Konrad Breitenborn "Als Wernigerode zum Königreich Westfalen gehörte"

  • Die ersten französischen Soldaten treffen am 19. Oktober (eine andere Quelle nennt den 31. Oktober) in Wernigerode ein und beginnen sofort mit einer Plünderung in Privathäusern. Der Schaden, den marodierende französische Soldaten verursachen, beläuft sich auf 2630 Reichstaler. 59 Uhren wechseln in Wernigerode den Besitzer. In den ersten Wochen leidet die Bevölkerung besonders unter den ständigen Einquartierungen.

  • Die Stadt und die gesamte Grafschaft gehören sei dem 15. Dezember zum neu gebildeten Königreich Westfalen und ist Bestandteil des Distrikts Blankenburg im Saale-Departements. Die ehemalige Grafschaft untergliedert sich als Bestandteil des Distrikts Blankenburg in drei Kantone: Landkanton Ilsenburg (Ilsenburg, Drübeck, Veckenstedt, Stapelburg, Langeln Wasserleben, Schmatzfeld), Landkanton Wernigerode (Nöschenrode, Hasserode/Friedrichsthal, Silstedt, Minsleben, Reddeber, Altenrode, Darlingerode, Schierke) und Stadtkanton Wernigerode. Die bisherigen Beamten bleiben im Amt und werden auf den König und die Verfassung vereidigt.

  • Am 23. Januar erlässt die westfälische Regierung ein Dekret zur Umgestaltung der Agrarverhältnisse. Im Artikel 1 wird die Aufhebung der Leibeigenschaft festgelegt. Nach Artikel 2 hat der bisherige Grundherr kein Recht mehr auf Erziehung, Berufswahl und Aufenthalt der Kinder der Bauern. Nach Artikel 5 genießt die Landbevölkerung Freizügigkeit.

Einzelbauer in den 1950er Jahren
- Dieter Oemler
Einzelbauer in den 1950er Jahren - Dieter Oemler
  • Von der Einführung der bürgerlichen Grundrechte durch die westfälische Regierung, wie u.a. Gewerbefreiheit, profitiert die Stadt in ökonomischer Hinsicht.

    Die napolionischen Kriege belasten auch die Wernigeröder durch tributpflichtige Bereitstellung von Menschen, Geld und Gütern. Das führt zu Hass und Aversion gegen die Besatzer.

Ansicht der Stadt und des Schlosses um 1810 auf einem Gemälde von Anton Balzer
- gemeinfrei
Ansicht der Stadt und des Schlosses um 1810 auf einem Gemälde von Anton Balzer - gemeinfrei
  • Die Dekrete der westfälichen Regierung zur Bauernbefreiung werden von den Kleinbauern der Dörfer in der Grafschaft, wie z.B. in Silstedt und Veckenstedt, so ausgelegt, dass keine Frondienste mehr für den Grafen und die Großgrundbesitzer geleistet werden brauchen. Das führt zu Rechtsstreitigkeiten, die sich über Jahre hinziehen, in nahezu allen Fällen zugunsten des Grafen und der Großgrundbesitzer entschieden werden und das soziale Klima in der Grafschaft belasten.