Jacob Klingsporn "Kleine Chronik von Wernigerode aus den Jahren 1641 bis 1664"

  • Im November und Dezember wechseln sich raubend und mordend umherziehende Trupps kaiserlicher und schwedischer Soldaten ab. 

    In die Stadt sind am 22. November "ungefähr 300 Kaiserliche Reiter unterm Herrn Obersten Ludwig Freiherrn von Novari dargestoßen, mit Order vom Erzherzog Durchl., darauf man sie eingelassen, und einquartirt. Haben große Insolentien gebraucht und die Leute mit schrecklichen Exekutionen und Geld Pressen heftig geplaget..."

  • Die Belastung der Wernigeröder wird durch einen persönlichen Bericht eines Chronisten dokumentiert: "Den 4. Januar 6 Kompagni Königsmärkische Ritter unterm H. Obersten Friedrich Reuß von Eisenberg einquartirt worden, davon ich neben Hans Ackermann und Jost von Windheim, den Oberst-Leutnant unterhalten müssen, mit 40 Pferden und 48 Personen, hat viel Kaiserliche Gefangene bei sich gehabt, und haben wir fünf volle Tische täglich speisen müssen. Item für die Pferde geben täglich zu einem Theil 30 Bund Häu, 25 Bund Stroh an Schöfen und 5 Scheffel Hafern...."

  • Am 2. Mai werden Wernigerode und das Umland von einem starken Unwetter heimgesucht, "welches hier aufm Felde, wie auch in Reddeber, Minsleber und Silstedter Felde durch Hagel großen Schaden gethan, mit Niederschlagung und Ueberschwemmung des Sommer- und Winterkorns, wie denn etliche Aecker, da die geschwinde Fluth hergangen, ganz weggeflösset worden". Straßen in Silstedt werden überflutet. Die Einwohner müssen ihre Häuser verlassen.

  • Am 5. Mai wird eine "Schößerin, ohne Begleitung des Ministerii und Leichenpredigt, weil sie papismo" (dem Papst ) "zugethan gewesen, zu S Sylvester" beigesetzt. "Die Klocken sind geläutet und die Schüler zu singen zugelassen worden. Die Kirche aber ist nicht geöffnet, sondern nur ein Becken für die Thür gesetzt worden. Sonst ist viel Volk mitgangen, wie zu geschehen pflegt, wenn was Neues zugehet."