Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"

  • "Hartesrode" (Hasserode) wird als vorgeschobener Forstort des Königshofes "Rudisburgis" (Reddeber) erwähnt.
    Hartesrode wurde wahrscheinlich im 9. Jahrhundert als Rodungssiedlung, in der Gegend des heutigen Bahnhofes, gegründet.
    Auf dem Grundstück der späteren Schokoladenfabrik entstand eine Wasserburg auf einer Insel, die durch zwei Arme der Holtemme gebildet war. Hier residierte das Rittergeschlecht der Herren von Hartesrode.

  • Im Rechtsbuch "Sachsenspiegel" von Eike von Repkow ist u.a. der Harzwald als Königsbann bezeugt. Darin ist der Königsbesitz seit Karl dem Großen zu sehen, auf den sich die Grafen von Wernigerode berufen.

Forsthaus Hohne auf historischer Postkarte
- Stadtarchiv Wernigerode
Forsthaus Hohne auf historischer Postkarte - Stadtarchiv Wernigerode
  • Ritter Dietrich von Hartesrothe (Hasserode) stiftet das Augustinerkloster Himmelpforte. Die Augustinermönche widmen sich dem geistlichen Leben, der Wissenschaft, der Predigt und der Seelsorge in den umliegenden Dörfern. Sie betreiben die Teichanlagen, Gärten und Weinberge.

    Es ist eine der frühesten Ansiedlungen der Augustiner in Deutschland.

Kloster Himmelpforte
© Wolfgang Grothe
Kloster Himmelpforte © Wolfgang Grothe
Ehemalige Häuser des Klosters Himmelpforte (Heute Stadtarchiv)
© Wolfgang Grothe
Ehemalige Häuser des Klosters Himmelpforte (Heute Stadtarchiv) © Wolfgang Grothe
  • Das "Spelhus", als Vorgängerbau des Rathauses, wird erstmalig als "gimnasio vel theatro" erwähnt. Es ist die Gräfliche Gerichtsstätte. Aber auch mittelalterliche Vergnügungen, wie Bälle und Hochzeiten, Auftritte von Gauklern und Possenreitern finden statt.

  • Erstmals wird auch die Neustadt erwähnt. Sie besteht aber zu diesem Zeitpunkt bereits im heutigen Umriss, denn die beiden Tore, darunter das Rimbecker- oder Neustädter Tor, sind samt Mauer fertig. Zoll und Wegegeld werden erhoben. 1265 kann die Neustadt noch nicht bestanden haben, sie muss also innerhalb von 14 Jahren gebaut worden sein.

Reste eines Rundturmes in der ehemaligen Stadtmauer der Neustadt (Sackgasse)
© Wolfgang Grothe
Reste eines Rundturmes in der ehemaligen Stadtmauer der Neustadt (Sackgasse) © Wolfgang Grothe
  • In ihrem Rechtsstatus gliedert sich die Bevölkerung von Wernigerode in Ritter, Konsuln und Bürger. Neben diesen gibt es "Mitwohner", die über kein Bürgerrecht verfügen. Bis um 1400 bilden den Rat der Stadt, also die "Konsuln", die Ritter und Kaufleute. Auch das Amt des Land- und Stadtvogts wird von Rittern im Auftrag des Grafen wahrgenommen.

  • Die Ritter treten in der Stadt kaum noch in Erscheinung. Die Bürgerschaft, besonders die Handwerker und Kaufleute, vertritt im Rat die Interessen der Bevölkerung. In Wernigerode hatte sich nie ein Patrizierstand herausgebildet. Als gräfliche Dienstleute verfügten die adligen Ritter in der Stadt über einen von Abgaben freien Ritterhof. Die Ritter unterstanden dem Grafen und standen ihm auch für den Kriegsdienst zur Verfügung.

Wasserkunst im Thumkulental
© Wolfgang Grothe
Wasserkunst im Thumkulental © Wolfgang Grothe
  • Graf Heinrich zu Wernigerode übereignet am 29. Juni sein "hoff unde dorp Hartesrode", Hasserode, das weitestgehend wüst ist, der Stadt Wernigerode.
    Die Sankt Andreaskirche des Dorfes verbleibt im Besitz des Klosters Drübeck.

Übereignung des Dorfes Hasserode
- Stadtarchiv Wernigerode WR/I/I/E/!/ab
Übereignung des Dorfes Hasserode - Stadtarchiv Wernigerode WR/I/I/E/!/ab
  • Eine "Vlotrenne" wird zum ersten Mal erwähnt, existierte wohl aber bereits im 12. Jahrhundert. Diese erinnert daran, dass das Wasser des Zillierbaches aus ihrem natürlichen Bett abgeleitet und um den Klint (Anlage einer Burg "Schnavenburg") herum geführt wurde.

  • An der sich im 15. Jahrhundert in den deutschen Ländern entwickelnden Bemühung der Kirche, sich selbst zu reformieren, beteiligen sich die Grafschaft und die Stadt beispielhaft. Besonders sind dabei die Vorstellungen des regierenden Grafen Botho ein bedeutender Impulsgeber für die eingeleitete Reformierung der Kirche und insbesondere der Klöster.

  • Das "Augustiner-Eremiten- Kloster Himmelpforte" spielt eine herausragende Rolle in der geistigen Bewegung der Kirche dieser Zeit. Heinrich Zolter, einer der führenden Köpfe dieser deutschen Kongregation, tritt von Himmelpforte aus an die Spitze der sächsischen Provinz dieses Ordens und festigt die reformierte Klosterzucht und geistliche Ordnung.

  • Hartesrode (heute Hasserode) ist nahezu wüst, nur noch Bergwerk und Forst. Die Flur des Dorfes Hartesrode reicht bis zur Einmündung des Himmelpfortentales im Norden, im Süden ungefähr bis zur Kirchstraße.

  • Nicht nur die Meister schließen sich zu Zünften zusammen, sondern auch die Gesellen einer Zunft. Als erste schließen sich die Schuhmacher- und Gerbergesellen zur "Unserer-Lieben-Frauen-Brüderschaft" zusammen.

  • In einer vom Erzbischof von Magdeburg ausgestellten Urkunde wird eine Silbergrube "in den Duhnen bie Werningerode" erwähnt.
    Ob mit "den Duhnen" der "Thumkuhlenberg" gemeint ist, bleibt eine offene Frage. Zumindest wird bereits 65 Jahre früher in einer Forsturkunde die bergmännische Nutzung des Berges aufgeführt.

Grüne Straße in der Neustadt (1990er Jahre)
© Wolfgang Grothe
Grüne Straße in der Neustadt (1990er Jahre) © Wolfgang Grothe
  • Am Oberpfarrkirchhof, hinter dem Turm von St. Silvestri, wird die Lateinschule "Horneum" erbaut, benannt nach dem Wohltäter der Stadt Heinrich Horn. Horn, ein gebürtiger Nöschenröder, der als "bischöflicher Official" von Halberstadt, juristischer Beirat und Vertreter des Bischofs ist, hilft der Stadt finanziell außerordentlich. Die Finanzlast trägt Horn allerdings nicht, die hat voll und ganz die Stadt zu leisten.

  • Die Chronik eines "Thurnierbuches" aus dem Jahr 1566 nennt "Waringrode" (Wernigerode) im historisch zutreffenden Zusammenhang der Reiterübungen Heinrichs I. mit seinem Heer im Kampf gegen die Hunnen, eingefügt in die Reihe der Ortschaften, die nachweislich zu dieser Zeit bestanden, Goslar, Quedlinburg, Nordhausen, Braunschweig, Magdeburg und Halberstadt.

  • Vom weitestgehend wüsten Hasserode existiert nur noch die als brandenburgisches Amt genutzte Wasserburg, in der sich 1624 die Grafenbrüder und der Rat der Stadt zu einem Festessen treffen.

Rekonstruktion der Burg Hasserode von Wilhelm Pramme 1898-1965
- Harzmuseum Wernigerode
Rekonstruktion der Burg Hasserode von Wilhelm Pramme 1898-1965 - Harzmuseum Wernigerode
  • Generalissimus Albrecht von Wallenstein bezieht am 5. Januar sein Hauptquartier in der Breiten Straße 3. Das Gebäude brannte 1847 ab und wurde durch den heutigen Bau ersetzt.
    Graf Christoph von Stolberg Wernigerode bittet Wallenstein um Schonung für die Stadt und die Grafschaft und findet bei ihm Gehör.

Der "Dullenturm" von Ulrich Lucas *1952
- Harzmuseum Wernigerode
Der "Dullenturm" von Ulrich Lucas *1952 - Harzmuseum Wernigerode
  • Das nach Melanchthons Vorbild gestaltete humanistische Gymnasium ist schulgeldfrei und steht allen sozialen Schichten offen. 250 Schüler besuchen in diesem Jahr die Schule in fünf Klassenstufen.

Kirche in Schierke
- Fotothek Harzbücherei
Kirche in Schierke - Fotothek Harzbücherei
  • Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg sequestriert Hasserode, "daß Harsrode oder wie mann es itzo nennet Haßerohde mit allem Zubehör". Bürger der Stadt hatten sich beim Kurfürsten unmittelbar über durch den Grafen vernachlässigte Rechte am Landmann-Revier beschwert und eröffnen dem Kurfürsten damit die Möglichkeit, sich dieses wertvollen Ortes zu bemächtigen.

  • Das Schloss wird wieder ständiger Wohnsitz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode. Zunächst unter der Vormundschaft seiner Mutter regiert Graf Christian-Ernst die Grafschaft von 1710 bis zu seinem Tod am 25. Oktober 1771. Diese lange Regentschaft geben dem Schloss und der Stadt ein neues Aussehen.

Zimmer im Schloss 1927
© Wolfgang Grothe
Zimmer im Schloss 1927 © Wolfgang Grothe
  • An Stelle der alten reparaturbedürftigen Lateinschule wird auf dem Oberpfarrkirchhof 7 ein "Lyceum" (Städtisches Gymnasium) neu gebaut und am 26. Juni feierlich eingeweiht. In der Kartusche über dem Eingangsportal steht: "Das Lyceum beider Städte Wernigerode ist unter dem Beistand Gottes und mit Bewilligung des erlauchten Grafen und Herren, Herrn Christian Ernst, des Heiligen Römischen Reiches Grafen, und seines bestimmenden Nachfahren, vom Rat der Stadt im Jahr des Heils 1730 gebaut worden."

Wernigerode Anno 1729
- Harzbücherei
Wernigerode Anno 1729 - Harzbücherei
  • 1345 Protestantische Salzburgische Emigranten "gehen durch die Stadt" auf dem Wege nach Ostpreußen, wo sie auf Einladung des preußischen Königs angesiedelt werden. Etwa 600 Salzburger Emigranten werden im Lustgarten nach Einladung durch den regierenden Grafen "kostenlos verköstigt".

  • Das einstige Dillental wird am 30. April erstmals urkundlich als Christianental bezeichnet, bezogen auf den regierenden Grafen Christian Ernst, der dieses Tal 1716 in den neu angelegten Tiergarten einbezogen hatte.

Christianental
- Stadtarchiv Wernigerode
Christianental - Stadtarchiv Wernigerode
Goldene Hochzeit des Grafen Christian Ernst und Gräfin Sophie Charlotte
- Stadtarchiv Wernigerode
Goldene Hochzeit des Grafen Christian Ernst und Gräfin Sophie Charlotte - Stadtarchiv Wernigerode
  • Das geistige Fluidum Wernigerodes als Stadt und Residenz zieht zunehmend Persönlichkeiten besuchsweise hierher, so z.B. am 20. August Friedrich Gottlieb Klopstock.

    Er schreibt bei diesem Aufenthalt ein Gedicht, das so beginnt:

    "Im Schwarzen Hirsch zu Neschenrode,
    am 20 sten des August,

    verkünde ich durch diese Ode
    das Leiden meiner Brust,"

    Er beklagt, dass er in dieser gräflichen Schenke sitzend, auf dem Schloss den Grafen nicht angetroffen hat.

Friedrich Gottlieb Klopstock
- gemeinfrei
Friedrich Gottlieb Klopstock - gemeinfrei
  • Die preußische Kolonie Friedrichstal (heute Hasserode) wird durch König Friedrich II. von Preußen gegründet. Die Kolonie besteht aus 127 Kolonistenhäusern, ein Straßendorf, beginnend am Westerntor/Flutrenne bis zur heutigen Straße "Freiheit" und verbindet Hasserode mit Wernigerode. Hier gelegenes Blaufarbenwerk (Kobald/Wismut) und Sägemühle sind gräflich ("Freiheit" = Siedlung der Bergleute, da ihnen Freiheit von sonst gültigen Steuern und Diensten zustand).

König Friedrich II. von Preußen
© Wolfgang Grothe
König Friedrich II. von Preußen © Wolfgang Grothe
Das "Löwentor" - Eingang zum Lustgarten, Anni Reinecke 1880-1967
- Harzmuseum Wernigerode
Das "Löwentor" - Eingang zum Lustgarten, Anni Reinecke 1880-1967 - Harzmuseum Wernigerode
  • Das Schul- und Bethaus Hasserode (Konkordienkirche) wird eingeweiht.

    Am 21. November wird die erste evangelische Kirche in Hasserode eingeweiht. Es sammelt sich eine lutherische und eine reformierte Gemeinde.

ehemalige Konkordienkirche heute
© Wolfgang Grothe
ehemalige Konkordienkirche heute © Wolfgang Grothe
  • Das "Neue Haus vor dem Christianenthal", für das vor 23 Jahren der Grundstein gelegt wurde, ist vollendet und wird zunächst als gräfliches Bedientenhaus genutzt. Vorher war es 13 Jahre als Bauruine ein äußeres Zeichen für die Geldknappheit.

    Eine andere Quelle erwähnt eine "Schankwirtschaft im Christianenthal".

Gasthaus Christianental 1956
- Gerhard Bombös
Gasthaus Christianental 1956 - Gerhard Bombös
  • Am 29. Mai empfangen die Stadt und der regierende Graf Christian Friedrich den preußischen König Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Luise.

    Hundert Personen reisen im Tross des Königspaares mit, was das Wernigeröder Grafenhaus zu einer logistischen und finanziellen Herausforderung macht.

Festsaal im Schloss
- Stadtarchiv Wernigerode PK/1/33
Festsaal im Schloss - Stadtarchiv Wernigerode PK/1/33
  • Am 21. Oktober wendet sich der nun seiner Regierung enthobene Graf von Wernigerode schriftlich um positiver Verbindungen willen an Napoleon.

    Das Anliegen wird negativ beschieden.

  • Zum Maire des Stadtkantons Wernigerode wird der im Liebfrauenkirchhof 1 wohnende preußische Kriegsrat Scheller bestellt. Friedensrichter wird der frühere Bürgermeister Kratzenstein.

  • Caspar David Friedrich besucht während seiner Harzwanderung Wernigerode und besteigt am 29. Juni den Brocken. Stets fleißig skizzierend, entstehen daraus große Gemälde, wie "Das Grab des Arminius", "Gräber der Freiheitskämpfer" und andere.

  • Am 30. Oktober unterschreibt Maire Scheller den Aufruf zur Befreiung vom Königreich Westfalen und Napolionischem Kaiserreich und nimmt seinen Dienst als Kreis-Amtmann wieder auf.

  • Die Teilnehmer des "Freiwilligen Jäger-Detachement" kehren am 5. Juli wieder wohlbehalten heim. "Wie ein schöner Traum, so schnell schien meine ganze Reise hinter mir zu liegen", schreibt einer der Ulanen voller Begeisterung.

  • In die Begeisterung zum Aufbruch in die Freiheitskriege stimmt auch Wernigerode ein. 46 Wernigeröder Bürger, Förster, Handwerker, Studenten, schließen sich zu einem "Freiwilligen Jäger-Detachement" unter dem Kommando von Graf Ferdinand zu Stolberg-Wernigerode zusammen. Am 2. März verlassen sie die Heimatstadt und schließen sich einem Ulanen-Regiment an und reiten über den Rhein bis an die Maas.

Christianenhäuschen im Lustgarten
- Dieter Oemler
Christianenhäuschen im Lustgarten - Dieter Oemler
  • Die Grafschaft wird endgültig in den preußischen Staatsverband eingegliedert. Die politischen Rechte der Grafschaft sind dadurch zugunsten Preußens eingeschränkt. Die durch Napoleon eingeführten demokratischen Errungenschaften gehen wieder verloren. Hasserode wird wieder Bestandteil der Grafschaft Wernigerode.

  • Graf Christian Friedrich stirbt am 26. Mai auf einem seiner Güter in Peterswaldau Schlesien. Der ihn schon längere Zeit in Wernigerode vertretende Erbgraf Henrich übernimmt die Regierung.

Christian Friedrich Graf zu Stolberg-Wernigerode
- gemeinfrei
Christian Friedrich Graf zu Stolberg-Wernigerode - gemeinfrei
  • Wernigerode erhält eine Städteordnung. Darin ist vorgesehen, eine Stadtverordnetenversammlung mit 18 Mitgliedern zu wählen. Der Bürgermeister (ein unbesoldetes Ehrenamt) wird für jeweils 12 Jahre gewählt.

  • Bei Ausgrabungsarbeiten auf der Harburg, bis 16. Jahrhundert "Hardenberg" genannt, werden Mauerreste gefunden. Vermutlich befand sich die Burg im Besitz des Klosters Ilsenburg.

  • Der Graf genehmigt am 31. Mai die Eröffnung des ersten Krankenhauses der Stadt.
    Nach Anerkennung durch die Gräfliche Regierung vereint sich die "Stiftung aus dem Pastor Keßlersches Testament" mit der "Stiftung des Kaufmanns Hartzer" zur "Keßler-Hartzerschen-Krankenhaus-Stiftung"

    Durch die Stiftung wird ein Haus am Stadtgraben an der Flutrenne, später Johann-Sebastian-Bach-Straße 13, käuflich erworben und als Krankenhaus ausgebaut.

Teichdamm vor 1895
- gemeinfrei
Teichdamm vor 1895 - gemeinfrei
Gebäude Kochstraße 19 (Foto 2016)
© Wolfgang Grothe
Gebäude Kochstraße 19 (Foto 2016) © Wolfgang Grothe
  • Zur Beseitigung der Brandschäden und zum Wiederaufbau reichen die Arbeitskräfte aus Wernigerode nicht aus.

    Am 8. April gibt der Magistrat eine diesbezügliche Ordnung heraus, das "Regulativ über Annahme auswärtiger Arbeiter zu der Wiederherstellung der in Wernigerode abgebrannten Gebäude". Mit diesen Arbeitern von außen kommen auch politische Ideen nach Wernigerode, die bisher hier unbekannt waren.

  • Am 31. Dezember sendet der Oberpräsident der Provinz Sachsen in Magdeburg eine Verfügung des preußischen Innenministers auch nach Wernigerode, dass "der Redakteur und alle Mitarbeiter des zu Paris erscheinenden Blattes ´Vorwärts` unter Beschlagnahme ihrer Papiere mit sorgfältiger Vermeidung allen Aufsehens verhaftet werden sollen, sobald sie das betreffende Gebiet betreten, unter Begleitung nach Berlin zu transportieren und dem Königlichen Polizei-Präsidenten daselbst zu überliefern" sind.

Sägewerk Ochsenteich
- Stadtarchiv Wernigerode
Sägewerk Ochsenteich - Stadtarchiv Wernigerode
  • Erste Versammlung des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" in Wernigerode "im Locale des Schützenwirths Herrn Henneberg". Diese Versammlung am 18. Februar gilt als Geburtsstunde der sozialdemokratisch organisierten Arbeiterbewegung in Wernigerode.

Bahnhofsgebäude 1888
- Dieter Oemler
Bahnhofsgebäude 1888 - Dieter Oemler
  • Der 1804 in Wernigerode geborene spätere Generalinspekteur der preußischen Artillerie Gustav Eduard Hindersin wird erster Ehrenbürger der Stadt Wernigerode, vermutlich auch wegen seiner Verdienste bei der Einnahme von Paris während des deutsch-französischen Krieges 1870/71.

  • Wegen Baufälligkeit wird die Nicolaikirche abgerissen. Die Kanzel und vermutlich die Emporen der abgebrochenen Kirche werden in der Kreuzkirche der Altlutheraner, der einzigen Wernigeröder Fachwerkkirche, verwendet.

Das einzige und letzte Bild der Nicolaikirche kurz vor dem Abriss 1873
- gemeinfrei
Das einzige und letzte Bild der Nicolaikirche kurz vor dem Abriss 1873 - gemeinfrei
  • Erst ab diesem Jahr sind in Wernigerode fünf jüdische Familien (Cohn, Meyerstein, Reichenbach, Spitzer, Salzmann) mit 17 Personen nachgewiesen. Ein preußisches Gesetz von 1847 hatte Juden in Preußen uneingeschränktes Wohnen gestattet.

Flutrenne
- Mahn-und Gedenkstätte Archiv
Flutrenne - Mahn-und Gedenkstätte Archiv
Zu den schönsten Ausflugszielen gehört der mit 65 Metern höchste natürliche Wasserfall des Harzes, die "Steinerne Renne"
- Dieter Oemler
Zu den schönsten Ausflugszielen gehört der mit 65 Metern höchste natürliche Wasserfall des Harzes, die "Steinerne Renne" - Dieter Oemler
Kanonen auf der Schlossterrasse
- Stadtarchiv Wernigerode PK/I/218
Kanonen auf der Schlossterrasse - Stadtarchiv Wernigerode PK/I/218
  • In Wernigerode und Hasserode existieren vier Turnvereine: der "Männer-Turnverein", der "Turnverein Urania", der "Turn- und Athletenklub" und der "Hasseröder Turnverein". Dazu kommt noch ein Radfahrer-Verein.

Waldhofbad als naturbelassene "Volksbadeanstalt" 1891
- Dieter Oemler
Waldhofbad als naturbelassene "Volksbadeanstalt" 1891 - Dieter Oemler
  • Auf dem 478 Meter hohen Armeleuteberg wird am 1. September der Kaiserturm nach dreimonatiger Bauzeit zu Ehren Kaiser Wilhelm II. übergeben. Die Bausteine aus Harzer Granitstein stammen hauptsächlich aus dem Steinbruch Königsberg bei Schierke.
    Der 12 Meter hohe Turm wurde vom fürstlich-stolbergischem Baumeister Paul Kilburger entworfen und vom Wernigeröder Hotelier Eduard Lührmann finanziert.

Einweihung des Kaiserturms
- Fotothek Harzbücherei
Einweihung des Kaiserturms - Fotothek Harzbücherei
  • In der Sägemühlengasse 3 wird ein von der Fabrikantengattin Karoline König gestiftetes "Wohnheim für bedürftige Damen" bezogen. Zu Beginn leben hier 12 Damen bei freier Heizung und ärztlicher Betreuung.

Caroline-König-Stift 2016
© Wolfgang Grothe
Caroline-König-Stift 2016 © Wolfgang Grothe
  • Vor den Toren der Stadt wird ein Schlachthof gebaut. Es ist einer der modernsten seiner Zeit. Sein Äußeres ist dank Stadtbaumeister Deistel der traditionellen Bauweise angepasst. Die Einweihung erfolgt am 28. September.

Städtischer Schlachthof im Dornbergsweg
- Fotothek Harzbücherei Wernigerode
Städtischer Schlachthof im Dornbergsweg - Fotothek Harzbücherei Wernigerode
Berghotel "Armeleuteberg"
- Stadtarchiv Wernigerode
Berghotel "Armeleuteberg" - Stadtarchiv Wernigerode
ehemaliges Amtshaus Hasserode
© Wolfgang Grothe
ehemaliges Amtshaus Hasserode © Wolfgang Grothe
Neubau der Mädchenschule
- Dieter Oemler
Neubau der Mädchenschule - Dieter Oemler
  • Der "Harzer Wintersport-Verband in der Grafschaft Wernigerode" wird am 14. Februar von 20 Personen im Hotel "Weißer Hirsch" gegründet. Eine Rodelbahn am Nordhang des Armeleuteberges wird angelegt.

    Vorstandsmitglieder aus der Stadt sind Oberförster Koch und die Kaufleute Ortenberg, Eigendorf und Niehoff.

Blick auf Hasserode
- Stadtarchiv Wernigerode
Blick auf Hasserode - Stadtarchiv Wernigerode
  • Nach dem Zuschütten des Kesselmühlen- und des Kannengießerteiches werden zu Bauzwecken als Goethestraße und Lessingstraße zwei neue Straßen dort neu projektiert, der Name der 1909 angelegten Straße am alten Teich jedoch in Erinnerung an diesen in "Kesselmühlenstraße" umbenannt.

Berghotel "Armeleuteberg"
- Stadtarchiv Wernigerode PK VI/61
Berghotel "Armeleuteberg" - Stadtarchiv Wernigerode PK VI/61
  • Die Stadt verfügt einschließlich des noch kommunal selbständigen Nöschenrode über 79 Industriebetriebe (11 Mühlen, ein holzverarbeitendes Werk, eine Fabrik für photographische Papiere, vier Brauereien, Brandweinbrennereien, Likör- und Zigarrenfabriken, Buchdruckereien, Farbenfabriken, Schokoladenfabrik).

Spedition Faulbaum Pfarrstraße 40
- Stadtarchiv Wernigerode PK III/2
Spedition Faulbaum Pfarrstraße 40 - Stadtarchiv Wernigerode PK III/2
  • Unter den Handwerkern gibt es 92 Schuhmacher, 72 Schneider, 38 Schneiderinnen, 48 Gärtner, 46 Tischler, 44 Bäcker, 37 Maler, 22 Frisöre, 17 Schlosser und 12 Dachdecker.

  • In der Bahnhofstraße 18 wird eine Knaben-Mittelschule eröffnet. Damit besitzt Wernigerode mit dem nun dazugehörenden Hasserode neben dem Gymnasium über vier Volksschulen (je eine Knaben- und eine Mädchen-Volksschule in Wernigerode und in Hasserode), zwei Mittelschulen (eine für Jungen und eine für Mädchen) und für die "höhere Mädchenerziehung" das "Fürstin-Anna-Lyzeum".

Fürstin-Anna-Lyzeum 1921/22
- gemeinfrei
Fürstin-Anna-Lyzeum 1921/22 - gemeinfrei
  • Die deutsche Kriegsblindenstiftung verlegt das erste Kriegsblindenheim am 4. Oktober von Binz nach Wernigerode in die Pension "Waldheimat" am Jägerkopf 3.

    Betreiber ist der "Reichsdeutsche Blindenverband". Zweck dieser Einrichtung ist anfangs, im Ersten Weltkrieg erblindete Soldaten zu rehabilitieren und ihnen Erholung zu bieten.

Blindengenesungsheim Wernigerode
- Stadtarchiv Wernigerode PK IV/63
Blindengenesungsheim Wernigerode - Stadtarchiv Wernigerode PK IV/63
  • Am 18. Mai wird das Blindenheim vom Jägerkopf mit 18 Bewohnern zum Amelungsweg 6 verlegt. Dort stehen neue moderne Räume zur Verfügung. Das Blindenheim ist darauf vorbereitet, weitere Kriegsblinde aufzunehmen und zu betreuen.

Blindenheim
- Dieter Oemler
Blindenheim - Dieter Oemler
  • Am 9. November kommt es in den beiden größten Betrieben der Stadt (Eisengießerei Lüders und Sägewerk Unter den Zindeln) zu Arbeitsniederlegungen. Die Arbeiter fordern die Verbesserung der Lebensmittelversorgung und eine Reduzierung der Arbeitszeit ohne Lohnkürzung.

  • Das Kino "Schlosslichtspiele" in der Burgstraße 1 wird von Wilhelm Böhling in das alte Schützenhaus an der Flutrenne mit 600 Sitzplätzen verlegt. In der Burgstraße 1 richtet Richard Brandt die "Kammerlichtspiele" ein.

ehemaliges Kino - Burgstraße 1
- Stadtarchiv Wernigerode
ehemaliges Kino - Burgstraße 1 - Stadtarchiv Wernigerode
Schreiberstraße 2016
© Wolfgang Grothe
Schreiberstraße 2016 © Wolfgang Grothe
Auf der Burgbreite 2016
© Wolfgang Grothe
Auf der Burgbreite 2016 © Wolfgang Grothe
Notgeld für Schierke 1921
© Wolfgang Grothe
Notgeld für Schierke 1921 © Wolfgang Grothe
  • Vor der Charlottenlust wird neben dem bereits bestehenden Segelflugplatz ein Verkehrsflugplatz eingeweiht. Postflüge und Personenbeförderung mit dem Junkersflugzeug F13, aber auch Rundflüge starten und landen bis zum Beginn des Zweiten Weltkriege.

    Der Verkehrsflugplatz wird am 15. August eingeweiht.

Verkehrsflugplatz (eingeweiht am 15.08.1926)
- Dieter Oemler
Verkehrsflugplatz (eingeweiht am 15.08.1926) - Dieter Oemler
Häuser am Veckenstedter Weg 2016
© Wolfgang Grothe
Häuser am Veckenstedter Weg 2016 © Wolfgang Grothe
  • Die schon im Mittelalter beliebten Festspiele auf dem Marktplatz werden wiederbelebt. Bekannte Schauspieler wie Heinrich George (Vater von Götz George) treten vor der Kulisse des Rathauses in klassischen Stücken wie "Faust" und "Hamlet" auf.

Festspiele auf dem Marktplatz 1927
- Dieter Oemler
Festspiele auf dem Marktplatz 1927 - Dieter Oemler
ehemalige Geschäftsstelle der NSDAP
- unbekannt
ehemalige Geschäftsstelle der NSDAP - unbekannt
  • Am 6. November sind die Wernigeröder zum zweiten Mal in diesem Jahr aufgerufen, einen neuen Reichstag zu wählen.
    Die Wahl ergibt für die Stadt folgendes Bild: NSDAP 6.473 Stimmen, SPD 3.596, DNVP 1.881, KPD 1,447. Außerdem 715 Stimmen von Splitterparteien.

Parteibüro der NSDAP am Marktplatz Wernigerode 1930
- Fotothek Harzbücherei
Parteibüro der NSDAP am Marktplatz Wernigerode 1930 - Fotothek Harzbücherei
  • Dem 1919 gegründeten "Verein für Kunst und Wissenschaft" wird am 3. September von Bürgermeister von Fresenius mitgeteilt, dass er sich aufzulösen habe, da von nun an alle kulturelle Arbeit an Theater, Konzert, Vortrag und Museum vom "Kampfbund für deutsche Kultur" geleistet und geleitet würde.

  • Am 1. März wird der "Vertrag zwischen Erbprinz Botho und Preußischem Staat, Landesforstverwaltung, über den Verkauf eines Teiles des fürstlichen Nordharz- und Südharzforstes" unterschrieben. Verkauft werden im Nordharz (Kreis Wernigerode) 7928 Hektar zum Preis von 10 021 000 Mark.

vorne links, Fürst Botho zu Stolberg-Wernigerode 1957
- Gerhard Bombös
vorne links, Fürst Botho zu Stolberg-Wernigerode 1957 - Gerhard Bombös
  • Die "NS-Frauenschaft" zieht in das ehemalige Gebäude, später "Palmiro Togliatti", der verbotenen Freimaurerloge in der Bahnhofstraße 16 und eröffnet dies als "Haus der deutschen Frau".

  • Mit dem Umbau des Rathauses wird begonnen. Abgebrochen werden zunächst die an der Ostseite des Rathauses stehenden Häuser Markt 10 und 11, wobei sich im Haus 11 seit 1920 die Stadtsparkasse befand.

    Abgebrochen wird auch das auf dem Hinterhof des Rathauses stehende große stattliche Fachwerkhaus.

Umbau des Rathauses 1938
- Fotothek Harzbücherei
Umbau des Rathauses 1938 - Fotothek Harzbücherei
  • An Stelle der abgerissenen Häuser Markt 10 und 11 wird das ebenfalls abgerissene große Fachwerkhaus vom Packhof hinter dem Rathaus originalgetreu im Stil des Baujahres von 1698 wieder aufgebaut. Dem Dachgeschoss wird der Erker von 1584 aufgesetzt, welcher sich zuvor an der Ostseite des Rathauses befand und schon immer "Bürgermeistererker" hieß.

Umbauarbeiten am Rathaus
- Bauarchiv
Umbauarbeiten am Rathaus - Bauarchiv
  • In eigener Lebensgefahr gehen am Mittag des 11. April der Lazarettchefarzt Dr. Kolbe, der Chirurg des Lazaretts Dr. Friedrich und der Lazarettpfarrer Konrad Schnabel den bei Darlingerode anrückenden amerikanischen Truppen entgegen, um jede Beschießung der Stadt zu vermeiden. Trotz dieser erfolgreichen Verbindungsaufnahme kommt es zu Schießereien zwischen Krankenhaus und Westerntor, verursacht durch verblendete und leidenschaftlich gebärdende Hitlerjungen. Die Schießerei kostet 20 Menschen das Leben.

Der amerikanische Kampfkommandant in Wernigerode
- Archiv Mahn-und Gedenkstätte
Der amerikanische Kampfkommandant in Wernigerode - Archiv Mahn-und Gedenkstätte
  • Am 18. April läßt der amerikanische Stadtkommandant nach ehemaligen Stadtverordneten suchen, die nicht Mitglied der NSDAP waren. Die gefundene Gruppe aus Kommunisten, Bürgerlichen und Sozialdemokraten schlägt zunächst den früheren 2. Bürgermeister, Herrmann Reichard (SPD) vor. Der amerikanische Stadtkommandant bestimmt dann aber Max Otto (SPD) zum 1. Bürgermeister. Am 20. April bestätigt der Kommandant den neuen Magistrat, dem weiter angehören: Otto Deutsch (KPD), 2. Bürgermeister, Stadtverordnetenvorsteher Otto Büchting, Rechtsanwalt Momsen und Plander (Bürgerliche), Richard Bartels, Paul Menger, Walter Niemann (alle SPD) und August Willecke (KPD).

Otto Deutsch (KPD) wird als 2. Bürgermeister eingesetzt.
- Mahn-und Gedenkstätte Archiv
Otto Deutsch (KPD) wird als 2. Bürgermeister eingesetzt. - Mahn-und Gedenkstätte Archiv
Richard Bartels
- privat
Richard Bartels - privat
Kriegsschäden an der Hauptpost
- Dieter Oemler
Kriegsschäden an der Hauptpost - Dieter Oemler
Ein amerikanischer Sergeant der 8.Panzerdevision (siehe Symbol) schnitzt seine Freude über das Kriegsende in eine Stuhllehne des späteren Karl-Marx-Hauses. Der Stuhl befindet sich heute im Fundus des Harzmuseums.
- Dieter Oemler
Ein amerikanischer Sergeant der 8.Panzerdevision (siehe Symbol) schnitzt seine Freude über das Kriegsende in eine Stuhllehne des späteren Karl-Marx-Hauses. Der Stuhl befindet sich heute im Fundus des Harzmuseums. - Dieter Oemler
Harzquerbahn 1959
- Mahn-und Gedenkstätte Archiv
Harzquerbahn 1959 - Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Durch die Bodenreform wird der gesamte Besitz des Fürsten von Stolberg-Wernigerode in der sowjetischen Besatzungszone, also auch das Schloss, entschädigungslos enteignet und in "Volkseigentum" umgewandelt.

Festsaal im Schloss
- Dieter Oemler
Festsaal im Schloss - Dieter Oemler
  • Laut Befehl der sowjetischen Militäradministration (SMAD) sollen die Schulen ab 1. Oktober wieder für den Unterricht geöffnet werden. Wegen einer Typhusepidemie, die sich auf ganz Deutschland ausgebreitet hatte, müssen die Schule am 10. Oktober wieder geschlossen werden. Am 13. November werden sie erneut geöffnet.

  • Künstler schließen sich in Wernigerode zu einer losen Künstlerverbindung, später bekannt als "Wernigeröder Künstlerkolonie" (bis 1950), zusammen. Neben Landschaftsmaler Pramme, Heller und anderen, gehört auch der Leiter des städtischen Kulturamtes, Eberhard Karnatzki, dazu.
    Karnatzki tritt noch vor der Vereinigung der beiden Arbeiterparteien der SPD bei und gehört nach der Vereinigung einer kleinen, illegal arbeitenden Gruppe Sozialdemokraten an, die Kontakt zum Ostbüro der SPD in Hannover unterhält.

Gemälde "Blick auf Wernigerode" von Wilhelm Pramme

 
- Harzmuseum
Gemälde "Blick auf Wernigerode" von Wilhelm Pramme   - Harzmuseum
  • Die Wahlen zur "Gemeindevertretung" Wernigerode (später wieder Stadtverordnetenversammlung) am 8. September ergibt bei einer Wahlbeteiligung von 92,9% für die SED 19 Mandate, für die LDP 13 Mandate und für die CDU 8 Mandate.

    Wahlergebnisse: SED 45,86% LDPD 31,99% CDU 21,02%

    Max Otto (jetzt SED) wird als Bürgermeister bestätigt.

    Dies ist auch die letzte Wahl bis 1990, in der die WernigeröderInnen sich zwischen verschiedenen Parteien entscheiden können. In den folgenden Jahrzehnten gibt es Einheitslisten der Nationalen Front. Diese Einheitslisten werden unter der Führung der SED vom "Demokratischen Block" erstellt.

    Unter dem Einfluss der sowjetischen Besatzungsmacht wird sehr konsequent die politisch bestimmte, d.h. von der Kreisleitung der SED dominierte Personalpolitik in der Stadtverwaltung vorangetrieben.

Max Otto
- Mahn-und Gedenkstätte Archiv
Max Otto - Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Am 7. November erhält die 1848 gegründete "Liedertafel 1848" von der sowjetischen Besatzungsmacht die Erlaubnis zur Neugründung unter dem Namen "Stadtchor Liedertafel 1848".

Festsaal des Schlosses
- Stadtarchiv Wernigerode
Festsaal des Schlosses - Stadtarchiv Wernigerode
  • Wernigerode gehört zum "Land Sachsen-Anhalt". Auf Befehl der Sowjetischen Besatzungsmacht vom 21. Juli ging die "Provinz Sachsen-Anhalt" in den Status eines Landes über.

  • Im zweiten Halbjahr eröffnet "der sozialistische Handel" in Wernigerode den HO-"Ratskeller" und die Gaststätte "Vier Jahreszeiten", "um dem Schwarzmarkt Paroli zu bieten". Es folgen erste HO-Textilverkaufsstellen (Ecke Breite Straße/Burgstraße) und erste HO-Lebensmittelverkaufsstellen (Westernstraße).

  • Im August verfügt der Rat des Kreises zur Verbesserung der Ernährungslage die Einrichtung eines "Freien Marktes". Erzeuger von landwirtschaftlichen Produkten haben die Möglichkeit, außerhalb des Abgabesolls noch vorhandene Produkte als "freie Spitzen" zum Dreifachen des Erzeugerpreises zum Verkauf anzubieten. Viele Not leidende Wernigeröder hatten zuvor in den umliegenden Dörfern bei Landwirten versucht, Tauschhandel zu treiben und persönliche Gegenstände, wie Teppiche, Schmuck, hochwertiges Geschirr u.a. gegen Lebensmittel zu tauschen.

  • Die Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) aus Aue unternimmt mit großem Einsatz den Versuch, in der ehemaligen Wismutgrube "Aufgeklärtes Glück" am Thumkuhlenkopf wieder Uranerz abzubauen.

Friedenstaube von Picasso auf dem Rathaus Wernigerode
- Dieter Oemler
Friedenstaube von Picasso auf dem Rathaus Wernigerode - Dieter Oemler
  • Am 3. Juni verstirbt während eines Kuraufenthalts in Bad Salzuflen im Alter von 76 Jahren der ehemalige Präsident der Provinz Sachsen-Anhalt, Dr. Erhard Hübener, der 1949 seinen Ruhesitz nach Wernigerode verlegt hatte. In Wernigerode wird er auch beigesetzt.

  • Das einstige fürstliche Archiv kehrt als Außenstelle des Staatsarchivs Magdeburg von Oranienbaum bei Dessau wieder nach Wernigerode zurück. In den Jahren 1964 bis 1967 war dazu die 1877 vermutlich von Schlossbaumeister Carl Frühling mit dem Palmenhaus erweiterte und bei einem Bombenangriff 1944 beschädigte Orangerie völlig umgebaut worden.

Orangerie
© Wolfgang Grothe
Orangerie © Wolfgang Grothe
  • Ab Anfang der siebziger Jahre beginnt die Entwicklung, zur Trennung von Wohn- und Erholungsgebieten und Industrie- und Gewerbegebieten.

    Der "VEB Heiko für Schreibgeräte" bezieht einen Neubau in der Weinbergstraße.

"Heiko" in der Weinbergstraße 1972
© Wolfgang Grothe
"Heiko" in der Weinbergstraße 1972 © Wolfgang Grothe
Kreiskrankenhaus Wernigerode
© Wolfgang Grothe
Kreiskrankenhaus Wernigerode © Wolfgang Grothe
Sonderzug zum 75jährigem Bestehen der Harzquerbahn
- Dieter Oemler
Sonderzug zum 75jährigem Bestehen der Harzquerbahn - Dieter Oemler
  • Als erster Betrieb im entstehenden Industriegebiet "Kupferhammer" nimmt der "VEB Backwaren" seine Produktion auf.

    Der Betrieb deckt mit seiner Produktion in Spitzenzeiten den Bedarf an 2,5 t Brot, 150 000 Brötchen und 5,5 t Konditorerzeugnisse.

Großbäckerei am Kupferhammer 1977
- Archiv Mahn- und Gedenkstätte
Großbäckerei am Kupferhammer 1977 - Archiv Mahn- und Gedenkstätte
FDGB - Ferienkomplex "Hermann Matern"
© Wolfgang Grothe
FDGB - Ferienkomplex "Hermann Matern" © Wolfgang Grothe