Ralf Mattern "Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung - Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile" 2017

  • Albert Bartels wird am 15. März 1853 in Hadmersleben geboren. Bartels gilt als der Urvater der Wernigeröder Arbeiterbewegung. Die Wernigeröder Sozialdemokratie beteiligt sich erstmals an den Stadtverordnetenwahlen im November 1897. In der nötigen Stichwahl am 29.11.1897 wird Albert Bartels erster sozialdemokratischer Stadtverordneter und bleibt dies bis zu seinem Tod. Bartels ist erster Vorsitzender des am 11.11.1900 gegründeten SPD-Ortsvereins, 1903 und 1907 Kandidat für die Reichstagswahl und wird am 30.11.1915 von der Stadtverordnetenversammlung Wernigerode bei Ergänzungswahlen zum Kreistag als erstes SPD-Kreistagsmitglied bestimmt.

Albert Bartels
- Mahn- und Gedenkstätte Archiv
Albert Bartels - Mahn- und Gedenkstätte Archiv
  • Otto Büchting wird am 20. Mai 1868 geboren. Von 1908 bis 1933 ist er Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung. Während der Zeit der Weimarer Republik wird Büchting auch in den Provinziallandtag der preußischen Provinz Sachsen gewählt. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gehört Büchting zu jenen Politikern, die das Vertrauen der Besatzungsmächte erhalten und die schwere Aufgabe übernehmen, in Wernigerode eine neue Verwaltungsinfrastruktur aufzubauen. Otto Büchting leitet den städtischen Schlachthof und später auch das Verkehrsamt. Büchting wird mit der Gründung des Ortsverbandes der Liberaldemokratischen Partei (LDP) am 23.07.1945 deren Vorsitzender auf (zunächst) Stadt- und (dann) Kreisebene.

Otto Büchting (Bild aus den 1940er Jahren)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Otto Büchting (Bild aus den 1940er Jahren) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Karl Husung (Bild aus dem Jahr 1925)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Karl Husung (Bild aus dem Jahr 1925) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Heinrich Bopp (Bild undatiert)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Heinrich Bopp (Bild undatiert) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
  • Friedrich Kuring wird am 08. Juli 1881 geboren. Kuring (SPD) wird 1929 bei den letzten freien Kommunalwahlen einer von elf Stadtverordneten der SPD, die zur stärksten Partei gewählt wird. Friedrich Kuring arbeitet bis 1933 als hiesiger Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV). Kuring gehört in der Nazi-Zeit zu einer deutschlandweit agierenden Widerstandsgruppe um frühere Metallgewerkschafter. Vom Oberlandesgericht Dresden wird er am 23.02.1937 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus und einem zweijährigen Ehrverlust verurteilt. Am 04.04.1944 wurde Friedrich Kuring erneut verhaftet unter dem Vorwurf der „Wehrkraftzersetzung“. Am 13.05.1944 wird er per „Einzeltransport“ in Untersuchungshaft nach Berlin-Moabit überstellt. Am 06.12.1944 wird Kuring vom „Volksgerichtshof“ zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 04.01.1945 liefert man ihn in das Zuchthaus Brandenburg ein. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kümmert sich Kuring gemeinsam mit Karl Jonas (1889-1969), Friedrich Müller (1888-1957, beide SPD) und August Willecke (1887-1946, KPD) um den Neuaufbau der Gewerkschaften in Wernigerode.

Friedrich Kuring (Bild aus dem Jahr 1946)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Friedrich Kuring (Bild aus dem Jahr 1946) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
  • Dort, wo sich heute das Gelände der Hochschule Harz befindet, endet am 21. Juli 1883 in der Gaststätte „Zum Deutschen Kaiser“ die erste „Demonstration“ der hiesigen Arbeiterbewegung. „600 Halberstädter Parteigenossen haben unter Vorantragen eines roten Regenschirms eine Harzpartie nach dem Lindenberg, dem Mühlental und nach Hasserode“ gemacht, schreibt das „Wernigeröder Intelligenzblatt. Das Gebäude der Gaststätte gibt es nicht mehr. 1938 will zwar der langjährige Wirt des Hauses, Wilhelm Drewes (1901-1961), noch einen „Anbau einer Küchenerweiterung am Gasthaus Friedrichstal“, wie die Gaststätte seit den 1920er Jahren heißt, beim Wernigeröder Bauamt genehmigt bekommen. Im Jahr 1939 beantragt dort jedoch der Industrielle Arthur Rautenbach (1889-1953), der in Wernigerode mit seinem Metallgusswerk eine kriegswichtige Produktion betreibt und der das gesamte Anwesen Friedrichstraße 55-57 im Jahr 1938 erworben hatte, den „Abriss des alten Gaststätten- und Wohnhauses, sowie Durchführung der Straßeneinfriedung“.

Gaststätte "Zum Deutschen Kaiser" (Bild undatiert)
- Stadtarchiv Wernigerode
Gaststätte "Zum Deutschen Kaiser" (Bild undatiert) - Stadtarchiv Wernigerode
  • Hermann Paul Reichardt wird am 27. November 1885 in Magdeburg geboren. Reichardt (SPD) bekleidet als Zweiter Bürgermeister von Wernigerode das Amt von 1922 bis er am 22.03.1933 von den Nazis „beurlaubt“ wird. In der Zeit ab 1933 widmet sich Reichardt geschichtlichen Forschungen und seinen heimatschriftstellerischen Neigungen, schreibt eine Anzahl geschichtlicher Werke und Dichtungen. Nach dem Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 wird auch Hermann Paul Reichardt bis September in das KZ Sachsenhausen gesperrt. 1945 lehnt Reichardt das Ansinnen der Besatzer ab, sein Amt als Bürgermeister wieder aufzunehmen. Nach eigener Ansicht verspricht er sich davon „keinen Segen“. Außerdem will er sich eigenem Bekunden nach nicht den Besatzungsmächten fügen. Die sowjetische Kommandantur befiehlt ihm dann jedoch, die Geschäfte des Landrates für den Kreis Wernigerode ab September 1945 aufzunehmen. 1947 wurde Reichardt krank und arbeitsunfähig.

Hermann Paul Reichardt (Bild undatiert)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Hermann Paul Reichardt (Bild undatiert) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Paul Eichfeld (Bild zwischen 1935 und 1943)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Paul Eichfeld (Bild zwischen 1935 und 1943) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
  • Max Otto wird am 8. Januar 1889 in Waldheim. Ab 1919 ist er in Wernigerode ansässig. Von 1924 bis 1933 ist Otto Vorsitzender des Ortsausschusses der Gewerkschaften. Er wird 1929 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, wie auch nochmals am 12.03.1933. 1937 ereilt Max Otto das Schicksal der Denunziation. Das Amtsgericht Wernigerode verurteilt Otto zu drei Monaten Gefängnis. Nach dem Hitler-Attentat wird Max Otto im Juli 1944 erneut verhaftet und für vier Monate im KZ Sachsenhausen eingekerkert. Von den Amerikanern wird Max Otto am 19.04.1945 zum ersten Nachkriegsbürgermeister in Wernigerode ernannt. Kurzzeitig amtiert Max Otto nach der Verhaftung des ersten (sozialdemokratischen) Landrats Paul Eichfeld 1945 kommissarisch als Landrat. Otto wird 1946 bei den letzten relativ freien Wahlen in der Ostzone in die Stadtverordnetenversammlung gewählt und dort zum Ersten Bürgermeister ernannt. Er bleibt dies bis 1950.

Max Otto
- Harzmuseum Wernigerode
Max Otto - Harzmuseum Wernigerode
  • Otto Herfurth wird am 22. Januar 1893 in Hasserode geboren. Er ist die sehr wahrscheinlich einzige Person aus dem heutigen Stadtgebiet Wernigerodes, die nach dem missglückten Hitler-Attentat vom 20.07.1944 hingerichtet wird. Nach dem Attentat vom 20.07.1944 weigert sich Herfurth anfangs, in Abwesenheit seines Vorgesetzten die Befehle der Verschwörer weiterzugeben. Zwischen 18 Uhr und 20:30 Uhr führt er die Befehle dann aber doch aus. Im weiteren Verlauf des Abends versucht er, diese rückgängig zu machen, was ihn allerdings nicht vor der späteren Verhaftung bewahrt. Am 14. August wird er aus der Wehrmacht ausgeschlossen, sodass das „Reichskriegsgericht“ für die Aburteilung nicht mehr zuständig ist. Am 28. und 29.09.1944 findet die „Verhandlung“ vor dem „Volksgerichtshof“ unter dessen Präsidenten Roland Freisler (1893-1945) statt.

  • Richard Bartels wird am 24. Februar 1896 in Dortmund geboren. In der Zeit der Weimarer Republik und nach 1945 ist er der führende Sozialdemokrat in der Stadt Wernigerode. In der Zeit von 1924 bis 1929 sowie 1929 bis 1930 und für kurze Zeit 1933 ist Bartels Stadtverordneter, von 1930 bis 1933 unbesoldeter Stadtrat. Am 20. Juli 1944 wird Richard Bartels verhaftet und kommt in die Außenstelle Magdeburg des KZ Sachsenhausen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird Bartels wieder SPD-Vorsitzender von Wernigerode, Stadtrat und Mitglied im Kreisvorstand der Sozialdemokraten. Zwar beugt sich Bartels zunächst den Verhältnissen, gerät jedoch als Kritiker der Zwangsvereinigung noch im SED-Gründungsjahr 1946 ins Schussfeld der früheren Kommunisten. 1948 erfolgt der Ausschluss aus der SED mit der Begründung, dass er ein „Schumacher-Agent“. Richard Bartels wird wie schon 1933 als Stadtrat abgesetzt und Ende 1948 für zwei Monate verhaftet. Die zweite Verhaftung erfolgt im Sommer 1950 für etwa vierzehn Tage, beide Male durch den sowjetischen Geheimdienst. Am 17.07.1950 wird er vor einer erneuten Verhaftung gewarnt. Daraufhin flieht er spontan nach Westberlin.

Richard Bartels (Bild aus dem Jahr 1946)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Richard Bartels (Bild aus dem Jahr 1946) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Walter Jung (Bild undatiert)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Walter Jung (Bild undatiert) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Kupferkessel-Fabrik in der Feldstraße 55 Zeichnung von 1925
- Bauarchiv
Kupferkessel-Fabrik in der Feldstraße 55 Zeichnung von 1925 - Bauarchiv
Walter Jung (Bild undatiert)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Walter Jung (Bild undatiert) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
  • Otto Herfurth wird am 29. September 1944 in Berlin-Plötzensee erhängt. Er ist die sehr wahrscheinlich einzige Person aus dem heutigen Stadtgebiet Wernigerodes, die nach dem missglückten Hitler-Attentat vom 20.07.1944 hingerichtet wird. Nach dem Attentat vom 20.07.1944 weigert sich Herfurth anfangs, in Abwesenheit seines Vorgesetzten die Befehle der Verschwörer weiterzugeben. Zwischen 18 Uhr und 20:30 Uhr führt er die Befehle dann aber doch aus. Im weiteren Verlauf des Abends versucht er, diese rückgängig zu machen, was ihn allerdings nicht vor der späteren Verhaftung bewahrt. Am 14. August wird er aus der Wehrmacht ausgeschlossen, sodass das „Reichskriegsgericht“ für die Aburteilung nicht mehr zuständig ist. Am 28. und 29.09.1944 findet die „Verhandlung“ vor dem „Volksgerichtshof“ unter dessen Präsidenten Roland Freisler (1893-1945) statt.

Paul Eichfeld (Bild zwischen 1935 und 1943)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Paul Eichfeld (Bild zwischen 1935 und 1943) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
  • Friedrich Kuring stirbt am 12. Juni 1953. Kuring (SPD) wird 1929 bei den letzten freien Kommunalwahlen einer von elf Stadtverordneten der SPD, die zur stärksten Partei gewählt wird. Friedrich Kuring arbeitet bis 1933 als hiesiger Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV). Kuring gehört in der Nazi-Zeit zu einer deutschlandweit agierenden Widerstandsgruppe um frühere Metallgewerkschafter. Vom Oberlandesgericht Dresden wird er am 23.02.1937 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus und einem zweijährigen Ehrverlust verurteilt. Am 04.04.1944 wurde Friedrich Kuring erneut verhaftet unter dem Vorwurf der „Wehrkraftzersetzung“. Am 13.05.1944 wird er per „Einzeltransport“ in Untersuchungshaft nach Berlin-Moabit überstellt. Am 06.12.1944 wird Kuring vom „Volksgerichtshof“ zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 04.01.1945 liefert man ihn in das Zuchthaus Brandenburg ein. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kümmert sich Kuring gemeinsam mit Karl Jonas (1889-1969), Friedrich Müller (1888-1957, beide SPD) und August Willecke (1887-1946, KPD) um den Neuaufbau der Gewerkschaften in Wernigerode.

Friedrich Kuring (Bild aus dem Jahr 1946)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Friedrich Kuring (Bild aus dem Jahr 1946) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Heinrich Bopp (Bild undatiert)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Heinrich Bopp (Bild undatiert) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
  • Hermann Paul Reichardt stirbt am 15. Februar 1962. Reichardt (SPD) bekleidet als Zweiter Bürgermeister von Wernigerode das Amt von 1922 bis er am 22.03.1933 von den Nazis „beurlaubt“ wird. In der Zeit ab 1933 widmet sich Reichardt geschichtlichen Forschungen und seinen heimatschriftstellerischen Neigungen, schreibt eine Anzahl geschichtlicher Werke und Dichtungen. Nach dem Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 wird auch Hermann Paul Reichardt bis September in das KZ Sachsenhausen gesperrt. 1945 lehnt Reichardt das Ansinnen der Besatzer ab, sein Amt als Bürgermeister wieder aufzunehmen. Nach eigener Ansicht verspricht er sich davon „keinen Segen“. Außerdem will er sich eigenem Bekunden nach nicht den Besatzungsmächten fügen. Die sowjetische Kommandantur befiehlt ihm dann jedoch, die Geschäfte des Landrates für den Kreis Wernigerode ab September 1945 aufzunehmen. 1947 wurde Reichardt krank und arbeitsunfähig.

Hermann Paul Reichardt (Bild undatiert)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Hermann Paul Reichardt (Bild undatiert) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
  • Richard Bartels stirbt am 10. Mai 1979 in Darmstadt. In der Zeit der Weimarer Republik und nach 1945 ist er der führende Sozialdemokrat in der Stadt Wernigerode. In der Zeit von 1924 bis 1929 sowie 1929 bis 1930 und für kurze Zeit 1933 ist Bartels Stadtverordneter, von 1930 bis 1933 unbesoldeter Stadtrat. Am 20. Juli 1944 wird Richard Bartels verhaftet und kommt in die Außenstelle Magdeburg des KZ Sachsenhausen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird Bartels wieder SPD-Vorsitzender von Wernigerode, Stadtrat und Mitglied im Kreisvorstand der Sozialdemokraten. Zwar beugt sich Bartels zunächst den Verhältnissen, gerät jedoch als Kritiker der Zwangsvereinigung noch im SED-Gründungsjahr 1946 ins Schussfeld der früheren Kommunisten. 1948 erfolgt der Ausschluss aus der SED mit der Begründung, dass er ein „Schumacher-Agent“. Richard Bartels wird wie schon 1933 als Stadtrat abgesetzt und Ende 1948 für zwei Monate verhaftet. Die zweite Verhaftung erfolgt im Sommer 1950 für etwa vierzehn Tage, beide Male durch den sowjetischen Geheimdienst. Am 17.07.1950 wird er vor einer erneuten Verhaftung gewarnt. Daraufhin flieht er spontan nach Westberlin.

Richard Bartels (Bild aus dem Jahr 1946)
- Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
Richard Bartels (Bild aus dem Jahr 1946) - Ralf Mattern: Orte der Wernigeröder Arbeiter- und Demokratiebewegung: Ein historischer Rundgang durch die Stadt und die Ortsteile
  • Im Wernigeröder Kreiskulturhaus findet am 28. Oktober eine „Liedersession“  mit Künstlern aus der Harzstadt statt.
    Neben den Liedermachern Wolf-Dieter Skibba aus Blankenburg, "Hardam & Spormann", der „Stepphuhn AG“, dem Interpreten Friedmar Quast und der Folkband „Bergfolk“  haben die die Veranstaltung organisierenden Harald Kruft und Rainer Hochmuth auch die zu jenem Zeitpunkt verbotene Rockband „Flexibel“  (später „AufBruch“) eingeladen.
    Die „Volksstimme“  schrieb, dass damit das Auftrittsverbot der Band nun kein Thema mehr sein dürfte.

Otto Büchting (Bild aus den 1940er Jahren)
- Harzer Volksstimme
Otto Büchting (Bild aus den 1940er Jahren) - Harzer Volksstimme
  • Am 18.09.1989 wollen Studenten des „Katechetischen Seminars“, wie Cristina Schulz und ursprünglich auch der dann allerdings im August über Ungarn nach Westdeutschland geflohene Stefan Hilchenbach sowie Aktivisten des Wernigeröder „Friedenskreises“, wie Ludwig Hoffmann, in der „Kontaktlinse“, dem „Diensthaus“ des Jugendpfarrers Karl-Heinz Nickschick, einen Ableger der Berliner „Umweltbibliothek“ gründen. Das „Kulturprogramm“ soll der Wernigeröder Liedermacher Ralf Mattern, dessen Band „Flexibel“ mit einem Auftrittsverbot belegt ist, gestalten. Durch die damalige Dynamik der gesellschaftlichen Krise in der DDR steht jetzt jedoch die Gründung des Neuen Forum an. Etwa eineinhalb Dutzend Leute versammeln sich im Oberpfarrkirchhof 6.  Der Aufruf wird von 16 der Anwesenden unterzeichnet, wie sich Pfarrer Peter Lehmann erinnert.

Bild aus dem Jahr 1963
- Stadtarchiv Wernigerode
Bild aus dem Jahr 1963 - Stadtarchiv Wernigerode