Dr. von Gynz-Rekowski "Geschichte des Krankenhauses Wernigerode"

  • Das 1356 erwähnte "spetal in der stad to wernigerode" wird in einer Urkunde mit der Standortangabe "Hospitalis op sente Nycolaus kerchove" genannt. Es liegt also unmittelbar neben dem Kirchhof der Sankt-Nicolai-Kirche.
    Besitzer und "vormunde des hospitalis" ist der Rat der Stadt.

  • Der durch die Kreuzfahrer von ihren Zügen nach Palästina mitgebrachte Aussatz, die Lepra, ist eine der großen Leiden dieser Zeit.
    In Italien, Deutschland und anderen Ländern entstehen gesonderte Pflegeanstalten für Lepra-Kranke, in Italien "Lazaretti" (nach Lazarus) und in Deutschland werden S.-Georgii-Hospitäler gegründet.
    Wernigerode nennt die Sankt-Georgii-Hospitalisten "die armen unde utsetzigen lude to sunte Jürgen von Wernigerode".

    Die einzige Therapie ist die Abgrenzung der Aussätzigen von den Gesunden. Deshalb liegen die S.-Georgii-Hospitäler überall außerhalb der Stadt.

  • Das Hospital "Hof zum heiligen Geist", war beim Stadtbrand vom 5. und 6. August 1528 so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass ein Neubau notwendig wurde.

    Das vorübergehend als Notbehelf genutzte Gebäude erscheint es als "der armen leuthe haus bey sunt Niclas zu Wernigerode" unter dem Namen "Zum heiligen Geist".

  • Immer dringlicher steht die "Gräfliche Regierung", der "Rat der Stadt" und das städtische "Armen-Kollegium" vor dem Problem, den armen Kranken, die weder die häuslichen Verhältnisse noch das Geld zu längerer Behandlung haben, eine entsprechende stationäre Behandlung aus öffentlichen Mitteln zu ermöglichen.

    So schlägt der "Regierende Graf" Christian Friedrich dem Rat der Stadt vor, "die Wohnung auf dem Rimkethurme, die aus 2 Stuben besteht, von aller Gemeinschaft entfernt ist und rings um von freier Luft bestrichen wird, zur Aufnahme von mit ansteckenden Krankheiten behafteten hülflosen und verlassenen armen Kranken und dergleichen Gebährerinnen einrichten zu lassen und als Krankenwärterin die Witwe des verstorbenen Armenwächters Schwalenberg anzustellen".

Das Seniorenheim "St. Georg" in der Ilsenburger Straße 2015
© Wolfgang Grothe
Das Seniorenheim "St. Georg" in der Ilsenburger Straße 2015 © Wolfgang Grothe
  • Das Hospital am Nikolaiplatz 2 wird als Sitz des "Volkspolizei-Kreisamtes" bestimmt. Die ersten Bewohner werden in die vom Fabrikdirektor Hugo Hendeß erbaute Villa, Unterm Ratskopf 53, verlegt. Für die Siechen werden die ehemals den Rautal-Werken gehörenden Baracken im Veckenstedter Weg 43 ausgebaut, um hier ein "Kreis-Pflegeheim" zu schaffen.