Wernigerode im Jahr 1937

  • Die leer stehende Konkordienkirche in Hasserode wird zum Gemeindehaus umgebaut und am 1. Januar eingeweiht.

ehemalige Konkordienkirche 2015
© Wolfgang Grothe
ehemalige Konkordienkirche 2015 © Wolfgang Grothe
  • Wie überall im Deutschen Reich wird auch in Wernigerode der Tag der Machtübernahme 1933 durch die NSDAP als Erinnerungstag begangen. In den frühen Morgenstunden des 30. Januar werden die "Wernigeröder Volksgenossen" durch "Hörnerklang einer SA-Einheit geweckt".
    In den Vormittagsstunden "stehen die Schaffenden an ihrem Arbeitsplatz, an dem Arbeitsplatz, den ihn der Führer erhalten oder neu geschaffen hat".
    Ab 13 Uhr begeben sich, angeführt durch den "Betriebsführer, alle Gefolgschaftsleute" in vorher festgelegte Veranstaltungsräume, Gaststätten, Kinos u.a., "um gemeinsam die Übertragung der Rede des Führers im Radio anzuhören". Zeitzeugen berichten später, dass während der Übertragung der Rede die Plätze und Straßen der Stadt menschenleer waren.
    Der Abend endet mit einem Fackelumzug der SS,SA,"politischen Leitern", AF, HJ und BDM.
    Die "Parteigenossen der NSDAP" kommen abends im "Stadtgarten" zu einem "Kameradschaftsabend" zusammen.

  • Die "Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt" widmet am 24. Februar der "Zuchthausstrafe für einen Rassenschänder" einen ausführlichen Artikel.

    Nach der Anzeige durch den Wernigeröder SA-Mann Ernst P. einer "rasseschänderischen Beziehung" wurde der jüdische Kaufmann Max Kirchstein aus der Breiten Straße festgenommen und "einer gerechten Bestrafung zugeführt". Kirchstein habe in "echt jüdischer Gerissenheit und Gemeinheit" die "Notlage der deutschblütigen" Erna L. "in gemeinster Weise ausgenutzt, um an einer deutschen Frau seine Lust zu fröhnen".
    Grundlage der Zuchthausstrafe von zwei Jahren ist das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" vom 15. September 1935. Nach der Haftentlassung Kirchsteins aus der Strafanstalt Kassel-Wehlheiden verliert sich seine Spur. Sein Name erscheint noch einmal 1942 auf einer Liste Berliner Juden im Ghetto Riga.

  • Die nationalsozialistische Bewegung "Kraft durch Freude" initiiert die Förderung preiswerter Reisen. Davon profitiert auch Wernigerode. 1937 zählt die Stadt 24 500 Einwohner. 67 728 "Fremde" werden registriert. Die Zahl der Übernachtungen beträgt 434 148.

Busrundfahrten ab Nicolaiplatz - Urlaub im Rahmen der Organisation "Kraft durch Freude"
- Dieter Oemler
Busrundfahrten ab Nicolaiplatz - Urlaub im Rahmen der Organisation "Kraft durch Freude" - Dieter Oemler
  • Am 27. Juni wird mit einer großen Schwimmsportveranstaltung das Nesseltalbad eingeweiht.

Nesseltalbad in fünfziger Jahren
- Dieter Oemler
Nesseltalbad in fünfziger Jahren - Dieter Oemler
  • Neue Eigenheime werden hinter dem Gaswerk an der Feldstraße gebaut.

  • Am 27. Juli wird das neu gebaute Waldhofbad eingeweiht.

Waldhofbad 1937
- Gerhard Bombös
Waldhofbad 1937 - Gerhard Bombös
  • Der Betrieb Rautenbach wird als Rüstungsbetrieb zu den "Leichtmetallwerken Rudolf Rautenbach G.m.b.H." erweitert.

  • Die Stadt entwickelt sich zu einem der beliebtesten Urlaubsziele in Deutschland und wird auch von tausenden Tagestouristen besucht.

Kaffeehaus Ahrends
- Stadtarchiv Wernigerode PK /IV/267
Kaffeehaus Ahrends - Stadtarchiv Wernigerode PK /IV/267
"Bernhard Fuhrmann", Breite Straße 74, Anfang der 80iger
- Stadtarchiv Wernigerode
"Bernhard Fuhrmann", Breite Straße 74, Anfang der 80iger - Stadtarchiv Wernigerode