Wernigerode im Jahr 1962

  • Neun seit dem Jahr 1952 dem Rat der Stadt übergebenen örtlichen volkseigenen Betriebe (darunter Süßwarenfabrik, Galvano, Oberharzer Steinwerke, Schlachthof) sind ab 1. Januar dem Rat des Kreises zugeordnet.

  • Nach der Einführung der Wehrpflicht am 24. Januar werden in den größeren volkseigenen Betrieben der Kreisstadt durch die BPO- Leitungen (Betriebsparteiorganisationen der Sozialistischen Einheitspartei) mit jungen Wehrpflichtigen Gespräche geführt, in deren Ergebnis Jugendliche ihre zustimmende Bereitschaft zur "Verteidigung der sozialistischen Errungenschaften" bekunden.

Wehrerziehung
- Mahn-und Gedenkstätte Archiv
Wehrerziehung - Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • In den Wohnbezirken der Stadt finden regelmäßig "Mittwochgespräche" der Funktionäre mit Einwohnern statt, im Januar unter dem Thema "Wie geht es in der Stadt Wernigerode im Jahr 1962 weiter?".

  • Am 29. Februar findet im Stadtgarten die Kreisbauernkonferenz statt. Die 49 LPG im Landkreis Wernigerode haben dazu 320 Teilnehmer delegiert.

  • Im "Kurort der Werktätigen" Schierke kommen im Februar auf die rund 1200 Einwohner annähernd auch so viele Urlauber. Voraussetzung für einen Urlaub im Grenzgebiet ist ein Passierschein, der im Zusammenhang mit einem Urlaubsscheck des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) vom jeweils zuständigen VPKA (Volkspolizeikreisamt) ausgestellt wird. Die Tageszeitung LDZ (Liberaldemokratische Zeitung) der Blockpartei LDPD (Liberaldemokratische Partei Deutschland) schreibt: "Die Einwohner gehen ihrer täglichen Arbeit nach, und wer auswärts arbeitet, fährt mit dem Bus bequem hin und zurück, mit Passierschein, das versteht sich wohl! Der Massenbesuch von Touristen und Tagesbesuchern ist in Anbetracht der militärischen Aufgaben an der Staatsgrenze abgestoppt worden, was verständlich ist...".

Wanderziel Zeternklippen - nach der Sperrung des Brockens 1961 der höchste zugängliche Punkt
- Dieter Oemler
Wanderziel Zeternklippen - nach der Sperrung des Brockens 1961 der höchste zugängliche Punkt - Dieter Oemler
  • Wie in jedem Jahr erfolgt ab September die Frei-Haus-Lieferung der Winterkartoffeln. 3200 Tonnen werden bewegt.

  • Im September werden, wie in jedem Jahr, täglich 500 bis 800 "freiwillige Erntehelfer aus den volkseigenen Betrieben" zur "Aufholung der Planrückstände in der Einbringung der Ernte" eingesetzt.

Junge Pioniere aus Wernigerode unterstützen die Propagierung des Maisanbaus durch den sowjetischen  Staatschef Nikita Chrustschow.
- Dieter Oemler
Junge Pioniere aus Wernigerode unterstützen die Propagierung des Maisanbaus durch den sowjetischen  Staatschef Nikita Chrustschow. - Dieter Oemler
  • 1300 Kinder werden täglich in Wernigerode in Kinderkrippen, -gärten und -horten betreut.

  • Martin Kilian löst am 24. Oktober Gustav Strahl als Bürgermeister ab, der aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden muss. Strahl war 12 Jahre im Amt. Da die Stadtverordnetenversammlung als Einheitsliste der Nationalen Front gewählt ist und die SED in dieser die führende Kraft ist, führt der 1. Sekretär der Kreisleitung der SED, Helmut Unger in Abstimmung mit dem Vorsitzenden des Rates des Kreises, der funktionsbedingt immer Mitglied des Sekretariats der SED-Kreisleitung ist, ein Kadergespräch mit Martin Kilian. Kilian folgt, später nach eigener Aussage, eher der Parteidisziplin, denn der eigenen Neigung. Die Wahl durch die Stadtverordneten ist Formsache und erfolgt wie immer einstimmig. Kilian wird bis 1990 dieses Amt bekleiden.

  • Das Elektromotorenwerk entwickelt sich zu einem wichtigen Exportbetrieb der DDR. 35% der Erzeugnisse gehen in den Export. Die Bruttoproduktion wird im Jahr 1962 gegenüber dem Jahr 1951 auf 738% gesteigert.

  • Ab Beginn des Schuljahres 62/63 gehen auch in Wernigerode alle Kinder und Jugendlichen zehn Jahre zur Schule.

Wilhelm - Raabe - Schule 2016
© Wolfgang Grothe
Wilhelm - Raabe - Schule 2016 © Wolfgang Grothe
  • Die Konsumgenossenschaft besitzt eigene Produktionsbetriebe in der Stadt (Fleisch- und Wurstwaren, Konditorwaren, Speiseeis).

  • 30 Gaststätten und Hotels der HO (staatliche Handelsorganisation) sind renoviert worden. Im HO-Hotel "Weißer Hirsch" wird eine moderne Tanzbar eröffnet.

Hotel "Weißer Hirsch"
- Stadtarchiv Wernigerode
Hotel "Weißer Hirsch" - Stadtarchiv Wernigerode
"Haus des Handwerks" in der Burgstraße 3
- Stadtarchiv Wernigerode
"Haus des Handwerks" in der Burgstraße 3 - Stadtarchiv Wernigerode
  • Im Kampf gegen das "Rowdytum in der bunten Stadt" (mutwillige Zerstörung von Grünanlagen, Bänke werden in die Holtemme geworfen, PKW werden aufgebrochen und geplündert) ruft die Volkspolizei die Einwohner zur Mitarbeit auf.

  • Im Hotel "Zur Post" wird der 3000. ausländische Gast seit 1958 begrüßt.

Blick in die obere Marktstraße
- Dieter Oemler
Blick in die obere Marktstraße - Dieter Oemler
Karnevalsgemeinschaft "Wernigeröder Auerhähne"
- Dieter Oemler
Karnevalsgemeinschaft "Wernigeröder Auerhähne" - Dieter Oemler
  • Einen hohen Stellenwert im staatlichen Gesundheitswesen nimmt die Gesundheitsvorsorge ein, sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch in der Arbeitsmedizin (Reihenuntersuchungen). Die Jugendzahnklinik Oberpfarrkirchhof 14 gehört zu den wichtigsten medizinischen Einrichtungen.

Die Jugendzahnklinik Oberpfarrkirchhof 14 1962
- Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
Die Jugendzahnklinik Oberpfarrkirchhof 14 1962 - Stadtarchiv Wernigerode (Archiv Dieter Möbius)
  • Das FDGB-Ferienheim "Georgi-Dimitrow" in Hasserode wird durch Neubauten erweitert.

Bettenhaus des FDGB-Ferienheims "Georgi Dimitrow"
- Mahn-und Gedenkstätte Archiv
Bettenhaus des FDGB-Ferienheims "Georgi Dimitrow" - Mahn-und Gedenkstätte Archiv
  • Auch nach der totalen Sicherung der "Staatsgrenze West" mit einem fünf Kilometer breiten Grenzstreifen, Passierscheinen für im Grenzgebiet liegende Gemeinden, wie Schierke, Elend, Stapelburg, Abbenrode und Sorge, Hundelaufeinrichtungen und Mienengürtel entwickelt sich Wernigerode als Industriestandort und Touristenzentrum für die Bürger der DDR mit jährlich steigenden Besucherzahlen.

Blick von der Terrasse des Schlosses
- Dieter Oemler
Blick von der Terrasse des Schlosses - Dieter Oemler
Schlossterasse 1962
- Dieter Oemler
Schlossterasse 1962 - Dieter Oemler