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  • Mit dem Ende des 1. Weltkrieges endet auch für Wernigerode das Zeitalter der Monarchie und entsteht die erste demokratische Republik auf deutschem Boden. Die hier in alter Landknechtstracht Aufstellung nehmende Schlosswache kann nicht den langsamen Abschied von feudaler Pracht durch ständig wachsende finanzielle Probleme des Fürstenhauses verhindern.
    Konrad Breitenborn "Schwarzer Hirsch im goldnen Feld"
Schlosswache um 1920
© Dieter Oemler
  • Als Reaktion auf den Kapp-Putsch am 13. März ruft ein Aktionsausschuss aller politischen Parteien in Wernigerode die Bevölkerung zu einem Generalstreik auf. Unter der Überschrift: "Heraus zum Generalstreik - die Freiheit ist in Gefahr - es gilt die Republik zu schützen" erscheint am 15. März das "Wernigeröder Tageblatt" mit einer Generalstreik-Ausgabe. Die Resonanz auf diesen Aufruf ist überwältigend.
    Wernigeröder Tageblatt - 15.März 1920
  • Am 8. und 9. September herrschen in Wernigerode bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, über die in der Presse deutschlandweit berichtet wird. Trotz polizeilichen Verbotes eines Aufmarsches zum sogenannten "Deutschen Tag" der eigentlich verbotenen ultrarechten "Mitteldeutschen Arbeiterpartei" sind mit der Bahn Hunderte angereist. Gleichzeitig versammeln sich in der Nacht vom 8. zum 9. September am "Monopol" 1500 Arbeiter, die sich in einer aufgeheizten Stimmung den Stahlhelmern und Nationalisten entgegenstellen. "Nur der ausgezeichneten Disziplin des Republikanischen Sicherheitsdienstes und der überlegenen Ruhe des Gewerkschaftsvorsitzenden Jonas ist es zu verdanken, dass die Leute vom Stahlhelm nicht glatt vernichtet worden sind und ein größeres Blutbad nachfolgte".
    Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes - Amtlicher Bericht über die Vorgänge in Wernigerode am 8. und 9. September
  • In den letzten Kriegstagen passieren Häftlingskolonnen aus den Konzentrationslagern auf den Todesmärschen unsere Stadt. Der französische Schriftsteller und Resistancekämpfer Robert Antelme, beschäftigt sich später in seinen Erinnerungen mit der Gleichgültigkeit der Wernigeröder: "Als man gestern die Kameraden tötete, bummelten diese Leute ebenfalls über die Bürgersteige. Sie wissen, was sie tun, sie wissen, was man mit uns tut." 13 bis 14 Jahre alte Kinder beschimpfen die Häftlinge als Banditen und Verbrecher, einige ältere Männer gesellen sich zu den Jugendlichen. Am 7. April beschießen zwei Kampfjäger der Alliierten zwei Personenzüge und einen Güterzug mit Häftlingen aus dem KZ-Lager "Dora" auf dem Bahnhof Minsleben. 32 Todesopfer und zahlreiche Schwerverletzte sind zu beklagen. 500 Lagerinsassen des KZ-Außenlagers Steinerne Renne, die amerikanische Armee steht bereits vor Wernigerode, werden am 10. April zu Fuß von der SS zum Bahnhof Wegeleben getrieben. Auf dem Todesmarsch erreichen nur 57 das KZ Leitmeritz (heute Tschechische Republik).
    Reinhard Jacobs - "Terror unterm Hakenkreuz" - Orte des Erinnerns in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt - S.50
Gedenkstein an der "Steinernen Renne"
© Wolfgang Grothe
  • 17. Januar: Der in Köln geborene Landrat Erich von Stosch stirbt. Er diente in einer ungewöhnlich langen Amtszeit vom Juli 1912 bis Juli 1944 in drei unterschiedlichen Regierungsformen, "dem Kaiserreich, der Weimarer Republik und der Aera Hitler".
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Nr. 23 - November 1955
Landrat Erich von Stosch
© Gerhard Bombös
  • Auf dem Nicolaiplatz findet eine Großkundgebung aus Anlaß der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik statt.
Großkundgebung auf dem Nico
© Dieter Oemler
  • Am 1. Dezember findet in Wernigerode ein Kreis-Funktionärstreffen der FDJ ("Freie Deutsche Jugend") statt. Als einzige zugelassene Jugendorganisation in der "Deutschen Demokratischen Republik" übt sie auf die Mehrheit der Jugendlichen eine echte Anziehungskraft aus und ist eine antifaschistisch-demokratische Alternative für die durch die Nazi-Ideologie und deren Folgen verführte, enttäuschte und orientierungslose junge Generation.
Kreis-Funktionärstreffen der "Freien Deutschen Jugend" (FDJ) in Wernigerode
© Archiv Mahn- und Gedenkstätte
  • Auch zwischen dem Kreis Wernigerode (DDR) und den Kreisen auf niedersächsischer Seite (Bundesrepublik) wird ein Sperrgebiet eingerichtet. "Politisch unzuverlässige Personen" werden aus dem Sperrgebiet zwangsausgesiedelt (Aktion "Ungeziefer"). Aus dem Sperrgebiet des Kreises Wernigerode werden 158 Personen in einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" am 28./29. Mai ausgesiedelt und in die Landkreise Torgau und Querfurt gebracht. Die erste Aktion war jedoch schlecht vorbereitet. So konnten sich viele zur Umsiedlung vorgesehene Einwohner durch eine spontane Flucht in die Bundesrepublik der Zwangsumsiedlung entziehen. "Am Morgen des 7. Juni fuhren um 6.00 Uhr die Lastkraftwagen vor. Die betroffenen Personen wurden informiert, und im Laufe des Tages fand der Abtransport zum Bahnhof statt, wo die Züge um 20.00 Uhr abfuhren, so dass die Betroffenen in den frühen Morgenstunden zwischen 3.00 und 5.00 Uhr am Zielort eintrafen." Insgesamt wurden damit in beiden Aktionen aus dem Kreis Wernigerode 297 Personen zwangsausgesiedelt.
    Inge Bennewitz, Rainer Potratz "Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze"
Zwangsaussiedlung aus dem Grenzgebiet
© privat
  • Im Kreisgebiet finden "etwa 100 000 Werktätige aus allen Teilen der Republik Erholung und Entspannung in den Eigenheimen und Vertragshäusern des FDGB". 42 000 "Werktätige haben bis Ende August ihren Urlaub" in der Stadt Wernigerode verbracht. Das sind 6000 Feriengäste mehr, als im gesamten Jahr 1955.
    Volksstimme
FDGB-Ferienheim "Georgi Dimitroff" in Hasserode
© Stadtarchiv Wernigerode PK IV/128
  • Mehrfach wird von Einwohnern der Vorschlag unterbreitet, nach "dem Beispiel anderer Städte der Republik" Selbstbedienungsläden einzurichten.
Vor dem Bau der Kaufhallen existieren noch viele kleine "Tante-Emma-Läden", wie hier in der Ilsenburger Straße.
© Dieter Oemler
  • Die "Volksstimme" schreibt am 21. Juni: "Bis zum Geburtstag Walter Ulbrichts bleibt noch viel zu tun. Nur noch acht Tage trennen uns vom 70. Geburtstag des Generalsekretärs der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzenden des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik, Genossen Walter Ulbricht". "Ihm zu Ehren und uns allen zum Nutzen haben sich die Betriebe unseres Kreises exakte Ziele für die Planerfüllung gestellt." In den Schulen und Verwaltungen werden "Walter-Ulbricht-Ecken" eingerichtet.
  • Am 7. Oktober findet aus Anlass des "15. Geburtstages unserer Republik" im Stadtgarten eine Festveranstaltung statt. Die "Volksstimme" als "Organ der Bezirksleitung Magdeburg der SED" berichtet darüber: "Langanhaltender Beifall unterstrich die Worte des Dankes...an das ZK der SED und an den Genossen Walter Ulbricht für den unermüdlichen und konsequenten Kampf um die Stärkung und Festigung unserer Republik...und der uneigennützigen Hilfe der KPdSU und der Sowjetunion".
  • Anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 kommen die Stadtverordneten von Wernigerode zu einer festlichen Sitzung zusammen. Sie ziehen eine Bilanz der positiven Entwicklung der Stadt in den letzten 20 Jahren.
     
Festliche Stadtverordnetensitzung aus Anlass des 20. Jahrestages der DDR.
© Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Wie überall in der Deutschen Demokratischen Republik steht auch in den Schulen der Stadt Wernigerode neben einer auf hohem Niveau fußenden mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung die kommunistische Erziehung der Pioniere und FDJ-ler im Vordergrund. Der im KZ Buchenwald von den Nationalsozialisten ermordete KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann wird unter der Losung "Wie Ernst Thälmann stolz und kühn" Vorbild für die "Thälmann-Pioniere".
Pioniere am Thälmann-Denkmal
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • In einer großen Festveranstaltung im Stadtgarten am 7. Oktober wird der 25. Jahrestag der Gründung der "Deutschen Demokratischen Republik,  dem ersten Arbeiter-und-Bauernstaat auf deutschem Boden", begangen.
    Volksstimme
Festveranstaltung "25 Jahre DDR"
© Archiv Mahn- und Gedenkstätte
  • Der Sicherung der Staatsgrenze zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland wird ständig große Bedeutung beigemessen. Mit öffentlichen Vereidigungen von neuen Grenzsoldaten und Gesprächen in den Schulen zur Gewinnung von Berufsoffiziers- und Unteroffiziersbewerbern, soll die Bedeutung der Grenzsicherung im Bewusstsein der BürgerInnen wach gehalten werden.
    Archiv der Mahn- und Gedenkstätte
Grenzsoldaten im Kreis Wernigerode
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Am "Tag der Republik" am 7. Oktober werden vom Rat des Kreises Gemeinden für "herausragende Leistungen" im "Sozialistischen Wettbewerb" ausgezeichnet.
    Volksstimme
Auszeichnung von Gemeinden
© Archiv Mahn- und Gedenkstätte
  • Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ist die führende politische Kraft in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), so auch in Wernigerode. In allen Volkseigenen Betrieben, Genossenschaften, Einrichtungen, Organisationen und Schulen gibt es Parteiorganisationen, in denen monatlich Parteiversammlungen und Parteilehrjahre stattfinden. In den größten Betrieben, wie dem Elmo, Megu u.a. mit jeweils einem hauptamtlichen Parteisekretär, untergliedert sich die Betriebsparteiorganisation (BPO) in Abteilungsparteiorganisationen (APO) und diese wiederum in Parteigruppen.
SED-Parteiversammlung
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Aufmärsche der Kampfgruppen der Arbeiterklasse zu verschiedenen gesellschaftlichen Höhepunkten gehören auch in Wernigerode wie überall in der Deutschen Demokratischen Republik dazu.
Kampfgruppen-Parade im November auf dem Marktplatz
© Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Am 9. November wird die Grenze zwischen der DDR und Bundesrepublik geöffnet.
Grenzübergang zwischen Stapelburg und Eckertal
© Horst Duve
  • Am 12. Mai gehen entsprechend eines Regierungsabkommens zwischen der DDR und der Volksrepublik Vietnam 189 vietnamesische Arbeitskräfte ein Arbeitsrechtsverhältnis mit dem VEB Elektromotorenwerk Wernigerode ein. Dafür wurde mit staatlicher Unterstützung in Rekordzeit eine Wohnunterkunft im Dornbergsweg geschaffen.
    LDZ - "Liberaldemokratische Zeitung" - Tageszeitung der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands
  • Am 31. März richtet Bürgermeister Martin Kilian ein Schreiben an den Oberbürgermeister von Neustadt an der Weinstraße mit Übersendung eines Textentwurfs zur "Vereinbarung über die Städtepartnerschaft zwischen der Stadt Wernigerode in der Deutschen Demokratischen Republik und der Stadt Neustadt an der Weinstraße in der Bundesrepublik Deutschland".
Eine der ersten Städte-Partnerschaften DDR-BRD
© Stadtverwaltung Neustadt an der Weinstraße
  • Am Rathaus wird eine Gedenktafel angebracht, die an die verfolgten und ermordeten Wernigeröder Juden erinnern soll. Eine weitere Tafel befindet sich an der ehemaligen Villa des jüdischen Fabrikanten Benno Russo in der Feldstraße 8. Clara und Benno Russo wurden 1943 im KZ Theresienstadt (heute Terezin/Tschechische Republik) ermordet.
    Reinhard Jacobs - "Terror unterm Hakenkreuz" - Orte des Erinnerns in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
Gedenken an die von den Nationalsozialisten 1933 bis 1945 ermordeten jüdischen Mitbürger
© Wolfgang Grothe
  • Das Schloss Wernigerode erhält mehr als 700.000€ aus dem Konjunkturpaket der Bundesrepublik.
Schloss Wernigerode
© Wolfgang Grothe
  • Das diesjährige Neustadter Weinfest in Wernigerode vom 27. bis 29. Juni steht ganz im Zeichen des 25. Jahrestages der Städtepartnerschaft zwischen der "Bunten Stadt am Harz" und Neustadt an der Weinstraße. Im Marstall findet am 28. Juni eine Festveranstaltung statt, in der die lebendige Partnerschaft zwischen beiden Städten hervorgehoben wird. Die Städtepartnerschaft war eine der ersten zwischen Städten in der DDR und der Bundesrepublik Deutschland.
Bürger-Reisegruppe aus Neustadt/Weinstraße am 28.Juni vor dem Festakt im Marstall zum 25. Jahrestag der Städtepartnerschaft Wernigerode - Neustadt/Weinstraße
© Wolfgang Grothe
  • Am 12. Oktober wird der Wernigeröder Siegfried Siegel mit dem "Verdienstorden der Bundesrepublik am Bande" ausgezeichnet. Er erhält die hohe Auszeichnung für sein umfangreiches ehrenamtliches Engagement. Seit Jahrzehnten war er kirchlich stark engagiert. Er war Mitglied der Landessynode, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und ist seit 1990 ohne Unterbrechung Mitglied des Stadtrates der Stadt Wernigerode. Siegfried Siegel hat jederzeit uneigennützig beim Aufbau und der Festigung kommunaler Strukturen mitgewirkt und auf die Geschicke der Stadt nach 1990 stets großen Einfluss genommen.
    Stadtportal Wernigerode
Am 10.11.2016 trägt sich Siegfried Siegel in das "Goldene Buch" der Stadt ein.
© Wolfgang Grothe