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Menhir in der Gemarkung von Benzingerode
© Wolfgang Grothe
Menhir in der Gemarkung von Benzingerode © Wolfgang Grothe
Standort eines Langhauses, nordöstlich von Benzingerode
- Alexander Grothe
Standort eines Langhauses, nordöstlich von Benzingerode - Alexander Grothe
  • Vor 500 bis 700 v.d.Z. existiert an der Holtemme zwischen dem heutigen Reddeber und dem heutigen Wernigerode (heute das Gelände eines Betriebes der Photovoltaik-Branche) eine kleine eisenzeitliche Siedlung von zwei oder drei Gehöften. Die Bewohner betreiben Schafzucht und verarbeiten die Wolle. Sie gewinnen aus Eisenerzen mit Hilfe eines Rennofens Eisen.
    Volksstimme - 06.05.2013 S.7
  • Das gesamte Gebiet des heutigen Wernigerode und seiner Ortsteile gehört ab dem 8. Jahrhundert zum Harzgau ("hart" = Wald), einer mittelalterlichen Gaugrafschaft, die westlich von der Oker, nördlich vom "Großen Bruch", östlich von der Bode und südlich vom nahezu undurchdringlichen Urwald begrenzt wird. Nach dem Untergang des "Thüringer Reiches" im Jahr 531, zu dem auch die Region des Nordharzes gehörte, kam es zur Entvölkerung der Gegend. Alte Orts- und Flurnamen weisen noch heute auf die Mischbevölkerung der Harzregion hin, z.B. auf die aus dem heutigen Jütland eingewanderten Warnen (-leben, wie Minsleben) oder die Langobarden (-ingen, wie Süpplingen). Nach der endgültigen Unterwerfung der Sachsen durch die karolingischen Franken im Jahr 804 dringt in unsere Region aus Richtung Westen neben Sachsen die fränkische Oberschicht ein.
  • Die Christianisierung der polytheistischen sächsischen Urbevölkerung in der Nordharzregion durch die Franken und die Klöster (besonders Corvey und Fulda) ist mit teilweise erheblichen Widerständen der Sachsen verbunden. 785 erlässt Karl der Große eine Sondergesetzgebung für die Sachsen. Darin heißt es u.a.: "Wenn zukünftig im Sachsenvolk ein heimlich noch ungetaufter sich verbergen möchte und sich weigert, zur Taufe zu kommen, weil er Heide bleiben will, dann sterbe er des Todes".
Kaiserstuhl von Karl dem Großen im Dom zu Aachen
© Wolfgang Grothe
Kaiserstuhl von Karl dem Großen im Dom zu Aachen © Wolfgang Grothe
  • Benzingerode ist vermutlich als Hörigensiedlung zum Schutz der mächtigen fränkischen Struvenburg, die bereits im 6. bis 8. Jahrhundert bestanden haben kann, gegründet worden. "Die Burginsassen auf der Höhe mussten einerseits versorgt werden und boten zum anderen den Bewohnern am Fuße des Berges Zuflucht und Schutz bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Sachsen."
Blick vom Ziegenberg in Richtung Benzingerode 2015
© Wolfgang Grothe
Blick vom Ziegenberg in Richtung Benzingerode 2015 © Wolfgang Grothe

Harburg im Zwölfmorgental - heutiges Aussehen
© Wolfgang Grothe
Harburg im Zwölfmorgental - heutiges Aussehen © Wolfgang Grothe
  • Der Harzgau, "Harud", wird erstmalig in einer Urkunde des Kaisers Ludwig des Frommen in hochdeutscher Form "Hartingowe" genannt. Haruden, ein germanischer Stamm oder eine Gruppe verschiedener germanischer Stämme, sind die Bewohner des Harud.
  • Nach den "Annales Fuldenses", den "Jahrbüchern von Fulda", wird der Harzgau von Haruden bewohnt und nach ihnen "Harudengau" genannt. "Harud" bedeutet Wald oder Waldgebirge.
  • Vermutlich wird Wernigerode im 9. Jahrhundert als Rodungssiedlung gegründet. Bodenfunde lassen darauf schließen, dass die Kernrodung auf dem heutigen Klint (Klint=Hügel) erfolgte. Im 9. Jahrhundert sind in unserer Region Mönche des Klosters Corvey missionierend unterwegs. Die Vermutung einiger Historiker, dass die Rodung im Auftrage des Abtes Warin vom Kloster Corvey, der 856 verstarb, erfolgt sein könnte, kann, da jeder Beweis für die Richtigkeit fehlt, nicht aufrecht erhalten bleiben. Unzweifelhaft ist die Tatsache, dass im 9. und 10. Jahrhundert viele kleine Siedlungen in der Rodungszeit im Harzgebiet entstehen, deren Ortsnamen die Nachsilbe "-rode" enthalten.
Karolingisches Westwerk des Klosters Corvey an der Weser (UNESCO-Welterbe). Erbaut von 873 bis 885. Das 815 gegründete Kloster war das erste Kloster im Land der Sachsen. Vermutlich waren auch Mönche von Corvey in unserer Region missionierend unterwegs und nahmen Einfluss auf die Gründung von Rodungssiedlungen.
© Wolfgang Grothe
Karolingisches Westwerk des Klosters Corvey an der Weser (UNESCO-Welterbe). Erbaut von 873 bis 885. Das 815 gegründete Kloster war das erste Kloster im Land der Sachsen. Vermutlich waren auch Mönche von Corvey in unserer Region missionierend unterwegs und nahmen Einfluss auf die Gründung von Rodungssiedlungen. © Wolfgang Grothe
  • Das Nonnenkloster Drübeck wird in einer Urkunde vom 26. Januar erstmals erwähnt. Später stellt sich heraus, dass diese Urkunde eine Fälschung ist.
    wikipedia.org - Kloster Drübeck