Wernigerode im Jahr 1909

  • Junge Wintersportler aus Wernigerode bauen im Bibental einen kleinen Skisprunghügel. Der weiteste Sprung ist 8,70 Meter.

  • Nach dem Zuschütten des Kesselmühlen- und des Kannengießerteiches werden zu Bauzwecken als Goethestraße und Lessingstraße zwei neue Straßen dort neu projektiert, der Name der 1909 angelegten Straße am alten Teich jedoch in Erinnerung an diesen in "Kesselmühlenstraße" umbenannt.

  • Stadtbaurat Ernst Wilhelm Deistel versucht vergeblich, die Stadträte von der Notwendigkeit des Baus einer innerstädtischen Kanalisation und einer Kläranlage zu gewinnen. Die Stadträte lehnen die Finanzierung ab.

  • Am 4. April findet in Nöschenrode im "Zur Stadt Stolberg im renovierten, eigens dazu hergrichteten Saale die große Eröffnungs-Vorstellung des Elektro-Kinematographen-Kolosseum" statt. Geplant ist eine "Dauervorstellung während der Osterfeiertage" - um danach "Vorstellungen dauernd zu veranstalten". Tatsächlich hält sich das "Kolosseum" einen guten Monat mit kinematographischen Darbietungen, die samstags und sonntags zu sehen sind. Am 15. Mai 1909 erscheint die letzte Programmankündigung.

  • Die 1905 gegründete Firma Ackert bietet mit der "Harzer Automobilzentrale" Autotouren zu den Harzer Sehenswürdigkeiten in der Umgebung für Sommerfremde an.

  • Fritz L. Brasche *08.09.1881, zuvor Oberkellner im "Weißen Hirsch", kauft das "Hotel zum Lindenberg". Das Hotel heißt nun "Kurhotel Lindenberg". "Vielen alten Pennälern wird dieses schöne Hotel... von Feiern und Bällen her in Erinnerung sein. Die Schülerverbindung Literaria, Turnclub u.a. feierten dort ihre Abschlussbälle. Wer denkt dabei nicht an die Weihnachts- Gymnasiastenbälle, die Abschlussbälle der Tanzschule Oberbach, die Feiern des Tennisclubs."

F. L. Brasche und Ehefrau
- Gerhard Bombös
F. L. Brasche und Ehefrau - Gerhard Bombös
Im Salzbergtal baut die Stadt eine Lesehalle. Für Sommergäste liegen Zeitungen und Zeitschriften aus.
- Dieter Oemler
Im Salzbergtal baut die Stadt eine Lesehalle. Für Sommergäste liegen Zeitungen und Zeitschriften aus. - Dieter Oemler
Mitteldeutsches Gaukegeln in Wernigerode
- Stadtarchiv Wernigerode
Mitteldeutsches Gaukegeln in Wernigerode - Stadtarchiv Wernigerode
  • Am 31. Oktober, "nachmittags um 3 Uhr", kann in Nöschenrode das "vornehmste Theater lebender und sprechender Photographien im Hotel Goldener Hirsch (parterre)" besucht werden. Der "Goldene Hirsch" befindet sich in der Kaiserstraße 4, heute Nöschenröder Straße 4.

    "Direktor M. Kießig", der auch in anderen Orten Kinos besitzt, führt "bis abends um 11 Uhr ununterbrochen" mit seinem "Welt-Kinematograph" ein "Weltstadt-Programm" auf, wie es in einer Zeitungsanzeige heißt. Damit ist "Kießigs Welt-Kinematograph" das erste Kino zwischen Zillierbach und Holtemme, das dauerhaft und mehr als ein- bis zweimal wöchentlich das Publikum mit Filmen aus allen Bereichen anlocken will. Jedoch hält sich diese Kino wohl nur bis Ende des Jahres.

  • Am 7. November eröffnet der "Salon-Kinematograph Germania" mit knapp 200 Sitzen "im vollständig neurenovierten Saal" des "Etablissements Stadt Stolberg", der heutigen Gaststätte "Zur schönen Ecke" seine Türen. Der "ständige Kinematograph ersten Ranges", der Albert Vogeler (1860-1931) gehört, wirbt mit "erstklassigen Bildern in naturgetreuen Aufnahmen". Durch das "wöchentlch zweimal wechselnde Programm" würde eine "lehrreiche und höchstinteressante Vorstellung" geboten, heißt es in der Zeitungsanzeige zum Tag der Eröffnung. Das "Germania" wird bis 1922 existieren. Albert Vogeler ist somit der Erste aus dem heutigen Wernigerode, der ein Kino eröffnet, das regelmäßig, täglich und auf Dauer Filme zeigt.

  • Am 9. Dezember wird im "Hotel zum Bären" in der Breiten Straße 78 das erste Kino in Wernigerode eröffnet. Im noch selbstständigen Nöschenrode existieren bereits zwei Kinematographen.

Blick auf Hasserode
- Stadtarchiv Wernigerode
Blick auf Hasserode - Stadtarchiv Wernigerode