Inge Bennewitz, Rainer Potratz "Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze: Analysen und Dokumente" 2012

  • Auch zwischen dem Kreis Wernigerode (DDR) und den Kreisen auf niedersächsischer Seite (Bundesrepublik) wird ein Sperrgebiet eingerichtet. "Politisch unzuverlässige Personen" werden aus dem Sperrgebiet zwangsausgesiedelt (Aktion "Ungeziefer"). Aus dem Sperrgebiet des Kreises Wernigerode werden 158 Personen in einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" am 28./29. Mai ausgesiedelt und in die Landkreise Torgau und Querfurt gebracht. Die erste Aktion war jedoch schlecht vorbereitet. So konnten sich viele zur Umsiedlung vorgesehene Einwohner durch eine spontane Flucht in die Bundesrepublik der Zwangsumsiedlung entziehen. "Am Morgen des 7. Juni fuhren um 6.00 Uhr die Lastkraftwagen vor. Die betroffenen Personen wurden informiert, und im Laufe des Tages fand der Abtransport zum Bahnhof statt, wo die Züge um 20.00 Uhr abfuhren, so dass die Betroffenen in den frühen Morgenstunden zwischen 3.00 und 5.00 Uhr am Zielort eintrafen." Insgesamt wurden damit in beiden Aktionen aus dem Kreis Wernigerode 297 Personen zwangsausgesiedelt.

Zwangsaussiedlung aus dem Grenzgebiet
- privat
Zwangsaussiedlung aus dem Grenzgebiet - privat
  • Im Kreis Wernigerode wohnen am 3. Oktober 17 125 Einwohner im Sperrgebiet. Davon werden insgesamt 54 Personen ausgesiedelt.

    Am 6. Oktober wird in der Presse der Stadt darüber informiert, dass "zum Schutze der DDR-Bürger" für "eine Anzahl Bürger", die bisher in der 5 km-Sperrzone wohnhaft waren, "ein Wechsel des Wohnortes angeordnet" worden sei. Die Maßnahme sei bereits abgeschlossen. Diese Bürger könnten "ohne Benachteiligung am neuen Wohnort weiter am Aufbau des Sozialismus teilnehmen".