Suche nach verbrecher

  • In den letzten Kriegstagen passieren Häftlingskolonnen aus den Konzentrationslagern auf den Todesmärschen unsere Stadt. Der französische Schriftsteller und Resistancekämpfer Robert Antelme, beschäftigt sich später in seinen Erinnerungen mit der Gleichgültigkeit der Wernigeröder: "Als man gestern die Kameraden tötete, bummelten diese Leute ebenfalls über die Bürgersteige. Sie wissen, was sie tun, sie wissen, was man mit uns tut." 13 bis 14 Jahre alte Kinder beschimpfen die Häftlinge als Banditen und Verbrecher, einige ältere Männer gesellen sich zu den Jugendlichen. Am 7. April beschießen zwei Kampfjäger der Alliierten zwei Personenzüge und einen Güterzug mit Häftlingen aus dem KZ-Lager "Dora" auf dem Bahnhof Minsleben. 32 Todesopfer und zahlreiche Schwerverletzte sind zu beklagen. 500 Lagerinsassen des KZ-Außenlagers Steinerne Renne, die amerikanische Armee steht bereits vor Wernigerode, werden am 10. April zu Fuß von der SS zum Bahnhof Wegeleben getrieben. Auf dem Todesmarsch erreichen nur 57 das KZ Leitmeritz (heute Tschechische Republik).
    Reinhard Jacobs - "Terror unterm Hakenkreuz" - Orte des Erinnerns in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt - S.50
Gedenkstein an der "Steinernen Renne"
© Wolfgang Grothe
  • Am 3. April erscheint in der "Wernigeröder Zeitung - Amtliches Organ der NSDAP und der Behörden" ein Artikel mit der Überschrift "Kampf bis zum letzten Atemzug". Der Leiter der Parteikanzlei der NSDAP gibt dazu die folgende Anordnung aus: "Nationalsozialisten, Parteigenossen! Nach dem Zusammenbruch von 1918 verschrieben wir uns mit Leib und Leben dem Kampfe um die Daseinsberechtigung unseres Volkes. Jetzt ist die höchste Stunde der Bewährung gekommen: Die Gefahr erneuter Versklavung, vor der unser Volk steht, erfordert unseren letzten und höchsten Einsatz! Von jetzt an gilt: Der Kampf gegen den ins Reich eingedrungenen Gegner ist überall mit aller Unnachgiebigkeit und Unerbittlichkeit zu führen. Gauleiter und Kreisleiter, sonstige Politische Leiter und Gliederungsführer in ihrem Gau und Kreis, siegen oder fallen. Ein Hundsfott, wer seinen vom Feind angegriffenen Gau ohne des ausdrücklichen Befehl des Führers verläßt, wer nicht bis zum letzten Atemzuge kämpft, er wird als Fahnenflüchtiger geächtet und behandelt. Reißt hoch die Herzen und überwindet alle Schwächen! Jetzt gilt nur noch eine Parole: Siegen oder fallen. Es lebe Deutschland! Es lebe Adolf Hitler!" Acht Tage später endet für unsere Stadt mit der bedingungslosen Kapitulation des "Tausendjährigen Reiches" der blutigste und verbrecherischste aller Kriege.
    Wernigeröder Zeitung - S.1
Kriegsschäden in Wernigerode
© Dieter Oemler
  • Am 2. April "kann der Marktplatz die Massen nicht fassen", die aus Betrieben, den Verwaltungen und aus den Geschäften gekommen waren, um "in einer großen Protestkundgebung öffentlich gegen das verbrecherische Treiben Bonner Politiker Stellung zu nehmen".
    Volksstimme - 3. April