Wernigerode im Jahr 1947

  • Im Fotopapierwerk beginnen umfangreiche Bauarbeiten. Für die Rohstoffe und die Fertigprodukte gibt es bessere Lagermöglichkeiten. Außerdem wird ein Labor geschaffen.

  • Als größter Betrieb der Stadt Wernigerode wird am 31. Januar das Elektromotorenwerk, hervorgegangen aus dem enteigneten ehemaligen Rüstungsbetrieb "Leichtmetallwerke Rudolf Rautenbach GmbH - Rautal-Werke", gegründet.

  • Trotz eisiger Temperaturen im Winter 1946/47 wird im Elektromotorenwerk Wernigerode der Grundaufbau der Halle I ohne irgendwelche technischen Hilfsmittel, mit mangelhaften Materialien und dazu ungenügender Versorgung der Beschäftigten mit Grundnahrungsmitteln in Angriff genommen.

  • Der II. Bürgermeister, Mause, wendet sich mit einem Aufruf an die Bevölkerung von Wernigerode: "Wernigeröder laßt eure Herzen sprechen! Seit etwa drei Wochen befinden sich in den Heimkehrerlagern `Küsters Kamp´ und Hasseröder Hof 80 Heimkehrer, die heimatlos und vorerst noch ohne ihre Familien sind, In den verflossenen Wochen ist von den Frauen des Antifaschistischen Frauenausschusses schon gesammelt worden. Die Sachen reichen aber nicht aus, um auch nur den allernotwendigsten Bedarf zu decken. Vor allen Dingen fehlt es an Anzügen, Mänteln, Unterwäsche und Schuhwerk" . Der Bürgermeister ruft zu Opfern auf und bittet, diese Sachen zu spenden.

Aufruf an die Bevölkerung
- Stadtarchiv Wernigerode
Aufruf an die Bevölkerung - Stadtarchiv Wernigerode
  • Nachdem die Nutzung des Hotels "Heinrich Heine" in Schierke als Sanatorium für die Sowjetische Besatzungsmacht verworfen wurde, wird ab Ende April das Hotel trotz großer Schwierigkeiten bei der Belieferung mit Brennstoffen nun endgültig wiedereröffnet.

  • Am 1. Mai wird auf einer Mai-Kundgebung im Elektromotorenwerk Wernigerode bekannt gegeben, dass die ersten 200 Motoren mit einer Größe von 11 kW fertiggestellt sind.

  • Um die reibungslose Ausgabe der Lebensmittelkarten zu verbessern, wird die Stadt in 45 Bezirke aufgeteilt.

  • Regelmäßig werden im amtlichen Bekanntmachungsblatt für Wernigerode die Stromversorgungszeiten mitgeteilt, die wöchentlich in den Versorgungsbereichen wechseln.

  • Es finden im Jahresablauf mehrere öffentliche Verhandlungen der Entnazifizierungskommission des Kreises Wernigerode statt. Im amtlichen Bekanntmachungsblatt werden die Termine rechtzeitig bekannt gegeben mit Nennung der Namen der Personen, über die verhandelt wird. Die BürgerInnen werden aufgerufen, rechtzeitig be- oder entlastendes Material zu den Genannten abzugeben. Anonyme Anzeigen werden nicht berücksichtigt. Die verhandelten Personen werden entweder "entnazifiziert" oder ihnen wird untersagt, leitende Tätigkeiten auszuüben. Die Entscheidung wird jeweils im Bekanntmachungsblatt veröffentlicht.( z.B.: "Dem... geb. am..., wohnhaft in Wernigerode , ...straße, wird das Recht zur Bekleidung eines wichtigen Postens in Behörden, Organisationen und Betrieben abgesprochen... Das aktive und passive Wahlrecht wird ihm entzogen".

  • Eine Gruppe von Flüchtlingen/Umsiedlern aus dem Osten bildet in Wernigerode die Evangelisch - Freikirchliche Gemeinde, auch als Baptisten bezeichnet. Domizil der Gemeinde ist die Georgiikapelle.

St.Georgi-Kapelle
© Wolfgang Grothe
St.Georgi-Kapelle © Wolfgang Grothe
  • Die Volkshochschule Wernigerode nimmt die durch den 2.Weltkrieg unterbrochene Tätigkeit wieder auf.

  • Ilsenburg wird Luftkurort.

  • In einigen Betrieben beginnt, wie hier im Fotopapierwerk, die Ausgabe von Mittagessen für die Beschäftgten.

Ausgabe von Betriebsessen im Fotopapierwerk 1947
- Dieter Oemler
Ausgabe von Betriebsessen im Fotopapierwerk 1947 - Dieter Oemler
  • Die Wettermessung auf dem Brocken wird wieder aufgenommen, nachdem diese wegen starker Bombardierung im April 1945 unterbrochen worden war.

Der Brocken vor der Bombardierung
- Gerhard Bombös
Der Brocken vor der Bombardierung - Gerhard Bombös
Gedenkkreuz für Oberst Gustav Petri
- Dieter Oemler
Gedenkkreuz für Oberst Gustav Petri - Dieter Oemler
  • Am 4. Juni werden bei einem Einbruch im Schloss wertvolle Fayencen und Ölbilder gestohlen.

Luftaufnahme vom Schloss Wernigerode
- Fotothek Harzbücherei
Luftaufnahme vom Schloss Wernigerode - Fotothek Harzbücherei
  • Am 18. Juli findet im Gewerkschaftshaus "Monopol" eine vom Rat der Stadt organisierte Einwohnerversammlung statt, in der über die Tätigkeit des Rates seit dem Tage der Besetzung Rechenschaft abgelegt werden soll.

  • Wernigerode gehört zum "Land Sachsen-Anhalt". Auf Befehl der Sowjetischen Besatzungsmacht vom 21. Juli ging die "Provinz Sachsen-Anhalt" in den Status eines Landes über.

  • Das Kreispolizeiamt weist am 6. August darauf hin, dass in der Zeit vom 7. bis 14. August das Ährenlesen verboten ist. "Zuwiderhandlungen werden nach geltenden Bestimmungen bestraft." Ab 12. September wird das "Nachstoppeln von Kartoffeln und Rüben" erlaubt.

  • Am 27. September findet im Haus der Deutschen Jugend in der Wernigeröder Bahnhofstraße eine "Kreis-Antifablock-Konferenz" statt.

  • Am 27. September beschließt der Rat der Stadt Maßnahmen zur Unterbringung von Umsiedlern, denen "in den meisten Fällen keine Wohnungsausstattungsgegenstände zur Verfügung stehen".

  • Am 6. November findet im Gewerkschaftshaus in Wernigerode eine Konferenz der Industiegewerkschaft Bau statt, die sich mit der Umsetzung des Befehls 209 der SMAD (Sowjetische Militäradministration Deutschland) - "Festigung der Bodenreform" befaßt. Die Konferenz kommt zu dem Entschluß, daß die 150 Neubauerngehöfte im Kreis Wernigerode "als vordinglich gebaut werden müssen und somit ein weiterer entscheidender Schritt in unserem friedlichen demokratischen Aufbau getan wird."