Uwe Lagatz/ Thorsten Schmidt "Wernigerode - Geschichte, Architektur, Kunst" 2000

Menhir in der Gemarkung von Benzingerode
© Wolfgang Grothe
Menhir in der Gemarkung von Benzingerode © Wolfgang Grothe
  • Die Christianisierung der polytheistischen sächsischen Urbevölkerung in der Nordharzregion durch die Franken und die Klöster (besonders Corvey und Fulda) ist mit teilweise erheblichen Widerständen der Sachsen verbunden. 785 erlässt Karl der Große eine Sondergesetzgebung für die Sachsen. Darin heißt es u.a.: "Wenn zukünftig im Sachsenvolk ein heimlich noch ungetaufter sich verbergen möchte und sich weigert, zur Taufe zu kommen, weil er Heide bleiben will, dann sterbe er des Todes".

Kaiserstuhl von Karl dem Großen im Dom zu Aachen
© Wolfgang Grothe
Kaiserstuhl von Karl dem Großen im Dom zu Aachen © Wolfgang Grothe
  • Vermutlich wird Wernigerode im 9. Jahrhundert als Rodungssiedlung gegründet. Bodenfunde lassen darauf schließen, dass die Kernrodung auf dem heutigen Klint (Klint=Hügel) erfolgte. Im 9. Jahrhundert sind in unserer Region Mönche des Klosters Corvey missionierend unterwegs. Die Vermutung einiger Historiker, dass die Rodung im Auftrage des Abtes Warin vom Kloster Corvey, der 856 verstarb, erfolgt sein könnte, kann, da jeder Beweis für die Richtigkeit fehlt, nicht aufrecht erhalten bleiben. Unzweifelhaft ist die Tatsache, dass im 9. und 10. Jahrhundert viele kleine Siedlungen in der Rodungszeit im Harzgebiet entstehen, deren Ortsnamen die Nachsilbe "-rode" enthalten.

Karolingisches Westwerk des Klosters Corvey an der Weser (UNESCO-Welterbe). Erbaut von 873 bis 885. Das 815 gegründete Kloster war das erste Kloster im Land der Sachsen. Vermutlich waren auch Mönche von Corvey in unserer Region missionierend unterwegs und nahmen Einfluss auf die Gründung von Rodungssiedlungen.
© Wolfgang Grothe
Karolingisches Westwerk des Klosters Corvey an der Weser (UNESCO-Welterbe). Erbaut von 873 bis 885. Das 815 gegründete Kloster war das erste Kloster im Land der Sachsen. Vermutlich waren auch Mönche von Corvey in unserer Region missionierend unterwegs und nahmen Einfluss auf die Gründung von Rodungssiedlungen. © Wolfgang Grothe
Gasthaus "Reddeburg" in Reddeber
© Wolfgang Grothe
Gasthaus "Reddeburg" in Reddeber © Wolfgang Grothe
Kirche in Silstedt 2013
© Wolfgang Grothe
Kirche in Silstedt 2013 © Wolfgang Grothe
  • Im Vertrag zwischen dem Grafen von Wernigerode und dem als Raubgrafen berüchtigten Albrecht von Regenstein vom 26. Juni 1343 muss der Regensteiner die Dörfer Hasserode, Minsleben, Silstedt, Reddeber, Langeln und Wasserleben an die Grafschaft Wernigerode abtreten, deren Territorium sich dadurch um das Doppelte vergrößert. Von vielen Historikern wird dieser Tag als "eigentlicher Geburtstag der Grafschaft" bezeichnet.

  • Der "Schwarze Tod" hat vermutlich auch in Wernigerode, wie in großen Teilen Europas, die Hälfte der Bevölkerung dahingerafft. (Dies hatte für die demographische und ökonomische Entwicklung der Stadt in den folgenden Jahrhunderten verheerende Auswirkungen). Ein Chronist schreibt: "Was das Oberhartzische Bergwerck anlanget / so hat der Allerhöchste dasselbe eingestellet durch eine sonderliche Zornruthe / mit welcher er vier ganze Jahr angehalten und zugeschlagen. Sintemal im Jahr 1348 eine solche Pestilenz sich ereuget / daß gantze Flecken und Dörfer ausgestorben / und wüste worden / jung und alt ehe man sichs versehen und etwas Kranckheit an ihnen verspüret / in dem sie noch lustig und guter Dinge gewesen / sind hingefallen / und in einem Augenblick des Todes gewesen / ja es ist kaum der vierdte Theil dieser Menschen lebendig geblieben".

Grüne Straße in der "Neustadt"
© Wolfgang Grothe
Grüne Straße in der "Neustadt" © Wolfgang Grothe
  • Der Hausmanns- oder Schusterturm wird erstmals im Zuge der Erneuerung der Burg erwähnt. Mit 24 Metern Höhe einem Durchmesser von 7,8 und einer Mauerstärke von 1,2 Metern ist er der Hauptturm der Burg. Allein 15 Geschütze stehen zur Verteidigung in diesen unruhigen Zeiten von Reformation und Bauernkrieg bereit.

Am Theobaldikirchhof
- Stadtarchiv Wernigerode
Am Theobaldikirchhof - Stadtarchiv Wernigerode
  • Zur Zeit des Bauernkrieges rauben aufständische Bauern das Kloster Himmelpforte aus. Die Bausubstanz bleibt zunächst weitestgehend erhalten. Der Haupträdelsführer, der gräfliche Leibarzt (in anderen Quellen als Barbier bezeichnete) Wilhelm Wiardes wird zum Tode verurteilt, aber schließlich mit Landesverrat begnadigt.

  • Graf Botho verstirbt am 22. Juni. Obwohl er selbst bis zum Tode Katholik bleibt, hatte er sich in letzter Zeit der neuen Glaubensrichtung gegenüber tolerant gezeigt und das Wirken protestantischer Pfarrer in Wernigerode gestattet.

    Am 26. August erklären die beiden Söhne Bothos, Wolfgang und Ludwig, "dass das heilige Wort und Gottes Ehre in Stolbergischen Landen allenthalben zugelassen, gepflegt und gefördert werden solle".

Oberengengasse
- Stadtarchiv Wernigerode
Oberengengasse - Stadtarchiv Wernigerode
Mit Vermummungen und Rauch glaubten sich die Einwohner im 16. und 17. Jahrhundert vor der Pest schützen zu können (Festumzug 1954 aus Anlass des 775. Stadtrechtsverleihung) 
- Dieter Oemler
Mit Vermummungen und Rauch glaubten sich die Einwohner im 16. und 17. Jahrhundert vor der Pest schützen zu können (Festumzug 1954 aus Anlass des 775. Stadtrechtsverleihung)  - Dieter Oemler
  • 29. März: Fünfter großer Stadtbrand. U.a. werden das Stadtviertel mit der Hinterstraße, der Mittelstraße und der Heidestraße eingeäschert. Nur 10 Häuser, darunter das älteste Haus der Stadt, Hinterstraße 48, erbaut um 1400, bleiben erhalten. Auch das Nicolaihospital erleidet schwere Schäden. Der Schaden in der Stadt beträgt 100.000 Taler. Durch den Brand verliert ein Fünftel der Bevölkerung sein Obdach. Bedingt durch den Stadtbrand verändert sich in den folgenden Jahren das Aussehen der Stadtmitte. Die zuvor enge und winklige Westernstraße wird gerade und in Fortsetzung der Breiten Straße in deren Breite ausgebaut.

Landschaftsmaler Ernst Helbig (1802-1866) "Stadtbrände 1751 und 1847"
- Harzmuseum Wernigerode
Landschaftsmaler Ernst Helbig (1802-1866) "Stadtbrände 1751 und 1847" - Harzmuseum Wernigerode
Neoromanische Marienkirche in Hasserode
- Stadtarchiv Wernigerode V/161
Neoromanische Marienkirche in Hasserode - Stadtarchiv Wernigerode V/161