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  • Das gesamte Gebiet des heutigen Wernigerode und seiner Ortsteile gehört ab dem 8. Jahrhundert zum Harzgau ("hart" = Wald), einer mittelalterlichen Gaugrafschaft, die westlich von der Oker, nördlich vom "Großen Bruch", östlich von der Bode und südlich vom nahezu undurchdringlichen Urwald begrenzt wird. Nach dem Untergang des "Thüringer Reiches" im Jahr 531, zu dem auch die Region des Nordharzes gehörte, kam es zur Entvölkerung der Gegend. Alte Orts- und Flurnamen weisen noch heute auf die Mischbevölkerung der Harzregion hin, z.B. auf die aus dem heutigen Jütland eingewanderten Warnen (-leben, wie Minsleben) oder die Langobarden (-ingen, wie Süpplingen). Nach der endgültigen Unterwerfung der Sachsen durch die karolingischen Franken im Jahr 804 dringt in unsere Region aus Richtung Westen neben Sachsen die fränkische Oberschicht ein.
    Monatsschrift des Harzklubs "Der Harz" Jahrgang 1922
  • Kaiser Otto III. verfügt die Übergabe der Reichsburg "Elysianaburg" an Bischof Arnulf von Halberstadt zwecks Einrichtung eines Klosters hierselbst.
    Friedrich Stolberg "Befestigungsanlagen im und am Harz - Von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit" 1968
  • Die "Breite Straße" ist seit 1399 als durchquerende Straße in Ost-West-Richtung bekannt. Sie verbindet das "Rimbecker Tor" und das "Westerntor" und folgt dem Haupthandelsweg, der Jahrhunderte am Nordharz entlang führt.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" 2011
Rimbecker oder Neustädter Tor um 1830
© Dieter Oemler
  • Ausbau der Burg, u.a. Errichtung des "Steinernen Hauses" und des "Neuen Hauses", einer Bastion mit Zugangstoren sowie der zweiten Ringmauer.
  • Graf Botho zu Stolberg gestattet an der gleichen Stelle oder in der Nähe einer bereits 1413 erwähnten Schleifkote unweit der Holtemme die Errichtung einer Seigerhütte. Dieses Recht sicherten sich Heinrich Schreiber aus Halberstadt, der auch den Schreiberteich anlegen ließ, und seine aus Braunschweig stammenden Teilhaber. Die Gründung der Seigerhütte soll auf die damalige portugiesische Nachfrage nach Metallen und -produkten in Antwerpen zurückzuführen sein. Die Betreiber der Seigerhütte konnten „ihr Garkupfer bei Jakob Schütze, der in der Nähe der Saigerhütte einen Kupferhammer errichtete, oder auch in Braunschweig bei den dortigen kupferverarbeitenden Gewerben absetzen.“
    wikipedia.org - Seigerhütte_Wernigerode
  • Albrecht, Erzbischof von Magdeburg und Mainz, Primus Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Administrator von Halberstadt bestätigt der Fronleichnamsbrüderschaft in der Pfarrkirche Unser Lieben Frau zu Wernigerode ihre althergebrachten Einrichtungen, insbesondere die gemeinsame Feier der Fronleichnamsmesse mit einzelnen Bestimmungen dazu.
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch der Stadt Wernigerode -  WR I/VII/B/5/23
  • Am 21. November bestätigt "Kardinal-Erzbischof Albrecht als Administrator von Halberstadt" eine veränderte Einrichtung des "Collegiatsstiftes zu Wernigerode", die dieses mit seinem Rat Dr. Valentin von Sundhausen und dem Offiziellen Heinrich Horn zu Halberstadt getroffen hat. Danach werden "infolge des Brandes zu Wernigerode und aus anderen Umständen verminderte Einkünfte der Stiftsherren und Vikare alles zusammengetan und in zehn gleiche Teile geteilt. Alle Teilnehmer sollen Stand und Würde der Stiftsherren einnehmen".
    Stadtarchiv Wernigerode - Urkundenbuch Teil II Band 3 Nr.1039
  • Graf Botho verstirbt am 22. Juni. Obwohl er selbst bis zum Tode Katholik bleibt, hatte er sich in letzter Zeit der neuen Glaubensrichtung gegenüber tolerant gezeigt und das Wirken protestantischer Pfarrer in Wernigerode gestattet. Am 26. August erklären die beiden Söhne Bothos, Wolfgang und Ludwig, "dass das heilige Wort und Gottes Ehre in Stolbergischen Landen allenthalben zugelassen, gepflegt und gefördert werden solle".
    Uwe Lagatz/ Thorsten Schmidt "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" 2000 - S.109
  • Ulrich Buchauw berichtet dem Grafen zu Stolberg von der Errichtung eines Schandkorbes am Kesselteich. Hier sollen Felddiebe und Gesetzesuntreue "...von dem meyster inß Wasser geworfen werden...". Hierfür wurde eigens ein Gebäude errichtet. Dieses Gebäude wurde wahrscheinlich in eine Mühle umgebaut, der Kesselmühle.
    Dieter Pötschke (Hg.) "Stadtrecht, Roland und Pranger - Zur Rechtsgeschichte von Halberstadt, Goslar, Bremen und märkischen Städten" 2002 - S.324
  • Am 19. Januar erhält der Stadtvogt ein Kurfürstlich Brandenburgisches Reskript, dass bei Immissionen und Hinrichtungen zwei Ratspersonen anwesend sein müssen.
    Stadtarchiv Wernigerode - Findbuch zum Bestand
  • Mit der letzten Hinrichtung enden in Wernigerode die Hexenprozesse. Zwischen 1521 und 1665 werden in Wernigerode 59 Männer und Frauen nach Folter auf dem Scheiterhaufen hingerichtet, davon nachweislich 15 unschuldig verurteilt. In den Gerichtsverfahren werden die Beschuldigten zunächst "in Güte" befragt. Erfolgt kein umfassendes Geständnis, folgt das "peinliche Verhör", das heißt die Folter, in der nahezu alle Beschuldigten alles zugeben, was ihnen vorgeworfen wird.
  • Errichtung der barocken Liebfrauenkirche (romanischer Vorgängerbau 1751 abgebrannt).
  • Die "Breite Straße" ist seit 1399 als durchquerende Straße in Ost-West-Richtung bekannt. In ihrem östlichen Teil gehörte sie bis 1529 zur selbstständigen Wernigeröder Neustadt. Das bisherige durch einen Brand zerstörte Rimbecker Tor wird abgerissen.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" 2011 - S.84
Östliches Ende der Breiten Straße
© Dieter Oemler
  • Am 27. März veröffentlicht das "Wernigeröder Intelligenzblatt" eine Bekanntmachung den "Holzverkauf aus freier Hand betreffend", die Erleichterungen für die Einheimischen beim Erwerb von Holz in Aussicht stellt. "Es ist zwar bei den im Wege der Auktion angeordneten Holz-Verkäufe zum besten der Unvermögenden und der Käufer kleiner Holzportionen die Einrichtung beibehalten worden, daß das fichtene Stuken- und Anbruchholz aus freier Hand verkauft wird: indessen haben Seine Durchlaucht, unser gnädigst regierender Graf und Herr zur Erleichterung des Holzhandels sich bewogen gesehen, folgende weitere Anordnung zu treffen, in den sämmtlichen Gräflichen Forst-Revieren an Eingesessene hiesiger Grafschaft zum eigenen... Bedarf wiederum aus freier Hand zum Verkauf gestellt... Allerdings: reichen die Holzvorräthe... nicht aus, so müssen die Käufer eine unverhältnismäßige Reduktion ihrer Anforderungen sich gefallen lassen."
    Ralf Mattern "Die schwarze Grafschaft wird rot" 2005
  • Am 7. Dezember erscheint im "Wernigeröder Intelligenzblatt" folgende Anzeige: "Der Arbeiterstand von Hasserode wird zu einer Besprechung wegen der Errichtung eines Arbeitervereins sowie mehrerer Arbeiterfragen zu heute Abend 8 Uhr in den Deutschen Kaiser eingeladen".
    Ralf Mattern "Die schwarze Grafschaft wird rot" 2005
  • In Wernigerode wird am 28. Juni ein neuer Verein, der sich "Verein für Gesetzlichkeit und Ordnung in der Grafschaft Wernigerode" nennt, gegründet. Den Zweck des Vereins beschreibt seine politisch-antisozialdemokratische Ausrichtung: "In den unseligen Vorgängen in den letzten Wochen sind die Früchte der sozialistischen Umtriebe, welche die Fundamente des Staates und der bürgerlichen Gesellschaft zu untergraben und Geist und Gemüht des Volkes zu verwirren und zu vergiften seit Jahren bestrebt gewesen sind, zu Tage getreten".
    Ralf Mattern "Die schwarze Grafschaft wird rot" 2005
  • Die seit 1902 als Kochschule genutzte Villa "Quisiana" am Eichberg wird von Dr. Werkmeister übernommen. Er betreibt darin Bäder und Einrichtungen für Gymnastik und Orthopädie.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" 2011
  • Ab 19. August wird durch die Armeeverwaltung der Zugverkehr durch Wernigerode nach außen durch Züge in Richtung Heudeber und Harzburg erweitert, um einen besseren Verwundetentransport zu gewährleisten.
    Harzbücherei Wernigerode (Hrsg.) "Heimat im Krieg - Zeugnisse und Spuren des Ersten Weltkrieges inmitten Deutschlands" 2015
  • Die deutsche Kriegsblindenstiftung verlegt das erste Kriegsblindenheim am 4. Oktober von Binz nach Wernigerode in die Pension "Waldheimat" am Jägerkopf 3. Betreiber ist der "Reichsdeutsche Blindenverband". Zweck dieser Einrichtung ist anfangs, im Ersten Weltkrieg erblindete Soldaten zu rehabilitieren und ihnen Erholung zu bieten.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik"
Blindengenesungsheim Wernigerode
© Stadtarchiv Wernigerode PK IV/63
  • Einer der jüngsten Ortsteile Wernigerodes ist Schierke. Der Ort gilt schon Anfang des 20. Jahrhunderts als ein Kurbad von Welt. Durch die Lage nahe dem Brocken, die reine und frische Luft und die Weitläufigkeit der Umgebung mit unzähligen Wandermöglichkeiten herrscht das ganze Jahr über reger Touristenverkehr. Es gibt einfache Herbergen, Gästezimmer, aber auch mondäne Hotels und Kureinrichtungen wie das Kurhotel "Barenberger Hof". Man behandelt Herz- und Gefäßerkrankungen, aber auch Asthma und andere Atemwegserkrankungen. Im Winter wird schon eine Eisbahn zur Vergnügung angeboten und es finden Bobrennen statt.
    Hans Deistel et al. (Stadtbaurat) "Wernigerode Stadt und Land - Deutschlands Städtebau - Stadt Wernigerode und Kreis Grafschaft Wernigerode mit seinen Kurorten Ilsenburg und Schierke" 1926 Dari-Verlag Berlin - S.65 ff.
Speisesaal im Kurhotel "Barenberger Hof" Schierke
© Frank Wiesner
  • Der 1922 gegründete Verein zur Förderung der Luftfahrt kauft zur Errichtung eines Flugplatzes den 68 Morgen großen Ackerplan "Unterm Wulfhorn" am Veckenstedter Weg.
Segelflugplatz an der Charlottenlust in den 20er Jahren
© Dieter Oemler
  • Zu den bekanntesten und wohl auch "süßesten" Werken in Wernigerode gehört um die Jahrhundertwende die Ferdinand Karnatzki Aktiengesellschaft. Zweck dieser Einrichtung ist die Schokoladen- und Süßigkeitenherstellung. Das Gelände wird von Alters her als Mühle, die "Burgmühle", genutzt. Sie dient im Laufe der Jahrhunderte den unterschiedlichsten Zwecken, bis das Gelände vom Eigentümer der Schokoladenfabrik, Ferdinant Karnatzki, aufgekauft und darauf neue, große und moderne Fabrikationsgebäude errichtet werden. Um die neuen Maschinen und Anlagen mit Energie zu versorgen, muss zunächst noch die städtische Stromversorgung in Anspruch genommen werden bis zur Inbetriebnahme eines eigenen Kraftwerkes. Seit 1924 liefern zwei insgesamt ca. 700 PS starke Dieselmotoren genügend Energie, um unabhängig zu sein.
    Hans Deistel et al. (Stadtbaurat) "Wernigerode Stadt und Land - Deutschlands Städtebau - Stadt Wernigerode und Kreis Grafschaft Wernigerode mit seinen Kurorten Ilsenburg und Schierke" 1926 Dari-Verlag Berlin
700 PS starke Dieselmotoren der ehemaligen Ferdinant Karnatzki AG um 1926.
© Frank Wiesner
  • Wernigerode erhält eine zweite Blindeneinrichtung. Die 1903 gegründete "Gesellschaft für christliches Leben unter den Blinden", verbunden mit einer Druckerei für Blindenschrift, siedelte 1925 nach Wernigerode um und hat ab 1928 eigenen Hausbesitz im Pulvergarten 2.
  • Am 7. Mai erhält Wernigerode ein Heimatmuseum. Der Geschichtsverein übernimmt die Einrichtung und Pflege des neuen Heimatmuseums. Die Hauptversammlung des Vereins beschließt seine Umwandlung in einen Geschichts- und Altertumsverein. Amtsgerichtsrat Grosse wird 1. Vorsitzender.
Exponate aus der Sammlung des Fürstenhauses im neuen "Heimatmuseum"
© Dieter Oemler
  • Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und daraus resultierende soziale Verelendung, werden auch in Wernigerode wie im gesamten Deutschen Reich immer spürbarer. Die Folge ist eine zunehmende seit Jahren sich entwickelnde Radikalisierung der verschiedenen politischen Richtungen. Auch in Wernigerode haben sich besonders in den extremen linken und rechten Parteien (NSDAP und KPD), aber auch bei der SPD und im Zentrum halbmilitärische "Kampfgruppen" gebildet, die offiziell als "Saalschutz" zur Absicherung von politischen Veranstaltungen eingesetzt werden.
Demonstration der NSDAP 1930 in der Burgstraße
© Dieter Oemler
  • Der größte Teil der Bevölkerung arrangiert sich mit der neuen politischen Konstellation. Viele profitieren von der sich abzeichnenden langsamen wirtschaftlichen Erholung. Die Nazifizierung des gesamten öffentlichen Lebens schreitet auch in Wernigerode schnell voran. Die von der NSDAP organisierte "Gleichschaltung" geht besonders auch in der Harzregion mit einer "Selbstgleichschaltung von unten" einher. Viele Vereine, verantwortliche Vertreter medizinischer und kultureller Einrichtungen biedern sich den neuen Machthabern vorauseilend an.
Arbeiterdelegierte besuchen den Führer
© Photothek Harzbücherei Wernigerode
  • Die so genannte "Gleichschaltung", wie die Einordnung aller bestehenden Einrichtungen und Verbände unter dem Einfluss und der Kontrolle der NSDAP genannt wird, beherrscht das wirtschaftliche, politische und kulturelle Leben auch in Wernigerode. Die NSDAP-Führung hat sich in Wernigerode etwas Besonderes ausgedacht, um jede oppositionelle Tätigkeit zu kriminalisieren. Darüber schreiben die "Hallischen Nachrichten" am 19. Juni: "Wernigerode hat sich ein Erziehungsmittel geschaffen, daß an längst vergangene Zeiten erinnert, von dem man sich aber eine gute Wirkung verspricht. Es ist dies ein Schandpfahl, der der Bevölkerung auf dem Marktplatz von der SA vorgeführt wurde. Truppführer Schlierstedt erläuterte den Zweck dieser Einrichtung dahin, daß der Pfahl jeweils einen Tag lang für diejenigen Einwohner auf dem Marktplatz stehen werde, die sich einer Verächtlichmachung des Kanzlers, der Regierung oder irgendwelcher allgemein störender und schadender Äußerungen und Handlungen schuldig machen."
Schandpfahl
© Phototkek Harzbüchere Wernigerodei
  • Jährlich legt die Verwaltung des Kreiskrankenhauses dem Kreistag einen Jahresbericht über die Entwicklung der Krankenzahlen, der durchschnittlichen Pflegetage, der Behandlungen und der technischen Einrichtungen vor. Erstmalig 1933 wird Bezug genommen auf die Einstellung des Personals zur politischen Entwicklung: "Wir freuten uns alle, zum Tage von Potsdam zwei große Fahnenstangen vor dem Krankenhaus errichten zu können, an denen endlich wieder die alten Farben des Reiches schwarz-weiß-rot und das neue Symbol des Reiches, die Hakenkreuzflagge gezeigt werden konnten".
    Jahresberichte seit 1900 - Kreiskrankemhaus Wernigerode, Harz Klinikum Wernigerode GmbH - Jahresbericht 1933
  • Im Juni wird der Eil-, Fracht-, Express- und Güterverkehr wieder aufgenommen, nachdem die Züge von Wernigerode aus wieder in beide Richtungen verkehren.
  • Am 22. September wird das Heimatmuseum nach Überprüfung und Neueinrichtung in den bisherigen Räumen, Vorwerk 4, wiedereröffnet.
    Stadtarchiv Wernigerode - WR III 6/1
  • Die "wesentlichste wirtschaftliche Aufgabe" des Jahres 1948 ist die Erfüllung des Programms für die Einrichtung von Neubauerngehöften.
  • Im August verfügt der Rat des Kreises zur Verbesserung der Ernährungslage die Einrichtung eines "Freien Marktes". Erzeuger von landwirtschaftlichen Produkten haben die Möglichkeit, außerhalb des Abgabesolls noch vorhandene Produkte als "freie Spitzen" zum Dreifachen des Erzeugerpreises zum Verkauf anzubieten. Viele Not leidende Wernigeröder hatten zuvor in den umliegenden Dörfern bei Landwirten versucht, Tauschhandel zu treiben und persönliche Gegenstände, wie Teppiche, Schmuck, hochwertiges Geschirr u.a. gegen Lebensmittel zu tauschen.
    Dr. von Gynz-Rekowski "Wernigerode Chronik" - S.119
  • In den Betrieben und Einrichtungen wird wie überall in der DDR nach den Schlussfolgerungen aus dem 17. Juni 1953 der 1. Mai auch in Wernigerode mehr als Feiertag mit Volksfestcharakter und weniger als Kampftag der Arbeiterklasse begangen.
1. Mai im VEB Holzbau Wernigerode
© Helga Schwendler
  • In Wernigerode kann für jedes Kind ein Kindergartenplatz zur Verfügung gestellt werden. Neben staatlichen Einrichtungen, die der Abteilung "Volksbildung" beim Rat des Kreises unterstehen, gibt es Betriebskindergärten. Der größte ist der des Elektromotorenwerkes in der Ilsenburger Straße.
  • Am 27. November kommt es zu einem schweren Unglück auf der Harzquerbahn. Zwei Güterwaggonpaare setzen sich aus ungeklärten Ursachen am Bahnhof Hasserode selbst in Bewegung und rollen unaufhaltsam die abfallende Schienenstrecke in Richtung Westerntor. Hinter der Kurve am Übergang Westerntor Unter den Zindeln springen alle vier Waggons aus den Gleisen und werden zertrümmert.
Westerntorbahnhof Februar 1960
© Gerhard Bombös
  • Der Brocken wird nach dem Mauerbau für jeden zivilen Besuch gesperrt und hermetisch abgeriegelt. Auf dem Harzgipfel herrschen das Militär und die Sicherheitsdienste der Sowjetunion und der DDR. Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR installiert ein raffiniertes Lausch- und Spionagesystem, das weit nach Westeuropa Telefon- und Funkverkehr abhört. Der Brocken ist auch das "große Ohr" des sowjetischen Geheimdienstes. Eine mehr als drei Meter hohe Mauer aus Beton und Stacheldraht sichert das Gelände. Die NATO betreibt auf dem Wurmberg bei Braunlage eine ähnliche Einrichtung, mit der weit in das Gebiet des "Warschauer Vertrages" militärische Spionage betrieben wird. Schierke liegt im Fünf-Kilometer-Sperrgebiet, verbunden mit Einschränkungen für die Einwohner.
    Stadtportal Wernigerode
  • Einen hohen Stellenwert im staatlichen Gesundheitswesen nimmt die Gesundheitsvorsorge ein, sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch in der Arbeitsmedizin (Reihenuntersuchungen). Die Jugendzahnklinik Oberpfarrkirchhof 14 gehört zu den wichtigsten medizinischen Einrichtungen.
Die Jugendzahnklinik Oberpfarrkirchhof 14 1962
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Auch nach der totalen Sicherung der "Staatsgrenze West" mit einem fünf Kilometer breiten Grenzstreifen, Passierscheinen für im Grenzgebiet liegende Gemeinden, wie Schierke, Elend, Stapelburg, Abbenrode und Sorge, Hundelaufeinrichtungen und Mienengürtel entwickelt sich Wernigerode als Industriestandort und Touristenzentrum für die Bürger der DDR mit jährlich steigenden Besucherzahlen.
Blick von der Terrasse des Schlosses
© Dieter Oemler
  • Der Kreisausschuss der Nationalen Front ruft alle Einwohner, Betriebe und öffentlichen Einrichtungen auf, zu Ehren der Kreisbauernkonferenz am 14. Februar zu flaggen.
  • Im Januar wird auch in Wernigerode die Schluckimpfung gegen spinale Kinderlähmung fortgesetzt. Kinder in Kindergärten und - krippen werden geschlossen in den jeweiligen Einrichtungen geimpft. Auch eine Röntgen-Reihenuntersuchung findet statt.
  • Die Tage vor dem 7. Oktober stehen in Wernigerode ganz im Zeichen des 20. Jahrestages der Gründung der DDR. Versammlungen, eine groß angelegte "Verpflichtungsbewegung im sozialistischen Wettbewerb", Agitation und Propaganda in Betrieben, Genossenschaften, Verwaltungen und Einrichtungen dominieren das gesellschaftliche Leben in der Stadt.
    Volksstimme
Schaufensterdekoration  - "Sozialistischer Wettbewerb" um das schönste Schaufenster zu Ehren des 20. Jahrestages der Gründung der DDR
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • 33 Fernlinien befahren die Busse aus Wernigerode in allen Richtungen. Die Busse der drei Stadtlinien sorgen für eine gute Verbindung der abgelegenen Stadtteile mit dem Zentrum.
 Busbahnhof
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Unter Führung der Kreisleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) werden auch in Wernigerode in allen Volkseigenen Betrieben, Genossenschaften, staatlichen Einrichtungen und Verwaltungen die Beschlüsse des VIII. Parteitages der SED ausgewertet und kollektive und persönliche Verpflichtungen zu deren Umsetzung abgegeben.
    Volksstimme
"Was der VIII. Parteitag beschloss, wird sein."
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Wie überall in der DDR wird auch im Kreis Wernigerode regelmäßig durch "übergeordnete Organe" ("Bezirksleitung der SED", "Rat des Bezirkes", "Bezirksbehörde der Volkspolizei") kurzfristig befohlene Übungen das Zusammenwirken der territorialen militärischen und paramilitärischen Kräfte ("Kampfgruppen der Arbeiterklasse", Einsatzgruppen der "Zivilverteidigung") trainiert. Zur "Kreiseinsatzleitung", die unter dem Kommando des 1. Sekretärs der Kreisleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) steht, gehören der Vorsitzende des Rates des Kreises als Leiter der "Zivilverteidigung" (ZV), der Leiter des "Volkspolizei-Kreisamtes" (VPKA) und der Kommandeur des "Grenztruppen-Regiments" Halberstadt. Die Funktionsträger der "Volkseigenen Betriebe", staatlichen Einrichtungen und Behörden unterliegen während der jeweiligen Übung, in der stets ein militärischer Angriff durch die NATO-Staaten mit ABC-Waffen simuliert wird, der militärischen Disziplin der Kreiseinsatzleitung. In Arbeitsgruppen der Kreiseinsatzleitung wird nach einem angenommenen militärischen Angriff die Umstellung der Volkswirtschaft und der zivilen Bereiche des Kreises auf den Verteidigungszustand geplant.
"Kampfgruppen der Arbeiterklasse"
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Um die Stadt noch attraktiver zu gestalten, werden in einigen Betrieben, Verwaltungen und Einrichtungen für ausgewählte Sonnabende (Subbotnik) Freiwillige für kostenlose Arbeitseinsätze gesucht.
Subbotnik
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Von Seiten der staatlichen Leitungen der Betriebe und Einrichtungen sowie SED-Parteiorganisationen wird darauf hingewirkt, dass möglichst alle Beschäftigten Mitglied der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft (DSF) werden. Dazu gehört jährlich ein Wettbewerb um den Titel "Kollektiv der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft". Bestandteil des Wettbewerbs ist oft ein organisiertes Treffen mit Angehörigen der sowjetischen Armee. Für den Kreis Wernigerode sind dies Militärangehörige der Funkeinheit auf dem Brocken und der Garnison in Quarmbeck bei Quedlinburg. Private Kontakte zwischen DDR-Bürgern und sowjetischen Militärangehörigen sind nicht erwünscht und kommen nur in Einzelfällen zustande.
Sowjetische Soldaten 1973 in Wernigerode
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Zur Demonstration anlässlich des 1. Mai sind neben den Arbeitern und Angestellten der Betriebe und Einrichtungen auch die "Hundertschaften der Kampfgruppen der Arbeiterklasse" aus den Wernigeröder Großbetrieben dabei.
Kampfgruppen-Hundertschaft zum 1. Mai
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Seitens des Rates der Stadt, als auch in den Volkseigenen Betrieben und Einrichtungen wird der Betreuung der aus dem Arbeitsprozess ausgeschiedenen Bürger große soziale Aufmerksamkeit gewidmet.
Rentner-Weihnachtsfeier
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Die Sanierungsarbeiten in der Großgaststätte "Storchmühle" werden abgeschlossen. Im Zuge der Sanierung wurde die Einrichtung des "Florentiner Saals" entfernt und für Devisen verkauft.
    Hermann Dieter Oemler "Zeitsprünge Wernigerode" 2011 - S.11
Storchmühle 1976
© Dieter Oemler
  • Hinter dem Nicolaiplatz, entlang der Mittelstraße, Richtung Bahnhofstraße wird ein neues Wehrkreiskommando-Gebäude errichtet.
  • Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ist die führende politische Kraft in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), so auch in Wernigerode. In allen Volkseigenen Betrieben, Genossenschaften, Einrichtungen, Organisationen und Schulen gibt es Parteiorganisationen, in denen monatlich Parteiversammlungen und Parteilehrjahre stattfinden. In den größten Betrieben, wie dem Elmo, Megu u.a. mit jeweils einem hauptamtlichen Parteisekretär, untergliedert sich die Betriebsparteiorganisation (BPO) in Abteilungsparteiorganisationen (APO) und diese wiederum in Parteigruppen.
SED-Parteiversammlung
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Die Erweiterung des Industriegebietes "Elmo/Megu" wird in Richtung Westen mit dem Bau der Halle V des Elektromotorenwerkes abgeschlossen.
  • Als Tochtergesellschaften der Stadt werden die "Tourismus - GmbH" und die "Gemeinnützige Gesellschaft für Sozialeinrichtungen" gebildet.
  • Wernigerodes älteste Sozialeinrichtung, das Pflegeheim "Sankt Georg", wird nach umfassendem Umbau wieder eröffnet.
  • Nach 15-jähriger Vorbereitung beginnt am 12. September die Errichtung des sogenannten "Spiral-Kreisels" an Wernigerodes Stadtecke. Bis zum Herbst 2012 soll das Projekt vollendet sein.
Spiralkreisel an der Stadtecke
© Wolfgang Grothe
  • Die 5400 Straßenlaternen in Wernigerode und den Ortsteilen und auch alle städtischen Gebäude und Einrichtungen werden von den Stadtwerken mit Ökostrom versorgt.
    Neue Wernigeröder Zeitung - Harzer Wochenblatt - Verlag Jüttners Buchhandlung - 25. Jahrgang Nr.15 vom 23. Juni 2014 S. 4
Stromladesäule am Parkplatz Hochschule Harz
© Wolfgang Grothe
  • Die Aura-Pension in Wernigerode ist die älteste Kur- und Erholungseinrichtung für Blinde in Deutschland. Am 26. Januar feiert sie mit prominenten Gästen, unter ihnen Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, ihr 100-jähriges Bestehen.
    Volksstimme - Katrin Schröder
Die Aura-Pension feiert ihr 100-jähriges Bestehen - im Bild: Pensionsleiter Christian Winzerling
© Katrin Schröder