Wernigerödisches Intelligenzblatt

  • Unter der Regierung Kaiser Lothars werden "verwilderte Nonnen von Königslutter nach Drübeck" geschickt. Das Kloster Drübeck steht im Reich "hoch in Ehren".

  • Asche Reifenstein, Sohn Wilhelm Curio Reifensteins, tritt das Erbe des späteren "Gothischen Hauses" an. Er er lebt jedoch auf den Minslebener Besitzungen die Großvater Wilhelm von Graf Wolfgang als Geschenk erhalten hat. Hier stirbt er 1616.

    Wernigerödisches Intelligenzblatt - Nummer 216 - Dezember 1988 S. 7
Breite Straße 4
- Stadtarchiv Wernigerode
Breite Straße 4 - Stadtarchiv Wernigerode
  • Am 1. Februar wird durch den Hof-Apotheker Johann Georg Möller in der Langen Straße 21, heute Nöschenröde Straße, die Hirschapotheke eröffnet. Möller lässt das Geschäft durch einen Gesellen führen. Er selbst bleibt in Wernigerode und treibt Handel mit Arzneien. 1820 wird die Hirsch-Apotheke dann in die Burgstraße verlegt.

  • Im September beginnt bereits der Winter, der sich bis Ende April 1740 hinziehen wird. Niemand in den Dörfern kann wegen der grimmigen Kälte Vorräte in den Kellern und Gewölben lagern. Die Winterfrucht ist erfroren und muss umgepflügt werden. Dem Vieh erfrieren Köpfe und Klauen. "Und weil zuletzt keine Fütterung mehr zu bekommen war, so ist es durch Frost und Hunger hingefallen und verrecket".

  • In einem Edikt verfügt der regierende Graf, dass das "Allmosengeben an Bettler vor den Thüren und in den Häusern" unter Strafe verboten ist.

Ansicht des Schlosses von 1750
© Wolfgang Grothe
Ansicht des Schlosses von 1750 © Wolfgang Grothe
  • Aus der Grafschaft werden 1799 Waren im Wert von 210 241 Reichstalern ausgeführt, gleichzeitig Waren für 76 810 Reichstalern eingeführt. Das ist ein Plus für die Grafschaft von 134 133 Reichstalern.

  • Bis Ende des Jahres werden in der Stadt 96 "Haus- und Strassenbettler" aufgegriffen und ins "Waisen-und Arbeitshaus" eingeliefert. Darunter befindet sich als 95ster "Adam Hage, ein Tagelöhner aus Wernigerode, 66 Jahr alt, ...welcher auf den Mühlen gebettelt hatte. Er wurde 3 Tage im Arbeitshause zur Arbeit angehalten und dann, um seiner Frau und Kinder willen, für diesmal entlassen."

  • Die Einwohner werden von Ärzten zunächst vor fiebrigen Erkrankungen ("hitzige Flußkrankheiten") und später vor der Ruhr gewarnt. Besonders auf Hygiene und frische Luft sollte geachtet und ein Arzt konsultiert werden.

  • Die Grafschaft Wernigerode besitzt im Vergleich zu benachbarten Ländern und Städten ein beachtliches ökonomisches Potential. Das wird durch den Vergleich von Export und Import deutlich. 1798 werden Waren im Wert von 264 507 Reichstalern ausgeführt und Waren für 106 862 Reichstaler eingeführt.

  • Das 1743 auf der Heinrichshöhe für den Aufenthalt der Torfstecher errichtete Gebäude, welches auch als Wirtshaus mit genutzt wurde, brennt ab und wird nicht wieder aufgebaut, weil auf dem Brocken selbst ab diesem Jahr ein Gasthaus gebaut wird.

Brockenhaus - vermutlich 1862
- gemeinfrei
Brockenhaus - vermutlich 1862 - gemeinfrei
  • Branntwein ist für Wernigerode eines der wichtigsten Exportgüter. Deshalb wird verfügt, dass für Branntwein, das ins "Ausland gebracht wird", die Steuern erneut festgelegt sind. Linsen und Erbsen dürfen überhaupt nicht exportiert werden.

  • In "Wernigerode, Vorstadt und Hofgemeinde" leben 5221 Menschen. Die Statistik nennt 823 Ehen und 893 Häuser (davon "485 Kothhäuser und 147 Brauhäuser").

  • Das Stadt Voigtei-Gericht gibt am 10. März folgende "Warnungsanzeige" auf: "Ein hiesiger Tagelöhner und dessen Ehefrau sind wegen Widersetzung gegen die obrigkeitlich verfügte Arretierung ihres Sohnes, durch ein rechtskräftiges Erkenntnis, ersterer zu zweimonatlicher Zuchthaus-, und letztere zu achttägiger Gefängnisstrafe verurtheilt, wie auch Ersterer bereits an das Magdeburger Zuchthaus abgeliefert ist."

  • Die stärksten Gewerbe sind in der Stadt die Bierbrauer mit 148 "Berechtigten", 53 Branntwein-Brenner, 18 Kaufleute und 16 Oelmüller. Die stärksten "Professionisten" sind die Schuster (111), Schneider (66), Leinweber (43), Bäcker (23), Tischler (18), Schmiede (15) und Böttcher (15).

  • In der Grafschaft werden im Jahr 1800 399 Kinder geboren (358 eheliche und 27 uneheliche, der Rest sind Totgeborene). In diesem Jahr werden auch 85 Ehen geschlossen (davon 69 in erster, 15 in zweiter Ehe und eine in dritter Ehe). Im Jahr 1800 sterben in der Grafschaft 428 Personen, davon 73 "an Durchfall und der Ruhr", 53 "am Jammer und Krämpfen", 50 "an der Auszehrung und Lungensucht". Von den 428 Verstorbenen sind 203 "noch nicht konfirmierte Kinder".

  • Graf Christian Friedrich erläßt ein Edikt gegen den "unsittlichen Gebrauch des so genannten Polterabends". Er verordnet, "daß das nächtliche Zusammenlaufen des Volkes, das Schreien und Lärmen vor den Hochzeitshäusern, vor und an dem Hochzeitstage, wie jeder andere unerlaubte Volkszusammenlauf, verboten seyen..." Es wird mit "Arretierung", Gefängnis und Strafarbeit gedroht.

  • Der Stadtphysikus Hardege ruft alle Eltern auf, ihre Kinder gegen die "jetzt herrschenden bösartigen Blattern" impfen zu lassen. "Bei Armen geschieht die Impfung unentgeltlich".

  • In der Grafschaft werden 1801 insgesamt 421 Kinder geboren (379 eheliche und 30 uneheliche). Gleichzeitig sterben 521 Einwohner (davon 79 an Pocken, 69 "an Nerven-, Faul- und Fleckfieber" und 53 "an der Auszehrung und Lungensucht")

  • In den "Wernigerödischen Intelligenzblättern" wird in mehreren Folgen in einer "gemeinnützigen Mittheilung" auf die Gefahren einer "Vergiftung mit Branntwein" hingewiesen.

  • Das Stadtvoigtei-Gericht verweist auf den Innungsbrief der Bäcker aus dem Jahre 1717, wonach niemand Honigkuchen verkaufen darf, der nicht zur Gilde gehört, "bei Verlust der Ware".

  • In der Grafschaft werden in diesem Jahr 418 Kinder geboren (davon 389 "eheliche", 18 "uneheliche" und 11 "todtgeborene"). 123 "kopulierte" Paare nennt die Statistik, 97 in erster, 31 in zweiter und 4 in dritter Ehe. Im Jahr sterben 301 Personen. Als häufigste Todesursache wird in 50 Fällen "Auszehrung und Lungensucht" genannt.   

  • Die pädagogischen Methoden Pestalozzis werden auch in Wernigerode von interessierten Bürgern diskutiert und geben Anlass, ihre Anwendung in den Schulen zu empfehlen.

  • Die Gräfl. Stolb. Wernigerödische Regierung stellt die Herstellung und Verbreitung von antisemitischen Druckschriften als "schädlich und sittenwidrig" unter Strafe.

  • Der Physikus Herdege fordert die Bürger auf, die Möglichkeiten der Impfung gegen "Menschenpocken" zu nutzen. In Derenburg und Benzingerode breiten sich die Pocken besorgniserregend aus.

  • Hasserode wird wieder der Grafschaft Wernigerode einverleibt. Der Graf von Wernigerode erhält die Kirche und die Schulhoheit von Hasserode.

"Am Auerhahn" 2017
© Wolfgang Grothe
"Am Auerhahn" 2017 © Wolfgang Grothe
  • 26. November: Samuel Gottfried Erxleben gibt bekannt, "daß er unter heutigem Dato die Schenk- und Gastwirtschaft 'Zum Gothischen Hause' am Markte eröffnet hat". Die Geschichte des Hauses als Hotel und Gastwirtschaft beginnt.

    Zuvor erwarb Erxleben das Gebäude von Familie Stisser, nachdem er sein Haus in der Breiten Straße 11 ein Jahr zuvor bei dem Stadtbrand verlor.

    Wernigerödisches Intelligenzblatt - Nummer 216 - Dezember 1988 S. 7
Erneuerung des Hotels "Gothisches Haus" 1990
- Horst Duve
Erneuerung des Hotels "Gothisches Haus" 1990 - Horst Duve
  • Am 17. Februar wird durch Professor Huber in Wernigerode ein "Darlehns-Verein", die"Theobaldi-Darlehnscasse" gegründet, der "kleinen selbstständigen Gewerbetreibenden und Handarbeitern durch Darlehen in ihren Geschäften helfen soll".

    Noch im Jahr 1855 nutzen 122 Personen das Darlehen für das laufende Geschäft, zur Tilgung alter Schulden oder für die Wohnungsmiete.

  • Am 21. April wird der "Wernigeröder Vorschuß-Verein" gegründet und eröffnet seine Tätigkeit mit 38 Mitgliedern, deren Einzahlungen 138 Taler betragen.

    Die Mitglieder des Vereins zahlen ein "Eintrittsgeld" von 4 Talern und einen monatlichen Beitrag von 2 1/2 Silbergroschen und haben dafür die Möglichkeit, in "Fällen der Noth und Bedrängniß zum Betrieb" ihres "Geschäfts Capitale von 10-100 Thlr., natürlich gegen genügende Bürgschaft aufnehmen zu können".

  • Am 4. August übergibt Ernst Eckerlin seine Firma "Colonial- und Materialwaren-Geschäft" am Markt seinem Sohn Otto Eckerlin.

Liebfrauenkirche um 1888
- Fotothek Harzbücherei
Liebfrauenkirche um 1888 - Fotothek Harzbücherei
  • Im Haus Friedrichstraße 13, das zuvor Hütteninspektor Beyrich bewohnt hatte, richtet der Frauenarzt Dr. med. Otto Thielemann eine "Privat-Frauenklinik" ein.

Privat-Frauenklinik im Hasseröder Tal
- Gerhard Bombös
Privat-Frauenklinik im Hasseröder Tal - Gerhard Bombös
  • Im Winter 1913/14 werden auf dem Brocken Rentiere aus Norwegen eingeführt. Mit ihrer Hilfe sollen die Transportschwierigkeiten über die Wintermonate überwunden werden. Da jedoch während des Ersten Weltkrieges die Nahrungsbeschaffung für diese Tiere nicht möglich ist, wird die Rentierhaltung auf dem Brocken wieder aufgegeben.

  • Am 5. Januar stellt das "Wernigeröder Intelligenzblatt" ein "Kriegskochbuch" vor, dass den Menschen eine dem Krieg angemessene Lebensmittelnutzung nahebringt.
    "Jeder Deutsche sollte lieber täglich dreimal Kartoffeln essen, statt durch den großen Brotkonsum die Friedensausichten zu beeinträchtigen."

Altlutheranergemeinde
© Wolfgang Grothe
Altlutheranergemeinde © Wolfgang Grothe
  • Ein Markt, ursprünglich "Gemüsemarkt", wird erstmalig eröffnet. Er befindet sich auf dem ehemaligen Bauhofgelände an der Bahnhofstraße (heute Sparkasse). Verwendet werden dabei gleich die Stände und Buden die noch von der 750 Jahrfeier vorhanden sind.

Gemüsemarkt in der Ringstraße
- Dieter Oemler
Gemüsemarkt in der Ringstraße - Dieter Oemler