des 20. Jahrestages der DDR.
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Das "Feudalmuseum" im Schloss Wernigerode feiert sein 20-jähriges Bestehen. Es gehört in der DDR zu den Museen mit den meisten Besuchern.
    Hermann Dieter Oemler "Bilder aus der DDR - Wernigerode 1949 bis 1989"
Das städtische Orchester Wernigerode spielt zum 20-jährigen Bestehen des Feudalmuseums im Festsaal Haydens "Abschiedssymphonie"
© Dieter Oemler
  • Ab 26. Januar wird nach umfassender Renovierung und Modernisierung die bei Wernigerödern und Gästen sehr beliebte HO-Gaststätte "Vier Jahreszeiten" als Tanzgaststätte und Weinbar wieder geöffnet.
  • Auf der jährlich Ende August in Vorbereitung des neuen Schuljahres im Wernigeröder "Stadtgarten" stattfindenden Kreisparteiaktivtagung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) werden alle Schuldirektoren und Parteisekretäre durch den Sekretär für Agitation und Propaganda dazu aufgerufen, den "Einfluss des Westfernsehens" rigoros zu bekämpfen. Alle Schuldirektoren im Kreis sind Mitglieder der SED. In den darauf folgenden Pädagogischen Konferenzen der Polytechnischen und Erweiterten Oberschulen (POS und EOS) verpflichten sich alle Lehrer des Kreises schriftlich, kein "Westfernsehen" zu sehen.
  • In den Wernigeröder Großbetrieben werden wirksame Sparmaßnahmen im Energieverbrauch festgelegt. Über die Wohnbezirksausschüsse der Nationalen Front werden die Bürger angehalten, Energie im Haushalt so effektiv wie möglich zu nutzen.
  • In Wernigerode wird die erste Kooperationsgemeinschaft der Backbetriebe aller Eigentumsformen innerhalb des Bezirkes Magdeburg gebildet.
  • Rund um Wernigerode gibt es 360km offizielle Wanderwege.
Christianental
© Dieter Oemler
  • Auch in Wernigerode werden Gruppen der Zivilverteidigung aufgestellt. Der dem Vorsitzenden des Rates des Kreises unterstehende Stab der Zivilverteidigung ist für die Anleitung und Qualifizierung der Gruppen zuständig. Zur Gewährleistung der Funktionsfähigkeit der Zivilverteidigung finden regelmäßig Übungen, meist im Zusammenwirken und unter dem Kommando der Kreiseinsatzleitung, deren Kommandeur der 1. Sekretär der Kreisleitung der SED ist, statt.
     
Übung der Zivilverteidigung 1970
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Nach der Wachstumsphase in der 2. Hälfte der 60er Jahre verschärfen sich auch im Industriekreis Wernigerode die durch die Kommandowirtschaft verursachten Widersprüche, die schließlich bis zum Ende der 80er Jahre zum Zusammenbruch des gesamten sogenannten sozialistischen Wirtschaftssystems führen. Ursachen dieser wirtschaftlichen und ideologischen Insolvenz sind u.a. die Beschränkung von Eigeninitiative mit der Folge von andauernder Abwanderung und Innovationsstau, jahrzehntelange zu geringe Investitionsquote zugunsten überzogener Subventionen, zu große Fertigungstiefe in den Unternehmen, unwirtschaftliche Energiewirtschaft, Umweltzerstörung und ein sich wie ein Krebsgeschwür ausbreitender Sicherheits- und Militärapparat.
     
Blick auf Wernigerode
© Dieter Oemler
  • Wernigerode kann sich im Vergleich zu ähnlich großen Städten besser entwickeln bzw. erlebt keinen so dramatischen Niedergang wie beispielsweise Halberstadt und Quedlinburg. Einen nicht unerheblichen Beitrag dazu leisten die etwas andere Kommunalpolitik, der erhebliche Geldzufluss durch den starken Tourismus auch im privaten Bereich, sowie die starke Industrie. Der Landkreis Wernigerode ist nach der Bezirksstadt der zweitstärkste Industriekreis. In Wernigerode tragen die großen Volkseigenen Betriebe Elektromotorenwerk, Metallgusswerk, Getriebewerk und Industriebau maßgeblich bei.
     
Produktionsarbeiter im Kleiderwerk, dem größten Industriebetrieb der Stadt
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Das Rathausfest in Wernigerode, in diesem Jahr das 7., wird wieder von tausenden Gästen besucht.
7. Rathausfest
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Auch in Wernigerode ist durch den Schaffung von Spezialverkaufsstellen der HO (Handelsorganisation) und des Konsums der "sozialistische Einzelhandel" auf dem Vormarsch. Die Kollektive der Verkaufsstellen werden in den "sozialistischen Wettbewerb" des Handels einbezogen und bei guten Leistungen ausgezeichnet.
     
Kollektiv der Verkäuferinnen im "Haus des Kindes" Burgstraße 24
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Die holzverarbeitende Industrie ist in Wernigerode stark vertreten. Innerhalb des Kombinats "Vereinigte Holzindustrie Nordharz" bestehen in Wernigerode 3 Sägewerke.
    Hermann Dieter Oemler "Bilder aus der DDR - Wernigerode 1949 bis 1989" - S.45
Eines der Sägewerke in Wernigerode
© Dieter Oemler
  • In Wernigerode wird die Schwimmhalle fertig gestellt und am 1. Oktober eröffnet.
Schwimmhalle Wernigerode
© Dieter Oemler
  • Wernigerode hat 32.730 Einwohner.
Marktplatz
© Wolfgang Grothe
  • 33 Fernlinien befahren die Busse aus Wernigerode in allen Richtungen. Die Busse der drei Stadtlinien sorgen für eine gute Verbindung der abgelegenen Stadtteile mit dem Zentrum.
 Busbahnhof
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Das 8. Wernigeröder Rathausfest ist wieder gekennzeichnet vom hohen Niveau der Veranstaltungen.
8. Wernigeröder Rathausfest
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Unter Führung der Kreisleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) werden auch in Wernigerode in allen Volkseigenen Betrieben, Genossenschaften, staatlichen Einrichtungen und Verwaltungen die Beschlüsse des VIII. Parteitages der SED ausgewertet und kollektive und persönliche Verpflichtungen zu deren Umsetzung abgegeben.
    Volksstimme
"Was der VIII. Parteitag beschloss, wird sein."
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Das Dach des Westerntorturmes wird durch die Firma Pönitz aus Wernigerode erneuert.
    Hermann Dieter Oemler "Bilder aus der DDR - Wernigerode 1949 bis 1989" - S.29
Erneuerung des Turmes des Westerntores durch die Fa. Pönitz
© Dieter Oemler
  • Wie überall in der DDR werden auch in Wernigerode "Halbstaatliche Betriebe" in Volkseigentum überführt. Die "Hasseröder Bierbrauerei" heißt nun "VEB Getränkekombinat Magdeburg - Betrieb Hasseröder Bierbrauerei", die Firma "Roch & Reiche" wird "VEB Getränkefabrik Wernigerode". Eine Besonderheit in der DDR im Gegensatz zu anderen sozialistischen Ländern bei der Überführung Halbstaatlicher Betriebe in Volkseigentum ist, dass ehemalige Eigentümer als Betriebsleiter des VEB eingesetzt werden, wie u.a. Susanne Kraus, die Tochter der ehemaligen Eigentümerin Sophie Roch.
    Otmar Groß "Erinnerungen aus Wernigerode - Geschichten alter Unternehmen" Band 1
 Bockbieranstich in der Brauerei Wernigerode
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Eine Gruppe von Gästen aus der italienischen Partnerstadt Carpi besucht Wernigerode. Die Partnerschaft ist einseitig, Gegenbesuche sind nicht möglich.
Italienische Gäste aus der Partnerstadt Carpi
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • In den Ferienmonaten kommt es immer wieder zu Klagen Wernigeröder Bürger über lange Wartezeiten beim Einkaufen, weil Feriengäste "die Geschäfte frequentieren und Waren kaufen, die für die Versorgung der Einheimischen fehlen".
  • Wie überall in der DDR wird auch im Kreis Wernigerode regelmäßig durch "übergeordnete Organe" ("Bezirksleitung der SED", "Rat des Bezirkes", "Bezirksbehörde der Volkspolizei") kurzfristig befohlene Übungen das Zusammenwirken der territorialen militärischen und paramilitärischen Kräfte ("Kampfgruppen der Arbeiterklasse", Einsatzgruppen der "Zivilverteidigung") trainiert. Zur "Kreiseinsatzleitung", die unter dem Kommando des 1. Sekretärs der Kreisleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) steht, gehören der Vorsitzende des Rates des Kreises als Leiter der "Zivilverteidigung" (ZV), der Leiter des "Volkspolizei-Kreisamtes" (VPKA) und der Kommandeur des "Grenztruppen-Regiments" Halberstadt. Die Funktionsträger der "Volkseigenen Betriebe", staatlichen Einrichtungen und Behörden unterliegen während der jeweiligen Übung, in der stets ein militärischer Angriff durch die NATO-Staaten mit ABC-Waffen simuliert wird, der militärischen Disziplin der Kreiseinsatzleitung. In Arbeitsgruppen der Kreiseinsatzleitung wird nach einem angenommenen militärischen Angriff die Umstellung der Volkswirtschaft und der zivilen Bereiche des Kreises auf den Verteidigungszustand geplant.
"Kampfgruppen der Arbeiterklasse"
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Auch Einheiten der Grenztruppen, die im Kreis Wernigerode stationiert sind, werden auf dem Nicolaiplatz vereidigt.
Parade von Grenzsoldaten vor ihrer Vereidigung
© Dieter Oemler
  • Wie überall in der Deutschen Demokratischen Republik steht auch in den Schulen der Stadt Wernigerode neben einer auf hohem Niveau fußenden mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung die kommunistische Erziehung der Pioniere und FDJ-ler im Vordergrund. Der im KZ Buchenwald von den Nationalsozialisten ermordete KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann wird unter der Losung "Wie Ernst Thälmann stolz und kühn" Vorbild für die "Thälmann-Pioniere".
Pioniere am Thälmann-Denkmal
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • An der Demonstration in Wernigerode zum 1. Mai, dem "Kampf- und Feiertag der Werktätigen", nehmen wieder Tausende Bürger und Bürgerinnen teil.
Maidemonstration
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Der Palästinenserführer Yasser Arafat besucht Wernigerode und besichtigt das Schloss.
  • Besonders in den Wintermonaten kommt es in Wernigerode immer wieder zu großer, oft unerträglicher Luftverschmutzung durch qualmende 5000 Schornsteine. Als Heizmaterial wird meist Rohbraunkohle und schwefelhaltiger Braunkohlenbrikett eingesetzt.
Smog über Wernigerode durch Inversionswetterlage
© Dieter Oemler
  • Von Seiten der staatlichen Leitungen der Betriebe und Einrichtungen sowie SED-Parteiorganisationen wird darauf hingewirkt, dass möglichst alle Beschäftigten Mitglied der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft (DSF) werden. Dazu gehört jährlich ein Wettbewerb um den Titel "Kollektiv der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft". Bestandteil des Wettbewerbs ist oft ein organisiertes Treffen mit Angehörigen der sowjetischen Armee. Für den Kreis Wernigerode sind dies Militärangehörige der Funkeinheit auf dem Brocken und der Garnison in Quarmbeck bei Quedlinburg. Private Kontakte zwischen DDR-Bürgern und sowjetischen Militärangehörigen sind nicht erwünscht und kommen nur in Einzelfällen zustande.
Sowjetische Soldaten 1973 in Wernigerode
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv