Wernigeröder Tageblatt - Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes

  • Am 10. Oktober stirbt Malermeister Albert Bartels, Mitbegründer und erster Vorsitzender des SPD-Ortsvereins in Wernigerode.

    "Mit ihm ist eine führende Persönlichkeit aus dem öffentlichen Leben unserer Stadt geschieden. Er verdankte diese Stellung seinem rastlosen Fleisse, seiner glühenden Liebe zu der Sache, die er vertrat, und der massvollen Art in der er sie vertrat.

    Auch seine Gegner haben ihm deshalb die persönliche Achtung nie versagen können.

    In der Stadtverordneten-Versammlung, der er seit dem 1. Januar 1898 ununterbrochen angehört hat, war er der Eifrigsten einer. Pflichttreu und streng gegen sich selbst wie gegen andere waltete er seines Amtes. Seine reichen Erfahrungen und sein selbstloses Arbeiten werden die Lücke, die der Tod hier gerissen hat, noch oft schmerzlich empfinden lassen und das Andenken an den wackeren Mann wach halten". (Nachruf des Magistrats vom 11.10.1916)

Gedenkstein für Albert Bartels auf dem Zentralfriedhof - "Ein Sohn des Volkes wollte er sein und bleiben"

 
© Wolfgang Grothe
Gedenkstein für Albert Bartels auf dem Zentralfriedhof - "Ein Sohn des Volkes wollte er sein und bleiben"   © Wolfgang Grothe
Suppenmarken 1916
- Stadtarchiv Wernigerode
Suppenmarken 1916 - Stadtarchiv Wernigerode
Kriegsverwundete als Gäste auf dem Schloss
- Fotothek Harzbücherei Wernigerode
Kriegsverwundete als Gäste auf dem Schloss - Fotothek Harzbücherei Wernigerode
Kohlrübenwinter
- Stadtarchiv Wernigerode
Kohlrübenwinter - Stadtarchiv Wernigerode
© Wolfgang Grothe
© Wolfgang Grothe
  • Am 31. März findet in der Aula der Knaben-Mittelschule eine Versammlung "der Bezirksdamen und Gemeindehelferinnen" statt. Stadtrat Schneider bezeichnet als den Zweck aller Maßnahmen die ausreichende Unterstützung der Kriegerfamilien. Es sei "eine soziale Pflicht für uns alle..., alle Bedürftigen nach Möglichkeit zu unterstützen, damit die Frauen nicht in die Lage kommen, ihren Männern im Felde Klagen über Not zu schreiben". Dies würde sich wieder hemmend auf ihre Tatkraft auswirken.

Todesanzeige für August Stallmann
© Wolfgang Grothe
Todesanzeige für August Stallmann © Wolfgang Grothe
Christian Ernst II. Fürst zu Stolberg-Wernigerode
- Fotothek Harzbücherei
Christian Ernst II. Fürst zu Stolberg-Wernigerode - Fotothek Harzbücherei
Patriotische Konzerte zur Aufrechterhaltung der Kriegsmoral
© Wolfgang Grothe
Patriotische Konzerte zur Aufrechterhaltung der Kriegsmoral © Wolfgang Grothe
  • Am 31. Oktober wird hinter dem ehemaligen Kloster Himmelpforte der "von Se. Durchlaucht dem Fürsten gestiftete Luther-Gedenkstein eingeweiht" und persönlich enthüllt.

    Der Fürst führt in seiner Rede in etwa aus: Er habe hier oben auf der hohen Warte, auf althistorischem Boden, wo vor 400 Jahren D. Martin Luther eingekehrt sei, um sich mit seinem Mitarbeiter Staupitz zu beraten, im Jubeljahre der Reformation einen Gedenkstein zu errichten entschlossen. Damals, unter der Regierung seines Vorfahren, des Grafen Botho des Glückseligen, der der Reformation größtes Verständnis entgegengebracht habe, sei die Grafschaft Wernigerode Fels und Hort der evangelischen Kirche geworden und da sei es unsererseits Pflicht, das Gedenken an die Reformation zu begehen.

    "Und wenn die Welt voll Teufel wär!" habe Luther gesungen und sich seiner Feinde gewehrt. Auch heute habe sich eine Welt von Feinden gegen uns verbunden, um uns zu vernichten. Es werde ihnen nicht gelingen.

Inschrift auf dem Gedenkstein von Martin Luther
© Wolfgang Grothe
Inschrift auf dem Gedenkstein von Martin Luther © Wolfgang Grothe
N. d. Nat. gez. u. lith. v. C. Buschbeck
- Fotothek Harzbücherei
N. d. Nat. gez. u. lith. v. C. Buschbeck - Fotothek Harzbücherei
  • Am 8. April ruft das "Wernigeröder Tageblatt" die Wernigeröder auf, die "VI. Kriegsanleihe" zu zeichnen.

    "Hilf, zum vollen Sieg, zum ehrenvollen Friede, zur baldigen Heimkehr unserer Truppen beizutragen.
    Alle, Deine Angehörigen, Deine Verwandten, Deine Nachbarn müssen helfen!
    Zeichne Kriegsanleihe, dann warst auch Du dabei, als die Entscheidung erzwungen wurde. Wie bei den Wahlen auf jede Stimme, so kommt es bei dieser Kriegsanleihe auf jede Mark an."

  • Ab 20. Juli erhält jeder Einwohner 350 g Fleisch und 50 g Wurst pro Woche. Erstmalig werden Frühkartoffen verkauft, jeder einmalig 500 g.
    Die Wochenzuteilungen werden wöchentlich neu festgelegt und auf Lebensmittelkarten verkauft. Immer wieder kommt es zu Klagen von Einwohnern, dass auf dem Wochenmarkt "Fremde" einkaufen, die dann die gekauften Waren per Post in ihre Heimatorte senden.
    Den Wernigerödern stehen dann die auf den Karten stehenden Mengen nicht mehr in der festgelegten Höhe zur Verfügung.

  • Am 25. Juli findet, organisiert von der SPD, im Saale des "Hotel Monopol" eine stark besuchte öffentliche "Volksversammlung" statt.

    Eröffnet wurde die Versammlung durch den Stadtverordneten der SPD Niewerth mit dem Hinweis, "dass seit der letzten Versammlung zahlreiche Genossen im Kampf fürs Vaterland gefallen sind, deren Andenken durch Erheben von den Plätzen geehrt wurde".

    Hauptredner war der Reichstagsabgeordnete Alwin Brandes (SPD), der den Zuhörern die politische und militärische Situation erörterte. Er unterstrich die Notwendigkeit, alles zu tun, um den Krieg so schnell wie möglich zu beenden.

    Der Stadtverordnete Maybach begrüßte unter Beifall die Rede: "Heer und Volk haben in Bezug auf die Ernährung Hervorragendes geleistet. Wir haben die Engländer als unseren schwersten Feind bezeichnet, haben aber einen viel schwereren Feind im Lande, die Lebensmittelwucherer".

Alwin Brandes
- Wikipedia
Alwin Brandes - Wikipedia
  • Die Goldankaufstelle des Kreises hat im Monat Januar an fünf Aufkaufstagen 2.672,85 Mark Goldsachen angekauft. Der Gesamtankauf seit Eröffnung bis Ende Januar beläuft sich nun auf 50.475,25 Mark.

    "Jeder Mann und jede Frau, die sich bisher von ihrem Goldschmuck nicht trennen konnte, sollte bedenken, dass es eine Ehrenpflicht ist, alles Gold jetzt in den Dienst für das Vaterland zu stellen."

    "Gold gab ich zur Wehr - Eisen nahm ich zur Ehr!"

Hotel "Zur Sonne"
- Stadtarchiv Wernigerode
Hotel "Zur Sonne" - Stadtarchiv Wernigerode
alte Ansichtskarte des "Gerlitzhauses"
- Stadtarchiv Wernigerode PK III 0154
alte Ansichtskarte des "Gerlitzhauses" - Stadtarchiv Wernigerode PK III 0154
  • Die Versorgung mit Lebensmitteln wird immer prekärer. Am 8. August strömen in die "Butterzentrale in der Breiten Straße" hunderte aufgebrachte Einwohner, " von denen jeder zuerst Butter haben" wollte. Ein herbeigerufener Polizeibeamter sorgte dafür, dass ein geordneter Verkauf möglich war.

    Dieses Vorkommnis veranlasst Bürgermeister Reichardt eine Besprechung im "Weißen Hirsch" zur Sicherstellung der Lebensmittelversorgung einzuberufen.

  • Die Löhne in den Betrieben der Stadt werden regelmäßig der galoppierenden Geldentwertung im Deutschen Reich angepasst und täglich an die Lohnempfänger ausgezahlt. Diese sind bemüht, das Geld für den Konsum am gleichen Tag in den Geschäften auszugeben.

    Zum Beispiel erhöht sich der wöchentliche Bezugspreis der Tageszeitung "Wernigeröder Tageblatt" von 30 Millionen Reichsmark in der zweiten Oktoberwoche auf 105 Millionen Reichmark in der dritten Oktoberwoche.

  • Am 8. und 9. September herrschen in Wernigerode bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, über die in der Presse deutschlandweit berichtet wird. Trotz polizeilichen Verbotes eines Aufmarsches zum sogenannten "Deutschen Tag" der eigentlich verbotenen ultrarechten "Mitteldeutschen Arbeiterpartei" sind mit der Bahn Hunderte angereist. Gleichzeitig versammeln sich in der Nacht vom 8. zum 9. September am "Monopol" 1500 Arbeiter, die sich in einer aufgeheizten Stimmung den Stahlhelmern und Nationalisten entgegenstellen. "Nur der ausgezeichneten Disziplin des Republikanischen Sicherheitsdienstes und der überlegenen Ruhe des Gewerkschaftsvorsitzenden Jonas ist es zu verdanken, dass die Leute vom Stahlhelm nicht glatt vernichtet worden sind und ein größeres Blutbad nachfolgte".

    Wernigeröder Tageblatt - Wernigeröder Tageblatt - Volksblatt für die werktätige Bevölkerung des Harzes - Amtlicher Bericht über die Vorgänge in Wernigerode am 8. und 9. September
  • Die Not der Bevölkerung, insbesondere der Arbeitslosen, nimmt dramatische Formen an. Ab 1. November verständigen sich Geschäftsleute in Nöschenrode und stellen unentgeltlich Lebensmittel zur Verfügung. Als erste spenden die Bäckermeister Kupfer, Blumeier, Wiecker, Liesmann und Querfurt je 10 Brote. Dieser Aktion schließen sich sehr viele Geschäftsinhaber in Wernigerode und Hasserode an und spenden Kartoffeln, Kakao, Nudeln, Mehl u.a.