Ralf Mattern "Die schwarze Grafschaft wird rot" 2005

  • Am 27. März veröffentlicht das "Wernigeröder Intelligenzblatt" eine Bekanntmachung den "Holzverkauf aus freier Hand betreffend", die Erleichterungen für die Einheimischen beim Erwerb von Holz in Aussicht stellt.
    "Es ist zwar bei den im Wege der Auktion angeordneten Holz-Verkäufe zum besten der Unvermögenden und der Käufer kleiner Holzportionen die Einrichtung beibehalten worden, daß das fichtene Stuken- und Anbruchholz aus freier Hand verkauft wird: indessen haben Seine Durchlaucht, unser gnädigst regierender Graf und Herr zur Erleichterung des Holzhandels sich bewogen gesehen, folgende weitere Anordnung zu treffen, in den sämmtlichen Gräflichen Forst-Revieren an Eingesessene hiesiger Grafschaft zum eigenen... Bedarf wiederum aus freier Hand zum Verkauf gestellt... Allerdings: reichen die Holzvorräthe... nicht aus, so müssen die Käufer eine unverhältnismäßige Reduktion ihrer Anforderungen sich gefallen lassen."

Fürst Otto
- Fotothek Harzbücherei
Fürst Otto - Fotothek Harzbücherei
  • Am 7. Dezember erscheint im "Wernigeröder Intelligenzblatt" folgende Anzeige: "Der Arbeiterstand von Hasserode wird zu einer Besprechung wegen der Errichtung eines Arbeitervereins sowie mehrerer Arbeiterfragen zu heute Abend 8 Uhr in den Deutschen Kaiser eingeladen".

  • In Wernigerode wird am 28. Juni ein neuer Verein, der sich "Verein für Gesetzlichkeit und Ordnung in der Grafschaft Wernigerode" nennt, gegründet.

    Den Zweck des Vereins beschreibt seine politisch-antisozialdemokratische Ausrichtung:

    "In den unseligen Vorgängen in den letzten Wochen sind die Früchte der sozialistischen Umtriebe, welche die Fundamente des Staates und der bürgerlichen Gesellschaft zu untergraben und Geist und Gemüht des Volkes zu verwirren und zu vergiften seit Jahren bestrebt gewesen sind, zu Tage getreten".

  • Am 13. Mai wird in Wernigerode durch die Initiative von Wilhelm Niewerth der "Maurerfachverein" wiedergegründet, nachdem während des "Sozialistengesetzes" die Tätigkeit der Arbeitervereinigungen untersagt war.

  • Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verhandelte der Soldatenrat am 10. November laut Protokoll mit dem amtierenden Zweiten Bürgermeister über die Situation in der Stadt. Der Bürgermeister notierte dazu: "Die verschieden gestellte Fragen über zu treffende Maßnahmen wurden besprochen bzw. beantwortet. Der Soldatenrat gab die feste Versicherung ab, daß er alles aufbieten würde dazu beizutragen, daß Ruhe und Ordnung in unserer Stadt herrschen soll. Zum Schluß wurde darüber abgestimmt, daß auf den Landratsamt und auf dem Rathaus vom 11. des Monats ab, die rote Fahne 8 Tage gehißt werden soll."