18. Jahrhundert

  • Der Kurfürst von Brandenburg wird als Friedrich I. von Preußen gewählt. Damit gehört Hasserode zu Preußen.
  • Am 14. November wird in Wernigerode der spätere Theologe und Hofprediger bei Christian Ernst Graf von Stolberg-Wernigerode geboren.
  • Das Schloss wird wieder ständiger Wohnsitz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode. Zunächst unter der Vormundschaft seiner Mutter regiert Graf Christian-Ernst die Grafschaft von 1710 bis zu seinem Tod am 25. Oktober 1771. Diese lange Regentschaft geben dem Schloss und der Stadt ein neues Aussehen.
Zimmer im Schloss 1927
© Wolfgang Grothe
Zimmer im Schloss 1927 © Wolfgang Grothe
  • Der Tiergarten wird wieder belebt.
  • Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode heiratet noch vor seinem 21. Geburtstag die erst siebzehnjährige Sophie Charlotte, Tochter des Grafen Anton zu Leiningen-Westerburg und der Luise von Sayn-Wittgenstein. Sophie Charlotte wird Christian Ernst in ihrer 50-jährigen glücklichen Ehe zwölf Kinder schenken, von denen jedoch nur ein Sohn und drei Töchter das Kleinkindalter überschreiten.
  • Das Christianental befindet sich zwischen dem Agnes- und dem Fenstermacherberg im Wernigeröder Ortsteil Nöschenrode. Das Tal hieß Dillenthal bis Graf Christian Ernst von Stolberg-Wernigerode 1711 ein Lusthaus dort bauen ließ, nachdem das Tal dann benannt wurde. Vielleicht erfolgte die Umbenennung erst später nach der Fürstin Christiane Anna Agnes, geb. Prinzessin von Anhalt-Köthen, die mit dem Grafen Heinrich Ernst von Stolberg-Wernigerode 1742 vermählt wurde.
    Harzmuseum Wernigerode - Forsthaus im Christianental
Forsthaus "Christianental", Wilhelm Pramme (1898-1965)
- Harzmuseum Wernigerode
Forsthaus "Christianental", Wilhelm Pramme (1898-1965) - Harzmuseum Wernigerode
  • Noch im Jahr 1712 tauchen im Christianental Wölfe auf, die aus dem Tiergarten ausbrechendes Wild reißen.
  • Der schon seit dem 16. Jahrhundert bestehende Lustgarten wird seinem Vorbild in Versailles folgend von Graf Christian Ernst neu angelegt.
  • Der Graf von Wernigerode erhält von Preußen den Landmann zurück.
  • Auch die Gemeinde Minsleben wird dem Königreich Preußen infolge des zwischen dem preußischen König und dem Grafen von Stolberg-Wernigerode geschlossenen Rezesses zugeordnet.
  • Der "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. bemüht sich seit seinem Regierungsantritt 1713, die schlagkräftigste Armee Europas zu bilden. Da die Grafschaft nun zu Preußen gehört, sind auch hier die Werber unterwegs, besonders in Gaststätten alkoholisierte junge Burschen als "Freiwillige" anzuwerben. Vermehrt kommt es in der Grafschaft zu Fahnenflucht. Graf Christian Ernst läßt durch einen Anschlag bekanntmachen, dass "jeder Vater seinen Sohn binnen drei Monaten zur Stelle zu schaffen hat", tut er es nicht, "so soll derselbe für infam erklärt und sein Name an den Galgen geschlagen werden, und wenn er angetroffen wird, bei Leib und Leben als Deserteur betraft werde."
  • Heinrich Georg Reuß gründet in einem Gartenhaus "dicht am Westenthore" gelegen, "unter Approbation gnädiger Herrschaft", eine Waisenanstalt. Sechs Mädchen und Jungen finden darin Aufnahme, erhalten Verpflegung, Erziehung und Unterricht im Christentum, Rechnen und Schreiben, die Jungen aber auch Lateinisch und Griechisch sowie Musik. Finanziert wird das Haus durch Geschenke und freiwillige Gaben an Naturalien und Geld.
  • Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode beurkundet am 28. Mai, dass ihm Bürgermeister und Rat zu Wernigerode einen Platz an der Stadtmauer, gegenüber den Ritterhöfen, überlassen für die Wohnung des Stadtvogtei-Gerichtsdieners. Es soll aber kein Gefängnis dort errichtet werden.
  • In einer Urkunde wird die "Schlackenmühle" erstmals urkundlich erwähnt. Die gräfliche Mahlmühle mit vier Mahlgängen, einem oberschlächtigen Wasserrad, zwei Stuben und Stallungen werden zur Neuverpachtung ausgeschrieben. Der Name Schlackenmühle deutet auf das Mahlgut hin. Die gemahlenen Schlacken aus den Hütten der Umgebung werden vielfach verwendet, als Formsand, Zuschlagstoff im Baugewerbe und für den Wegebau.
Orangerie 1900
- Dieter Oemler
Orangerie 1900 - Dieter Oemler
  • An den Stadttoren liegen vom Rat und vom Grafen bestätigte Listen mit den Tarifen über die Erhebung des Wegegeldes (Zölle) aus.
Wegegeld
- Stadtarchiv Wernigerode WR/I/II/K/5
Wegegeld - Stadtarchiv Wernigerode WR/I/II/K/5
  • Der "Nöschenröder Schützenverein" besitzt seit diesem Jahr am Anfang des Zwölfmorgentals ein eigenes Schützenhaus. Auf der Gemeindewiese am Großen Bleek liegt die Festwiese, wo zu den Schützenfesten ein buntes Treiben mit Karussels, Schaubuden, einem großen Bierzelt und zahlreichen anderen Belustigungen herrscht.
Nöschenröder Schützenhaus am Eingang zum Zwölfmorgental um 1900- gemeinfrei
Nöschenröder Schützenhaus am Eingang zum Zwölfmorgental um 1900- gemeinfrei
  • Am 8. Juli wird in Wernigerode der Arzt und Naturwissenschaftler Heinrich Friedrich von Delius geboren.
  • Am 28. Dezember wird der spätere Orientalist, Philologe und Sprachforscher Christoph August Bode in Wernigerode geboren.
  • Am 30. Januar wird Christian Gottlieb Kratzenstein, ein bedeutender Naturforscher, als Sohn des Oberschullehrers Thomas Andreas Kratzenstein, in Wernigerode geboren. Er lehrte in Russland und Kopenhagen, war dort Professor für Mathematik und Physik und war an wegweisenden Forschungsergebnissen beteiligt.
  • Der Graf erlässt am 15. Januar eine Ordnung darüber, dass die Ratsmitglieder an den ordentlichen Ratstagen sich pünktlich einfinden und das die spät kommenden 4 gute Groschen und diejenigen, welche nicht erscheinen, 8 gute Groschen Strafe in die Armenkasse zahlen müssen.
  • Der Lustgarten mit dem Lustschloss und der Orangerie ist nicht nur von kunst- und kulturgeschichtlichem Interesse, sondern ist auch seit 1728 Schauplatz der protestantischen Bewegung des Wernigeröder Pietismus, der sich seiner tätigen Nächstenliebe vom Gefühl des Einzelnen getragenen Gemeindeleben fast ein ganzes Jahrhundert lang das Grafenhaus beherrscht. Neben der Stadt Halle(Saale) ist Wernigerode ein Zentrum des Pietismus im nördlichen Deutschland.
Orangerie 2015
© Wolfgang Grothe
Orangerie 2015 © Wolfgang Grothe
  • Am 19. Juni gehen die Schüler der Lateinschule zum letzten Mal in ihr altes Schulgebäude am Oberpfarrkirchhof, dem ältesten Schulhaus in Wernigerode, unmittelbar am Turm der Sylvestrikirche.
  • An Stelle der alten reparaturbedürftigen Lateinschule wird auf dem Oberpfarrkirchhof 7 ein "Lyceum" (Städtisches Gymnasium) neu gebaut und am 26. Juni feierlich eingeweiht. In der Kartusche über dem Eingangsportal steht: "Das Lyceum beider Städte Wernigerode ist unter dem Beistand Gottes und mit Bewilligung des erlauchten Grafen und Herren, Herrn Christian Ernst, des Heiligen Römischen Reiches Grafen, und seines bestimmenden Nachfahren, vom Rat der Stadt im Jahr des Heils 1730 gebaut worden."
Wernigerode Anno 1729
- Harzbücherei
Wernigerode Anno 1729 - Harzbücherei
  • Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode lässt die sogenannte Wernigeröder Wasserrinne anlegen, durch welche das Wasser auf einem fast zwei Meilen langen Wege in das Schloss Wernigerode geleitet wird.
  • Es gibt erste Überlegungen, zum Schutz der Stadt vor Hochwasser, im Tal des Zillierbaches eine Talsperre zu bauen.
  • 1345 Protestantische Salzburgische Emigranten "gehen durch die Stadt" auf dem Wege nach Ostpreußen, wo sie auf Einladung des preußischen Königs angesiedelt werden. Etwa 600 Salzburger Emigranten werden im Lustgarten nach Einladung durch den regierenden Grafen "kostenlos verköstigt".
Kupferstich eines unbekannten Künstlers um 1810
- unbekannter Künstler
Kupferstich eines unbekannten Künstlers um 1810 - unbekannter Künstler
  • In der Lindenallee wird ein Waisenhaus eingerichtet.
  • Bau von Dills Mühle (Eichberg 3).
  • Am 8. November erteilt der regierende Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode dem Pächter der Raths-Apotheke Herrn Johann Georg Möller und dessen Ehefrau das Privilegium, in Nöschenrode eine Apotheke einzurichten. Möller erhält das Privileg eines Hof-Apothekers.
Hirsch-Apotheke in der Burgstraße
© Wolfgang Grothe
Hirsch-Apotheke in der Burgstraße © Wolfgang Grothe
  • Am 1. Februar wird durch den Hof-Apotheker Johann Georg Möller in der Langen Straße 21, heute Nöschenröder Straße, die Hirschapotheke eröffnet. Möller lässt das Geschäft durch einen Gesellen führen. Er selbst bleibt in Wernigerode und treibt Handel mit Arzneien. 1820 wird die Hirsch-Apotheke dann in die Burgstraße verlegt.
  • Ein "zweytes Jubel-Fest wegen der Wernigerödischen Kirchen-Reformation" findet in der Schule statt.
  • Im September beginnt bereits der Winter, der sich bis Ende April 1740 hinziehen wird. Niemand in den Dörfern kann wegen der grimmigen Kälte Vorräte in den Kellern und Gewölben lagern. Die Winterfrucht ist erfroren und muss umgepflügt werden. Dem Vieh erfrieren Köpfe und Klauen. "Und weil zuletzt keine Fütterung mehr zu bekommen war, so ist es durch Frost und Hunger hingefallen und verrecket".
  • Am 1. Dezember wird Martin Heinrich Klaproth, einer der bedeutendsten deutschen Chemiker, als Sohn eines armen Schneiders in Wernigerode geboren. Er entdeckte die chemischen Elemente Uran, Zirconium, Cer, Titan, Tellur sowie Strontium. Er war Wegbereiter der modernen Chemie.
     
Gedenktafel am Geburtshaus von Martin Heinrich Klaproth
© Wolfgang Grothe
Gedenktafel am Geburtshaus von Martin Heinrich Klaproth © Wolfgang Grothe
  • Das einstige Dillental wird am 30. April erstmals urkundlich als Christianental bezeichnet, bezogen auf den regierenden Grafen Christian Ernst, der dieses Tal 1716 in den neu angelegten Tiergarten einbezogen hatte.
  • Eine "Schullehrer-Witwencasse" wird gegründet. Alle angestellten Volksschullehrer der Grafschaft Wernigerode können Mitglied werden. Jedes neue Mitglied zahlt Einrittsgeld und einen jährlichen Beitrag. Bei einem eintretenden Sterbefall zahlt jedes Mitglied außerdem einen Taler. Die Witwe erhält zur Bestreitung der Begräbniskosten 50 Taler und eine jährliche Witwenpension von 23 Talern.
  • Im Hasenwinkel entsteht "Köhlers Mühle".
Malzmühle am Westerntor
- Dieter Oemler
Malzmühle am Westerntor - Dieter Oemler
  • Hans-Dietrich von Zanthier wird als Oberforst- und Jägermeister ernannt und erhält die Oberaufsicht für den gesamten Wernigeröder und Hohensteinischen Forstbesitz. In den folgenden dreißig Jahren seines Lebens wirkt Zanthier aktiv im Gebiet des Harzes und verändert die Struktur der Wälder. Mit der Überzeugung, dass "alles auf das Zukünftige gehen" wird und den Nachkommen kein Schaden durch unbestockte Flächen entstehen dürfe, war Zanthier seiner Zeit weit voraus.
naturnaher Wald im Brockengebiet
- Photothek Harzbücherei Wernigerode
naturnaher Wald im Brockengebiet - Photothek Harzbücherei Wernigerode
  • In einem Edikt verfügt der regierende Graf, dass das "Allmosengeben an Bettler vor den Thüren und in den Häusern" unter Strafe verboten ist.
Ansicht des Schlosses von 1750
© Wolfgang Grothe
Ansicht des Schlosses von 1750 © Wolfgang Grothe
Herberge an der "Schönen Ecke"
- Dieter Oemler
Herberge an der "Schönen Ecke" - Dieter Oemler
  • Heinrich Gottlieb Zerrenner, ein später sehr geachteter pädagogischer Schriftsteller und populärer Kanzelredner, wird in Wernigerode geboren.
  • In Wernigerode wütet der vierte große Stadtbrand, bei dem 300 Häuser und auch die Kirche "Unser Lieben Frauen" vernichtet werden. Die neue Kirche erhält nur einen kleinen Turm, der aber bereits wegen baulicher Mängel 1888 wieder abgerissen wird.
Neubau der Kirche "Unser Lieben Frauen" nach dem Stadtbrand von 1751
- Dieter Oemler
Neubau der Kirche "Unser Lieben Frauen" nach dem Stadtbrand von 1751 - Dieter Oemler
  • Das noch bestehende Klostergemäuer Himmelpforte brechen Wernigeröder Bürger zum eigenen Wiederaufbau ihrer durch den Stadtbrand vernichteten oder beschädigten Häuser ab.
Reste der Klostermauer "Himmelpforte"
- Frank Wiesner
Reste der Klostermauer "Himmelpforte" - Frank Wiesner
  • Täglich werden nach dem großen Stadtbrand etwa 1000 Obdachlose im Lustgarten versorgt.
  • Nach dem großen Stadtbrand dieses Jahres werden in der Burgstraße alle Häuser in einem schlichten spätbarocken Fachwerk ohne Fachwerkdekor gebaut. Um zu vermeiden, dass künftig bei einem erneuten Feuer große Schäden entstehen, werden einige Häuser massiv errichtet. Nicht dazu gehört das Haus Burgstraße 39/41. Um diesem Haus als Hotel ein attraktiveres Aussehen zu verleihen, wird die Fassade verputzt, weil zu dieser Zeit Massivbauten gegenüber Fachwerkbauten als wertvoller angesehen werden.
Burgstraße im Jahr 2016
© Wolfgang Grothe
Burgstraße im Jahr 2016 © Wolfgang Grothe
  • Wernigerode entwickelt sich im Schutze der Burg zu einer Siedlung der Handwerker und Ackerbürger, deren Bedeutung für das Umland stetig wächst.
Blick vom Lindenberg zum Schloss
- Harzbücherei Wernigerode
Blick vom Lindenberg zum Schloss - Harzbücherei Wernigerode
  • Wernigerode hat wie viele andere Städte eine komplette Stadtmauer, für deren Erhaltung die Bürger mit herangezogen werden.
     
Südliche Stadtmauer, vom Lindenberg aus gesehen 1751
- Harzbücherei Wernigerode
Südliche Stadtmauer, vom Lindenberg aus gesehen 1751 - Harzbücherei Wernigerode
  • Das Haus Breite Straße 44 wird als Geschäftshaus neu gebaut.
Breite Straße 44
© Wolfgang Grothe
Breite Straße 44 © Wolfgang Grothe
  • Die spätere Silstedter Traditionsgaststätte "Zum Eichbaum" wird als "Gemeindekrug" erbaut und entwickelt sich für lange Zeit als ein Haltepunkt für Kaufleute, die auf den Weg in den Harz Rast halten und Pferde ausspannen.
    Volksstimme - S.13 vom 30.12.2014
Gemeindeschenke "Zum Eichbaum" um 1900 in Silstedt
- Archiv Silstedt
Gemeindeschenke "Zum Eichbaum" um 1900 in Silstedt - Archiv Silstedt
Forsthaus Christianental
- Gerhard Bombös
Forsthaus Christianental - Gerhard Bombös
  • Errichtung der barocken Liebfrauenkirche (romanischer Vorgängerbau 1751 abgebrannt).
  • Dem Mieter des Hotels "Weißer Hirsch" wird durch die Gräfliche Regierung die Genehmigung zum Betrieb einer Wirtschaft erteilt.
  • Der Kirchhof (Friedhof) der Liebfrauenkirche wird vor die Stadtmauer verlegt. Es entsteht hier die Straße „Liebfrauenkirchhof“  (Kurzwort: „Kirche Unser Lieben Frauen“).
  • Die Grafschaft zählt 7 Papiermühlen, 33 Ölmühlen, 7 Sägemühlen und 4 Ziegeleien. Überwiegend ist die Stadt aber von Ackerbürgern bewohnt. Darüber hinaus sind das Bierbrauen und die Branntweinbrennereien wichtige Einnahmequellen.
Goldene Hochzeit des Grafen Christian Ernst und Gräfin Sophie Charlotte
- Stadtarchiv Wernigerode
Goldene Hochzeit des Grafen Christian Ernst und Gräfin Sophie Charlotte - Stadtarchiv Wernigerode
  • Das geistige Fluidum Wernigerodes als Stadt und Residenz zieht zunehmend Persönlichkeiten besuchsweise hierher, so z.B. am 20. August Friedrich Gottlieb Klopstock. Er schreibt bei diesem Aufenthalt ein Gedicht, das so beginnt: "Im Schwarzen Hirsch zu Neschenrode, am 20 sten des August, verkünde ich durch diese Ode das Leiden meiner Brust," Er beklagt, dass er in dieser gräflichen Schenke sitzend, auf dem Schloss den Grafen nicht angetroffen hat.
  • Arrangierte Standes-Hochzeiten in der gräflichen Familie sind immer wieder gesellschaftliche Ereignisse, die mit großem Pomp begangen werden, wie z.B 13. Juni 1766: "Die beglückte Vermählung des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Friedrich Erdmann, Fürsten zu Anhalt,... mit der Hochwürdigsten Gräfin und Frau, Frau Luise Ferdinande, Gräfin zu Stolberg,... welche den 13ten Jun. 1766, auf dem Schloß zu Wernigerode höchst vergnügt vollzogen wurde, begleitete mit einem fröhlichen Glückauf die Knappschaft in der Grafschaft Wernigerode."
  • Die preußische Kolonie Friedrichstal (heute Hasserode) wird durch König Friedrich II. von Preußen gegründet. Die Kolonie besteht aus 127 Kolonistenhäusern, ein Straßendorf, beginnend am Westerntor/Flutrenne bis zur heutigen Straße "Freiheit" und verbindet Hasserode mit Wernigerode. Hier gelegenes Blaufarbenwerk (Kobald/Wismut) und Sägemühle sind gräflich ("Freiheit" = Siedlung der Bergleute, da ihnen Freiheit von sonst gültigen Steuern und Diensten zustand).
König Friedrich II. von Preußen
© Wolfgang Grothe
König Friedrich II. von Preußen © Wolfgang Grothe
  • Überwiegend reformierte Siedler aus der Pfalz, aus anderen deutschen Landen und den Niederlanden lassen sich in Hasserode heutige Pfälzergasse nieder. Die Pfälzermühle unterhalb der Kakemieke entsteht.
Pension "Pfälzer Hof" in der Pfälzergasse 2016
© Wolfgang Grothe
Pension "Pfälzer Hof" in der Pfälzergasse 2016 © Wolfgang Grothe
200 Jahre später: Das Hasseröder Tal vom Turm des Westerntores  aus gesehen.
- Dieter Oemler
200 Jahre später: Das Hasseröder Tal vom Turm des Westerntores  aus gesehen. - Dieter Oemler
verschütteter Stolleneingang einer Grube in Hasserode 2015
© Wolfgang Grothe
verschütteter Stolleneingang einer Grube in Hasserode 2015 © Wolfgang Grothe
Das "Löwentor" - Eingang zum Lustgarten, Anni Reinecke 1880-1967
- Harzmuseum Wernigerode
Das "Löwentor" - Eingang zum Lustgarten, Anni Reinecke 1880-1967 - Harzmuseum Wernigerode
Akte wegen des Mahlens an der Hasseröder Mühle
- Stadtarchiv Wernigerode WR/I/I/E/31
Akte wegen des Mahlens an der Hasseröder Mühle - Stadtarchiv Wernigerode WR/I/I/E/31
"Pfälzer Hof" in Hasserode
© Wolfgang Grothe
"Pfälzer Hof" in Hasserode © Wolfgang Grothe
  • Christian Ernst, regierender Graf zu Stolberg-Wernigerode, stirbt am 25. Oktober in Wernigerode. Christian Ernst, Sohn des Grafen Ludwig Christian zu Stolberg-Wernigerode und der Fürstin Christine, Tochter Herzog Gustav Adolfs von Mecklenburg-Güstrow, geboren zu Gedern am Vogelsberg am 2./13. April 1691 hat die Grafschaft 61 Jahre lang regiert.
  • Am 25. Oktober übernimmt Heinrich Ernst zu Stolberg-Wernigerode nach dem Tod seines Vaters die Grafschaft Wernigerode, wo er besonders das christlich-pietistische Leben fördert.
  • Auf Schloss Wernigerode wird am 25. September Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode geboren.
  • Das Schul- und Bethaus Hasserode (Konkordienkirche) wird eingeweiht. Am 21. November wird die erste evangelische Kirche in Hasserode eingeweiht. Es sammelt sich eine lutherische und eine reformierte Gemeinde.
ehemalige Konkordienkirche heute
© Wolfgang Grothe
ehemalige Konkordienkirche heute © Wolfgang Grothe
  • Das "Kleinste Haus" in Wernigerode wird erbaut.
Kleinstes Haus
- Stadtarchiv Wernigerode
Kleinstes Haus - Stadtarchiv Wernigerode
  • Heinrich Ernst Graf zu Stolberg-Wernigerode untersagt den Silstedter Schützen das traditionelle Freischießen.
  • Hasserode hat 600 Einwohner. Die Einwohner der Gemeinde besitzen 114 Kühe, 600 Schafe, dazu Schweine und Ziegen.
Salzbergtal mit Sanatorium
- gemeinfrei
Salzbergtal mit Sanatorium - gemeinfrei
  • In der Gemeinde Hasserode gibt es 114 Kühe, 600 Schafe, dazu Schweine und Ziegen.
  • Das gräfliche Jagdhaus Plessenburg wird gebaut. Der Name bezieht sich auf die Familie des Fürsten zu Anhalt-Köthen Pleß, aus der die zweite Frau Christiana Anna Agnese kam, mit der der regierende Graf vermählt war.
  • Das durch den Wernigeröder Grafen 1774 ausgesprochene Verbot des jährlichen Freischießens nehmen die Silstedter Schützen zum Anlass, einen berittenen Boten mit einem Bittschreiben nach Berlin zu schicken. Friedrich der Große erteilt 1776 die "Concession", weiterhin das Freischießen durchführen zu dürfen.
Vereinshaus der Silstedter Schützen 2015
© Wolfgang Grothe
Vereinshaus der Silstedter Schützen 2015 © Wolfgang Grothe
  • Goethe besucht am 3. Dezember inkognito den Pfarrerssohn Plessing (Oberpfarrkirchhof 12) und reist am nächsten Tag nach Ilsenburg weiter. Er übernachtet in der Herberge "Zur goldenen Forelle" (heute Markt 9).
150. Jahrestag des Besuchs von J. W. Goethe bei Leberecht Plessing
- Dieter Oemler
150. Jahrestag des Besuchs von J. W. Goethe bei Leberecht Plessing - Dieter Oemler
  • Goethe besteigt am 10. Dezember zum ersten Mal den Brocken. Er beobachtet für seine "Farbenlehre" das Wetter auf dem Brocken. An Charlotte von Stein schreibt er nach der winterlichen Brockenbesteigung: "Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest?"
Brocken 18. Jahrhundert
- Frank Wiesner
Brocken 18. Jahrhundert - Frank Wiesner
  • Einzug des ersten ortsansässigen Pfarrers in Hasserode.
  • Der Barockbau des Pfarrhauses am Liebfrauenkirchhof 3/4 wird errichtet.
Das ehemalige Pfarrhaus am Liebfrauenkirchhof 3/4 2016
© Wolfgang Grothe
Das ehemalige Pfarrhaus am Liebfrauenkirchhof 3/4 2016 © Wolfgang Grothe
  • Am 30. November verstirbt auf dem Schloss Wernigerode der gräflich-stolbergische Oberforst- und Jägermeister Hans-Dietrich von Zanthier (geb. 1717 in Salzfurth), ein Pionier der nachhaltigen Forstwirtschaft.
  • Das "Neue Haus vor dem Christianenthal", für das vor 23 Jahren der Grundstein gelegt wurde, ist vollendet und wird zunächst als gräfliches Bedientenhaus genutzt. Vorher war es 13 Jahre als Bauruine ein äußeres Zeichen für die Geldknappheit. Eine andere Quelle erwähnt eine "Schankwirtschaft im Christianenthal".  
Gasthaus Christianental 1956
- Gerhard Bombös
Gasthaus Christianental 1956 - Gerhard Bombös
  • Jacob Heinrich Delius, Bürgermeister und Syndicus zu Wernigerode, widmet sich intensiv der Geschichte der Bildung und Erziehung in seiner Stadt. "Die Graffschaft Wernigerode hat viel Gelehrte der Welt geschenket. Es ist billig verdienter Männer Andenken zu erhalten. Es ist angenehm und lehrreich, den Gang, den die Wissenschaft bey ihrem Anfange genommen, wie sie sich ihrer Vollkommenheit genähert, und der Gelehrten Schriften und Schicksale zu wissen".
  • Das Hirtenhaus in der Sackgasse der Wernigeröder Neustadt wird gebaut.
  • Am 9. Dezember stirbt der in Wernigerode geborene Pädagoge Johann Martin Müller in Hamburg. Zuletzt Rektor des Hamburger Johanneums, veröffentlichte Müller vielbeachtete wissenschaftliche Arbeiten zur Schul- und Gelehrtengeschichte.
Zweiteiliger Stich aus dem Jahre 1782 von J. D. Philipp, geb. Sysang
- Harzmuseum Wernigerode
Zweiteiliger Stich aus dem Jahre 1782 von J. D. Philipp, geb. Sysang - Harzmuseum Wernigerode
  • Zweite Brockenbesteigung von Goethe. Vom 22./23. September übernachtet Goethe mit dem zehnjährigen Fritz v. Stein und den Vizeberghauptmann v. Trebra aus Zellerfeld im Wirtshaus auf der Heinrichshöhe.
  • Dritte und letzte Brockenbesteigung von Goethe. Er übernachtet vom 3. zum 4. September im Wirtshaus auf der Heinrichshöhe gemeinsam mit dem Weimarer Maler G. M. Kraus.
Johann Wolfgang Goethe, Stieler 1828
- Wikipedia
Johann Wolfgang Goethe, Stieler 1828 - Wikipedia
Stolleneingang des ehemaligen Bergwerkes "Aufgeklärtes Glück"
© Wolfgang Grothe
Stolleneingang des ehemaligen Bergwerkes "Aufgeklärtes Glück" © Wolfgang Grothe
Schutzhütte auf dem Brocken
© Wolfgang Grothe
Schutzhütte auf dem Brocken © Wolfgang Grothe
  • In der Kobalterzgrube "Aufgeklärtes Glück" im Thumkuhlental wird am 17. April die erste Schicht gefahren.
Bergbaulehrpfad im Thumkuhlental
© Wolfgang Grothe
Bergbaulehrpfad im Thumkuhlental © Wolfgang Grothe
  • Nach mehrjährigem Bemühen wird die Torfstecherei an der Heinrichshöhe wegen Erfolglosigkeit endgültig eingestellt.
  • Sämtliche tropischen Pflanzen aus der Orangerie werden verkauft.
  • In einem Gasthofverzeichnis wird der Name "Weißer Hirsch" genannt. Das heutige Hotel ist damit das älteste erhaltene Hotel der Stadt Wernigerode und des Landes Sachsen-Anhalt.
  • Die Innung der Goldschmiede wird gegründet.
  • In Wernigerode existieren 44 Webstühle, fünf Papiermühlen, vier Ölmühlen, 184 Brauereien, 56 Branntweinbrennereien.
  • Aus der Grafschaft werden 1799 Waren im Wert von 210 241 Reichstalern ausgeführt, gleichzeitig Waren für 76 810 Reichstalern eingeführt. Das ist ein Plus für die Grafschaft von 134 133 Reichstalern.
  • Am 24. September gibt der in Berlin lebende Chemie-Professor Martin Heinrich Klaproth, einer der bedeutendsten Söhne der Stadt Wernigerode, in einer Ansprache an der "Preußischen Akademie der Wissenschaften" die Isolierung von Uran aus dem Mineral Pechblende bekannt.
Martin Heinrich Klaproth, einer der bedeutendsten deutschen Chemiker
- gemeinfrei
Martin Heinrich Klaproth, einer der bedeutendsten deutschen Chemiker - gemeinfrei
  • Das nach Osten an die Konkordienkirche grenzende Haus, das für Schulzwecke gekauft worden war (heute Friedrichstraße 61) erhält einen Erweiterungsbau. Damit ist die Schule ganz aus der Kirche verlegt.
  • Dem Dichter Leopold Friedrich Günther von Goeckingk ist es zu verdanken, dass Kinder in das Schulgebäude Friedrichstraße 60 einziehen durften. In einem Brief an den preußischen König hatte er vorgeschlagen, das Kolonistenhaus in Hasserode-Friedrichsthal als Schulgebäude zu nutzen. "Die Anzahl der Kinder hat sich in Friedrichsthal so sehr vermehrt, daß gegenwärtig 67 Kinder auf einmal die Vormittagsschule besuchen." Damit hat Hasserode sein erstes Schulgebäude. 2010 wurde das Gebäude wegen Baufälligkeit abgerissen.
  • Das "Kleinste Haus"  der Stadt wird in der Kochstraße 43 erbaut. Die Traufhöhe beträgt 4,20 m. Das Haus ist 2,95 m breit. Die Tür ist 1,70 m hoch. Die Küche befindet sich im Erdgeschoss. Im Obergeschoss befindet sich der Schlafraum. Geschlafen hat die Familie mit bis zu elf Personen auf dem Dachboden auf Strohsäcken. Die Kochstraße war eine Handwerkergasse. Im kleinsten Haus wohnten unter anderem Tuchmacher und Schuhmacher. Die letzte Bewohnerin verstarb 1976.
Das "Kleinste Haus" 1967
- Dieter Oemler
Das "Kleinste Haus" 1967 - Dieter Oemler
Wernigerode - Residenzstadt des Grafen
- gemeinfrei
Wernigerode - Residenzstadt des Grafen - gemeinfrei
  • In einem "Handbuch der Erdbeschreibung von Sachsen und einigen angrenzenden Ländern" wird die Grafschaft Wernigerode wie folgt beschrieben: "Die Grafschaft Wernigerode liegt auf dem Harz, der durch den Brocken in den Ober- und Unterharz getheilt wird. Sie ist 3 Meilen lang, 2 Meilen breit und stark bewohnt, hat 12 000 E., und jährlich 200.000 Thlr. Flüße sind hier: die Ilse, die kalte Bude, die Ecker, die Holtemme. Die Waldungen hier sind sehr stark, der Wiesewuchs und die Viehzucht außerordentlich gut. Die Grafschaft hatte sonst seine eigenen Besitzer, welche 1428 ausstarben, wodurch sie an die Grafen zu Stollberg kam. Sie ist magdeburgisches Lehen, hat aber eine eigene Regierung und Konsistorium. Der König von Preußen erhebt, daher als Landesherr in der Stadt Wernigerode, Accise, und auf dem Lande Contribution und wirbet Soldaten in der Grafschaft."
Eselskrug
- Stadtarchiv Wernigerode PK/IV/241
Eselskrug - Stadtarchiv Wernigerode PK/IV/241
  • Von der Hofdruckerei Carl Samuel Struck wird die "Schützenordnung der Stadt Wernigerode" gedruckt.
Schützenordnung
- Stadtarchiv Wernigerode
Schützenordnung - Stadtarchiv Wernigerode
  • Bis Ende des Jahres werden in der Stadt 96 "Haus- und Strassenbettler" aufgegriffen und ins "Waisen-und Arbeitshaus" eingeliefert. Darunter befindet sich als 95ster "Adam Hage, ein Tagelöhner aus Wernigerode, 66 Jahr alt, ...welcher auf den Mühlen gebettelt hatte. Er wurde 3 Tage im Arbeitshause zur Arbeit angehalten und dann, um seiner Frau und Kinder willen, für diesmal entlassen."
  • In Wernigerode sterben in diesem Jahr 448 Kinder an Blattern.
  • Die das Ende des 18. Jahrhunderts und den Anbruch einer neuen Zeit markierende Französische Revolution wirft ihre Schatten bis Wernigerode. da 1796 eine nicht geringe Zahl von Flüchtlingen vor dieser Revolution hier Zuflucht sucht. Die französischen Flüchtlinge scharen sich um den Abbé Hugues, der die Flüchtlinge in einer katholischen Gemeinde betreut. Damit hat Wernigerode seit der Reformation wieder eine katholische Gemeinde. Der streng evangelische Graf Christian Friedrich verhält sich gegenüber dem Abbé sehr tolerant und räumt ihm den "Wasmusturm" im Schloss zum Wohnen ein.
  • Die "Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt", "größte, älteste und verbreitetste Zeitung des Kreises Grafschaft Wernigerode a. Harz", wird gegründet. Die Zeitung erscheint ohne Unterbrechung bis 1945.
Das alte Geschäftshaus der WZ in der Westernstraße 23.
- Gerhard Bombös
Das alte Geschäftshaus der WZ in der Westernstraße 23. - Gerhard Bombös
  • Die Einwohner werden von Ärzten zunächst vor fiebrigen Erkrankungen ("hitzige Flußkrankheiten") und später vor der Ruhr gewarnt. Besonders auf Hygiene und frische Luft sollte geachtet und ein Arzt konsultiert werden.
  • Die Stadtvogtei veröffentlicht am 16. Januar im "Wernigeröder Intelligenzblatt zum Besten und im Verlage des Arbeitshauses" eine "Warnungs-Anzeige für das Gesinde". "Eine Dienstmagd ist wegen Entweichung aus dem Dienst und Untreue im Dienst, zur Arbeitsstrafe an das hiesige Arbeitshaus abgeliefert."
  • Gräfin Louise zu Stolberg-Wernigerode (am 24. November 1771 auf Schloss Wernigerode als zweitälteste Tochter des Grafen Christian-Friedrich zu Stolberg-Wernigerode und ältere Schwester des Erbgrafen Heinrich zu Stolberg-Wernigerode geboren) wird Äbtissin von Kloster Drübeck (bis 1800). Am 21. Dezember 1807 heiratet sie auf Schloss Wernigerode Moritz Haubold von Schönberg, zieht sich auf seine Besitzungen zurück und verstirbt dort 1856.
Romanische Klosterkirche Drübeck 1995
© Wolfgang Grothe
Romanische Klosterkirche Drübeck 1995 © Wolfgang Grothe
  • Im "Wernigerödischen Intelligenzblatt" wird im Januar mitgeteilt: "Johanne Katharine Kochen aus Wernigerode, 15 Jahre alt, eines Tagelöhners Tochter, welche auf Veranlassung der Schul-Kommission am 13ten Januar ins Arbeits Haus aufgenommen worden, um sie aus der tiefsten Unwissenheit und Verdorbenheit herauszureißen, ist, widerstrebend aller Ordnung und Arbeit, am 28 Jan. mit Entwendung der Kleidung entwichen; welches hiermit zur Warnung bekannt gemacht wird."
  • In der Nacht vom 17. zum 18. September wird Wernigerode von einem erneuten Hochwasser betroffen.
  • Die Grafschaft Wernigerode besitzt im Vergleich zu benachbarten Ländern und Städten ein beachtliches ökonomisches Potential. Das wird durch den Vergleich von Export und Import deutlich. 1798 werden Waren im Wert von 264 507 Reichstalern ausgeführt und Waren für 106 862 Reichstaler eingeführt.
Gaststätte am Westerntor (Später Eselskrug)
- Dieter Oemler
Gaststätte am Westerntor (Später Eselskrug) - Dieter Oemler
  • Das 1743 auf der Heinrichshöhe für den Aufenthalt der Torfstecher errichtete Gebäude, welches auch als Wirtshaus mit genutzt wurde, brennt ab und wird nicht wieder aufgebaut, weil auf dem Brocken selbst ab diesem Jahr ein Gasthaus gebaut wird.
Brockenhaus - vermutlich 1862
- gemeinfrei
Brockenhaus - vermutlich 1862 - gemeinfrei
  • Erneuter Aufschwung durch Ansiedlung von Gerbern und Manufakturen der Tuch- und Leineweberei.
  • Die Stadt zählt 18 Kaufleute, 423 Zunfthandwerker, 68 Fuhrleute.
  • In Wernigerode grassiert das "Scharlachfieber". Den Bürgern werden Verhaltensregeln erläutert.
  • Branntwein ist für Wernigerode eines der wichtigsten Exportgüter. Deshalb wird verfügt, dass für Branntwein, das ins "Ausland gebracht wird", die Steuern erneut festgelegt sind. Linsen und Erbsen dürfen überhaupt nicht exportiert werden.
  • In "Wernigerode, Vorstadt und Hofgemeinde" leben 5221 Menschen. Die Statistik nennt 823 Ehen und 893 Häuser (davon "485 Kothhäuser und 147 Brauhäuser").
  • Das Stadt Voigtei-Gericht gibt am 10. März folgende "Warnungsanzeige" auf: "Ein hiesiger Tagelöhner und dessen Ehefrau sind wegen Widersetzung gegen die obrigkeitlich verfügte Arretierung ihres Sohnes, durch ein rechtskräftiges Erkenntnis, ersterer zu zweimonatlicher Zuchthaus-, und letztere zu achttägiger Gefängnisstrafe verurtheilt, wie auch Ersterer bereits an das Magdeburger Zuchthaus abgeliefert ist."
  • Die stärksten Gewerbe sind in der Stadt die Bierbrauer mit 148 "Berechtigten", 53 Branntwein-Brenner, 18 Kaufleute und 16 Oelmüller. Die stärksten "Professionisten" sind die Schuster (111), Schneider (66), Leinweber (43), Bäcker (23), Tischler (18), Schmiede (15) und Böttcher (15).
  • In der Grafschaft werden im Jahr 1800 399 Kinder geboren (358 eheliche und 27 uneheliche, der Rest sind Totgeborene). In diesem Jahr werden auch 85 Ehen geschlossen (davon 69 in erster, 15 in zweiter Ehe und eine in dritter Ehe). Im Jahr 1800 sterben in der Grafschaft 428 Personen, davon 73 "an Durchfall und der Ruhr", 53 "am Jammer und Krämpfen", 50 "an der Auszehrung und Lungensucht". Von den 428 Verstorbenen sind 203 "noch nicht konfirmierte Kinder".
  • Das einstöckige Gasthaus "Brockenhaus" wird eröffnet. Veranlasst wurde der Bau durch den regierenden Grafen Christian Friedrich zu Wernigerode. Gräflicher Baumeister ist C.M. Barth.
    Harzmuseum Wernigerode - Altes Brockenhaus
Gasthaus auf der Brockenspitze 1833, Maler unbekannt
- Harzmuseum Wernigerode
Gasthaus auf der Brockenspitze 1833, Maler unbekannt - Harzmuseum Wernigerode