19. Jahrhundert

  • Hasserode hat 839 Einwohner.
"Triangel" von der Hohen Warte auf Hasserode um 1895
- gemeinfrei
"Triangel" von der Hohen Warte auf Hasserode um 1895 - gemeinfrei
  • Heinrich von Kleist besucht Wernigerode. Nach Wernigerode besucht er auch zum zweiten Mal den Brocken.
Heinrich von Kleist
- Wikipedia
Heinrich von Kleist - Wikipedia
  • Graf Christian Friedrich erläßt ein Edikt gegen den "unsittlichen Gebrauch des so genannten Polterabends". Er verordnet, "daß das nächtliche Zusammenlaufen des Volkes, das Schreien und Lärmen vor den Hochzeitshäusern, vor und an dem Hochzeitstage, wie jeder andere unerlaubte Volkszusammenlauf, verboten seyen..." Es wird mit "Arretierung", Gefängnis und Strafarbeit gedroht.
  • Der Stadtphysikus Hardege ruft alle Eltern auf, ihre Kinder gegen die "jetzt herrschenden bösartigen Blattern" impfen zu lassen. "Bei Armen geschieht die Impfung unentgeltlich".
  • In der Grafschaft werden 1801 insgesamt 421 Kinder geboren (379 eheliche und 30 uneheliche). Gleichzeitig sterben 521 Einwohner (davon 79 an Pocken, 69 "an Nerven-, Faul- und Fleckfieber" und 53 "an der Auszehrung und Lungensucht")
  • Neue Industriebetriebe kommen hinzu (Holz-, Stein- und Metallverarbeitung).
  • Erbgraf Hermann zu Stolberg-Wernigerode wird am 30. September als erster Sohn von Henrich zu Stolberg-Wernigerode und Prinzessin Jenny von Schönberg-Waldenburg geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und trat in den preußischen Staatsdienst ein. Er kümmerte sich später um die Reorganisation des gräflichen Hüttenwesens und die Förderung der gräflichen Wirtschaftsbetriebe. Er starb, erst 39jährig, aus Verzweiflung über den Verlust seines ältesten Sohnes. Sein zweiter Sohn, Otto, wurde später Vizekanzler des Deutschen Reiches.
  • In den "Wernigerödischen Intelligenzblättern" wird in mehreren Folgen in einer "gemeinnützigen Mittheilung" auf die Gefahren einer "Vergiftung mit Branntwein" hingewiesen.
  • Das Stadtvoigtei-Gericht verweist auf den Innungsbrief der Bäcker aus dem Jahre 1717, wonach niemand Honigkuchen verkaufen darf, der nicht zur Gilde gehört, "bei Verlust der Ware".
  • In der Grafschaft werden in diesem Jahr 418 Kinder geboren (davon 389 "eheliche", 18 "uneheliche" und 11 "todtgeborene"). 123 "kopulierte" Paare nennt die Statistik, 97 in erster, 31 in zweiter und 4 in dritter Ehe. Im Jahr sterben 301 Personen. Als häufigste Todesursache wird in 50 Fällen "Auszehrung und Lungensucht" genannt.   
  • Die pädagogischen Methoden Pestalozzis werden auch in Wernigerode von interessierten Bürgern diskutiert und geben Anlass, ihre Anwendung in den Schulen zu empfehlen.
  • Die Gräfl. Stolb. Wernigerödische Regierung stellt die Herstellung und Verbreitung von antisemitischen Druckschriften als "schädlich und sittenwidrig" unter Strafe.
  • Der Physikus Herdege fordert die Bürger auf, die Möglichkeiten der Impfung gegen "Menschenpocken" zu nutzen. In Derenburg und Benzingerode breiten sich die Pocken besorgniserregend aus.
  • Die Gräfl.Stolb. Wernigerödische Regierung und die Polizei achten mit "Nachdruck darauf", dass "weder Unkoncessionierte die Chirurgie ausüben, noch Koncessionierte ihre Grenzen überschreiten. Der Physikus und Landchirurgus müssen darauf mit aller Sorgfalt Obacht haben, die Apotheker müssen bei 20 Taler Strafe an solche Chirurgen keine Arzneien, zu deren Verschreibung sie nicht berechtigt sind, dispensieren, und sobald eine Kontravention denunciiret oder kund wird, muß die fiskalische Untersuchung eröffnet, oder nach Befinden der Fiscal exitirt werden".
ehemalige Bebauung der Marktstraße 8
- Dieter Oemler
ehemalige Bebauung der Marktstraße 8 - Dieter Oemler
  • Immer dringlicher steht die "Gräfliche Regierung", der "Rat der Stadt" und das städtische "Armen-Kollegium" vor dem Problem, den armen Kranken, die weder die häuslichen Verhältnisse noch das Geld zu längerer Behandlung haben, eine entsprechende stationäre Behandlung aus öffentlichen Mitteln zu ermöglichen. So schlägt der "Regierende Graf" Christian Friedrich dem Rat der Stadt vor, "die Wohnung auf dem Rimkethurme, die aus 2 Stuben besteht, von aller Gemeinschaft entfernt ist und rings um von freier Luft bestrichen wird, zur Aufnahme von mit ansteckenden Krankheiten behafteten hülflosen und verlassenen armen Kranken und dergleichen Gebährerinnen einrichten zu lassen und als Krankenwärterin die Witwe des verstorbenen Armenwächters Schwalenberg anzustellen".
  • Auf dem Grundstück Friedrichstraße/ Ecke Am Eichberg wird eine neue Schäferei gebaut. Es entstehen für den Schäfer ein Haus und Ställe für die Tiere. Das Ganze wird aber 1870 wieder aufgegeben.
  • Reste der Schnakenburg, eine Niederungsburg auf dem heutigen Klint, werden abgebrochen. Als Rest ist nur noch das Haus Gadenstedt erhalten.
Haus Gadenstedt vor der Sanierung 1898 mit Blick auf den späteren Post-Hof
- gemeinfrei
Haus Gadenstedt vor der Sanierung 1898 mit Blick auf den späteren Post-Hof - gemeinfrei
  • Am 29. Mai empfangen die Stadt und der regierende Graf Christian Friedrich den preußischen König Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Luise. Hundert Personen reisen im Tross des Königspaares mit, was das Wernigeröder Grafenhaus zu einer logistischen und finanziellen Herausforderung macht.
Festsaal im Schloss
- Stadtarchiv Wernigerode PK/1/33
Festsaal im Schloss - Stadtarchiv Wernigerode PK/1/33
  • Das Gebäude am heutigen Sylvestrikirchhof 14 wird als Gutshaus auf dem Gelände eines befestigten ehemaligen Adelshofes errichtet.
Gebäude am Sylvestrikirchhof 14, 2016
© Wolfgang Grothe
Gebäude am Sylvestrikirchhof 14, 2016 © Wolfgang Grothe
  • Der Straßenname im Wortlaut verändert zu "Unter den Zindeln", erscheint erstmals in der Stadt. Die frühere lateinische Bezeichnung "cingulum", zu deutsch Gürtel, bezeichnet die Befestigung der Stadt. In einem Innungsbrief an die Krämer 1410 wird die Stadtbefestigung als "czingelen" bezeichnet, sowie in der Stadtordnung "Wernigeröder Willkür" um 1540 als "zcingelen". "Unter den Zindeln" beschreibt eine Grünanlage vor der höher gelegenen Stadtmauer. Besonders im Bereich vor dem Westerntor dehnten sich Gärten der Bürger aus. 1540 dienen sie noch der Verteidigung, da "auf Beschädigung des Rates Zingelen" Strafe ausgesetzt ist. 1529 bessert Zimmermeister Simon Hilleborch "vor de Singeln vor der Nyenstadt" das dort eingebaute hölzerne Pfahlwerk aus.
    Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt - Nummer 214 - Juni 1988 S. 13
  • Im Mühlental wird eine Heilebartsmühle erwähnt, aus der dann 1910 die Storchmühle hervorgeht.
spätere "Storchmühle"
- Dieter Oemler
spätere "Storchmühle" - Dieter Oemler
  • Die ersten französischen Soldaten treffen am 19. Oktober (eine andere Quelle nennt den 31. Oktober) in Wernigerode ein und beginnen sofort mit einer Plünderung in Privathäusern. Der Schaden, den marodierende französische Soldaten verursachen, beläuft sich auf 2630 Reichstaler. 59 Uhren wechseln in Wernigerode den Besitzer. In den ersten Wochen leidet die Bevölkerung besonders unter den ständigen Einquartierungen.
  • Am 21. Oktober wendet sich der nun seiner Regierung enthobene Graf von Wernigerode schriftlich um positiver Verbindungen willen an Napoleon. Das Anliegen wird negativ beschieden.
  • In der "Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt" erscheint ein Dekret über die Gründung des Königreichs Westfalen, zu dem die Grafschaft Wernigerode nun gehört.